Dirt Rally

Dirt Rally

Publisher: Codemasters
Genre: Sport
Sub-Genre: Rennspiel
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 27.05.2016
USK 6

Dirt Rally   27.02.2017 von Torsten

Hobby-Rennfahrer wurden in letzter Zeit auch auf der Playstation 4 reichhaltig bedient und so konnte die Wartezeit auf das neue GT gekonnt verkürzt werden. Jedoch gibt es auch abseits des Asphalts lohnenswerte Spielalternativen und vielleicht sogar den einen oder anderen Titel, der das Warten auf den Genre-Primus gänzlich unnötig macht. Denn da soll es doch tatsächlich Fahrer geben, die auf Rennsimulationen getrost verzichten können und sich lieber auf Schotter und Schnee begeben, um ihre (Rally-)Leidenschaft zu stillen. Für all die schlammverschmierten Haudegen da draußen, die ein Faible für echten Stress am Lenkrad haben, haben wir hier Dirt Rally im Test. 


Rally, Rallycross oder Hillclimb?
 
Dirt Rally geht einen großen Schritt weg von der pompösen Präsentationsorgie seiner Vorgänger, die zuletzt mit stylischen Gymkhana-Einlagen eines gewissen Ken Block um die Gunst hipper YouTube-Abonnenten buhlten. Stattdessen präsentiert sich das Spiel nüchtern, geradezu bieder in Form einfacher anwählbarer Menüpunkte. Individuelle Events, Online-Fahrten und -Ligen oder die Karriere stehen neben einigen Extras und diversen Tutorials zur Auswahl.  Betrachten wir die Karriere einmal genauer, denn diese wird für die meisten Fahrer den größten Teil der Spielzeit einnehmen. Wir wählen selbst, in welcher Spielart wir beginnen. Allerdings beschränkt unser zur Verfügung stehendes Kapital die Auswahl zunächst auf die unterste Liga der Rally- und Rallycross-Meisterschaften. Die Rally bietet den klassischen Spielmodus, in dem wir anfangs mit einem Fahrzeug der 60er Jahre um die beste Etappenzeit ringen. Und bereits der Start hat es hier in sich, denn selbst die noch eher schwach motorisierten Fahrzeuge bieten auf den stark abwechslungsreichen Kursen einen wilde Achterbahnfahrt, die schnelle Reflexe und Weitsicht voraussetzen. Wie im realen Vorbild steht nach Beendigung eines Etappenziels nur eine begrenzte Zeit für die Reparatur des Fahrzeugs zur Verfügung. Und diese Zeit werden wir bitter benötigen, denn unterwegs leidet das Fahrzeug selbst ohne Frontalzusammenstöße stark unter den herrschenden Bodenbeschaffenheiten. Die Ansagen des Beifahrers sind hier von zentraler Bedeutung, denn ohne sie fahren wir nahezu blind über klaustrophobisch enge Kurse, deren nicht einsehbare Streckenführung gerne auch mal enge Kurven hinter Kuppen vorsieht. Die Ansagen des Beifahrers überschlagen sich dabei förmlich, was eine gewisse Zeit der Eingewöhnung bedarf, bis man Hinweise wie „Links 3 lang“ oder gar „Rechts 2, mach zu, in Links 1“ versteht. Ein optionales Tutorial informiert darüber, dass die Zahl hinter der Kurvenrichtung die Intensität angibt und von der Ziffer 6 (seichte Kurve) bis hin zur 1 (sehr scharfe Kurve) reicht. Kehrtwenden und Kuppen werden ebenso wie Gefahrenstellen angesagt. Und hier ist tunlichst darauf zu achten, dem Beifahrer auch zu vertrauen. Denn wenn dieser „Achtung bremsen“ oder „Hindernis, Öffnung links“ ansagt, dann hat dies einen triftigen Grund und entscheidet im hohen Maße darüber, ob wir in den nächsten Sekunden dem folgenschweren Zusammenstoß mit der Streckenbegrenzung entgehen können. Kommen wir von der Piste ab, so kostet uns das jedes Mal wertvolle Sekunden, die Strafen sind unerbittlich.
 

Bildergalerie von Dirt Rally (8 Bilder)

Das Hillclimb-Rennen können wir zunächst – zumindest im Karrieremodus - nicht starten, da unser Budget für die stark motorisierten Fahrzeuge nicht ausreicht, mit denen wir über spektakuläre Serpentinen-Kurse vom Tal bis hin zur Spitze des Hügels brettern. Dafür lockt der Rallycross-Modus mit einer Abwechslung. Denn hier geht es nicht über verschlungene Wald- oder Gebirgskurse, sondern um abgesteckte Rundkurse mit direkter Konkurrenz. Auch auf den kurzen Rundstrecken wechselt der Belag oft und gerne von Asphalt über Beton und Schotter bis hin zu Schlamm. Mit drei Mitkonkurrenten, die oft und gerne aggressiv rempeln muss eine vorgegebene Rundenzahl absolviert werden. Eine taktische Komponente hält mit den „Joker-Runden“ ihren Einzug. Dieses verlängerte Teilstück muss in mindestens einer Runde absolviert werden. Dabei bleibt uns überlassen in welcher Runde wir diese Verzögerung auf uns nehmen.
 
Steuerung, Fahrphysik und Schadensmodell
 
Natürlich ist es auch möglich, die Fahrzeuge mit dem Standard-Controller zu steuern, mehr Spaß macht es allerdings mit einem ordentlichen Force Feedback Lenkrad. Anzumerken bleibt, dass aufgrund der eher ruckartigen und im Vergleich zum Straßenrennsport weniger feinfühligeren Lenkbewegungen die Bedienung mit dem Controller noch recht gut von der Hand geht. Für den echten Enthusiasten ist das allerdings keine Option. Er vertraut auf das möglichst realistische Fahrgefühl, das durch das Lenkrad auf die Piste übertragen werden soll. Ob nun Enthusiast oder nicht, zum Test kam ein Thrustmaster T300 RS inklusiver manueller Kupplung und H-Schaltung zum Einsatz, das auf dem Gestell eines Rennsitzes montiert war. Das Lenkrad wurde sofort erkannt und lieferte bereits mit den Standardeinstellungen ein überzeugendes Ergebnis. Das Force Feedback fällt hier etwas schwächer aus. Allerdings steuert sich so ein Bolide auf Schotter und Schnee auch ungleich weicher als ein Formel 1 Auto auf bretthartem Asphalt. Die Übermittlung des Untergrunds funktioniert aber sehr gut und hinterließ einen mehr als authentischen Eindruck. Mühelos ist das Ausbrechen des Fahrzeugs zu erzwingen und auch zu erfühlen, wenngleich auch hier die Auswirkung auf das Force Feedback des Lenkrads ruhig etwas stärker hätte ausfallen können. Die schnellen Lastwechsel und das damit verbundene Rudern am Lenkrad bringt den Fahrer schnell ins Schwitzen und zeigt deutlich die Faszination dieses Rennsports. Hier macht Dirt Rally eine sehr gute Figur. Viel besser kann eine Simulation dies nicht mehr darstellen. Verbesserungswürdig ist allerdings einmal mehr das Schadensmodell. Zwar ist der Verschleiß des Fahrzeugs auf der Strecke zu spüren, Spiegel und Scheiben gehen zu Bruch, die Karosserie verbiegt sich. Allerdings wirken sich Frontalunfälle nicht gerade realistisch aus und sind zumeist allenfalls nerviger Zeitverlust. Bis das Fahrzeug durch einen Schaden in der Aufhängung zur Seite zieht dauert es doch arg lang. Hier wäre ein optionales „Realismus-Schadensmodell“ wünschenswert, das direktere Auswirkungen auf die Fahrphysik hat. 

Begeisternde Technik
 
Wenn der Audi Quattro über die vereiste Gebirgsstraße nahe des Abgrunds driftet, der Pulverschnee über die durchdrehenden Räder nach oben geschleudert wird und das Röhren des Auspuffs die brachiale Gewalt des Klassikers verdeutlicht, werden die Augen der Rally-Freunde feucht. So karg die Präsentation in den dürftigen Auswahlmenüs noch ist, auf den abwechslungsreichen Rally-Kursen präsentiert sich Dirt Rally nahezu perfekt. Viele kleine Details, wie der Scheibenwischer, der den Dreck mit Schlieren über die Windschutzscheibe zieht oder die bei Nachtrennen verschmutzten und somit beeinträchtigten Scheinwerfer-Lichtkegel tragen zum Realismus-Gefühl dieser Simulation bei. Auch der Sound ist klasse. Durch den Dreck zugesetzte Bremsscheiben fangen an zu quietschen, der Split prasselt effektvoll in den Radkästen und die Fehlzündungen knallen mit einem Feuerschweif aus den Auspuffrohren. So echt kann sich simulierter Rally-Sport anfühlen. 
 
Das Spiel wurde auf der Playstation 4 Pro getestet, etwaige qualitative Unterschiede zu anderen Versionen wurden nicht berücksichtigt. 

Das Fazit von: Torsten

Torsten

Codemasters wagt die Rückkehr zu den Wurzeln und macht damit vieles richtig. Am Ende sind es aber die kleinen „wenn...“ und „aber...“ die das letzte Quäntchen zum Hit missen lassen. Das Schadensmodell ist umfangreich. Leider gibt es jedoch keine Möglichkeit, mit wirklich realistischen Auswirkungen von Unfällen über die Pisten zu brettern. Zudem könnte das Force Feedback stärker sein, um die Buckelpisten standesgemäß brutal in die Handgelenke des Fahrers zu übertragen. Außerdem dauert es unnötig lange, um mit dem dürftigen Preisgeldern einzelne Fahrzeuge freizuschalten, was den Karrieremodus etwas zu sehr in die Länge zieht. Von diesen Dingen mal abgesehen bleibt aber nicht viel zum Meckern. Eine tolle Fahrphysik, eine überzeugende Technik und viele lizensierte Fahrzeuge bieten auf den abwechslungsreichen Strecken das beste zurzeit erhältliche (simulierte) Rally-Fahrgefühl. Dirt Rally ist knochenhart, anspruchsvoll und unnachgiebig und genau so sollte ein echtes Rally-Spiel auch sein.


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positiv negativ
  • Sehr abwechslungsreiche Strecken
  • Zahlreiche Rally-Klassiker
  • Detaillierte Cockpits und Fahrzeuge
  • Spitzen Fahrgefühl
  • Tolle Fahrphysik
  • Hübsche Effekte
  • Grandioser Sound
  • Gute Beifahreransagen
  • Tag- und Nachtrennen, Wettereffekte
  • Schadensmodell zu schwach
  • Zu geringes Preisgeld und somit zu langwieriges Freischalten von Fahrzeugen
  • Force Feedback etwas zu schwach





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