Carnival Games

Carnival Games

Publisher: Take 2
Genre: Partyspiel
Sub-Genre: Minispiel-Sammlung
Art: Midprice
Erscheinungsdatum: 06.11.2018
USK 0

Carnival Games   23.12.2018 von LorD Avenger

2K lädt freudig bunt zum Jahrmarkt auf der Nintendo Switch, der PS4 sowie der XBox One ein. Bei den Carnival Games stellt man sich in verschiedenen Kategorien drei Gegnern im Kampf um die meisten Tickets...

 

Gameplay

 

Als großer Minispiel-Fan und jemand, der stets auf der Suche nach Multiplayer-Spielen ist - speziell für die Switch - kam mir Carnival Games gerade gelegen. Jahrmärkte sind schließlich immer lustig, oder? Gerade auch bei den Videospielvarianten mit Bewegungssteuerung habe ich gute Erfahrungen gemacht, wenn ich z.B. an das PlayStation Move-Game Carnival Island zurückdenke, das mit viel Liebe entwickelt wurde und ein Heidenspaß war. Nun halte ich allerdings das neue Carnival Games in Händen und wäre auch mit einem Titel wie Cannibal Games fein - es macht nämlich annähernd so viel Spaß, wie im übergroßen Kochtopf eines Kannibalenstammes zu hocken und darauf zu warten, gar zu werden.

 

Zu Beginn darf man seinen Charakter individualisieren. Aus vier Vorgaben hat man die Wahl zwischen Geschlecht und Kind oder Erwachsenem, außerdem können noch Kleidung und Accessoires angepasst werden, wovon die meisten allerdings zunächst freizuschalten sind. Entsprechend stürzt man sich direkt ins Spiel - oder man versucht es zumindest. Es gibt die Auswahl zwischen zwei Spielmodi, die auf den ersten Blick allerdings überhaupt keinen Unterschied machen und auch auf den zweiten eigentlich kaum - in der einen Variante spielt man abwechselnd eine vorgegebene Anzahl von Minispielen aus jedem Bereich in der anderen spielt man so viel man möchte und wählt die Minispiele selbst aus. Viel Abwechslung gibt es hier zu Beginn allerdings nicht, denn auch die meisten Spiele sind gesperrt und müssen zunächst freigeschaltet werden. Selbst herauszufinden wie das funktioniert war unnötig anspruchsvoll, denn es gibt zwar die Anmerkung auf den ausgegrauten Feldern, dass man diese Spiele mit einer vorgegebenen Anzahl von Tickets freischalten kann, die Option ist einem aber nicht gegeben. Auch im Shop findet man lediglich Individualisierungsgegenstände für die Charaktere. Es brauchte eine ganze Weile, bis ich herausfand, dass man neue Minispiele lediglich in einem der Spielmodi freischalten kann, obgleich sie unterm Strich nahezu identisch sind mit zumindest der völlig identischen Benutzeroberfläche.

 

Also spielt man die wenigen verfügbaren Games solange, bis man genug Tickets gesammelt hat, um sich ein wenig was zu gönnen. Die Computergegner können in verschiedenen Schwierigkeitsstufen ausgewählt werden (auch diese Funktion ist unnötig unübersichtlich gestaltet), wobei die niedrigen Stufen kein Problem darstellen, die hohen hingegen in den meisten Spielen unmöglich zu besiegen sind. Die Minispiele an sich sind aber auch... ernüchternd. Es gibt lediglich 20 verschiedene Spiele, unnötigerweise aufgeteilt in verschiedene Themenbereiche, die im Grunde genommen überhaupt keinen Einfluss auf die Spiele selbst haben - auch hier hätte man also übersichtlicher gestalten können. Dafür, dass es nur 20 Games sind unterscheiden diese sich auch nicht ansatzweise genug - die meisten haben mindestens einen Klon, der im Grunde genommen dasselbe in leicht anderem Look ist. Entweder man wirft Ringe auf Stäbe oder man schleudert Bälle in Löcher, entweder man feuert in einer Geisterbahn auf Pappaufsteller oder stillstehend auf bewegliche Zielscheiben in einer Westernlandschaft, entweder man fährt in einem Miniaturflugzeug durch Ringe oder man fährt auf einem Hoverboard und sammelt Bälle... Wären die Spiele wenigstens gut umgesetzt, wäre alles ja halb so wild, aber sie sind so fürchterlich, dass selbst Kinder innerhalb von Minuten frustriert und/oder gelangweilt sind. Die Steuerung mit den Sticks ist signifikant besser als die Bewegungssteuerung, die ebenfalls erst - man ahnt es - freigeschaltet werden muss! Dieses Mal allerdings nicht mit Tickets, sondern mit einem bestimmten Highscore für jedes Minispiel einzeln. Auch das Umstellen auf die Bewegungssteuerung gestaltet sich äußerst schwierig (vom Zurückstellen ganz zu schweigen) und das anschließende Kalibrieren des Controllers wollte meistens in keine Himmelsrichtung funktionieren, wodurch das anschließende Spielen eine ähnliche Katastrophe wurde - die Richtungen waren so verschoben, dass ich das Fadenkreuz auf dem Fernseher steuern musste, indem ich den Controller auf die Wand hinter mit gerichtet habe (so gut wie gar nicht überspitzt ausgedrückt, leider). Unterm Strich spielt man also erheblich lieber mit den ganz normalen Knopf- und Sticksteuerungen, auch wenn diese z.B. bei den Schießstand-Minispielen viel zu langsam ist und man selbst gegen die einfachen Computergegener in Schwierigkeiten gerät.

 

Ein weiteres heftiges Manko: bei Spielen wie dem Ringewerfen kommt es nicht auf die Genauigkeit oder die Taktik an, sondern schlichtweg auf die Schnelligkeit. Sobald man einen Ring geworfen hat, hat man bereits den nächsten in der Hand und ist feuerbereit. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass man die Ringe (oder Bälle oder sonst was) wie ein Maschinengewehr raushauen kann und allein durch die Masse gewinnt, bzw. - wenn alle so spielen - das Game völlig sinnlos wird und totsicher keinen Spaß mehr macht. Streicht das "mehr" - das würde ja implizieren, dass es anders Spaß gemacht hätte.

 

Bildergalerie von Carnival Games (8 Bilder)

Grafik

 

Die nächste Katastrophe: Die Optik. Das Team hinter Carnival Games hatte mit diesem Spiel wirklich nicht viel zu programmieren (wenn man bedenkt, dass das aktuelle Mario Party 80 brandneue, abwechslungsreiche und vor allem spaßige Minispiele bereithält, gepaart mit diversen Spielmodi, einer Menge an Charakteren und dem Brettspielelement), wo man dann doch erwarten sollte, dass sie sich wenigstens mit dem Look etwas Mühe gegeben hätten. Wahrscheinlich wussten sie aber um die Qualität des Gameplays und haben dahingehend auch sämtliche Bemühungen bei der Grafik eingestellt. Diese ist nämlich gruseliger als jede Fahrt auf der enthaltenen Geisterbahn. Sei es die Optik der simpel gehaltenen Cartoon-Charaktere, ihre Bewegungsanimationen, die Umgebungen oder sämtliche andere animierte Elemente. Selbst das Menü ist so schlecht und langweilig, dass man von den meisten Mobile Games Besseres gewohnt ist.


Das Fazit von: LorD Avenger

 LorD Avenger

Es tut mir aufrichtig leid das sagen zu müssen, aber Carnival Games ist einfach fürchterlich. Ich habe zwanghaft nach positiven Aspekten gesucht - vergeblich. Das Spiel umfasst lediglich 20 Spiele, wovon mindestens die Hälfte Klone in anderem Look sind und auch nur zwei Spielmodi, die sich lediglich darin unterscheiden, wie viele derselben Minispiele gespielt werden. Für diesen Umfang hat man es erstaunlich gut geschafft, selbst die einfachsten Funktionen - wie das Freischalten neuer Minispiele z.B. - schockierend kompliziert und undurchsichtig zu gestalten (Dinge, die jedem Spieletester eigentlich hätten auffallen müssen). Selbst, wenn man es bis zum Spielen schafft, wünscht man sich, dass am besten alle Minigames gesperrt wären, denn ausnahmslos alle davon sind fürchterlich. Ganz davon abgesehen, dass das Niveau der Grafik mindestens zwei Konsolengenerationen zurückliegt, ist die Aufmachung der Spiele so langweilig und statisch, dass Däumchendrehen bereits mehr Spaß macht und die Steuerung so fürchterlich, dass man alles genauso gut mit einem Guitar Hero-Instrument steuern könnte. Die Entwickler wussten schon, warum sie die Bewegungssteuerung nur mit Highscores freischalten ließen - weil sie zum einen wussten, dass daran absolut nichts funktioniert und weil sie gar nicht erwartet haben, dass irgendjemand mit der ohnehin schon schlechten Normalsteuerung überhaupt besagten Highscore erreichen könnte.


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positiv negativ
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