Das Mädchen Wadjda

Das Mädchen Wadjda

Originaltitel: Wadjda
Genre: Drama
Regie: Haifaa Al-Mansour
Hauptdarsteller: Waad Mohammed
Laufzeit: DVD (94 Min) • BD (96 Min)
Label: Koch Media Home Entertainment
FSK 0

Das Mädchen Wadjda   04.05.2014 von Zahnfee

Kinder haben so ein unbeschwertes Leben. Wie oft wünscht man sich als Erwachsener, man könnte noch einmal für einen Tag ein Kind sein. Den Stress des Alltags hinter sich lassen, und einfach wieder mit den Freunden durch die Straße ziehen. Doch nicht für alle Kinder auf der Welt ist der Alltag so leicht, wie wir ihn in Erinnerung haben. Viele wachsen in restriktiven Systemen auf und müssen sich Traditionen beugen, die ihnen viele Steine in den Weg legen. Von so einem Kind erzählt uns der Film Das Mädchen Wadjda. Schauen wir doch einfach, was dieses Werk für uns bereit hält …

 

Wadjda (Waad Mohammed) ist zehn Jahre alt und lebt in Riad. Ihr Vater (Sultan Al Assaf) ist selten zu Hause, die Mutter (Reem Abdullah) muss früh das Haus verlassen, um von einem Fahrer zur Arbeit gebracht zu werden, denn Frauen ist es in Saudi Arabien untersagt, selbst Auto zu fahren. Ihre Freizeit verbringt sie meistens mit ihrem Freund Abdullah (Abdullrahman Al Gohani), der sie nur zu gerne neckt, indem er ihr beispielsweise den Schleier vom Kopf zieht und dann mit seinem Fahrrad davon fährt.

 

Und ein Fahrrad ist es, von dem auch Wadjda träumt. Eines Tages möchte sie ein eigenes besitzen und mit Abdullah Rennen auf der Straße fahren. Doch auch das Rad fahren ist den Frauen verboten, und so muss Wadjda äußerst einfallsreich vorgehen, um sich das Geld für ihren Traum selbst zu erarbeiten. Als ihr florierender Armbändchen- und Kassettenhandel an der Schule unterbunden wird, beschließt sie, am Koran-Wettbewerb teilzunehmen und zu gewinnen. Denn vom Preisgeld kann sie sich das Fahrrad problemlos leisten. Die Probleme ihrer Eltern blendet sie dabei aus, bis es eines Tages zu spät ist …

 

Wird Wadjda den Wettbewerb gewinnen und sich den Traum vom eigenen Fahrrad erfüllen können? Oder wird ihr Traum von einem Stückchen Freiheit Opfer der gesellschaftlichen und religiösen Restriktionen? Und werden sich ihre Eltern wieder versöhnen?

 

Auch wenn die Beschreibung des Films vielleicht eher seicht klingt, Das Mädchen Wadjda ist alles andere als leichte Kost für jemanden, der in der westlichen Welt aufgewachsen ist. Frauen dürfen in Saudi Arabien weder Auto noch Fahrrad fahren. Können Sie einem Mann keinen Sohn gebären, darf dieser sich eine Zweitfrau nehmen. Alleine oder gar unverschleiert dürfen sie nicht auf die Straße, denn das ist unzüchtig, und früh verheiratet werden ist an der Tagesordnung. Auch der generelle Umgangston der Männer mit den Frauen schockiert. Da ist zum Beispiel diese Szene, als Wadjda an einer Baustelle vorbei kommt und einer der Bauarbeiter sie einlädt, nach oben zu kommen und ihm ihre “Äpfelchen” zu zeigen. Kein Wunder, dass die Mädchen direkt den Pausenhof verlassen und in das Schulgebäude flüchten, wenn ein Mann einen Blick auf sie wirft.

 

Nur Wadjda ist das egal. Sie ist eine kleine Revolutionärin und instrumentalisiert die gesellschaftlichen Erwartungen zu ihrem eigenen Vorteil. Um Konventionen schert sie sich nur bedingt. Sie trägt zwar ihren Schleier und ihr graues Schulgewand, doch während alle Mädchen schwarze Ballerinas tragen, wie es Sitte ist, zieren Wadjdas Füße sportliche Sneaker. Sie hört westliche Musik, spielt mit Papa Ego-Shooter auf der Konsole und lässt sich von ihrem Freund das Fahrrad fahren beibringen. Sie ist die neue Generation, die nicht mehr alles einfach hinnehmen, sondern sich Freiheiten erkämpfen will.

 

In Saudi Arabien dürfen Filme weder gedreht noch vorgeführt werden, und es grenzt fast an ein Wunder, dass die Regisseurin Haifaa Al-Mansour die Genehmigung bekam. Mit welchen Herausforderungen der Dreh verbunden war könnt Ihr im Making Of sehen, das wirklich sehr interessant ist. Wer jetzt allerdings erwartet, dass Das Mädchen Wadjda vor Sozialkritik nur so strotzt, der irrt leider. Die Kontroverse wird hier nur in kleinen Bereichen und äußerst wohldosiert gesucht. Trotzdem ist es da, das leise Anpragern von Doppelmoral und veralteten Traditionen. Man muss nur sehr genau hinschauen, um es zu sehen.


Bildergalerie von Das Mädchen Wadjda (7 Bilder)

Technisch bewegt sich Das Mädchen Wadjda auf dem Niveau einer Fernsehproduktion, was der Atmosphäre und dem Inhalt allerdings nicht im geringsten schadet. Der Film wirkt dadurch eher noch authentischer und näher am Publikum, als es jeder groß produzierte Blockbuster je sein könnte. Actionreich ist Das Mädchen Wadjda nicht, und das merkt man auch am frontlastigen Ton. Das muss er aber auch gar nicht sein, denn dieser Film weiß auch ohne Intrigen und Herumgeballere zu fesseln.


Das Fazit von: Zahnfee

Zahnfee

Die auf der Hülle abgedruckten, lobenden Worte versprechen nicht zuviel. Das Mädchen Wadjda ist ein kleines Juwel, das den Zuschauer ganz tief im Inneren berührt. Ein auf vielen Ebenen sehr mutiger Film, der uns nicht nur dazu bringt, die Welt einmal mit anderen Augen zu sehen, sondern uns auch durchaus ein Gefühl der Dankbarkeit für das vermittelt, was wir nur zu oft als ganz selbstverständlich ansehen. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich anfangs skeptisch war, als ich den Film zur Rezension bekam, denn häufig sind solche Nischenfilme eher langweilig als interessant. Ich bin froh, dass ich eines Besseren belehrt wurde und mir diesen wunderbaren Film ansehen durfte, den ich Euch allen nur wärmstens empfehlen kann.


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