Attack Of The Nazi Herbals

Attack Of The Nazi Herbals

Originaltitel: Attack of the Herbals
Genre: Horror-Komödie
Regie: David Ryan Keith
Hauptdarsteller: Calum Booth
Laufzeit: DVD (82 Min) • BD (107 Min)
Label: Savoy Film
FSK 16

Attack Of The Nazi Herbals   09.07.2014 von Beef Supreme

Die Nazis haben damals schon so einigen Schabernack getrieben. Abgesehen davon, dass sich mittlerweile ein beträchtlicher Anteil als Zombies verdingt, haben sie zu ihren aktiveren Zeiten mehr oder minder erfolgreich Dämonen beschwört und mit alten asiatischen Artefakten rumgepfuscht. Und als das alles nicht den gewünschten Endsieg eingebracht hat, haben sie sich einfach schmollend auf den Mond verzogen. Doch neusten Erkenntnissen zufolge war das noch lange nicht das Ende der Reichsfahnenstange. Frisch aufgetauchte Geheimdokumente belegen noch viel schlimmere Experimente, an denen Hitlers Schergen gearbeitet haben. Eine Waffe von so unvorstellbar schrecklicher Macht, dass die Menschheit froh sein kann, dass sie niemals zum Einsatz kam: Tee!

 

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs experimentierten die durchgeknallten Nazi-Wissenschaftler mit Kräuterteezubereitungen, die ihnen ein paar Übersoldaten bescheren sollten. Da die Fertigstellung durch den beherzten Einsatz der Alliierten verhindert wurde, wanderte die Kiste mit dem Prototypenkraut in den Fluss. Jahre später wird die Nazibox an die Ufer Schottlands gespült, wo sie der Heimkehrer Jackson findet. Aus recht wirren Gründen bei der heimischen Bevölkerung in Ungnade gefallen, braucht der Junge etwas, um seine Reputation und seine Finanzen zu steigern, und gedenkt daher, mit seinem etwas beschränkten Freund Steve den Inhalt als Tee zu verscherbeln. Was sich zu Anfang als nette kleine Goldgrube erweist, stellt sich im weiteren Verlauf als nicht so schlaue Idee heraus, zeigen die Einwohner des kleinen Dörfchens doch schnell erste Suchtsymptome, die auch vor einem kleinen Mord unter Freunden nicht haltmachen.

 

Schon der Einstieg zeigt an, in welche Richtung das Ganze hier gehen wird: Amateurkino at its best! Hier sollte man keinesfalls gehobene Unterhaltung erwarten, denn schon die ersten Nazi-Wachen und -Doktoren strahlen erlesensten schauspielerischen Dilettantismus aus, was sich auch über den gesamten Film nicht mehr bessert. Kann dies an einigen Stellen noch gewissen Charme versprühen, nervt aber spätestens der Hauptdarsteller mit seinem gelangweilten Mimenspiel, das einem Ytong-Stein gleicht. Jackson wird gleich zu Beginn als eine Plage der Menschheit dargestellt, was sich aber zu keiner Zeit feststellen lässt; man sieht eigentlich nur einen angeödeten Endzwanziger lustlos Leute beleidigen und grundlos den Unsympathen geben, da das wohl irgendwo so im Drehbuch steht.

 

Apropos Drehbuch. Ich persönlich glaube ja, dass das mitsamt der Kiste und den katzenfutterähnlichen Kräutern im Tümpel vom Anfang verschwunden ist. Bis der Streifen mal tatsächlich in die Gänge kommt, sind drei Viertel des Drops schon gelutscht. Es beginnt mit einer wirren Erzählung über einen lokalen Machtmogul, der quasi 12 der 13 örtlichen Häuser aufgekauft hat und sich nun am Postamt von Jacksons Großeltern vergehen will, um ein Megakasino zu bauen. Dabei fährt der Typ aber einen heruntergekommenen Range Rover ohne Türverkleidung. Dann soll irgendein zurückliegendes Drama die Bekanntheit des Dörfchens als geilstes Krabbenfischerdorf der Menschheitsgeschichte ruiniert haben, was zwar lang und breit hochstilisiert wird, nur um es in einem genuschelten Halbsatz abzufrühstücken. Das lässt sich ja dem geneigten Filmenthusiasten noch irgendwie als Trash verkaufen, da die „Handlung“ so weit hergeholt ist, dass man sich gar nicht die Mühe machen sollte, sie zu verstehen.

 

Doch nachdem man sich ewig lang miese Darsteller und Tee schlürfende Rentner reinziehen musste und der Glaube an das Tote in Zombies schon verloren schien, geht alles ganz schnell. Auf einmal kreuzt aus dem Nirgendwo irgend so ein schwer bewaffneter Hafenhillbilly auf und ballert alles über den Haufen. Bis dahin wurde dem Zuschauer aber noch gar nicht erklärt, worum es sich bei den Heißgetränk-Junkies eigentlich handelt. Zu dieser Zeit waren es nämlich nur abhängige Corega-Tabs-Gurgler, die mehr Tee haben wollten. Und in der nächsten Szene spritzt schon Gehirn und alle sind, selbstverständlich perfekt synchron, vollkommen durchgedreht.

 

Bildergalerie von Attack Of The Nazi Herbals (8 Bilder)

So zahm und öde sich der Film in der ersten Stunde präsentiert hat, so hektisch geht’s dann ins Finale. Wirre Szenensprünge, willenlose Ortswechsel und hektisches Kameragewackel vom Allerfeinsten. Dabei erhält man auch unerwartet guten Einblick auf die relativ gut gemachten Splattereffekte. Leider sind die insgesamt zu kurz ausgefallen und mussten zu früh wieder tiefgründigen Dialogszenen weichen. Und falls man bis dahin den Kopf noch nicht genug geschüttelt hat, serviert uns der Film freundlicherweise ein Ende, dass die Frage aufwirft, was das Ganze eigentlich sollte.

 

Die Technik wurde zum größten Teil bereits angesprochen: Low-Budget, wohin man sieht, was aber auch keinen Kritikpunkt ausmachen soll, ich wusste ja, worauf ich mich einlasse. Dafür ist das Bild recht scharf gelungen, wenn auch sehr trist und grau. Die Ausleuchtung in dunkleren Szenen ist nicht immer perfekt, aber noch hinreichend akzeptabel in dieser Preisklasse. Die Kameraführung bildet hier keine Ausnahme und bietet wenig Spannendes. Die Actionszenen sind recht ordentlich, aber etwas zu hektisch abgefilmt, wohingegen die ruhigen Szenen eher an Stillleben erinnern und etwas mehr Bewegung vertragen hätten. Die deutsche Synchronisation ist wie erwartet ein Graus, was sich aber mit den schauspielerischen Qualitäten der Darsteller deckt. Auf Englisch ist es übrigens auch kaum besser, nur schottischer.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Attack of the Nazi Herbals ist Trash. Und damit meine ich nicht den coolen Trash der Marke Bad Taste oder die Klassiker von Troma, sondern einfach schlecht. Einerseits ist es schön zu sehen, dass sich Anfänger auch mal was trauen, aber das Ergebnis kann in keinem Aspekt überzeugen. Zu lang zieht sich der Anfang, zu mies sind die Schauspieler, und um die bekloppte Story besser wirken zu lassen, hätte sie überzogener transportiert werden müssen. Der ganze Film wirkt so lustlos und mal eben schnell runtergespult, dass der Amateurfilm-Charme kaum zur Geltung kommt. Abgesehen von den ganz netten Gore-Effekten hat der Film kaum etwas, das für ihn spricht. Schade eigentlich, denn aus der Idee hätte man echt was machen können.


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