Demon's Souls

Demon's Souls

Publisher: Namco Bandai
Entwicklerstudio: From Software
Genre: RPG
Sub-Genre: Action-/ 3rd Person RPG
Art: Vollpreistitel
Erscheinungsdatum: 30.07.2010
USK 16

Demon's Souls   16.08.2010 von Beef Supreme

Japan, Land der aufgehenden Sonne, des Lächelns, Herberge  vieler kleiner lustiger Leute mit Fotoapparaten, selbstreinigenden Klobrillen und Saugnapfkappen. Pagoden säumen, neben Wolkenkratzern mit vielen fleißigen Menschen, Kirschbaumhaine. Einer dieser Wolkenkratzer bietet auch den Recken von „From Software“ ein warmes Arbeitsplätzchen und ein Dach über dem Schreibtisch. Eben jene präsentieren uns Demon’s Souls, dem wahrscheinlich härtesten Action Rollenspiel der letzten und kommenden 5 Jahre…

Gleich vorweg: Wer es gewohnt ist, mal eben hier und da ein Stündchen zu zocken oder eine geringe Frusttoleranzgrenze sein eigen nennt, der wird mit diesem Brocken wenig Freude haben. Denn das Spiel ist hart, sehr hart und ihr werdet oft sterben, sehr oft sogar! Demon Souls (DS) ist nichts für sogenannte Casual Gamer, welche sich in der Quicksave Oase sicher und heimisch fühlen. DS wird euch brechen, um euch neu zu formen,euch ein neues Verständnis von Spielerlebnis zu verschaffen und Errungenschaften und Erfolge als solche zu genießen. Jeder überlebte Meter ist ein Sieg und will als solcher gewürdigt werden, denn eine unbedachte Aktion, einmal nicht aufgepasst und ihr landet wieder am Anfang. Doch dazu später mehr.

Um das Königreich Boletaria steht es nicht zum Besten. Dämonen und dunkle Kreaturen suchen das pittoreske Königreich heim, mit dem Ziel, allen die Seelen zu rauben und das Leben zu vernichten. König Allant war gierig, machthungrig und lies sich auf ein dunkles Ritual ein, welches ihm zu noch größerer Macht verhelfen sollte. Es lief aber nicht alles glatt und als unschöner  Nebeneffekt hat der gute Mann „The  Old One“  aus seinem ewigen Schlaf erweckt. Er ist der Oberdämon, der nichts anderes außer Tod und Vernichtung kennt. Zudem breitet sich ein dunkler, undurchdringlicher Nebel über dem gesamten Königreich aus, worin alle umkommen, die versuchen, selbigen zu durchdringen.  Nur wenige tapfere Krieger überlebten und einer davon, Vallarfax von den Twin Fangs, macht sich auf, die anderen Königreiche vor der Bedrohung zu warnen, da sich der Nebel weiter ausbreitet und mit ihm der Tod. Tatsächlich schafft er es und daraufhin machen sich Krieger, Diebe, Ritter und viele weitere auf, Boletaria zu retten.


Einer dieser Helden seid ihr. Ein namenloser Tempelritter, Dieb, Barbar, oder eine andere von insgesamt 10 verschiedenen Klassen, welcher es durch den Nebel nach  Boletaria geschafft hat. Diese unterscheiden sich von der Anfangsverteilung der Attribute wie z.B. Ausdauer, Kraft, Glück, Glaube und noch einige weitere. Selbst könnt ihr die Verteilung nicht bestimmen, aber es gibt einen Charaktereditor, welcher zumindest rudimentär das Ändern des Aussehens erlaubt, wenn sich das auch nur auf das Gesicht beschränkt. Habt ihr Klasse und Aussehen gewählt, geht es mit einem kleinen Tutorial los, welches euch in die Steuerung einweist. Dann zeigt euch das Spiel, was es am besten kann, nämlich euch den Tod bringen. Dieser ist nämlich unausweichlich. So gelangt ihr zwangsweise zum ersten Mal in den Nexus – eine Zwischenwelt –  in der sich euer Ausgangspunkt, quasi euer Lager befindet. Hier trefft ihr die „Maiden in Black“ welche euch erklärt, was der Nexus ist, wieso ihr dort seid und was ihr alles tun könnt. Zum einen  wäre da das Verstauen von Gegenständen, welche ihr nicht mehr tragen könnt. Das Inventarsystem ist nämlich gewichtsbasiert, ihr könnt also so viel schleppen, wie ihr wollt, solange es nicht zu schwer wird. Des Weiteren werdet ihr nach und nach in der Lage sein, beim ortsansässigen Schmied Waffen zu kaufen oder aufzuwerten.

Die „Maiden in Black“ ist aber nicht nur euer Führer, sondern auch eure zentrale und einzige Möglichkeit Level Ups zu erlangen. Denn DS beruht nicht auf einem Erfahrungssystem, sondern ihr müsst euch eure Levels erkaufen. Als Währung dazu, wie auch für den Erwerb von allem anderen, dienen Seelen. Damit kauft ihr Levels, Waffen, Zauber und was DS noch so alles bietet. Diese Seelen erwerbt ihr durch das Töten von Gegnern oder Endbossen. So einfach geht das! Verkaufen von Gegenständen ist nicht möglich und Quests bringen nur materielle Belohnungen mit sich. Da Seelen erst einmal verdient werden müssen,  werfen wir uns ins Getümmel und übergeben  das Dämonenpack zeitnah dem Jenseits. Man wird feststellen, dass die ersten Gegner sich zwar relativ doof verhalten, jedoch trotzdem durchaus tödlich sein können, wenn man zu ungeduldig angreift. Blocken ist das A und O und wird einem viele Male das Leben retten, sofern genug Ausdauer vorhanden ist. Denn jede Aktion, außer normalem Gehen, kostet Ausdauer. Jeder Schlag, jeder abgewehrte Angriff lässt diese Leiste abnehmen und einmal geleert, fügen die Schläge so gut wie keinen Schaden zu und eure Abwehr erlahmt. Fairerweise füllt sich eure Ausdauer relativ schnell wieder, wenn das Schild nicht hochgehalten wird, doch meist reicht ein kurzer Augenblick, euch wieder den Nexus betrachten zu lassen.


Dies ist nämlich eine der Schwierigkeiten. Jeder Gegner, sei es der trottelige Moorzombie oder ein Black Phantom, kann den Tod bedeuten, wenn man mit der falschen Taktik oder zu viel Ungestüm vorgeht. Und der Tod hat weitreichendere Folgen als nur ein aussetzender Herzschlag. Zum einen werdet ihr wieder, wie erwähnt, in den Nexus geschickt und könnt nur am Anfang des jeweiligen Abschnittes wieder einsteigen. Weitere Checkpoints finden sich ausschließlich NACH den Endbossen. Wart ihr in lebendiger Form, sprich mit voller Lebensleiste, unterwegs, verliert ihr diese und kehrt in Seelenform zurück. Der kosmetische Unterschied ist, dass ihr keine Geräusche mehr (Stöhnen, Fußtritte usw.) verursacht. Der spielerische, eure Lebensleiste lässt sich nur noch zur Hälfte füllen, bis ihr wiederbelebt werdet. Man sieht also, sollte man einen Fehler begehen, dann wird man ordentlich bestraft. Zu allem Übel verliert man auch noch alle bis zum Ableben gesammelten Seelen. Findet man den Ort des eigenen Untergangs, gekennzeichnet durch eine bläulich schimmernde Blutlache, erhält man sie zurück. Sollte man aber vorher ein weiteres Mal sterben, sind sie komplett verloren. Das kann für viele frustrierende Momente sorgen, gerade in späteren verwickelteren Abschnitten, wenn man in mühsamer Arbeit zehntausende Seelen für den nächsten Level Up gesammelt hat und alle auf einen Schlag verliert.

Neben den normalen Gegnern, den Kanonenfutterdämonen, trachten auch dicke Endbosse nach eurem Leben. Da wären  zum Beispiel ein 50 Meter großer Ritter mit einem 40 Meter Zahnstocher und einem kühlturmgroßen Schild. Zum anderen wären da noch Drachen, ein wildgewordener Metzger, natürlich auch überdimensioniert, oder aber Könige, Hexen und was die Fantasywelt noch so hervorbringt. Alle haben eines gemeinsam: Sie sind extrem stark, extrem resistent und extrem schwer zu töten. Bei vielen dieser Obermotze wird man sehr viele Versuche brauchen, ehe man weiß, wie sie zu töten sind. Einfaches Losstürmen ist keine Option. Langzeitmotivation (-frustration?) garantiert. Nach jedem Boss ist ein Abschnitt beendet, man erhält seine Körperform wieder und ein Checkpoint wird gesetzt, man hat ihn sich schließlich verdient.

DS hat, abgesehen vom exorbitanten Schwierigkeitsgrad, einige weitere Besonderheiten, welche zumindest zu Anfang für gewisse Verwirrung sorgen könnten. Beispielsweise sagt einem keiner, was man zu tun hat. Gegner töten ist ja schön und gut, doch abseits davon gibt es zwar Quests, aber diese als solche zu erkennen, ist nicht immer leicht. Stockpile Thomas etwa trauert einem Gegenstand nach.  Dass es ein Fernrohr ist, welches ihr von Ostrava, einem NPC Ritter im zweiten Abschnitt von Schloss Boletaria erhaltet, erfährt man nicht. Generell ist es angesagt, alle NPCs  permanent anzusprechen, denn oftmals erfährt man da interessante Dinge. Einerseits fördert dies den Entdeckergeist, aber man kann auch sehr viel verpassen, ohne es überhaupt zu wissen.

Doch auch ohne die ganze Sucherei bietet DS genug, nämlich fünf grundverschiedene Welten, das besagte Schloss, einen Steinbruch, ein Friedhof, eine Sumpflandschaft und einen Turm, jeweils unterteilt in mehrere Abschnitte. Diese geizen nicht mit Größe und Gegnerhorden. Für einen Durchlauf kann man durchaus 60 Stunden investieren und hat immer noch nicht alles entdeckt, da dies nicht möglich ist. Ist man gewillt, herauszufinden was man als böser Charakter tun kann, wer Mephistopheles ist, was man mit dem Friends Ring anfangen kann und ob man lieber in Magie oder in Wunder investiert, wird sich nicht in einem Durchlauf zeigen. DS zeigt wirklich Value for Money.

Der Multiplayer Modus von DS ist auch sehr interessant, da man sich quasi, sofern eine Internetverbindung vorhanden ist, permanent im Online Modus befindet. Jedoch schwirren nicht wie bei WoW aberhunderte Mitspieler durch die Landschaft, sondern man sieht sie nur hin und wieder als Geist, wenn man in der Nähe ist. Man kann auch Nachrichten hinterlassen, zum Beispiel als Warnung, falls um die Ecke ein Gegner lauert, welche dann die anderen Mitspieler lesen können. Auch werden die Tode unglücklicher Mitstreiter in einem kurzen Replay angezeigt, wundert man sich über die vielen Blutlachen am Boden. Aber auch aktiv kann man eingreifen. Es gibt vier verschiedene Seelensteine, mit denen man Mitspieler in seine Instanz  rufen kann, sollte eine Stelle zu schwer werden, aber man kann auch als schwarzes Phantom in ein anderes Spiel eindringen, um die Seelen des Spielers zu erbeuten, falls man diesen töten kann. Kein wirkliches MMORPG, aber ein sehr interessanter Ansatz, welcher das Spiel sinnvoll bereichert. Es gibt nur einen einziger Nachteil: Wird während des Spiels die Verbindung getrennt, fliegt man aus dem Spiel und landet im Menu. Beginnen muss man dann wieder am letzten Checkpunkt. Ärgerlich.

Grafisch bewegt man sich im gehobenen Mittelmaß, aber man bedenke, diese Seele hat schon ein paar Kerben in der Klinge. Es sieht trotzdem noch ziemlich beeindruckend aus, allein die Größe der Gezeigten, seien es Drachen oder andere Monstrositäten. Soundtechnisch macht man alles richtig, der leider zu selten lauschbare, epische Soundtrack schallt klar durch den wummernden Riesenstiefel des Tower Knight.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Mit diesem Spiel verbindet mich eine Hassliebe. Nach der relativ langen Durststrecke nach Oblivion  konnte ich als Singleplayer Rollenspieler natürlich nicht warten und habe mir für vielGeld die chinesische Version importiert, bevor die US Fassung überhaupt besprochen wurde. Und sofort wurde ich ins kalte Wasser geworfen. Unzählige Tode, hunderttausende verlorene Seelen und mehr als ein Moment ohnmächtiger Wut und Frustration sind die Bilanz meiner Zeit mit Demon’s Souls. Nein, dieses epochale Machwerk macht keine Gefangenen. Doch ich fand immer wieder zurück. In einer Zeit von Wegpfeilen, alle 2 Meter ein Checkpoint, Quicksaves und vielen weiteren Casual Gamer kompatiblen Hilfsmittelchen ist DS eine sehr erfrischend herausfordernde Abwechslung. Endlich werde ich als Spieler nicht an der Hand geführt, sondern muss wirklich kämpfen. Das mussten echte Ritter auch. Trotz des Schwierigkeitsgrades ist es ungemein motivierend à la „Nur noch ein paar Seelen und dann tret ich euch richtig in den Arsch nach meinem Level Up!  - NEIN! Alles verloren! Egal, mein neues Schwert, mit Drachenfeuer gemoddet, macht euch auch platt!“ DS zeigt alles, was ein RPG braucht: Anspruch, Magie, große Drachen, zahllose Items und eine sehr große Welt, in der es viel zu tun und noch mehr zu entdecken gibt. Eine klare Empfehlung von mir!


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positiv negativ
  • Fordernder, aber kein unfairer Schwierigkeitsgrad
  • Viel zu entdecken
  • Hoher Wiederspielwert
  • Durchdachter online Modus
  • Große Freiheiten
  • Viele Ausrüstungsgegenstände
  • Hohes Suchtpotential
  • Guter Character/World Tendency Ansatz
  • Kein stumpfsinniges Hack’n‘Slay
  • Überzeugende und abwechslungsreiche Welt
  • Starke Atmosphäre
  • Frustration vorprogrammiert
  • Kein Verkaufen
  • Wenige Informationen
  • Kaum Rätsel
  • Lange Laufwege





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