Akira

Akira

Originaltitel: AKIRA
Genre: Anime
Regie: Katsuhiro Otomo
Laufzeit: DVD (120 Min) • BD (124 Min)
Label: Universum Film
FSK 16

Akira   11.11.2014 von Zahnfee

Im Jahr 1982 schuf Katsuhiro Otomo die Manga-Reihe Akira, die 1988 als Anime adaptiert wurde und zu einem Meilenstein in der Geschichte der Anime werden sollte. Bis dato galten japanische Animationsfilme in der westlichen Welt als Kinderkram. Doch Otomo schaffte es mit Akira, die weltweite Akzeptanz gegenüber japanischen Manga und Anime zu fördern. Dieser Klassiker wurde nun in einem Steelbook auf Blu-ray neu aufgelegt, und wie könnten wir anders, als uns dieses Werk für Euch anzusehen …

 

Wir schreiben das Jahr 2019. Tetsuo Shima und Shotaro Kaneda sind schon von klein auf beste Freunde. Die beiden Teenager leben in Neo-Tokio - der Wiedergeburt Tokios, das am 16. Juli 1988 von einer riesigen Explosion dem Erdboden gleich gemacht wurde. Während Kaneda ein Draufgänger und der furchtlose Anführer seiner Motorrad-Gang ist, wird der arme Tetsuo von Selbstzweifeln und Minderwertigkeitskomplexen geplagt. Er ist nicht so stark oder cool wie Kaneda, hat nicht so ein tolles Motorrad wie sein bester Freund, sieht nicht so gut aus und ist auch bei den Mädchen nicht so beliebt.

 

Als die Jungs eines Nachts eine verfeindete Gang aufmischen, wird Tetsuo schwer verletzt, als er mit dem Motorrad einem kleinen Jungen auf der Straße ausweicht. Während seine Freunde von der Polizei verhaftet werden, bringen Regierungsleute den bewusstlosen Tetsuo in eine geheime Klinik. Dort stellt Doktor Onishi fest, dass Tetsuo über unglaubliche psychische Kräfte verfügt. Genau wie damals Akira, dessen Macht 1988 die Stadt zerstörte. Nicht ahnend, welche wahren Kapazitäten der junge Tetsuo hat, öffnet der Doktor erneut die Büchse der Pandora und entfesselt eine Kraft, die noch zerstörerischer ist, als Akira es je war ...

 

Die Handlung von Akira mag vereinzelt vielleicht ein wenig flach und übermäßig philosophisch sein, doch die mitschwingende Sozialkritik lässt sich bei diesem Werk nicht verleugnen. Neo-Tokio ist das, was man einen Moloch nennen könnte. Die Teenager sind aufsässig und ausser Kontrolle. Es gibt nur reiche Bonzen, Menschen die in der Gosse leben und religiöse Spinner, die Akira fast wie einen Gott verehren und auf seine Rückkehr warten. Da gibt es Willkür, Perspektivlosigkeit, Armut, Verzweiflung - ein Abbild der Realität.

 

Wusstet Ihr schon ...

... dass Ausschnitte von Akira in Michael Jackson's Video zu "Scream" gezeigt werden?

Wer Blade Runner kennt, wird sich unweigerlich an dieses Epos erinnert fühlen. Doch Akira ist nicht etwa eine animierte Kopie, sondern ein ganz eigenständiges Werk mit einer in den Grundzügen ähnlichen Thematik. Durch die düstere, blutige Handlung und dem vergleichsweise groben, eher ein wenig westlich orientierten Zeichenstil, hebt sich Akira klar ab von der Masse der anderen japanischen Anime. Eltern sollten in diesem Fall unbedingt auf die Einhaltung der FSK 16 Wertung achten, da Akira alles andere als leichte Kost und für Jugendliche unter 16 einfach nicht zu empfehlen ist.

 

Rein handwerklich betrachtet lässt sich dieser Film mit einem einzigen Wort beschreiben: grandios! Dieser Film wurde in einer Zeit gemacht, als Anime noch auf ganz klassische Art mit Cels produziert wurden. Es ist fast schon unglaublich, wenn man sich vorstellt, wie viel Arbeit und Aufwand hinter dieser Produktion steckt. Vor allem wenn man einmal betrachtet, mit wie viel Liebe zum Detail die einzelnen Szenen hier gezeichnet wurden. Die Kontraste sind sehr gut ausbalanciert und die Koloration realitätsnah. Auch wenn die Gesichtszüge nicht immer realistisch und die Lippenbewegung hier und da versetzt zur Synchronisation ist, wurde Akira handwerklich überaus gut umgesetzt. In den dunkleren Szenen ist vor allem bei Nahaufnahmen leichtes Bildrauschen zu erkennen, insgesamt jedoch sieht dieses Werk für sein Alter noch erstaunlich jung aus.

 

Bildergalerie von Akira (9 Bilder)

Die Neuauflage bietet neben der ursprünglichen Synchronisation von 1991 in DTS-HD 2.0 und der japanischen Fassung in Dolby TrueHD noch eine deutsche Neusynchronisation aus dem Jahr 2005 in DTS-HD 5.1. Beide deutsche Fassungen bieten ihre Vor- und Nachteile. Die Fassung von 1991 ist einfach “original” und perfekt für Nostalgiker, die nicht unbedingt die japanische Fassung sehen möchten. Allerdings ist diese Fassung in Sachen Raumklang und Basseinsatz etwas schwach auf der Brust, ein Punkt der in der Neuvertonung besser realisiert ist. Doch es gibt kein Licht ohne Schatten, denn in der Fassung von 2005 sind die Stimmen von Tetsuo und Kaneda einfach furchtbar besetzt, während die Stimmen der Esper hier besser ausfallen. Als Zuschauer macht man sich am besten selbst ein Bild, oder weicht im Zweifelsfall auf die Originalversion mit deutschen Untertiteln aus. 

 

Das Steelbook kommt mit zahlreichen Extras, was die Investition in diese Neuauflage definitiv noch versüßt!


Das Fazit von: Zahnfee

Zahnfee

Akira war in Sachen Anime auch meine erste große Liebe. Otomo hat mir damals mit seinem Werk den Weg geebnet, und mich in die Wunderwelt der japanischen Animation entführt. Ob Magical Girl, Cyberpunk oder Tentakel - die Bandbreite ist schier endlos, und alle Geschmäcker werden bedient. Es ist daher schwer zu beschreiben, wie sehr ich mich darüber gefreut habe, dass Akira neu aufgelegt wurde. Und ich kann im Brustton der Überzeugung behaupten, dass dieses Steelbook eine mehr als lohnenswerte Anschaffung für eingefleischte Anime-Fans ist. Akira hat auch nach über einem viertel Jahrhundert nichts von seinem Charme oder Charakter eingebüßt, und ist nach wie vor eine Urgewalt im Anime-Universum. Ich würde mehr als zwei Daumen hoch geben, wenn ich könnte, begnüge mich aber stattdessen mit satten zehn Punkten und einem Couch Award.


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