Die letzten Glühwürmchen (Remastered Edition)

Die letzten Glühwürmchen (Remastered Edition)

Originaltitel: Hotaru No Haka
Genre: Anime • Drama
Regie: Isao Takahata
Laufzeit: DVD (85 Min)
Label: KAZÉ Anime
FSK 6

Die letzten Glühwürmchen (Remastered Edition)   24.12.2016 von LorD Avenger

  Japan, 1945. Das Land steht kurz vor der Kapitulation. Täglich werfen amerikanische Flieger Bomben vom Himmel und setzen ganze Landstriche in Brand. Im Inferno eines solchen Angriffs verlieren der vierzehnjährige Seita und die vierjährige Setsuko ihre Mutter. Ohne den Vater, der bei der Marine ist und von dem sie seit Langem nichts mehr gehört haben, sind die Kinder plötzlich auf sich alleine gestellt. Ihrer Tante, bei der sie zunächst unterkommen, sind die zusätzlichen hungrigen Mäuler in der herrschenden Hungersnot alles andere als willkommen. So ziehen die Geschwister in einen verlassenen Bunker und versuchen dort, auf eigene Faust zu überleben. Allem Leid zum Trotz setzt Seita alles daran, seiner kleinen Schwester eine möglichst unbeschwerte Kindheit zu bieten und tatsächlich verbringen die zwei einige glückliche Wochen. Doch die furchtbare Realität des unerbittlichen Krieges holt die beiden bald ein …

 

Als ich Die letzten Glühwürmchen das erste Mal sah, war ich noch sehr jung. Von den typischen Fernseh-Animes wie Pokémon, Dragonball und One Piece angefixt, durchforstete ich alles nach mehr und zwangsläufig stolperte ich über Studio Ghibli, die von allen Seiten nur geweihräuchert und mit Lob besungen wurden. Chihiros Reise ins Zauberland schaffte es auch mit wehenden Fahnen in meine Film Top 10 (bis heute), alles weitere aus dem berühmten Filmstudio hingegen ernüchterte mich ziemlich... So niedlich Mein Nachbar Totoro auch sein mochte, so sehr zog sich die Geschichte auch und noch schlimmeres hatte ich für Die letzten Glühwürmchen in Erinnerung. Aber ich war eben auch sehr jung - gerade im letzteren Fall braucht man sicherlich einen etwas reiferen Geist mit einem Blick für andere Aspekte. Das dachte ich jedenfalls.

 

Hervorragend Synchronisiert, unter anderem mit der Stimme von Leonardo DiCaprio folgen wir durchgängig Seita und seiner jungen Schwester, die bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg ihre Mutter und höchstwahrscheinlich auch ihren Vater verlieren. Glücklicherweise ist Seita ein sehr talentierter Junge, der sich und seiner Schwester zu helfen weiß und um ihretwillen auch in den verzweifelsten Situationen positiv bleibt. Weil er seiner kleinen Schwester aber eben so viel Aufmerksamkeit zollt und sie so gut wie nie aus den Augen lässt, kann er auch nicht arbeiten gehen oder sonst wie seinem Land helfen. Das führt dazu, dass sie auch von ihrer Tante verstoßen werden und ihnen schließlich natürlich die Ressourcen knapp werden. Während sie sich anfänglich noch mit alten Vorräten oder gespartem Geld über Wasser halten konnten, so ist auch das irgendwann aufgebraucht und Hunger sowie Verzweiflung werden größer und führen sogar zu Straftaten - die bekanntlich in Kriegszeiten noch sträflicher sind. Nicht nur dass er selber dieses Schicksal erleidet, so muss er auch mit ansehen, wie seine geliebte kleine Schwester zusehends abmagert und kränker wird.

 

Leider führte das erneute Ansehen im Erwachsenenalter zu keinen grundlegenden Besserungen. Ja, ich gebe dem Film heute ein bis zwei Punkte mehr, als ich ihm damals gegeben hätte, aber mich stören nach wie vor dieselben Dinge. Am gravierendsten: Der Film zieht sich. Laut Backcover haben wir eine Laufzeit von lediglich 85 Minuten, die aber deutlich länger erscheinen. Komisch, da die Handlung zwar wenig Abwechslung mit sich bringt, die Szenen aber doch sehr variieren. Wir haben den motivierten Seita, der die alten Vorräte durch zerbombte Orte zieht, wir haben die Geschwister im Haus der Tante, wo sie zunehmend verhasst werden, wir sehen sie beim ausgelassenen Spielen am Strand und beim Bewohnen einer kleinen Höhle, die mit dem Nötigsten zu ihrem Zuhause wird. In Dramen passiert ja oftmals nach dem großen Unglück nicht mehr viel abwechslungsreiches, aber hier funktioniert alles irgendwie ein wenig schlechter.

 

Zweiter Punkt, der mich jedes Mal mit Zahnschmerzen zurücklässt, so realistisch und nachvollziehbar er auch sein mag: Die kleine Schwester, die ihre süßen Momente hat, die wiederum aber von ihren heulenden und schreienden Augenblicken in den Schatten gestellt werden, die darüber hinaus auch noch Seita mit in Schwierigkeiten bringen.

 

Animationstechnisch hingegen kriegen wir die hochwertige Arbeit abgeliefert, für die selbst ich Studio Ghibli hypen kann. Für die späten 80er-Jahre als Entstehungszeit merken wir hier, gerade in der Remastered-Version, definitiv kein Alter von annähernd 30 Jahren. Die Farben sind kräftig, die Zeichnungen sauber und detailverliebt. Auch kleine und eigentlich unnötige Bewegungen wurden animiert und zeigen, dass man hier nach Drehbuch und Regie gearbeitet hat und nicht nach Zeitdruck und Budget. Gerade auch die für den Filmtitel namensgebende Glühwürmchenszene weiß mit ihrer Qualität zu beeindrucken.

 

  © Akiyuki Nosaka / Shinchosha ,1988 All Rights Reserved. 


Das Fazit von: LorD Avenger

 LorD Avenger

Ich kann nicht einmal genau benennen, was Die letzten Glühwürmchen nun eigentlich nicht ganz richtig macht... Ist es die typische große Dramakatastrophe, die vielleicht zu früh einsetzt? Ist es die Darstellungsweise, die einem schon in den ersten Minuten den Ausgang der Geschichte vorweg nimmt? Vielleicht fehlt mir als Einzel-Nachkriegskind aber auch einfach nur der Bezug zu den Charakteren, von denen einer immer wieder aufs Neue Optimismus findet (oder nur vorspielt) und der andere aufgrund seiner Kindlichkeit anstrengend wird. Sicherlich ist der Film eine gute Darstellung davon, wie gerade die unschuldigen Kinder unter Krieg zu leiden haben und wie Menschen während des Weltkriegs in Japan lebten, aber zweifelsohne gibt es für diese Thematik auch deutlich gelungenere Film, die vielleicht nicht gezeichnet, dafür aber spannender oder tränenreicher zu verfolgen sind.


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