College Killer

College Killer

Originaltitel: The Sleeper
Genre: Horror
Regie: Justin Russell
Hauptdarsteller: Brittany Belland • Jason Jay Crabtree
Laufzeit: DVD (86 Min) • BD (89 Min)
Label: Tiberius Film
FSK 18

College Killer   08.02.2015 von Beef Supreme

Slasherfreunde haben’s dieser Tage wahrlich nicht leicht. Freddy hat sich schon lange nicht mehr aus seinem Traumland herausgetraut, Michaels letzte Halloweenparty liegt schon einige Jahre zurück und auch auf Jasons Besuch muss dieses Jahr trotz haufenweise dreizehnter Freitage verzichtet werden. Doch grämt euch nicht, werte Leser, es werden auch so genügend College Teenies ihrem vorzeitigem Ableben entgegengeführt. Wo kämen wir denn hin, wenn ein Jahrgang ohne Verluste durchs Semester kommen würde. Campus frei für den College Killer!

 

Wir schreiben das Jahr 1981, wo der Sprit noch billig war und man für soziale Interaktion vor die Tür musste. Schon damals ging der Trend zum Mehrfachmord, vorzugsweise an wehrlosen Studentinnen. So kommt es auch, dass ein namenloser Heimwerker es sich zum Ziel gemacht hat, die Schwesternschaft der drei nichtssagenden griechischen Buchstaben sportlich auszudünnen. Zum Glück hat Amy gerade Lust, eben jener Schwesternschaft beizutreten. Warum? Das pinke Flugblatt war so hübsch. Macht mir gar nichts aus, mehr Futter für den Zimmermannshammer.

 

Man merkt es schon, sehr tiefgründig geht’s beim College Killer nicht zur Sache. Macht aber auch nichts, Handlung können andere und wird hier auch gar nicht erwartet, so lange man sich auf althergebrachte Tugenden konzentriert: Hübsche Mädels möglichst kreativ umlegen und dabei grantig gucken. Am besten hat man dafür noch irgendeinen bescheuerten Grund parat, damit’s nicht ganz so platt und selbstzweckhaft wird, denn dann klappt’s auch mit der FSK. Gut, die Mädels sind durchaus hübsch, das hängt aber vom persönlichen Geschmack ab – Check. Auch fallen sie wie die Fliegen – Check. Halunke schielt schaurig in die Kamera, während er den Blutzoll einfordert – Check. Nur das mit dem Motiv haut hier nicht ganz hin. Keine Hintergrundgeschichte, keine verflossene Liebschaft oder was sonst so herhalten muss, und vor allem: Kein Name für den bösen Burschen. Bis zum Ende erfährt man nicht, warum unser namenloser Baumeister Bob Köpfe anstatt Nägel in Wände drischt, was den Film eine ganze Ecke lahmer wirken lässt. Einzig seine Faibles dafür, Z’s auf Schwarzweißfotos seiner Opfer zu kritzeln und Scherzanrufe zu tätigen werden dem Zuschauer näher gebracht, mehr Hintergrund gibt es nicht.

Na gut, auf zum gewalttätigen Teil, wenn schon das Warum nicht will, sollte wenigstens das Wie taugen. Und prinzipiell tut es das auch, aber nicht in dieser Veröffentlichung. College Killer wurde vorsorglich und übermotiviert zusammengeschnippelt, um bei der FSK als braver Bube dazustehen. Wurde auch prompt mit einem strahlend blauen 16er-Siegel belohnt. Da sich aber die verruchten roten Siegel besser verkaufen, wurden schnell noch ein paar Trailer draufgepackt, um die begehrten fehlenden 2 Jahre zu bekommen. Der unbedarfte Zuschauer bekommt dafür dann einen Filmtorso, der fast alles blutige Material vermissen lässt, da so gut wie jede Gewaltdarstellung entfernt wurde. Und abseits toter Mädels hat College Killer nicht besonders viel zu bieten. Da vermisst wurde, dem Killer ein bedrohliches Image zu verpassen und die Rahmenhandlung quasi nicht existent ist, entsteht eigentlich auch keinerlei Spannung. Vor allem weil der Killer wie so oft die Fähigkeit hat, sich durch die Welt zu beamen. Er verfolgt seine Opfer nicht, er materialisiert sich hinter ihnen, um anschließend in Windeseile zu verpuffen. So geht jegliches Potential auf Spannung flöten, weil alle Erscheinungen so voraussehbar sind, wie das, was er als nächstes vor hat. Zumal er sein nächstes Ziel immer per besagtem Scherzanruf liebevoll in den Hörer röchelt.

 

Bildergalerie von College Killer (15 Bilder)

Wenn der Film auch in seinen Kernkompetenzen schon kaum über Mittelmaß kommt, eins kann man ihm nicht absprechen: Flair. Ich musste mich zwei Mal vergewissern, dass der Film 2012 und nicht irgendwann in den 80ern gedreht wurde. Nichts erinnert hier daran, dass mit modernem Equipment oder in der heutigen Zeit gedreht wurde - und das mit Absicht. Der Look erinnert in jeder Szene an die typischen 80er-Slasher. Grobkörniges Bild, der Zeit entsprechende Sets und Ausstattung, auch die Klamotten hätten vom Set von Dirty Dancing geklaut worden sein können. Natürlich wurde nicht vergessen überbordend viele Synthie-Sounds und einen klassischen Oldschool-Score einzubauen. Nostalgiker werden zumindest was „Look and Feel“ angeht, voll auf ihre Kosten kommen. Freunde modernerer Technik sehen dagegen in die Röhre. Buchstäblich.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

College Killer ist Durchschnittskost für die darbende Slasherseele. Nicht mehr, dafür aber vielleicht etwas weniger. Durch die kruden Schnitte fehlt so ziemlich alles, was einen gewalttätigen Film ausmacht, nämlich die Gewalt. Spannung sucht man vergeblich, genauso wenig wie Logik oder ein Motiv. Hätte man sich die Mühe gemacht, dem Mörder einen Charakter zu verpassen, hätte das vielleicht ein wenig retten können Aber so macht es nur mäßig Laune, dem Namenlosen dabei zuzusehen, wie er einfach so irgendwo erscheint, -Zensur- und wieder abtritt. Dieser Film ist höchstens was für Nostalgiker, die wenig Wert auf Story, Konsistenz oder visuelle Darstellung gewaltsamen Ablebens legen. 


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