Borderlands: The Pre-Sequel

Borderlands: The Pre-Sequel

Publisher: 2K Games
Entwicklerstudio: 2K Australia/Gearbox Software
Genre: Action
Sub-Genre: First Person Shooter/RPG
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 17.10.2014
USK 18

Borderlands: The Pre-Sequel   30.10.2014 von Beef Supreme

Der Wächter liegt darnieder, die bis dato bekannten Kammern Pandoras sind geöffnet und Jacks Gedärm kann man vom Boden kratzen. Eigentlich sollte es also nichts mehr zu tun geben auf Pandora. Gut, dass der Planet ja noch einen Mond hat. Wo kämen wir denn hin, wenn es tatsächlich ein Fleckchen unwirtliches Land gäbe, in dem sich nicht jeder an die Gurgel springen will? Nachdem der zweite Satz Kammerjäger Jack mitsamt seiner Büchsenmacherei Hyperion zu Fall gebracht hat, greifen die Mannen von 2K zu einem erzählerischen Kniff und schießen ein frisches Kammerjägerquartett auf den Mond, um dort zu erzählen, warum Jack eigentlich so ein Drecksack ist. Soll ja schön sein da oben auf dem Mond um diese Jahreszeit. Ohne Schwerkraft. Oder Sauerstoff. Braucht sowieso kein Mensch, solange es Waffen gibt. Jede Menge Waffen ...

 

Kein guter Tag für die frisch angeheuerten Kammerjäger. Auf dem Weg zu ihrem Auftraggeber, welcher auf der Raumstation Helios residiert, wird ihr Schiff abgeschossen. Dieses Mal saßen die Recken um Waffenproduzent Dahl am Abzug. Die haben nämlich ein Problem damit, dass Jack, im Moment noch nicht so Handsome, eine Kammer auf dem Mond Elpis ausbuddeln will. Selbstredend überlebt man diesen lächerlichen Absturz aus dem All und schwingt prompt wieder die Wumme, um Jack im Kampf gegen die Verlorene Legion zu unterstützen und dabei stapelweise Leichen zu produzieren. Die Einführung auf Helios gestaltet sich erfrischend kurzweilig und ziemlich schnell wird man von dort aus buchstäblich auf den Mond geschossen. Dort eingeschlagen, gilt es, sich den Heerscharen wahnsinniger Banditen, wildgewordener Mondkreaturen, Soldaten - und eigentlich allem, was sich rührt – zu erwehren, um seinen Auftraggeber Jack glücklich zu machen. Auf zur lustigen Kammerhatz!


Nach kurzer Einführung, klassisch durch einen brabbelnden Claptrap, geht das Geballer auch schon los. Spieler von Borderlands und vor allem Borderlands 2 werden sich gleich wie zu Hause fühlen. Zuerst wählt man aus einem von vier Kammerjägern, und es wurden die Gebete erhört, respektive das Flehen ignoriert: Claptrap ist spielbar! Der nervige, kleine Roboter greift tatsächlich zur Flinte und kann sogar Treppensteigen. Nur die Klappe halten kann er immer noch nicht, was für einige zum Brüllen komische Momente sorgen wird. Nicht zuletzt an dieser Stelle zeigt sich die Qualität des Humors, die sich durch die gesamte Reihe zieht und auch in diesem Teil nicht enttäuscht – gerade weil die Dialoge in diesem Teil der Reihe Bezug auf den gewählten Charakter nehmen, was leider in den vorangegangenen Teilen noch nicht so war. Aber auch die verbliebenen drei Kammerjäger sind spielerisch interessant und setzen sich zum Teil aus alten Bekannten zusammen. Wilhelm der Vollstrecker beispielsweise begeistert sich etwas zu sehr für künstliche Körperverbesserungen, wie in Borderlands 2 festzustellen ist. Generell ist das gesamte Spiel durchsetzt von Anspielungen auf noch kommende Ereignisse und in Teilen bereitet man diese sogar mit vor, was für eine sehr gelungene Verflechtung der Handlungsstränge spricht.
 

Es gibt immer noch mehr Knarren, als für eine funktionierende Gesellschaft gut sein kann, und die kommen auch noch in unzähligen verschiedenen Variationen daher. Jedoch wurde der schadensverstärkende Slag-Effekt aus Gründen der Kontinuität durch einen verlangsamenden und einfrierenden Cryo-Effekt getauscht. Falls sich jemand für die Hintergrundinfos in Form von Echos interessiert haben sollte, ergibt das sogar Sinn, da Slag als Nebenprodukt von Eridium auftreten wird, welches Handsome Jack erst im zweiten Teil für sich entdeckt. Ist das schon (Achtung, mieses Wortspiel) cool, legt das Pre-Sequel mit Laserwaffen direkt nach. Und die machen richtig Laune. Hochpräzise Railguns, Ghostbusters-Gedächtnisstrahler oder Laser-Shotgun – für jeden Geschmack ist was dabei – stellen meine persönliche Lieblingswaffengattungen dar. Insgesamt fühlt sich das Arsenal aber doch etwas zu bekannt an, um frisch zu wirken. Immer noch klasse, keine Frage, aber für einen dritten Anlauf ist es trotz neuem Elementareffekt und Lasern doch etwas zu viel Stillstand.


Neu hingegen sind die Schwerkraftverhältnisse. Auf dem Mond gibt’s nicht besonders viel davon, also ist man gerade anfangs hauptsächlich damit beschäftigt, auf der zerklüfteten Oberfläche nicht in den Tod zu stürzen. Bringt aber nix, wird passieren. Oft. Garantiert. Gewöhnt man sich aber irgendwann daran, dass man sich wie ein Flummi auf Steroiden fortbewegt, fühlt sich das richtig cool an. Vor allem, da es nun möglich ist, wie ein gewisser italienischer Klempner auf den Schädeln Anderer herumzutrampeln. Erreicht man genügend Höhe, sind Stampfattacken möglich, die, verstärkt durch die Nebeneffekte der Sauerstoffmaske, ordentlich Schaden austeilen. Das ist ziemlich wirkungsvoll, wenn sich viele der Bösen Buben um einen herum drängeln. Kurz gesprungen und eingeschlagen wie die Fat Lady und die Probleme lösen sich in Wohlgefallen auf, wahlweise auch Flammen. Das eröffnet hier und da durchaus taktische Möglichkeiten, um auch mit übermächtigen Gegnermassen kurzen Prozess zu machen.
 

Und nun zum Sauerstoff. Den braucht man meistens. Es sei denn, man spielt Claptrap. Der braucht keinen, auch wenn er es sich genauso einbildet, wie die Tatsache, dass er Freunde hätte. Stolpert man durchs Vakuum auf der Mondoberfläche, wird man durch Sauerstoffmasken mit dem edlen Gas versorgt. Neben der nervigen Atmerei wird der saure Stoff noch für Doppelsprünge genutzt, um sich weiter vom Boden abzustoßen. Je höher, desto mehr Schmackes für die da unten. Die Masken ersetzen zudem die Artefakte und geben unterschiedliche Boni, wie beispielsweise erhöhte Waffen-Feuerrate und elementaren Stampfschaden. Der Sauerstoffbestand ist zwar begrenzt, doch findet sich in sehr regelmäßigen Abständen eine Ritze im Boden, eine geschlossene Räumlichkeit oder ein Drop von einem erlegten Widersacher, der den Vorrat wieder auffüllt. So interessant die Idee ist, so wirklich beeinflusst wird der Spielfluss durch Sauerstoffmangel nie. Selbst wenn er einmal ausgeht, verliert man nur sehr langsam Hitpoints, die sich zudem in belüfteten Räumen wieder regenerieren. Eigentlich ist die Sauerstoffanzeige nur ein Balken, der sich laufend leert und füllt, ohne Auswirkungen zu haben. Schade um das vergebene Potenzial.


Und was macht man den ganzen Tag so auf dem Mond? Töten, klar, aber auch sonst kann man so einigen Nebenbeschäftigungen nachgehen. Reihen- und genretypisch darf man allerlei Nebenaufgaben für gewisse Questgeber erfüllen, die einem das mit Ausrüstung und Erfahrung vergelten. Die Fülle der Nebenaufgaben kann sich durchaus mit der der „großen“ Borderlands messen, aber wie auch in den anderen Teilen schwankt die Qualität. Manche Nebenmissionen spielen sich richtig gut und bieten den Bonus, eine interessante, kleine Geschichte zu erzählen (Stichwort: Verflechtung der Handlungsstränge). Andere jedoch sind generische Hol-töte-und-bring-Quests, die man einfach abspult, weil man die tolle, seltene Sniper haben will. So wird auch einiges an Backtracking erzeugt, weil viele Sidequests erst nach Abschluss der Story-Mission in diesem Gebiet freigeschaltet werden. Ein Trost sind aber die durchweg bekloppten Questgeber, deren Kommentare immer ein Schmunzeln ins soziopathische Antlitz zu zaubern vermögen. Folgt man dann der Geschichte, trifft man so einige neue Nebencharaktere – wie Amy Springs, die das Mondpendant zu Scooter darstellt. Leider schaffen es die neu eingeführten Charaktere selten, die gleiche Sympathie zu erzeugen, wie es ein T.K. Baha oder eine Tiny Tina geschafft haben. Nett, ja, aber auch nicht mehr. Zudem lassen eigentlich alle Neulinge diese gewisse Schrulligkeit vermissen, die den Nebencharakteren in den vorangegangenen Teilen zu eigen war. Glücklicherweise trifft das nicht auf Jack zu. Befindet er sich in Borderlands 2 auf einer Stufe mit dem Teufel, nur nicht ganz so nett, lernt man ihn im Pre-Sequel als hehren, aufrechten Menschen kennen, der tatsächlich auch eine gute Seite hat. Nach und nach kann man seine Entwicklung verfolgen, leise und zunächst unauffällig, und fragt sich ständig, wann und vor allem wie der Bogen geschlagen wird, um aus dem aufrechten Jack Handsome Jack zu machen. Und diese Charakterentwicklung ist hochgradig gelungen. So dünn die Geschichte anfangs scheint, so gut wird der Wandel Jacks vom netten Hyperion-Ingenieur zum größenwahnsinnigen Sadisten dargestellt, was die Handlung immer interessanter gestaltet und sie an Substanz gewinnen lässt. Im weiteren Verlauf wird man sich auch des Öfteren fragen, ob man dieses Mal wirklich für die Guten kämpft. Vor allem, wenn einem der hundertste getötete Verlorene Legionär ins Ohr röchelt, dass sie nicht die Bösen sind.

 

Technisch hat sich nicht viel getan. Da hier die Engine von Borderlands 2 verwendet wird, bleibt optisch auch alles beim Alten. Hübsche Cellshading-Optik, die mit Pop-ups, seltenem Tearing, kantigen Schatten und langsamem Texturnachladen bei Gebietswechseln zu kämpfen hat. Daneben gibt’s ein paar sehr ansehnliche Gebiete, die durchaus abwechslungsreich daherkommen. Klares Highlight ist hier der zweite Ausflug nach Helios, der aufgrund seiner majestätischen Größe zu den besten Abschnitten der Borderlands-Reihe gehört. Was den Sound angeht, so trifft man auch hier auf Altbekanntes. Die Waffen hören sich immer noch in aller Regel zu dünn an; ein Schrotgewehr, das den Banditen vor mir in Fleischkonfetti verwandelt, braucht auch entsprechenden Wumms. Dafür ist die Sprachausgabe ein Traum. Der triefende Sarkasmus veredelt jeden gesprochenen Satz, wofür der Regie ein großes Lob ausgesprochen werden muss. Die Dialoge sind durchweg Zucker für den Gehörgang und glücklicherweise wurden für alle bekannten Charaktere die gleichen sehr guten Stimmen verpflichtet. Leider gilt dies wieder einmal nicht für die deutsche Sprachausgabe, die atmosphärisch so weit von der Qualität der englischen entfernt ist, wie Elpis von Pandora. Noch ein Wort zum Multiplayer: Wie schon in den Vorgängern ist auch hier wieder der Vierspieler-Koop an Bord. Während des Tests liefen die Matches jedoch recht bescheiden, niedrige Framerate und Lags trotz guter Verbindung traten vermehrt auf. Mit einem zugedrückten Auge noch spielbar, aber spürbar schlechter als im reinen Singleplayer. Hier sollte vielleicht noch etwas Hand angelegt werden, denn zu viert macht das Massenmorden einfach mehr Spaß.

 

Bildergalerie von Borderlands: The Pre-Sequel (15 Bilder)

An dieser Stelle soll die ausnehmend schreckliche Fahrzeugsteuerung noch erwähnt sein. Gepaart mit der kaum vorhandenen Schwerkraft und der hohen Zahl an Abgründen grenzt es fast an ein Wunder, dass ich meinen Controller nicht schon längst im Fernseher versenkt habe, so oft bin ich in den Tod „gefahren“. Das Problem ist an sich das Gleiche wie in den vorangegangenen Teilen, nur ist es da nicht so sehr ins Gewicht gefallen, dass sich diese Schüsseln schlimmer steuern ließen als die Kontinentalplatten. Dass aber bei solchen Karten die Steuerung nicht angepasst wurde, grenzt schon fast an Sadismus. Die weitere Steuerung ist jedoch besser gelungen, ja sogar genauere Sprungpassagen in der Beinahe-Schwerelosigkeit lassen sich ohne größere Frustmomente meistern. Aber die Fahrzeuge … Gearbox, bitte, bitte behebt das im nächsten Teil!


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Man war sich ja im Vorfeld nicht so ganz sicher, wie Borderlands: The Pre-Sequel einzuordnen ist: großes Add-on oder kleines Hauptspiel. Ich erkenne hier eine Mischung von beidem. Die Einflüsse von Borderlands 2 sind nicht wegzudiskutieren, zu viele Ähnlichkeiten wie Waffen, Fahrzeuge und Spielmechanik erinnern an den großen Vorgänger und heben sich zu wenig ab. Das ist aber nicht unbedingt schlecht, denn ergänzt wird die Spielmechanik von einer Story, die sich im Laufe immer mehr entwickelt und es schafft, dass trotz bekanntem Ausgang das Wie immer noch interessant bleibt. Dafür verantwortlich ist die grandiose Darstellung des Wandels von Jack zu Handsome Jack sowie die sehr gelungene Entwicklung der Ereignisse, die das Geschehen in Borderlands 2 vorbereiten. Spielerisch ist die Spielerei mit der schwachen Schwerkraft gut gelungen und es macht durchaus Laune, aus 30 Metern kometengleich in einen Haufen Banditen einzuschlagen. Die Idee mit dem Sauerstoff wurde aber inkonsequent umgesetzt, da es einfach zu viel davon gibt, als dass er spielerischen Einfluss nähme. So schick dieses Cellshading auch sein mag, die technischen Macken hätte 2K Australia durchaus rausbügeln können. Texturen laden immer noch zu langsam nach, die Ladezeiten zwischen den Gebieten ist recht lang und die Fahrzeugsteuerung wirkt wie die Strafe Gottes für die Sünden der Menschheit. Wenn man über diese Macken hinwegsehen kann, bietet Borderlands: The Pre-Sequel Altbekanntes neu verpackt mit einigen interessanten Neuerungen und kann Fans durchaus begeistern.


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  • Gute umgesetzte Schwerkraftverhältnisse
  • An Kammerjäger angepasste Dialoge
  • Interessante Hintergrundinfos (Lore)
  • Technische Macken
  • Netzwerkfunktion läuft nicht immer rund
  • Grausame Fahrzeugsteuerung
  • Sauerstoffvorkommen zu hoch
  • Teils blasse Nebencharaktere
  • Viele lahme Nebenquests
  • Zu dünner Waffensound
  • Misslungene deutsche Sprachausgabe





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