Comedown

Comedown

Originaltitel: Comedown
Genre: Horror
Regie: Menhaj Huda
Hauptdarsteller: Jacob Anderson • Sophie Stuckey
Laufzeit: ca. 93 Min.
Label: Capelight Pictures
FSK 18

Comedown   19.07.2013 von Beef Supreme

Was macht man, wenn man gerade aus dem Knast kommt und eine schwangere Freundin zuhause auf einen wartet? Richtig, man geht erst mal zu seinen verkommenen Kumpels und hängt, zusammen mit besagter, trächtiger Freundin, im heruntergekommensten Loch rum, das sich auf die Schnelle auftreiben lässt. Es ist ja auch nicht so, dass man ein großes, bequemes Zuhause hätte, worauf man sich nach 3 Monaten Seife aufheben freuen könnte. Unnütze, gelangweilte Jugend. Nur Saufen, Drogen und Scheiße bauen im Kopf. Ein Glück, dass gleich von vornherein klar ist, dass nicht alle durchkommen werden.


Schaffe schaffe, Scheiße baue


Lloyd kehrt gerade von einem 3-monatigen Aufenthalt in der Staatswellness zurück und trifft sich erst mal mit seinen verlotterten Freunden. Glücklicherweise haben die auch schon das nächste Ding am Start, lange sauber bleiben ist einfach uncool, vor allem wenn man den Titel „Best Daddy in da Hood“ anpeilt. Sie sollen in einem verlassenen Hochhaus eine Antenne für einen Piratenradiosender anbringen. Ergo 2 Teile aneinander tackern und irgendwo festklemmen. Handwerklich begabt, wie die nutzlose Truppe ist, hört sich das nach einem 6-Mann-Job an.

 

An besagter Semi-Ruine angekommen wird sich erst einmal gewundert, dass der Lift funktioniert. Dass dem nicht so war, als die Bruchbude noch bewohnt war, ist natürlich Wurst. Also hoch in den obersten Stock und los geht die Party. Dumm nur, dass die Gangstaz nicht allein sind. Eine verfeindete Gang und ein ominöser Schattenmann treiben sich auch noch in den vollgepissten Gemäuern herum. Hinweise darauf ignorierend, man hat ja Eier so groß wie Blauwale, macht es sich die Entourage bequem und knallt sich die Rübe mit allem weg, was sie finden können. Dumm nur, dass das den anderen Nichtmietern nicht so passt.


Deppen unter sich


Unglaublich, wie viele unsympathische Charaktere man in einen Film zusammenpferchen kann. Abgesehen vom tumben Tollpatsch der Crew stolpern in Comedown nur halbstarke Clowns rum, die einen sehr schnell die Menschenrechtskonventionen vergessen lassen. Es ist zwar zu erwarten, dass das große Aussieben beginnen wird, doch Comedown lässt sich jede Menge Zeit damit. Zunächst müssen ein ganzer Haufen hohle Sprüche gedrückt und dicke Eier zelebriert werden. Dabei wird die Handlung kaum vorangetrieben; man sieht eigentlich nur ein paar Deppen beim professionellen Scheißebauen zu. Und bei allem wertlosen Gelaber erfährt man noch nicht mal was zum Hintergrund der Charaktere. Die erste Viertelstunde ist zum Beispiel ein hochpräziser Griff ins Klo, bestaunt man doch nur wirr zusammengeschnittene Aktionen ohne zeitliche Einordnung und Zusammenhang. Konsistent wird’s dann erst im Hochhaus, dafür aber umso inhaltsleerer. Bitte nicht falsch verstehen, ich bin der Letzte, der tiefgängige Handlung bei einem Schlachtfest fordert, aber wenn ein Streifen so lange braucht, bis die erste leblose Hülle den Staub aufwirbelt, dann sollte man wenigstens die Zeit nutzen.

 

Kommen wir also zum lang ersehnten Blutbad, es wird Zeit, dass endlich jemand den Löffel abgibt, ich kann das hirnlose Gelaber von diesen grenzdebilen Sauerstoffverschwendern nicht mehr hören. Info am Rande, es ist übrigens nicht gut für die Immersion, wenn man sich das Ende der Hauptcharaktere herbeisehnt. Nach einer zähen Dreiviertelstunde findet endlich was Größeres, als eine Ratte sein Ende und das ist sogar ziemlich gut inszeniert, hätte man doch schon fast nicht mehr dran geglaubt. Aber nach diesem ersten Hallo-Wach-Mord nehmen die Schauwerte wieder ab, geschuldet dem mangelnden Budget. Es wird zwar weiterhin und auch reichlich gestorben, jedoch sorgt die Kameraführung dazu, dass man alle interessanten Details NICHT sieht. An manchen Stellen wirklich schade, denn das, was man erkennt, sieht gar nicht so übel aus, Stichwort Nagelpistole.

 

Bildergalerie von Comedown (11 Bilder)

Licht? Welches Licht?

 

Comedown spielt hauptsächlich im Dunkeln, denn wie wir wissen, arbeitet es sich da am besten. Wer erinnert sich nicht dran, als Handwerker Harry um 2 Uhr morgens geklingelt hat, um das verstopfte Siphon zu reparieren. Auf jeden Fall gibt’s in der gesamten Behausung kaum eine leuchtende Funzel, aber Licht muss ja auch nicht immer sein. Der Film ist eigentlich durchweg ziemlich düster gehalten und bringt das nervigste Bildrauschen seit Analogfernsehen mit sich. Als wäre das nicht genug, machen die dunklen Bilder auch noch jedem Disco-Stroboskop Konkurrenz, was die Äuglein wirklich belastet. Der Ton hingegen geht in Ordnung, wenn auch manche Sounds nicht so passend eingesetzt wurden, gesägte Knochen hören sich in echt glaube ich nicht an, wie gesägtes Metall. Auch die deutsche Vertonung verursacht weniger Leid, als erwartet. Andernfalls stünde noch die englische Tonspur zur Verfügung, doch da ich mein Studium des Gangzta British English abgebrochen habe, blieb mir der Inhalt der tiefsinnigen Konversationen verschlossen. Der Disk liegen nebst Film noch ein paar Interviews, ein Making-of und Trailer bei. Wer sich vom FSK-Logo persönlich angegriffen fühlt, darf das Cover zudem wenden und erblickt dann tatsächlich erneut das Porträt des Betonblocks.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Traurig gelaufen für Comedown. Die Idee im Ansatz gut, die Ausführung jedoch versemmelt. Klar, Kreativitätspreise wird der Streifen nicht abgreifen, doch es hätte durchaus interessant werden können, wäre die Umsetzung professioneller gelungen. So beschränkt sich der Film darauf, nervige Jugendliche beim Versagen abzulichten und dabei im Zuschauer nur Abscheu zu erzeugen. Dass es dann noch so lange dauert, bis endlich die ersten fallen wäre auch nicht so schlimm, würde sich die erste Hälfte nicht so ziehen. Wäre hier mehr Geld im Spiel gewesen und hätte sich das Drehbuch mehr auf die Charakterzeichnung konzentriert, hätte Comedown sogar gut werden können. Hätte, wäre, würde, viele Konjunktive, keine Tatsachen. Tatsache hingegen ist, dass Comedown einfach nicht gut geworden ist.


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