Anno: Erschaffe eine neue Welt

Anno: Erschaffe eine neue Welt

Publisher: Ubisoft
Genre: Strategie
Sub-Genre: Aufbausimulation
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 20.05.2009
USK 0

Anno: Erschaffe eine neue Welt   04.07.2009 von Manu

Es gibt wirklich wenige Spieleserien aus Deutschland. Eine der bekanntesten und erfolgreichsten ist sicherlich die „Anno“ Reihe auf dem PC. Seit einiger Zeit arbeiteten Keen Games, Blue Byte und Ubisoft an einer Umsetzung für die Wii und für den DS. Ob das Ergebnis überzeugen kann und Neulinge wie alte Fans gleichermaßen anspricht, erfahrt ihr hier.

Was könnte es spannenderes geben, als mit einem Schiff in unbekannte Gewässer vorzudringen um fruchtbares Land zu entdecken? Genau das ist eure Aufgabe. Ihr seid ein Königssohn, der von seinem Vater mit der Mission entsandt wird, die hungernde Bevölkerung des Königreichs zu retten. So stecht ihr mit einem kleinen Schiff in See und macht euch auf die Suche. Allzu lange suchen müsst ihr nicht, natürlich finden wir idealerweise sofort eine Insel, die wir besiedeln können. Um überhaupt Getreide zu bestellen, benötigen wir Genre-typisch natürlich erst mal einige Grundrohstoffe. Der Holzfäller rodet Wald, um uns Holz zu liefern, welches er dann brav via eine für ihn angelegte Straße in das Kontor bringt. Mit diesem Holz bauen wir kleine Wohnhäuser für unsere ersten Bewohner, eine Angelhütte für Nahrung. Zum Glück ermöglicht uns eine Klon-Funktion das schnelle Anlegen von Häuserreihen, so dass wir ohne große Probleme Wohnbezirke anlegen und Straßen verlegen können. Habt ihr ein Gebäude in der Hand, zeigt euch ein Schatten die zu bebauende Fläche und das gut sortierte Ringmenü gibt euch relativ zügig Zugriff zu allen Gebäuden und Spezialbauten. Diese erreicht ihr durch Aufsteigen im Zivilisationslevel, dann könnt ihr aus einem Techtree welche auswählen.

Nach einiger Zeit verlangen eure Bewohner nach mehr. Der Wunsch nach einer Kapelle und nach frischer Milch wird laut, später auch nach Kleidern, Kräutern oder einer öffentlichen Badeanstalt. So geht das Spielchen weiter. Je besser Ihr die Bedürfnisse eurer Bewohner befriedigt desto glücklicher werden diese und steigen im Rang auf. Ein höherer Rang bedeutet aber wiederum, dass neue Bedürfnisse entstehen. Der Grund, warum ihr das machen wollt ist ganz einfach: Glückliche Bürger zahlen mehr Steuern! Je Klasse könnt ihr manuell den Steuersatz bestimmen. Könnt ihr gewisse Bedürfnisse nicht mehr befriedigen, können diese Bürger auch wieder deklassiert werden und dann habt ihr ziemlich schnell finanzielle Probleme. Also sollte eure erste Priorität stets die Versorgung eurer Bewohner sein.

Aber nicht jede Insel kann alle Bedürfnisse abdecken, erstens werdet ihr nicht genug Platz haben, zweitens ist nicht jeder Boden für alles geeignet. Auf jeder Insel seht ihr anhand eines ringförmigen Icons die Fruchtbarkeit für bestimmte Dinge. Dazu baut ihr euch in einer Werft einfach ein neues Schiff, welches sich automatisch beim Anlegen an einer neuen Insel in ein Warenlager entfaltet. Großer Unterschied zur PC Version: Euch stehen vollautomatisch über alle Inseln hinweg alle Waren zur sofortigen Verfügung, ihr braucht also keine Handelsrouten zu etablieren und müsst nicht mal Schiffe haben, um die Waren zu nutzen. Das macht das gesamte Spiel natürlich um einiges einfacher. Auch die Herstellungswege sind etwas vereinfacht worden, so gilt alles Essbare als Nahrung, egal in welcher Form, im Gegensatz zur großen Vorlage. Aber nicht nur spielerisch, auch grafisch wurde das gesamte Anno für die neue Zielgruppe der Wii-Spieler grunderneuert. Die Gebäude kommen in einen sehr starken Comic-Look daher. Sicherlich Geschmacksache, aber die Grafik der PC Version wäre auf der Wii technisch nicht machbar gewesen.

In der Kampagne wird euch die Geschichte um euch und euren Bruder in Comic-Standbildern, aber mit kompletter Sprachausgabe erzählt. Die Grafiken sind nett, aber eben etwas statisch, die gute Sprachausgabe begleitet euch dafür aber auch ins Spiel hinein, wo ihr wirklich bis spät in die Kampagne hinein immer noch so von euren Beratern und Helfern zugetextet werdet, dass ihr nie das Gefühl loswerdet, noch das Tutorial zu spielen. Um die Casual-Gamer auch nicht von Anfang an zu überfordern, steht euch auf der Landkarte auch erst mal nicht das gesamte Land frei. Ihr spielt euch also von Mission zu Mission und könnt als Belohnung neue Kartenabschnitte freispielen. Die Kampagne trägt euch in der Story dann auch zu neuen Karten.

Neu hinzugekommen sind auch Schatzsuchen. Erwerbt ihr im Menu eine Schatzkarte, wird euch auf dem Übersichtsplan gezeigt, wo ihr die Chance habt, einen Schatz zu bergen. Fahrt ihr mit eurem Schiff einfach an diese Stelle und klickt auf den Schatz, dann verfolgen euch die Piraten, die das Meer um streifen und ihr beginnt ein kleines Wettrennen zum nächsten sicheren Hafen. Erreicht ihr das Ziel vor den Piraten, dann gehört der Inhalt der Schatzkiste euch. Meistens findet ihr Waren oder Gold. Ein netter, kleiner Zeitvertreib für zwischendurch, wenn ihr gerade auf das Erreichen des nächsten Levelziels wartet.

Auch neu und eher konsolentypisch, sind In-Game Erfolge, diese sind auch teils in die Kampagne eingebettet und mehr oder weniger erforderlich. So könnt ihr als Belohnung neue Kartenabschnitte freischalten oder erhaltet Inseln, auf denen sich schon Bauten befinden.

Nach einigen friedlichen Stunden mit Anno kommt ihr dann während der Kampagne irgendwann an den Punkt, kriegerische Auseinandersetzungen zu führen. In Kasernen bildet ihr dafür Krieger aus, schickt diese mit einem Kampfschiff zu einer feindlichen Insel und legt an dieser an, dann könnt ihr befehlen Gebäude des Gegners einzunehmen. Ihr habt nur eine Art von Kämpfern, Kampfschiff und Kaserne – ein ausgewiesenes RTS Game dürft ihr also nicht erwarten, direkte Möglichkeit zum Eingreifen habt ihr auch nicht. Wer schon mal das alte „Siedler 2“ gespielt hat, erinnert sich an diese Art von Kampf.

Habt ihr die Kampagne nach ca. 10-12 Stunden durchgespielt, könnt ihr Anno-typisch natürlich das Endlosspiel starten, bei dem ihr vorher ein paar Rahmenbedingungen je nach eurem Geschmack festlegen könnt. Einen Multiplayer-Modus, den man als solchen bezeichnen kann, gibt es nicht, daher gibt es hierfür keine Wertung. Ihr könnt mit einer zweiten Wiimote euren „Mitspieler“ wie bei Mario Galaxy etwas helfen lassen. Schade, dass es hier nicht einen Online-Modus für gemeinsames Siedeln gibt.

Die Unterschiede zur DS Version:

Auf drei Systemen versuchen sich dieses Jahr die Anno-Macher zu verewigen. Den Auftakt im Jahr 2009 macht das Spiel „Anno – Erschaffe eine neue Welt“. Mein Redakteur-Kollege Manuel (alias Duckster) hat euch schon wunderschön beschrieben, wie die Wii-Variante funktioniert. Da die Story sich nicht von der Wii-Variante unterscheidet, langweile ich euch nicht nochmal damit.

Der zweite DS-Ableger der Anno-Serie baut direkt auf dem vielfach preisgekrönten Vorgänger „Anno 1701“ auf. Wie auch damals wird im Story-Modus eine nette Geschichte erzählt, in der man diverse Aufgaben erfüllen muss. So fangt ihr zum Beispiel mit einfachen Aufgaben an, wie zum Beispiel eine Siedlung mit 50 Einwohnern zu schaffen, mit der man langsam aber sicher eine immer besser entwickelte und organisierte Zivilisation erschafft. Und es gibt im Story-Modus sogar eine kleine Überraschung: Die Dialoge werden auch per Sprachausgabe erzählt, sowas findet man nur selten bei DS-Titeln. Gut, dank den schlechten Lautsprechern des DS lite tönt es etwas scheppernd, aber trotzdem: Es ist ein nettes Goodie, was man nur selten in Spielen findet.

Die Steuerung ist gegenüber dem Vorgänger nicht wesentlich verändert worden und prima gelungen. Ihr haltet den DS im Querformat und findet auf dem unteren Bildschirm die Hauptaction: Hier steuert ihr per Stylus das Menü, in dem ihr Waren ein- und verkauft oder via Tech-Tree allerlei Infrastruktur wie Straßen, Kapellen, Gasthäuser oder Produktionsanlagen wie Steinverarbeitungen samt zugehörigem Bergwerk erstellt.

Im oberen Bildschirm des DS werden immer zusätzliche Informationen zum unteren Bildschirm gezeigt. Hier wird euch angezeigt, wie viele Rohstoffe ihr noch habt oder ihr findet hilfreiche Tipps zum Spielverlauf. Unübersichtlich wird es durch die zwei Bildschirme nur in Ausnahmesituationen. Wenn man zum Beispiel gerade dabei ist, auf dem unteren Bildschirm einem Piratenschiff zu entkommen, dann den Text oben liest und dann vergisst, schnell wieder runter zuschauen... Tja, da hat das Schiff dann leider unfreiwillig den Besitzer gewechselt.

Was bei der DS-Version fehlt, ist der kooperative Modus, bei dem ein zweiter Spieler mit ins Geschehen eingreift. Da sich dies dessen Handlungsoptionen allerdings auf recht einfache Dinge wie Feuerlöschen oder ähnliche kleine Hilfsdienste beschränken, ist das nicht sonderlich erfüllend. Anders als bei der Wii-Version sind die In-Game-Texte nicht vertont, da merkt man, dass ein DS-Speichermodul einfach keine DVD-Kapazität hat.

Insgesamt sind natürlich beide Versionen weniger komplex als auf dem PC. Die Grafik sieht bei der Wii-Fassung natürlich besser aus, aber der Spielspaß ist egal ob Wii oder DS der gleiche. Die hardwarebedingten Einsparungen beim Gameplay, wie beispielsweise das Weglassen von fast allen Schiffsaktivitäten, machen aus der DS- und Wii-Version natürlich schon irgendwo ein „Anno light“. Aber selbst wenn das Spiel im normalen Schwierigkeitsgrad gut für Anfänger und Gelegenheits-Siedler ist, kommt man in höheren Stufen arg ins Schwitzen.


Das Fazit von: Manu

Manu

Als Kenner und Verehrer der PC Version war ich natürlich erst mal extrem skeptisch. Aber „Anno: Erschaffe eine neue Welt“ spielt sich dank Wiimote erstaunlich flüssig und steht einer Maus-Steuerung in nichts nach. Spielerisch muss sich die Wii-Fassung natürlich gegenüber der PC Version mit vielen Vereinfachungen messen lassen, aber man darf nicht vergessen, das dies ganz klar ein Anno für eine andere Zielgruppe ist. Die Version für die Wii ist für Anno- und Genre-Anfänger gemacht. Erfahrene Spieler werden hier zu wenig finden, um lange glücklich zu werden. Als Überbrückung bis zum Erscheinen von „Anno 1404“ für den PC ist es aber mehr als geeignet. Die schöne Atmosphäre, das einfache Spielprinzip und die tolle Steuerung haben auf mich eine sehr feierabendtaugliche, entspannende Wirkung gehabt, so dass ich die Kampagne sehr gerne durchgespielt habe. Für den Endlosmodus bringt mir das Spiel dann allerdings auf lange Sicht zu wenig mit und ist deutlich zu einfach, als dass ich es nach der Kampagne erneut in die Konsole packen würde. Also Kauftipp für Neulinge, die ein gutes Aufbauspiel suchen. Alle Anno-Veteranen, die auch mal eine Runde vom Sofa siedeln wollen, sollten mal einen Blick drauf werfen.


Die letzten Artikel des Redakteurs:


Das Fazit von: derstefan

derstefan

 In meiner Bewertung schließe ich mich Manuel an: Das Spiel ist ein prima Überbrücker bis zur PC-Version und unterhält einen nach Feierabend prima für 1-2 Stunden. Für die Kampagne braucht man circa 12 Stunden, da ist man also schon ein paar Abende beschäftigt. Der Endlos-Modus ist leider nicht der ganz große Wurf, hier fehlt einfach die Komplexität als Motivationsfaktor. Aber es ist und bleibt eine prima Serie für kleine Möchtegern-Häuslerbauer und definitiv einen Kauf wert!


Die letzten Artikel des Redakteurs:


positiv negativ
  • Tolle Umsetzung für die Wiimote
  • Ideal für Einsteiger und Genre-Anfänger
  • Anno-Stimmung kommt voll rüber
  • Sinnvolle Vereinfachungen
  • Interessante und spaßige Neuerungen
  • Schöne Kampagne
  • Tolle Sprachausgabe durch die komplette Kampagne
  • Man tendiert dazu, beim Spielen die Zeit zu vergessen
  • Zu einfach (für Kenner)
  • Für Endlosspiel zu wenig Komplex
  • Kein wirklicher Multiplayer
  • Kampfsystem fühlt sich veraltet und zu abgespeckt an
  • Man tendiert dazu, beim Spielen die Zeit zu vergessen





Kommentare[X]

[X] schließen