Dogma Dogma

Dogma Dogma

Originaltitel: Dogma Dogma
Genre: Thriller • Kurzfilm
Regie: Marco Romagnoli
Hauptdarsteller: Omid Tabari • Emre Kubat
Laufzeit: Streaming (19 Min)
Label: Butterbrot Films

Dogma Dogma   29.03.2016 von MarS

Die Flüchtlingskrise in Europa ist allgegenwärtig und immer wieder Streitthema, sowohl in der Bevölkerung als auch der Politik. Gerade in dieser Zeit einen Film mit Ausländerthematik zu schaffen, ist mehr als mutig, aber genau diesen Schritt gingen nun Regisseur Marco Romagnoli und seine Produktionsfirma Butterbrot Films mit Dogma Dogma. Das Ergebnis möchten wir Euch in folgender Kritik näher bringen.

 

Eine Stadt, irgendwo in Deutschland. Zwei angetrunkene Männer mit offensichtlichem Migrationshintergrund laufen durch die Straßen und unterhalten sich über Belanglosigkeiten. Schnell ist das Thema Frauen gefunden und da kommt eine Passantin gerade recht, die dank dem durch Alkohol verursachten Mut sofort angesprochen wird. Eine Ohrfeige führt zu einem Gerangel, welches direkt von einem besorgten Bürger unterbrochen wird. Ein zweiter ist schnell zur Stelle und ehe es sich die beiden Männer türkischer Abstammung versehen, befinden sie sich gefesselt in einer Autowerkstatt. Was dort auf sie wartet geht jedoch viel weiter als normale Zivilcourage...

 

Dogma Dogma - Besser könnte der Titel für diesen Kurzfilm nicht gewählt sein, denn die Geschichte ist auf eben der angeblich unumstößlichen Wahrheit aufgebaut, die die Einzelperson von Gesellschaft und Familie vorgegeben bekommt, und das auf beiden Seiten der dogmatischen Medaille, egal welche Herkunft dieser Person zugrunde liegt. Dass der Film sich hierbei auf einer politischen Gratwanderung bewegt ist dabei wohl selbstverständlich, und auf den ersten Blick driftet das Geschehen doch sehr in die rechtsgerichtete Ecke ab. Betrachtet man sich Dogma Dogma jedoch genauer, so findet man zwischen den Zeilen der hervorragenden Dialoge jede Menge Kritik an allen beteiligten Seiten, und bemerkt dass der Film in keiner Minute irgendeine Stellung bezieht sondern dem Zuschauer das eigene Verhalten vor Augen führt und eben dieses Überdenken lässt. 

 

Verarbeitet wird die Thematik dabei eher ungewöhnlich in Form eines Folterthrillers, der atomsphärisch dicht und beklemmend inszeniert wurde, was weniger an den kleineren Gewaltspitzen, sondern mehr an den Dialogen in Zusammenhang mit den perfekt besetzten Darstellern liegt. Diese agieren vor allem auf der Seite der rechtsextremen Peiniger so authentisch und glaubwürdig, dass man in keiner Sekunde des Films mit den Opfern tauschen möchte und von der Intensität des Geschehens absolut gefesselt wird. Doch das Wort Opfer ist hier ein weitreichender Begriff, denn auf allen Seiten ist die Grenze zwischen Täter und Opfer mehr als verschwommen. Selbst innerhalb der dargestellten Gruppierungen ist diese Trennung oftmals nicht möglich, da Dogma Dogma gekonnt darstellt, wie verschieden jede Einzelperson eigentlich ist, vom Umfeld aber in die jeweils benötigte und dogmatisierte Richtung gelenkt wird. 

 

Bildergalerie von Dogma Dogma (9 Bilder)

Bild und Ton bleiben auf Grund des vorliegenden Streams ohne Bewertung.


Das Fazit von: MarS

MarS

Dogma Dogma ist ein mutiger und aufrüttelnder Film, der seine kritische Seite subtil hinter der Fassade eines Folterthrillers versteckt und gerade dadurch dazu animiert, sich den Film mehrmals anzusehen und auch nach dem Abspann noch auf sich wirken zu lassen. Hier ist keine Gruppierung, keine Einzelperson so, wie sie zunächst erscheint, und hinter allem Handeln stecken die von Gesellschaft, Umfeld und Familie aufgezwungenen Dogmen und Vorurteile, dich sich durch unser aller Leben ziehen. Gerade in unserer aktuellen Situation im Land ist Dogma Dogma defintiv nicht nur einen Blick wert und verdient ganz klar Aufmerksamkeit, auch wenn man als Zuschauer in der Lage sein muss, die Botschaft zwischen den Zeilen zu erkennen, denn ansonsten könnte der Film auch vorschnell als rechtsgerichteter Aufruf zur Selbstjustiz gewertet werden.


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