Bloody Sunday

Bloody Sunday

Originaltitel: -
Genre: Politthriller
Regie: Paul Greengrass
Hauptdarsteller: James Nesbitt • Tim Pigott-Smith • Nicholas Farrell
Laufzeit: 103 Minuten
FSK 12

Bloody Sunday   29.03.2009 von derstefan

Derry, Nordirland 1972. Es sollte ein friedlicher Protestmarsch für Bürgerrechte werden. Doch es ist anders kommen: 13 Menschen sterben. Ein Stoff für einen dokumentarischen wirkenden packenden Polit-Thriller vom Regisseur von “Das Bourne Ultimatum“.

 

This song is not a rebel song
This song is Sunday bloody Sunday
I can´t believe the news today
I can´t close my eyes and make it go away


Das sind die ersten Zeilen aus der Livefassung von “Sunday bloody Sunday” der irischen Rockband U2. Ein Song, der wie dieser Film unter die Haut geht.

In Derry, Nordirland, im Jahr 1972 war der Alltag der Bürger von hohen Stacheldrahtzäunen und vielen Militärsperren geprägt. Der politische Hintergrund dieser Situation geht bis zur Teilung Nordirlands von der Republik Irlands im Jahr 1921 zurück. Nach der Aufteilung war der katholische Teil der Bevölkerung in der Minderheit und wurde von meist protestantischen britischen Unionisten benachteiligt.

Eine Bürgerrechtsbewegung namens „Civil Rights Association“ entstand Ende der 60er Jahre und trat für die Stärkung der Rechte dieser katholischen Minderheit ein.

Aber nun genug Geschichtsunterricht. Ein Mitglied dieser Bewegung, der Politiker Ivan Cooper (gespielt von James Nesbitt) wollte den Sonntag, 30.01.1972, dafür nutzen, eine friedliche Demonstration durchzuführen. Durch Verteilung von Handzetteln, Pressekonferenzen und Mundpropaganda war alles genauestens vorbereitet. Der Tag startet in dem Haus seiner Eltern, die versuchen gemütlich zu frühstücken. Wenn da nicht die Horden von Journalisten wären, die den Organisator des Marsches mit Fragen löchern. Es bleibt für ihn nur noch Zeit für 2-3 Schlucke Kaffee, dann beginnt der wohl schlimmste Tag seines Lebens.

Die Vorzeichen stehen schlecht, da die Demonstration von der nordirischen Regierung verboten wurde. Die Polizei hat den Stadtteil abgesperrt den die Demonstranten eigentlich erreichen sollten und zusätzlich zu den normalen Polizeieinsatzkräften wurden Fallschirmjäger (Bodentruppen) bestellt. Wir erfahren, dass ein paar jugendliche Steinewerfer dabei sind, die in Ihren pubertären Köpfen denken, dass Sie damit etwas ausrichten können.

Aber zunächst beginnt der Marsch friedlich und der Konvoi startet mit der Friedens-Hymne „We shall overcome“, die aus allen Kehlen ertönt. Diese schnürt sich aber dem Zuschauer des Films schnell zu. Ein gewaltbereiter Teil des Zuges spaltet sich ab und will die ursprünglich gedachte Marschrichtung durchsetzen und liefert sich an der Absperrung ein ungleiches Duell gegen eine mit Wasserwerfern und Gummigeschossen ausgestattete Polizei. Was nun passiert ist geschichtlich nicht genau rekonstruierbar und undurchsichtig. Ein echter Schuss wird abgefeuert und wir sehen einen unbewaffneten Demonstranten mit Schussverletzung am Boden liegen. Die Lage eskaliert. Die Demonstranten können nicht glauben, was sie mit ansehen müssen. Die ausgebildeten Scharfschützen der Fallschirmjäger glaubten zu erkennen, dass die Demonstranten echte Schusswaffen mit sich tragen und feuern teilweise auf bereits flüchtende Demonstranten.

Das blutige Resultat dieses Tages: 100 abgegebene Schüsse, 13 Tote, 13 Verwundete. Wer hat Schuld daran? Bis heute ist diese Frage nicht eindeutig geklärt. Der Film, der wie eine Dokumentation wirkt, versucht sich nicht auf eine Seite zu schlagen. Gewalt wurde auf beiden Seiten eingesetzt, aber ganz klar wurden Grenzen deutlich überschritten. Nach dem „Bloody Sunday“ eskalierte die Situation in Nordirland und die IRA (eine gewaltbereite, paramilitärische Organisation) erhielt regen Zulauf. Leider ist der Konflikt noch nicht ganz beendet, erst Anfang März dieses Jahres gab es wieder Anschläge auf eine britische Kaserne. Wann wird´s da mal endlich ruhig...


Das Fazit von: derstefan

derstefan

Packender konnte man diesen Teil des Nordirland-Konflikts nicht inszenieren. Spätestens ab der Szene, in der die Fallschirmjäger eingesetzt werden, haben sich meine Fingernägel stark verkürzt. Die Hauptdarsteller agieren prima und authentisch und werden von Laiendarstellern unterstützt, die bei diesem traurigen Tag der irischen Geschichte anwesend waren. Geschichtsunterricht, der nicht eindringlicher sein könnte. Klare Empfehlung!


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