Chrysanthemenbande

Chrysanthemenbande

Originaltitel: La banda de los tres crisantemos
Genre: Krimi - Thriller
Regie: Ignacio F. Iquino
Hauptdarsteller: Dean Reed, Daniel Martin, Fernando Sanchez, M ...
Laufzeit: 87 Minuten
Label:
FSK 18

Chrysanthemenbande  04.09.2009 von derstefan

Treffpunkt Chicago in den 30er-Jahren, wir sind im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die drei Brüder Owen, Frank und Cliff Olinger sind in schicken Anzügen auf einem Streifzug durch die (damals noch) reichen Banken des Landes und sie nehmen mit, was sie nur können. Was sie dazu antreibt? Geldgier, Machtgefühl aber auch ein Sinn für ausgleichende Gerechtigkeit. Ein ungewöhnlicher Thriller aus dem Jahre 1970, erstmals auf DVD.

 

Der Schauplatz: Eine Bank, irgendwo in der Nähe von Chicago. Wir werden Augenzeuge eines bewaffneten Überfalls. Dummerweise gab es damals noch keinen „stummen Alarm“ und so wird von einem Bankangestellten nicht nur eine schrille Alarmklingel ausgelöst sondern auch Schüsse aus der Pistole von einem der Bankräuber. Die Arbeitnehmer werden über den Haufen geknallt, doch nicht nur diese nehmen Schaden. Der jüngste Bruder der Olingers wird angeschossen und kann von seinen Brüdern gerade noch lebendig in das Fluchtauto gehievt werden, um vor den alarmierten Polizisten zu fliehen. Die Flucht gelingt mit Ach und Krach und auch das Geld kann gerettet werden.

Den ungewöhnlichen Namen hat die Bande durch ein dunkles Kapitel im Leben ihres Anführers zu verdanken. Traumatisiert durch die Erschießung seiner Freundin durch einen Cop legt er ihr regelmäßig frische Chrysanthemen auf ihr Grab und rächt sich nun an der bösen ungerechten Welt und vor allem an Polizisten. Die Flucht der schweren Jungs führt sie in ein einsames Städtchen, in dem sie Unterschlupf und vor allem einen Arzt suchen, der ihren Bruder wieder zusammenflickt. In einem Hotel/Bordell finden sie eine Möglichkeit in der sie sich einigermaßen sicher fühlen. Doch mit der Zeit fällt es dem Kopf der Chrysanthemenbande immer schwerer seine Männer im Zaum zu halten. An ihr Geld kommen sie nämlich erst dann, wenn es dem Bruder wieder besser geht und sie gemeinsam weiterziehen können. Als sie sich weibliche Geiseln nehmen spitzt sich die Situation extrem zu: Die Männer haben ihre Triebe nicht mehr im Griff und sie streiten sich mit der Zeit immer mehr. Auch dem Bruder geht es nach einigen Tagen immer noch nicht besser und es treten auch noch der Vater und eine Stiefschwester der Bande auf den Plan. Kann es überhaupt einen Ausweg für alle geben?

Ein Film wie eine Grindhouse-Steilvorlage für den nächsten Tarantino-Film. Er ist roh, bedient Fleischesgelüste und ist mit einer Menge Gewalt gespickt. Die Darstellung ist für einen Film Anfang der 70er sehr explizit. Die Mädels verlieren teilweise komplett ihre Bekleidung, gestorben wird so einige Male (wenn auch sehr blutarm) und sprachlich wie zwischenmenschlich geht es allgemein eher ruppig zu. Einige Szenen wirken leicht surreal: Man merkt, dass Ende der 60er die bewusstseinserweiternde Drogenzeit in der Unterhaltungskultur Einzug gehalten hat. Ich kann es mir wirklich bildhaft vorstellen, wie Mr. Tarantino bei einer Aufführung in seinem heimischen Kino an einigen Stellen seine berühmten Ausraster bekommt und aus dem Sitz springt.

Der Hauptdarsteller Dean Reed spielt in diesem Streifen seine wohl ungewöhnlichste Rolle. Normalerweise war er bereits in der Branche als Softie verschrien, hier kann er als cooler Gangster und Ladykiller Punkte machen. Interessantes, wenn vielleicht auch unnützes Filmwissen: Dean Reed war im Ostblock ein Star, da er marxistische Ideen unterstützte. Wahrscheinlich war das auch einer der Gründe, warum er in seiner Heimat Amerika nie richtig den Durchbruch schaffte.

Das Bildmaterial ist in Ordnung, wurde aber direkt von der Filmrolle digitalisiert. Dies bedeutet, dass einige Szene eine leichte Unschärfe auszeichnet und nicht ganz saubere Cuts auftreten. Aber das unterstreicht nur den speziellen Charakter des Films.


Das Fazit von: derstefan

derstefan

Den gesamten Film kann man mit voller Berechtigung als ungewöhnlich bezeichnen, er wird sicher nicht jedem gefallen. Ich kann mir auch nicht besonders gut vorstellen, dass all zu viele weibliche Zuschauer große Laune an dem Streifen haben werden. Wer Spaß an Filmen von Regisseuren wie Sam Peckinpah oder den Spät-Western hat, in denen es etwas gröber zur Sache geht, der kann hier zugreifen. Er ist grob, ungeschliffen und „raw like Sushi“. Und wer weiß: Nach dem Remake von „Inglorious Basterds“ traue ich Tarantino jetzt wirklich alles zu, auch eine moderne Variante dieses Streifens!




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