Frankreich – wieder mal. Was fällt uns dazu ein? Enorm weicher Käse, halbwegs anständiger Wein, verschmutzte Strände und eine unausstehliche Bevölkerung. Ach und hier und da schwappt auch ein anständiges Filmchen über die Grenze von Elsass-Lothringen. Mit „Die Meute“ hat es ein weiterer Streifen in die Republik geschafft. Der Titel lässt spontan an eine weitere Zombie-Invasion denken. Gab ja schon lang keine mehr. Doch dieses Mal ist dem nicht so. Oder vielleicht doch?
Eine heruntergekommene Straße, ein verlotterter Ami-Schlitten und eine kettenrauchende Fahrerin eröffnen diesen Streifen. Nein, eine Komödie wird es sicher nicht. Charlotte, der Name der Dame, begeht gleich zu Anfang den kapitalen Fehler einen Anhalter mitzunehmen, dessen Name so französisch war, dass ich ihn schon wieder vergessen habe. Nach mehrstündiger Fahrt steigen sie in der einladendsten Kneipe seit Guantanamo ab, um sich dort von drei Rockern blöd anmachen zu lassen. Doch die Besitzerin, die auf den schicken Namen Spack hört, kann diese vertreiben. Nur leider verschwindet bei dieser Gelegenheit auch der nette Anhalter auf mysteriöse Weise auf dem Lokus. Charlotte wendet sich also vertrauensvoll an einen in die Jahre gekommenen Detektiv, der ein schönes Shirt mit der Aufschrift „I fuck on the first Date“ trägt.
So großväterlich und vertrauenswürdig er wirkt - er kann ihr nicht helfen. Also sucht sie allein nach ihrem Spritmitzahler. Als sie des Nachts in der kuscheligen Kneipe herumschnüffelt, entdeckt sie hinter einer doppelten Wand ein Kleidungsstück ihres neu gewonnenen Freundes. Nur doof, dass ihr gerade in dem Augenblick Frau Spack eine Nagelkeule gegen den Schädel kloppt. Bis hierhin alles klar. Durchgeknallte Folter-Franzosen, abgelegenes Stück gottloses Land und eine Dumme, die als Kanonenfutter herhält. Auch wenn man den Zweck nicht erfährt, warum Charlotte dann an lustige Apparate mit Schläuchen und Schraubzwingen angeschlossen wird, ist es ganz nett anzusehen. Doch jetzt… ach nein besser nicht. Es sei so viel gesagt. Das, was ab hier folgt, ist garantiert nicht typisch im gepflegten Folterfilmgeschäft.
Wie so viele Franzosenproduktionen zuvor, versucht auch „Die Meute“ den Eindruck zu erwecken, dass Frankreich zu 95% aus verlassener Einöde besteht und fast die gesamte Bevölkerung sadistisch, krank, verrückt oder anderweitig nicht ganz vertrauenswürdig ist. Dies macht der Streifen aber wirklich gut. Es gibt nämlich außer Charlotte keinen normalen Menschen in diesem Film. Atmosphärisch stimmt also alles. Die Filter reduzieren Farbe auf ein nötiges Minimum und die Kulissen sind so trostlos und beklemmend wie ein chinesisches Gefängnis. Auch die Schauspieler machen ihre Sache gut. Wir haben
den lethargischen Anhalter, die gelangweilte Charlotte, ein paar wirklich durchgeknallte Biker und einen verblödeten Detektivrentner. Alle spielen ihre Rollen glaubwürdig und überzeugend. So entsteht eine Gegend, in der man sich wirklich nur sehr ungern unbewaffnet aufhalten möchte.
Warum also will der Flick nicht so recht zünden? Es ist dieses Mal leider die Handlung. Ist die erste Hälfte noch anständiger Folterhorror, dreht die Zweite in eine komplett andere Richtung und hat mit dem Ursprung nichts mehr zu tun. Es wird auch in der gesamten ersten Hälfte nirgendwo angedeutet, in welche Richtung der Film gehen wird und daher wirkt das zum einen etwas verwirrend und macht zum anderen sehr viel von der Stimmung kaputt. Es ist schwer etwas zu beschreiben, dass man nicht nennen will. Nur so viel: Ist die erste Hälfte noch Horror, geht die zweite eher in Richtung Action. Schade eigentlich. Ein konsequenteres Drehbuch hätte hier viel herausholen können.
Auf der anderen Seite steht natürlich die Handwerkskunst der Effektleute. Hier gibt’s auch eine herbe Enttäuschung zu verzeichnen. Das Gezeigte sieht zwar solide aus, aber leider splattert es kaum mehr, als mal ein abgerissener Arm oder einige Rinnsale Blut. Auch hier wäre mehr einfach mehr gewesen. Es bleibt also ein nettes Filmchen mit ein paar anständigen Ansätzen, doch man hätte eher zwei eigenständige machen sollen, anstatt einen Haufen Ideen zu einem zusammenkloppen zu wollen.
Technisch befinden wir uns im absolut grünen Bereich. Das Bild ist Blu-ray-gerecht gestochen scharf und auch dunkle Szenen kommen zum größten Teil gut rüber. Der Ton ist herzhaft und die gelegentliche Musikuntermalung sehr stimmig. Sogar die Synchronisation fängt die Stimmung sehr gut ein. Da die französische Alternative zumindest für mich aber keine Option ist, ist leider kein Vergleich möglich. In der Bonus-Sektion finden sich wie üblich ein paar Trailer, ein Making-Of und das war es dann.
Kommentar verfassen
Schreibe hier einen Kommentar. Du musst einfach alle Felder, die mit einem *-markiert sind, ausfüllen.