Der Nebel

Der Nebel

Originaltitel: The Mist
Genre: Horror • Mystery
Regie: Christian Torpe u.a.
Hauptdarsteller: Morgan Spector • Alyssa Sutherland • Gus Birney
Laufzeit: Streaming (450 Min)
Label: Netflix
FSK 16

Der Nebel   13.09.2017 von LorD Avenger

Die Bewohner einer amerikanischen Kleinstadt werden von einem mysteriösen, dichten Nebel überrascht und müssen kurz darauf schon um ihr Überleben kämpfen - denn wenn man ihm zu lange ausgesetzt ist, stirbt man auf ziemlich unappetitliche Art und Weise...

 

Wenn ich irgendwo Stephen King lese, bin ich mir nie sicher, ob ich mich freuen soll oder eher das Gegenteil. Seine Bücher beherbergen zwar teilweise verdammt geniale Ideen, sind andererseits aber auch nicht unbedingt angenehm geschrieben oder durchzogen von sympathischen Charakteren. Wenn so ein Buch dann in Film oder Serie umgesetzt wird, schafft man es auch nur selten das besser hinzukriegen. Kings Buch Der Nebel kenne ich leider noch nicht, daher kann ich ebenso wenig beurteilen, wie gut die neue Netflix-Serienumsetzung in Relation ist, aber allein für sich stehend fallen mir schon die einen oder anderen Worten ein.

 

Aus Sicht von Filmemachern stelle ich mir als Laie eine Umsetzung wie Der Nebel sehr vorteilhaft vor - man braucht im Grunde genommen nur eine Handvoll Schauspieler, ein paar Nebelmaschinen und Special Effects-Leute, die den Nebeleffekt verstärken können. Et voila. Nachteil bei der ganzen Geschichte ist dann natürlich, dass die Darsteller und Figuren arg im Vordergrund stehen, weil man unterm Strich nicht viel mehr sieht von der Serie. Und leider Gottes gehören die Darsteller zu den unattraktivsten Menschen, die ich seit Ewigkeiten im Serienumfeld zu sehen bekommen habe (es tut mir leid das so auszudrücken, aber Hauptdarstellerin Alyssa Sutherland hat verblüffende Ähnlichkeit mit Stephen King selbst - und das ist bedauerlicherweise kein Kompliment) und zudem gehören ihre Charaktere auch noch zu den unsympathischsten. Im Vergleich zu einer anderen King-Serie, Under the Dome, gibt es keinen Barbie, beispielsweise, mit dem man sich identifizieren kann, den man lieb gewinnt, mit dem man mitfiebert... man muss in Der Nebel zwanghaft nach Lieblingsfiguren suchen - zwanghaft und letztlich leider vergeblich. Bis zum Ende der zehnten und letzten Folge der Staffel ist nicht nur nicht sonderlich viel passiert, es hat sich auch niemand so weit entwickelt, dass man ihn tatsächlich mögen kann.

 

Handlungstechnisch sieht man, was passiert, wenn man die auf einen Film passende Handlung auf eine ganze Serie erstrecken möchte. Unterteilt ist die Geschichte durch die räumliche Trennung dreier Gruppen, die sich entweder in einem Einkaufscenter, einer Kirche oder einem Polizeipräsidium verschanzt haben - denn in geschlossene Räume kann der Nebel nicht eindringen. Letztere Gruppe enthält dummerweise den Vater, dessen restliche Familie im Einkaufscenter steckt und der - obwohl es eine Kleinstadt ist - satte 10 Folgen braucht, um dorthin zu gelangen. Nichts desto trotz ist dieser Handlungsstrang noch der interessanteste, weil hier die Schauplätze wechseln und die Figuren mit einem auf eine Gartenhütte fixierten Junkie und einem unter Amnesie leidenden Soldaten noch am geheimnisvollsten und interessantesten sind. Wobei die Weltuntergangsstimmung in einer Mall auch immer wohlige Erinnerungen an Szenarien aus Dawn of the Dead oder Dead Rising weckt und auch was hat. Das Drittel in der Kirche hingegen trifft meinen Geschmack am wenigsten, denn es behandelt im Grunde genommen den Kampf zwischen Religion und frisch gegründeter Natursekte. Frances Conroy, die spätestens seit American Horror Story aufgrund ihres verfärbten Auges offenbar bevorzugt für abgedrehte Horror-Rollen genommen wird, driftet völlig ab und wird zur Botschafterin des Nebels, in der sie die Rache der Natur an der Menschheit sieht. Aber sie ist auch gar nicht die einzige. Man hat in der Serie kein wirkliches Gefühl dafür, wieviel Zeit verstreicht, aber im Grunde genommen kann es nicht mehr als ein paar Tage umfassen und diese verhältnismäßig kurze Isolation sorgt bereits für den breitflächig austretenden Wahnsinn sowie Hungersnot. Selbst die Leute in der Kirche genießen ausgewogene Ernährung, während die rund 50 Leute, die in einem Einkaufscenter festsitzen, nach zwei bis drei Nächten am Hungertuch nagen und sich um das letzte Paket Kekse streiten. Das führt kurzum dazu, dass mindestens die Hälfte der Figuren völlig irrational handelt, sinnlose Morde begeht oder sonst irgendwelche Aktionen abzieht, die den wachsenden Wahnsinn darstellen und schockieren soll, die aber einfach nur furchtbar sinnlos und schwachsinnig beim Zuschauer ankommen.

 

Bildergalerie von Der Nebel (9 Bilder)

Abgesehen von der Theorie der fanatischen Natursektenanführerin gibt es keine anderen Anhaltspunkte darauf, was der Nebel ist, wo er herkommt oder wie man ihn bekämpft. Die Todesfälle entstehen völlig unterschiedlich und die Staffel endet mit einem offenen Ende, das wie in LOST mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt - in diesem Fall resultiert das allerdings nicht in einem Spannungsbogen, der Lust auf eine Staffel 2 macht.

 

Staffel 1 umfasst folgende Folgen:


  • Folge 01 - Pilot
  • Folge 02 - Entzug
  • Folge 03 - Köder
  • Folge 04 - Pequod
  • Folge 05 - Der Warteraum
  • Folge 06 - Ein kalkulierbares Übel
  • Folge 07 - Ganz allein
  • Folge 08 - Naturgesetz
  • Folge 09 - Der Wachtraum
  • Folge 10 - It's such a perfect day

Das Fazit von: LorD Avenger

 LorD Avenger

Der Nebel enttäuscht auf ganzer Linie und streckt eine Handlung, die locker in einen 90-minütigen Film gepasst hätte in mehr als eine Staffel - denn während den 10 Folgen des Serienauftakts wird schlichtweg nichts geklärt und das ist definitiv zu wenig. Gerade durch das ständige Filmen in Nebel und geschlossenen Räumen liegt der Fokus sehr auf den Charakteren und diese sind bedauerlicherweise allesamt unsympathisch, ebenso wie ihre Darsteller weder übermäßig talentiert noch attraktiv sind. Hält man die Staffel also durch, quält man sich durch überwiegend handlungsarme Folgen mit völlig bescheuerten und nicht nachvollziehbaren Charakterentscheidungen sowie ein übersichtlichen Anzahl von 0,0 Auflösungen der zunehmenden Fragen.


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