Black´s Game - Kaltes Land

Black´s Game - Kaltes Land

Originaltitel: Svartur á leik
Genre: Thriller
Regie: Óskar Thór Axelsson
Hauptdarsteller: Thor Kristjansson
Laufzeit: Ca. 108 Minuten
Label: Koch Media Home Entertainment
FSK 16

Black´s Game - Kaltes Land   15.02.2013 von Beef Supreme

Island! Heimat von Björk, letzte Bastion der Trolle, Insel der 1.000 Geysire. Das Stück Land, dassich nicht wirklich entscheiden konnte, welchem Kontinent es angehören möchte. Woran man auch immer denkt, wenn man Island hört, kaum einer wird zuerst an den gepflegten Film denken. Klassiker wie "Reykjavik Whale Watching Massacre" bleiben also meist unbeachtet. Dabei verdient Black’s Game vom Isländischen Regisseur Óskar Thór Axelsson durchaus die Beachtung des Wald- und Wiesenfestlandbewohners. Und hier geht es auch nicht um Wale.


Stebbi ist der klassische Klischeestudent. Tagsüber so tun, als ob man lernt, des Nachts dann Party machen, wie ein Großer. Eines Tages eskaliert das Ganze aber, als er sturzbesoffen einem weiteren Partygänger ein Glas beschleunigt auf die Schläfe legt. Die folgende Festnahme war genauso unausweichlich, wie der allmorgendliche Kater. Vor der Polizeiwache trifft Stebbi seinen alten Jugendfreund Toti, der mittlerweile ganz groß im Drogenbusiness abräumt. Toti verspricht dem Vorzeigestudenten juristische Hilfe, wenn er denn etwas für ihn erledigt.
 

So findet er sich in einer etwas durch polizeiliche Arbeit durcheinander gebrachten Wohnung wieder und soll 12 Tafeln erlesenster „Schokolade“ finden. Nur blöd, dass er nicht der einzige Suchende bleibt. Sieben Baseballschläge gegen den Schädel des Konkurrenten später gehört er zur Crew und erfährt seine Einführung in den erlesenen Kreis des isländischen Drogenmilieus. Kurze Zeit später trifft er einen weiteren früheren Kumpel wieder, Bruno. Dieser etwas irre Freund, möchte das ganze Drogengeschäft Islands an sich reißen, was auch anfangs gut geht. Party, Weiber, Kohle ohne Ende, Stebbi hat sein Glück gefunden und alles läuft wie am Schnürchen. Da der Jahrtausendwechsel ansteht, brummt der Laden, dass es nur so qualmt. Selbstredend, dass nicht alles bei "Friede, Freude, Drogen verticken" bleibt.


Black’s Game
erzählt eine klassische Drogenhändlergeschichte, wie sie schon gefühlte 278 Mal durchgekaut wurde. Einführung, Aufstieg und Fall - keine Überraschungen hier. Aber es kommt ja nicht immer darauf an, was man erzählt, solange man es gut erzählt. Und genau das macht das Filmchen hier. Bodenständig, glaubwürdig, dabei trotzdem spannend, obwohl man eigentlich genau weiß, wie das ganze enden wird. Halt, einen Unterschied gibt es doch. Während bei den bekannten Geschichten der Protagonist meist aussteigen will, denkt Stebbi nicht einmal daran. Zu sehr gefällt ihm der Sumpf aus Drogen, Kohle, wildem Sex. Kurz, die Freiheit und der Wohlstand. Wer will sowas schon aufgeben. Moralische Gewissensbisse, wie sie der klassische Hollywood-Drogen-Shareholder irgendwann so hat, kennt hier keiner. Hier bleiben alle gewissermaßen auf dem Teppich, was den Streifen so sympathisch macht. Viel banaler ist der Grund des unausweichlichen Untergangs, und gerade weil er so unspektakulär ausgelöst wird, weil es so denkbar ist,  hebt sich Black’s Game von der großen Konkurrenz ab.


Bildergalerie von Black´s Game - Kaltes Land (9 Bilder)

Dabei versteht der Regisseur mit dem schwer zu schreibenden Namen, wie man eine düstere Atmosphäre erzeugt. Island ist nicht warm oder einladend. Nicht ohne Grund liest man den Zusatz Kaltes Land. Und das wird perfekt eingefangen und dargestellt. Denn das Drogengeschäft ist nicht nur Feierei, da wird’s auch mal dreckig, da dreht man auch mal am Rad. Und all das wird glaubhaft wie selten von allen Darstellern rüber gebracht. Schauspielerisch darf man hier eine Topleistung betrachten, die wirklich durchgehend zu überzeugen weiß.


Leider ist nicht überall nur Licht. Black’s Game hat auch seine Schattenseiten, abgesehen von der tollen düsteren Atmosphäre. Das Drehbuch lahmt zum Beispiel streckenweise. Hier und da hätte schon etwas mehr passieren können. Eine ganze Weile sieht man Stebbi und seinen Kollegen dabei zu, wie sie reibungslos einfach nur Zeug verticken oder sich reinpfeifen. An solchen Stellen hängt der Film dann etwas durch. Auch hätte er etwas mehr Action vertragen können. Kein wildes Geballer oder dergleichen, aber die durchgehend latent angespannte Stimmung schreit quasi ständig nach einer Eruption, die aber nie stattfindet. Das ist etwas schade, gerade weil es einige wirklich herausragende Schlüsselstellen gibt, die eine nicht-gewaltfreie Antwort fast schon erzwingen.


Technisch braucht man sich nirgendwo Gedanken zu machen. Das Bild ist gestochen scharf und der Sound weiß wahrlich zu überzeugen. Ein Spitzensoundtrack paart sich mit einer gelungenen Synchro. Dazu gibt es noch eine LKW-Ladung Extras.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Black’s Game hat mich wirklich überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass Óskar Thór Axelsson es schafft, so eine ausgelutschte Thematik so interessant zu verpacken und dennoch zu überraschen. Der Film ist nicht perfekt, er hat seine Durchhänger, er ist kein Actionfeuerwerk, aber er überzeugt durch Glaubhaftigkeit, Realismus und einer genialen schauspielerischen Leistung. Vielleicht läuft manches etwas zu reibungslos, vielleicht haben es Stebbi und seine Kumpels etwas zu einfach, aber das sind nur kleine Unzulänglichkeiten, die den Film kaum trüben. Ich kann Black’s Game nur empfehlen. Wer auf Thriller steht und mal abseits von Hollywood Unterhaltung sucht, kann hier kaum etwas falsch machen. 


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