Call of Juarez: Gunslinger

Call of Juarez: Gunslinger

Publisher: Ubisoft
Entwicklerstudio: Techland
Genre: Shooter
Sub-Genre: Western-Arcade-Shooter
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 22.07.2013
USK 16

Call of Juarez: Gunslinger   22.07.2013 von GloansBunny

Es war ein Mal im Wilden Westen, hinter dem großen Teich... Schon wieder ein Cowboy-Shooter? Mit Call of Juarez: Gunslinger holt das berüchtigte Techland-Studio Revolverhelden, Saloonflair und Lagerfeuer auf die XBox 360. Spannend wie ein Shoot-Out-Duell oder lahm wie ein billiger Groschenroman? GloansBunny schnallt sich den Colt um und reitet in den Sonnenuntergang ...

 

Heiß und stickig ist es in der kleinen Spelunke irgendwo in den Südstaaten Amerikas, Ende des 19. Jahrhunderts. Der kalte Rauch unzähliger Zigaretten vernebelt die Sicht, während an den klapprigen Tischen emsiges Treiben regiert. Doch plötzlich herrscht eisige Ruhe, als ein dunkler Schatten durch die Schwingtüren des heruntergekommenen Saloons tritt. Er ist kein Held, kein einsamer Sheriff, kein berüchtigter Verbrecher, aber dennoch kennt hier jeder seinen Namen: Silas Greaves. Mit klirrenden Stiefelriemen und knarzenden Holstern nimmt

der ehemalige Kopfgeldjäger am letzten freien Tisch Platz. "Silas Greaves? Der, der mit Billy the Kid geritten ist und die Dalton-Brüder zu Fall gebracht hat? Na dann lass mal hören, ob die vielen Groschenromane Recht behalten, alter Mann!" Die Zeit des Wilden Westens sind längst vorüber, doch Greaves lässt sich nicht zweimal bitten. Mit einem kurzen Handschlag rutscht der verstaubte Cowboyhut tief in Greaves Gesicht und nach einem letzten Schluck billigen Whiskeys beginnt der greise Headhunter von seinen Abenteuern zu erzählen. Gebannt lauschen die Umstehenden den Worten jenes berüchtigten Mannes, die an Fantasiegespinste zu erinnern scheinen. Erzählt er die Wahrheit oder spielen ihm Erlebtes und Wahnhaftes nur einen Streich?

 

Steuerung und Sound: waschechter Western meets soliden Shooter

 

Das Controllerlayout von Call of Juarez: Gunslinger ist eingängig und für Genrekenner kein Neuland. Die Analogsticks dirigieren Greaves aus der Egosicht durch die Level und justieren das Fadenkreuz, per Schultertasten werden die Waffen ausgewählt, abgefeuert und herangezoomt. Auf den Aktionstasten finden sich standardmäßig die üblichen Verdächtigen. Springen, interagieren, Haltungs- und Waffenwechsel gesellen sich dicht an dicht. Die spielerische Reaktion auf die eingegebenen Tastenbefehle erfolgt sofort und direkt. Via Tutorial zu Beginn der abenteuerlichen Reise mit Revolver und Co. finden aber auch Shooter-Neulinge schnell den Einstieg in Call of Juarez: Gunslinger.


Die akustische Inszenierung ist durchwachsen. Die englischen Synchronsprecher leisten gute und motivierte Arbeit, die deutschen Untertitel sind stimmig und auch die auditive Umsetzung von Waffensounds und Explosionen ist gut gelungen. Beim Soundtrack hingegen zeigen sich diverse Schwachstellen. Neben gelegentlichen Tonaussetzern bereitet vor allem die immer gleich klingende, nervig dudelnde Hintergundmusik Ohrenschmerzen. Die Feinabstimmung von lauten und leisen Geräuschen wirkt stellenweise so ungepflegt wie ein Cowboy, der seit drei Wochen bei Wind und Wetter durch die Prärie reitet. Sympathisch bleibt Silas Greaves aber trotz aller Macken, denn gerade die mitreißend und glaubwürdig unglaubwürdig erzählten Erlebnisse aus Greaves Mund sorgen für akustische Märchenonkel-Atmosphäre im Cowboy-Gewand.
 

Grafik, Gameplay und Umfang: Auch Kopfgeldjägern geht mal die Kundschaft aus

 

Call of Juarez: Gunslinger bietet eine hübsche Mischung aus knallbunter Cel-Shading-Ingame-Grafik und düster-dreckigen Story-Standbildern. Das Alter Ego sowie wichtige Figuren des Erzählstranges sind liebevoll und detailreich gestaltet. Die handgezeichneten Standbilder in Diashow-Form erzählen Silas Greaves´ haarsträubende Abenteuer im stylischen Look und glänzen mit eindrucksvollen Comicansichten. So bleiben Billy the Kid, Jesse James und Saloon-Girl Molly nicht nur ihres Namens, sondern auch ihrer Optik wegen in wohliger Erinnerung.

 

Bildergalerie von Call of Juarez: Gunslinger (18 Bilder)

Auf seinem Weg zu Ruhm, Ehre und Nuggets durchquert der Kopfgeldjäger aus der Egoperspektive detailgenau nachempfundene Westernstädte, lebendige Bergschluchten, staubige Täler, geplünderte Sägemühlen und vieles mehr. Die 14 schlauchartigen Level bieten allerhand Gegner-Gesocks. Mit Cowboyhüten ausgestattete Halstuchträger kämpfen Schulter an Schulter mit schwarzhaarigen Banditen, die ihr Gesicht mit Halstüchern vermummen. Unterstützt werden sie von mit Halstüchern maskierten Gangstern und Halstuch tragenden Gaunern... Angesichts der schieren Überzahl an mit dem roten Accessoire versehenen Feinden sorgt zumindest eine Handvoll eigenständiger Boss-Gegner für Abwechslung im monotonen Figurenaufkommen. Etwas mehr Ideenreichtum bei der Gestaltung der Widersacher wäre wünschenswert gewesen.

Call of Juarez: Gunslinger bietet leider auch beim Thema Gameplay wenig frischen Wind. Der rund fünf bis sechs Spielstunden umfassende Downloadtitel in Western-Arcade-Shooter-Manier ist in mehrere Episoden unterteilt, die den Spieler jeweils eines von Greaves Abenteuern in Rückblenden erleben lässt. Die primäre Aufgabe besteht dabei in heillosem Abballern von zahlreichen Gegnern. Die präzise Steuerung arbeitet hierbei sehr zuverlässig und ermöglicht es dem Spieler schon nach kurzer Zeit, sehr schnell sehr viele Feinde zu eliminieren. Ausgestattet mit Gewehr, Schrotflinte oder dem guten, alten Colt schreitet man so zügig Level um Level in der wendungsreichen Story voran. Feinde ins Visier nehmen, das ein oder andere TNT-Fass in die Luft jagen, gelegentlich Deckung suchen und weiter geht's Richtung Zwischenboss - so kann man Call of Juarez: Gunslinger in wenigen Worten zusammenfassen. Was monoton klingt und dank der starren, schlauchartigen Levelkonstruktion auch auf den ersten Blick so wirkt, erweist sich aber nach kurzer Zeit als spaßiges Shooter-Erlebnis der besonderen Art. Denn nicht nur die durch Kombos aktivierbare Zeitlupenfunktion samt Highscore-Jagd, sondern auch die mehrfach in Erscheinung tretenden Pistolenduelle sorgen für die nötigen "Aha"-Effekte. Letztere verlangen Fingerspitzengefühl und etwas Übung, gilt es doch, Fadenkreuz und Revolverhand zeitgleich zu koordinieren. Zur Belohnung hagelt es Erfahrungspunkte, die nach jedem Stufenaufstieg in einen kleinen, überschaubaren Talentbaum investiert werden dürfen. So lassen sich je nach Vorliebe zum Beispiel Schussfrequenz, Zielvermögen oder Munitionskapazität steigern und Silas Greaves Schritt für Schritt zum perfekten Pistolero ausarbeiten. Nettes Gimmick und kleine Spielerei für XP-Junkies!

Das, was Call of Juarez: Gunslinger trotz seiner fehlenden Abwechslung im Gameplay aber so unterhaltsam macht, ist die Story samt ihrer Inszenierung. Wenn Silas Greaves mit rauchiger Stimme die Geschehnisse am Bildschirm aus seiner Sicht der Dinge erzählt und sich diese mitunter als haarsträubendes Hirngespinst entpuppen, weil seine Zuhörer in der Bar ungläubig nachfragen, erzeugt das nicht nur eine wahnsinnig fesselnde Atmosphäre, sondern hat auch spürbare Auswirkungen auf den vorgegebenen Spielverlauf. So berichtet der Kopfgeldjäger beispielsweise von einem Hinterhalt aus mehreren Dutzend Outlaws, die bis an die Zähne bewaffnet nichts anderes wollen als seinen Tod. Noch während der Spieler sich in eben jener Situation befindet und schon dem virtuellen Ableben entgegen blickt, erklingt aus dem Off ein ungläubiges "So so, und wie bist du dann noch heute so lebendig?". Als Silas sich räuspert und etwas kleinlaut zugibt, dass er sich womöglich in der Menge der Feinde geirrt haben könnte, verringert sich mit einem Ploppen die Anzahl der sichtbaren Feinde auf eine Handvoll derangierter Kleinganoven. Techland hat die Lacher auf seiner Seite und außerdem noch einige überraschende Wendungen parat. Coole Idee und zudem ansehnlich optisch, akustisch und spielerisch umgesetzt.

Abseits der Kampagne mit bis zu drei Schwierigkeitsgraden (die es mit unter wirklich in sich haben) locken ein Arcade-Modus, Highscore- und Bestzeiten-Jäger sowie ein modifiziertes Duell-Shootout zielgenaue Konsolenschützen vor den Bildschirm. Die Einträge in den Online-Bestenlisten spornen zwar an, einen Multiplayermodus sucht man allerdings vergebens. Das macht aber nichts, denn mit den 54 in der Kampagne sammelbaren "Nuggets der Wahrheit" dürfen Interessierte massig Hintergrundinfos über die tatsächlichen historischen Ereignisse und real existierenden Western-Legenden nachlesen. Cowboyhut ab, Techland, so muss ein echter Western-Arcade-Shooter sein! Für etwa 15 Euro ein wirklich kurzweiliger, toll inszenierter Downloadtitel mit viel Atmosphäre, tollen Charakteren und einer extrem unterhaltsamen Story.


Das Fazit von: GloansBunny

GloansBunny

Was Techland mit Call of Juarez: Gunslinger abliefert ist erstklassige Unterhaltungssoftware auf Downloadgame- Niveau. Grafisch überzeugt die abenteuerliche Reise von Kopfgeldjäger Silas Greaves mit hübschem Cel-Shading-Look, detailverliebten und bunten Kulissen sowie toll inszenierten Charakteren der Marke Billy the Kid und Jesse James. Warum die Entwickler beim Thema Gegner-Design allerdings auf Gangster-Klone mit roten Halstüchern zurückgegriffen haben, bleibt schleierhaft, ebenso wie die nervig dudelnde Hintergrundmusik samt Tonaussetzern, die im laufenden Spiel die grandiosen englischen Synchronsprecher, die wuchtigen Explosionen und tollen Umgebungsgeräusche stellenweise in den Hintergrund stellt. Der wendungsreichen, unterhaltsamen Story, den einprägsamen Hauptfiguren und der ideenreichen Umsetzung der Hirngespinste des Alter Ego allerdings tun diese Makel keinen Abbruch. Für rund 15 Euro bietet Call of Juarez: Gunslinger fünf bis sechs Spielstunden Arcade-Shooter-Spass mit Wiederspielwert, der zwar durch mangelde Abwechslung im Gameplay bei maximal zwei Durchgängen beendet ist, aber trotzdem auch abseits der Singleplayer-Kampagne zu unterhalten weiß.


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positiv negativ
  • Intuitive, präzise Shooter-Steuerung
  • Tolle Cel-Shading-Grafik mit knalligem Comic-Skript
  • Wendungsreiche, unterhaltsame Story
  • Cooler Duell-Modus
  • Zahlreiche Daten und Fakten zu echten Wesern-Legenden
  • Einprägsame Charaktere, super Synchronsprecher
  • Echte Wild-West-Atmosphäre
  • Nervige Hintergrundmusik mit Tonaussetzern
  • Wenig Abwechslung im Gameplay
  • Extrem starre Schlauchlevel
  • Gegner unterscheiden sich optisch kaum





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