Blue Reflection

Blue Reflection

Publisher: Koei Tecmo
Entwicklerstudio: GUST Studios
Genre: RPG
Sub-Genre: JRPG
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 29.09.2017
USK 16

Blue Reflection   21.10.2017 von LorD Avenger

Hinako war ein erfolgreicher Jungstar im Ballet, bis eine Knieverletzung ihre Leidenschaft unmöglich machte. Seither hat sie jegliche Freude am Leben verloren - bis sie an ihrer neuen Schule plötzlich als Superheldin in einer wunderschönen aber gefährlichen Parallelwelt landet...

 

Blue Reflection ist das dritte und letzte Spiel im "Beautiful Girls Festival"-Projekt von Entwickler GUST, nach Atelier Firis und Nights of Azure 2. Der Gedanke dahinter ist ein Fokus auf das Erwachsenwerden von jungen Frauen, insbesondere in Bezug auf die sozialen Interaktionen mit anderen Mädchen. Darüber hinaus baut Blue Reflection auf dem Anime-Konzept der "Magical Girls" auf, das man in erster Linie von Serien wie Sailor Moon, Wedding Peach oder Do Re Mi kennt.

 

Where is the love?

 

Wenn ich Blue Reflection mit irgendeinem Spiel vergleichen sollte, bleibt mir eigentlich nur die Persona-Reihe. Die Mischung aus rundenbasiertem JRPG-Kampf in langweiligen, surreal gestalteten Dungeons und die Social-Simulation im Schulfeld habe ich zumindest noch nirgendwo anders gesehen. Eine signifikante Variation bei oberflächlicher Betrachtung ist aber das Verzichten auf Romanzen. Während sich im sozialen Part der Persona-Teil gefühlt alles darum zu drehen scheint sich eine oder mehrere Partner zuzulegen, gibt es in Blue Reflection überhaupt keine Männer für die durch die Bank weiblichen Charaktere der reinen Mädchenschule - man baut also nur Freundschaft und Vertrauen auf anstatt Liebe und sexuelle Spannung.

 

Ein halbes Persona - wenn überhaupt...

 

Derart weniger aufsehenerregend gestaltet sich aber auch das gesamte Spiel im direkten Vergleich. Die Standardmusik gleicht einer einschläfernden Spieluhr (kann über das Menü aber glücklicherweise in einer Playlist selbst zusammengestellt werden) und auch die Charaktere sind nicht so markant, obgleich dennoch sympathisch und mit einem gewissen Talent dafür, einem ein wenig ans Herz zu wachsen. Auch die Rahmenstory ist ein wenig dünn und es mangelt an Spannungselementen, wie mysteriösen Morden oder anderen merkwürdigen Ereignissen - die Protagonistin ist lediglich am Boden zerstört wegen ihres Knies, landet dann urplötzlich in einer Parallelwelt (deren Ursprung übrigens auch sehr ähnlich dem von Persona ist), wo sie zum kriegerischen Magical Girl wird und das Ganze nicht übermäßig in Frage stellt. Fortan kämpft sie also gegen größere und kleinere Monster, freundet sich mit immer mehr Mädchen an und hat das einzige Ziel, sich von ihrer Magical Girl-Kraft am Ende einen Wunsch erfüllen zu lassen. Einen Hauptgegner scheint es zwar zu geben, der taucht aber auch einfach nur mal kurz auf und verschwindet dann wieder wortlos - er präsentiert sich nicht einmal sonderlich bedrohlich, dass man sich darauf freut ihm in den Arsch zu treten oder sogar Angst und Respekt vor dem finalen Kampf hat.

 

Auch das ganze Spielsystem an sich ist ein wenig ambitionierter, wenig liebevoll gestalteter Abklatsch. Während Persona einem ein geradezu verwirrend riesiges Netz aus Möglichkeiten bietet, wie man seine begrenzte Zeit nutzen kann und einem dabei immer klar ist, dass man sich wirklich entscheiden muss, weil man einfach nicht alles schaffen kann, so fehlt einem auch diese Spannung in Blue Reflection. Um in der Story voranzuschreiten muss man eine gewisse Anzahl von Missionspunkten erreichen und die dafür benötigten Nebenaufgaben setzen sich zusammen aus "Geh in den Flur", "Rede mit XY" oder wechsle kurz in den Dungeon und erledige dort bis zu 5 Gegner, bzw. sammle bis zu 5 Items - alles Aufgaben, die kaum länger als ein paar Minuten dauern. Die Hauptmissionen gestalten sich dabei aber auch nicht viel anders. Auch verwehrt einem dieses Prinzip jegliche Individualisierung im Spielverlauf, denn um die nötigen Punkte zu erreichen, muss man ohnehin immer mit allen reden und machen, was das Spiel für einen vorsieht. Sprich, man muss also auch Zeit mit Charakteren verbringen, die man unter Umständen deutlich weniger mag als andere und kann mit Letzteren keine sonderlich innigere Beziehung eingehen als mit Ersteren.

 

Bildergalerie von Blue Reflection (5 Bilder)

Faules Tamagotchi

 

Auf Minispiele, die einem Abwechslung vom textlastigen Hauptspiel bieten, sollte man auch nicht zu sehr hoffen - im Grunde genommen gibt es nur die Option sein virtuelles Handy zu zücken und neben dem Checken der verschiedenen Chats (Halloooo, Persona 5!) eine Art Tamagotchi zu pflegen, mit dem man allerdings noch weniger anstellen kann als mit den originalen aus den 90ern.


Das Fazit von: LorD Avenger

 LorD Avenger

Blue Reflection sieht in seiner Fantasywelt-Gestaltung, den freizügigen und süßen Magical Girl-Kostümen sowie der wunderschönen Cell Shading-Grafik umwerfend aus, allerdings auch nur an der Oberfläche. Simple Animationen, wie das Abstellen einer Tasche, werden durch einen unschönen Schnitt übersprungen und wenn man die Bewegungen beim Haarewaschen eines Charakter sieht, bei denen die Hände nicht einmal annähernd den Kopf berühren, weiß man auch warum. Die Charaktere sind nicht unsympathisch, aber allesamt ernüchternd normal und oben drauf zieht einen die Protagonistin mit ihrer lange anhaltenden stillen und depressiven Art sehr runter. Obwohl das Spiel diese Illusion vermitteln möchte, hat man nicht wirklich Individualiserungsmöglichkeiten hinsichtlich der zwischenmenschlichen Beziehungen, auf die das Game den Fokus legt und überhaupt hat man sehr wenige Möglichkeiten, sich im Social-Sim-Part zu beschäftigen oder auch nur zu bewegen. Das Dungeon-System ist der einzige Bereich, in dem Blue Reflection an die offenkundige Vorlage Persona heranreicht - allerdings auch nur, weil Persona da bisher noch keinen wirklich guten Job gemacht hat.


Die letzten Artikel des Redakteurs:


positiv negativ
  • Wunderschöne Grafik
  • Dungeons-Element ist sehr kurz gehalten, kein Grinden nötig
  • Individualisierungsmöglichkeiten werden einem nur vorgegaukelt
  • Voller mäßig interessantem Text
  • Charaktere und Story sind nicht zuende gedacht
  • Eintöniges Gameplay ohne wirkliche Abwechslung





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