Das Schwarze Auge: Schicksalsklinge HD

Das Schwarze Auge: Schicksalsklinge HD

Publisher: EuroVideo
Entwicklerstudio: Crafty Studios
Genre: Rollenspiel
Sub-Genre: Rundenbasiertes Rollenspiel
Art: Midprice
Erscheinungsdatum: 30.07.2013
USK 16

Das Schwarze Auge: Schicksalsklinge HD   30.10.2013 von Benji

Die Nordlandtrilogie gehört für die deutschen Rollenspieler zu den bedeutsamsten ersten großen Computerspielen. Mit dem Versuch die Pen & Paper Regeln auf ein elektronisches Medium zu übertragen, lagen die Spiele Anfang der 90er voll im Zeitgeist. Jetzt haben sich die Crafty Studios an einem HD-Remake des ersten Teiles Schicksalsklinge probiert. Doch kann ein 20 Jahre altes Spiel heute noch mit modernen Formaten konkurrieren?

 

Einen guten Start haben die Crafty Studios mit dem Remake von Schicksalsklinge nicht gerade hingelegt. Mit einer großen Menge an Bugs und Spielfehlern war die erste Release-Version nahezu unspielbar. Zudem waren noch gar nicht alle Zauber und Kampfanimationen integriert. Mit einem Marathon an Updates sollten diese Probleme in den nachfolgenden Monaten bewältigt werden. Sodass wir Sofahelden uns entschieden haben, für eine Bewertung des Spiels erst mal abzuwarten. Jetzt sind die größten Schnitzer ausgebügelt worden und es wird Zeit einen letzten Blick auf das Endergebnis zu werfen.

 

Von der Geschichte her hat sich nichts verändert. Nach wie vor sucht die Heldengruppe eine legendäre Waffe, um eine drohende Ork-Invasion aus dem Norden aufzuhalten. Diese Einleitung wird im HD-Remake durch eine etwas unfreiwillig komisch wirkende Intro-Sequenz erzählt. Ein übertrieben dramatisch klingender Sprecher liest den Einführungstext vor, der sich ebenfalls zum Original nicht verändert hat. Währenddessen stehen bewegungslos einzelne Figuren auf einem etwas pixelig wirkenden Bergmassiv. Bevor also das Spiel losgegangen ist, ist die Spielfreude auf keinem hohen Niveau.

 

Zumindest hat sich konsequenterweise auch das Spielprinzip nicht verändert. Ihr steuert wie früher eine Abenteurergruppe, die ihr nun durch eine 3D-Umgebung bewegt. Es geht los im Travia-Tempel, wo ihr diese Heldengruppe erst mal individualisieren könnt. Neue Abenteurer können erstellt und mit ersten Erfahrungspunkten eingerichtet werden. Die Möglichkeiten orientieren sich an einem abgespeckten Regelset der Pen & Paper Vorlage. Das heißt, das nicht alle Zauber und Fertigkeiten enthalten sind, was aber auch aufgrund der schieren Anzahl dieser nur schwer möglich gewesen wäre.

 

Bildergalerie von Das Schwarze Auge: Schicksalsklinge HD (9 Bilder)

Nachdem die Gruppe steht, wirft das Spiel den Spieler direkt ins kalte Wasser. Ohne große Vorgaben mit einem kleinen Hinweis auf die nächste Taverne geht es direkt in die etwas leblose 3D-Umgebung. Im 90er Jahre Original war die Welt für damalige Verhältnisse typisch groß, aber ohne andere Lebewesen. In einem modernen Spiel würde dieses Faktum etwas seltsam wirken, weswegen die Entwickler der Crafty Studios sich für halbgar animierte Figuren entschieden haben, die in der Spielwelt etwas steif in der Gegend rumstehen. Ansprechen kann man diese Personen nicht. Stattdessen wirkt es fast ein wenig gespenstisch, wenn man durch die Welt läuft und das Gefühl bekommt, durch ein Puppenhaus zu laufen.

 

In der Taverne gibt es einige Spielminuten später den ersten Auftrag. Klassisch für Das Schwarze Auge und auch durchaus positiv für das Spiel, können die Charaktere hier auch soziale Fertigkeiten einsetzen, um die Gruppe voranzubringen. Ein kleiner Tanz lockert die Stimmung, und wenn der Barde zur Laute greift, kann das auch die Gruppenkasse ein wenig aufstocken.

 

Doch so schön die Nähe zum Original auch ist, etwas passt in diesem HD-Remake absolut nicht. Die Mischung aus originalgetreuen und modernen Elementen ist hier absolut nicht gelungen. Weder kann Schicksalsklinge HD mit den modernen Rollenspielen mithalten, noch kommt das im Gegenzug so wichtige Retro-Feeling auf.

 

Das wird vor allem in den Kämpfen sichtbar. Das rundenbasierte Format auf dem Schachbrett ist typisch für die Nordlandtrilogie. Hier hatten es die Spiele damals geschafft, die Pen & Paper Vorlage extrem regeltreu nachzubilden. Es ist also der Kern des Spiels und sollte entsprechend den meisten Fokus bekommen. Doch im Remake fühlen sich die Kämpfe extrem kaputt an. Die Animationen der Figuren wirken fast schon schlechter als jene im 2D-Vorbild. Das Raster der Kampfplätze mag nicht ganz zu den Bewegungen der Figuren passen und die Steuerung reagiert arg schwach auf meine Mausbefehle.

 

Trotz der enorm vielen Patches wirkt Schicksalsklinge einfach noch nicht fertig und aufgrund der bis dato investierten Zeit bleibt wohl zu bezweifeln, ob das recht unerfahrene Entwicklerstudio mit diesem Mammutprojekt nicht eine Nummer zu groß gegriffen hat. Das ist insgesamt schade, denn ein gelungenes Remake der Nordlandtrilogie wird von den Fans nicht ohne Grund sehnlichst herbeigewünscht.


Das Fazit von: Benji

Benji

 

Ich wollte den Crafty Studios extra ein wenig Zeit lassen, um den verfrühten Release mit dem Patch-Engagement auszugleichen. Doch leider hat sich an den grundsätzlichen Problemen des Spiels nur wenig getan. Auch wenn die schwerwiegendsten Bugs verschwunden sind, fühlt sich Schicksalsklinge HD nicht wie ein vollwertiges Rollenspiel an. Man muss und darf den Titel sicherlich nicht mit Riesenprojekten wie Skyrim vergleichen, aber selbst im Vergleich zum 90er Jahre Original, macht dieses Remake keinen guten Eindruck. Schade!


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