Blair Witch

Blair Witch

Originaltitel: Blair Witch
Genre: Horror
Regie: Adam Wingard
Hauptdarsteller: James Allen McCune
Laufzeit: DVD (86 Min) • BD (89 Min)
Label: Studiocanal
FSK 16

Blair Witch   06.02.2017 von Beef Supreme

Viel wurde anfangs spekuliert über den neuen Film The Woods des Kreativgespanns Wingard und Berrett, ihres Zeichens verantwortlich für die zwei Hammerstreifen You’re Next und The Guest. Wie sich herausstellte zelebrierte das Erfolgsduo mir nichts, dir nichts ein Sequel zum Kultklassiker Blair Witch Project, lumpige 17 Jahre nach Ersterscheinung. Kann man heute noch einen Found-Footage-Film an den Start bringen?

 

Vor vielen Jahren verschwand James‘ Schwester spurlos im Wald von Burkittsville. Elendslange und-aufwendige Suchaktionen blieben erfolglos, doch James hat nie aufgehört, Nachforschungen über das Verschwinden seiner Schwester nachzustellen. Eines Tages stößt er auf ein Video das ein Haus in besagtem Wald und ein paar Frames mit einem Gesicht zeigt, das James‘ Schwester sein könnte. James beschließt daraufhin mit ein paar Kumpels die Uploader des Videos, Lane und Talia, ausfindig zu machen und gemeinsam zur Fundstelle des Videos zu wandern. Schon in der ersten Nacht geschehen haufenweise seltsame Dinge, grundlos umstürzende Bäume, beunruhigende Geräusche und seltsame Holzfiguren die plötzlich über Nacht über den Zelten hängen, zehren an den Nerven der 6 Waldcamper. Sollte an den Gerüchten über den Fluch der Blair Witch etwa doch etwas dran sein? James und seine Crew wollen das jedenfalls nicht herausfinden und brechen am nächsten Morgen ihr Lager ab. Irgendjemand oder irgendwas will aber nicht, dass die 6 den Wald verlassen und so sehen sie sich gezwungen, eine zweite Nacht in diesem unheimlichen Wald zu verbringen. Oder vielleicht noch länger?

 

Blair Witch beginnt horrortypisch sehr gemächlich und lässt sich Zeit, die Prämisse und die Charaktere einzuführen. Unter dem Vorwand einer Videodokumentation über James‘ Suche nach seiner Schwester wird der Found-Footage-Ansatz erklärt. Ziemlich clever, denn so können die verschiedenen Perspektiven und Szenenwechsel einigermaßen plausibel erklärt werden. Anfangs hat Regisseur Wingard auch noch Mitleid mit seinem Publikum und macht locker mit dem Kameragewackel, bis sich der Zuschauer drauf eingestellt. Ab der Hälfte zieht Regisseur Wingard dann das Tempo an und die Spannung steigt. Auffällig ist, dass im gesamten Film kein Score im klassischen Sinn zu hören ist. Wingard, nebenher auch Soundingenieur, schafft es aber trotzdem einen stimmigen Soundteppich durch Effekte zu erzeugen ohne zu nerven, und somit die Atmosphäre dicht zu halten. Die Erzählung an sich gibt ab dem zweiten Tag eigentlich nichts mehr Neues her, da die Darsteller mittlerweile mit Wegrennen und Überleben beschäftigt sind. Doch dieses Manko fällt ob der spannenden Darstellung der sich überschlagenden Ereignisse kaum auf. Die Intensität nimmt zum Ende hin stetig zu und natürlich dürfen auch die obligatorischen Jump Scares nicht fehlen. Glücklicherweise wird dieses Mittel nicht allzu sehr überreizt, da Blair Witch größtenteils von seiner dichten Atmosphäre und der bedrohlichen Stimmung lebt. Gewaltexzesse sucht man hier übrigens vergeblich, da FSK 16. Doch eine Szene knallt so richtig, die ich aber nicht spoilern möchte. Nur so viel, sie weiß dem geneigten Gorehound durchaus ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

 

Bildergalerie von Blair Witch (12 Bilder)

Für einen Found-Footage-Film ist das Bild erstaunlich gut. Fast schon etwas zu gut. Klar, die Bildqualität privat bezahlbarer Kameras wird stetig besser und es ist weitaus angenehmer anzuschauen, doch der etwas zu weichgespülte Look kratzt an der Glaubwürdigkeit. Nie so sehr, um den Film zu zerstören, aber durchaus auffällig. Auch die Kamerabewegungen sind insgesamt etwas zu ruhig und gleichmäßig, dafür dass die Kameras eigentlich an den Köpfen der Camper befestigt sind. Hier werden sich die Geister scheiden. Am Sound allerdings gibt’s überhaupt nichts zu meckern. Atmosphärisch, stimmig, überzeugend. Man merkt, dass Wingard, der hier sich hier auch für den Sound verantwortlich zeichnete, weiß, was er tut. Dies gilt auch für die deutsche Synchronisation, die durchweg gelungen ist und die Todesangst glaubhaft transportiert.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Der aufmerksame Leser hat vielleicht gemerkt, dass hier keinerlei Referenz zu Blair Witch Project zu finden ist. Das liegt daran, dass ich, ich wage es kaum auszusprechen, den Film nicht gesehen habe. Dadurch ergibt sich aber die Möglichkeit einer unvoreingenommenen Perspektive für Blair Witch. Und für sich genommen habt das Team Wingard/Berrett einen richtig guten, gelungenen Found-Footage-Streifen auf die Beine gestellt. Trotz gemächlicher erster Hälfte ist der Film zu keiner Zeit langweilig und das Timing passt durchweg. Und ab der zweiten Hälfte dreht der Film langsam auf und weiß durch dichte Atmosphäre und anständige, in Maßen eingesetzte Jump Scares die Stimmung hoch zu halten. Gewalt gibt’s nicht so viel, braucht der Film aber auch nicht, da er durch überzeugendes Schauspiel und magenverträglichem, doch fast schon etwas zu ruhigem, Found-Footage-Schabernack begeistern kann. Klare Empfehlung an all jene, die wieder Bock auf Wackelfilmchen bekommen haben oder bekommen wollen.


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