Eine Reihe betrüblicher Ereignisse

Eine Reihe betrüblicher Ereignisse

Originaltitel: A Series of Unfortunate Events
Genre: Familie • Fantasy
Regie: Barry Sonnenfeld
Hauptdarsteller: Neil Patrick Harris
Label: Netflix

Eine Reihe betrüblicher Ereignisse   03.02.2017 von LorD Avenger

Nach einem mysteriösen Feuer, dem die Eltern der drei Baudelaire-Kinder auf tragische Weise zum Opfer fallen, wandern sie von entferntem Verwandtem zu noch weiter entfernten Verwandten, stets gefolgt vom skrupellosem Theaterdarsteller Graf Olaf, der sie um jeden Preis aufgrund ihres beträchtlichen Erbes adoptieren möchte. Um wirklich jeden Preis...

 

Film- und Fantasyfreunde werden sich sicherlich noch an Jim Carrey im Jahre 2004 erinnern, als Lemony Snicket das letzte Mal verfilmt wurde. Ich tue das. Nicht sehr gut, aber zumindest weiß ich, dass es ihn gibt und dass er recht abgedreht war. Charlie und die Schokoladenfabrik-abgedreht. Ungefähr so verrückt, wie jetzt zu lesen, dass die unschuldige kleine Violet von damals seither als Protagonistin Babydoll im nicht ganz jugendfreien Sucker Punch mitgespielt hat. Sie werden so schnell erwachsen. Nachdem die Produktion des Films mit zahlreichen internen Streitigkeiten bereits unter keinem sonderlich guten Stern stand und die Kinderdarsteller schließlich zu alt geworden waren, um die Serie fortzusetzen, nahm Netflix das Ganze in die Hand und produzierte gleich eine ganze Serienstaffel auf Basis der ersten vier von insgesamt 13 Büchern der Reihe.

 

So verschwommen meine Erinnerungen an den Film auch sein mögen, so deutlich erkenne ich aber auch den eigensinnigen Stil. Man hat sich sehr viel Mühe damit gegeben, ein an die reale Welt angelehntes, aber dennoch völlig fiktives Universum zu erschaffen, das sich keiner eindeutigen Epoche oder Geografie zuordnen lässt. Von der kinderbuchartigen Fantasy natürlich ganz zu schweigen, die mit merkwürdigen Proportionen, eigensinnigen und wohl auch physikalisch unmöglichen Architekturen und überzogen knalligen, bzw. düsteren Farben auftrumpft, wie ich sie zuletzt in der kurzlebigen Serie Pushing Daisies gesehen habe. Deswegen erwähnte ich zuvor Charlie und die Schokoladenfabrik - der baute auf demselben Prinzip auf.

 

Genau dieses Ungewöhnliche ist aber auch das, was die Serie auszeichnet. Abgedrehte Bilder, die bevorzugt nicht vor Greenscreens aufgenommen wurden, markante Kostüme und Make-Up (das dem Film von 2004 immerhin einen Oscar einbrachte), sehr eigensinnige Dialoge, verwoben in einem sehr herausstechenden Erzählstil. Patrick Warburton verkörpert sehr sympathisch den Autor Lemony Snicket, der mehrfach in jeder Episode während den laufenden Szenen auftaucht und Erklärungen abliefert - zumeist aber den Zuschauer warnt, besser abzuschalten und etwas Fröhlicheres zu gucken, das nichts mit Kindern zu tun hatte, denen ein schreckliches Schicksal bevorstand. Dasselbe versucht übrigens lustigerweise auch jedes Mal aufs Neue der großartige Titelsong, der ein heißer Ohrwurmkandidat ist. Überhaupt ist die Musik verdammt gut gelungen und passt sich stimmungsvoll den wechselnden Sets an. Aber noch einmal zurück zum herausstechenden Erzählstil, der mich in jeder Folge mehrfach verdutzt die Augenbrauen heben ließ: Besonders der Erzähler, aber auch Graf Olaf und andere Charaktere erklären immer wieder auf sehr umschweifende Art und Weise bestimmte Begriffe und die entsprechende Erklärung wird dann immer wieder als Running Gag aufgegriffen. Besonders Lemony Snicket verbindet mit seinen Erläuterungen häufig eine ganze Beispielgeschichte, die zur aktuellen Thematik passt und zudem natürlich im Regelfall die Moral bereit hält, lieber nicht weiterzuschauen. Definitiv ein interessantes Konzept, das ich in der Form noch nie zuvor bewusst wahrgenommen habe.

 

Schauspielerisch bewegen wir uns hier auf schwer einzuordnenden Gewässern. Die Serie ist zweifelsohne als Kinder- und Jugendgeschichte aufgezogen und entsprechend übersteuern die meisten Darsteller in ihrer Schauspielerei gehörig - nicht selten fiel mir beispielsweise der Vergleich zwischen Graf Olafs schurkischer Theatergruppe und den dusseligen Einbrechern aus Kevin allein zu Haus ein. Gleichzeitig zwängt sich aber auch das Gegenüberstellen von Neil Patrick Harris und Jim Carrey auf, den man an Übersteuerung schlichtweg nicht toppen kann, so sehr man es auch versuchen mag. Fairerweise muss man sagen, dass How I Met Your Mother-Star Harris dies nicht wirklich versucht - er stellt gekonnt, wenn auch aufgrund der Umstände nicht ganz ernst zu nehmend, einen skrupellosen Bösewicht dar, der symbolisch in einer heruntergekommenen grau-in-grau Villa lebt und alberne Pläne ausheckt, um an das ersehnte Erbe der Kinder zu kommen, die in wiederum innerhalb von Sekunden durchschauen. Im Gegensatz zu allen anderen Figuren, die stiltypisch naiv und dümmlich sind und dadurch die Handlung überhaupt erst ermöglichen. Ein Punkt, der mich persönlich nicht ganz so packt.

 

Bildergalerie von Eine Reihe betrüblicher Ereignisse (10 Bilder)

Was die Kinder angeht, kann man eigentlich zufrieden sein. Ich mag den realitätsnäheren Klaus deutlich lieber als seine eher aufgrund ihres Äußeren gecastete Schwester Violet, aber die Show stiehlt beiden das unverständlich brabbelnde Baby, das mit clever-lustigen Untertiteln versorgt wird und eine unbezahlbare Palette an Mimiken bereithält. Leider versagt hier gleichzeitig auch ein wenig die Technik, denn teilweise wirkt es schon sehr deutlich so, als wäre das Baby-Gesicht nachträglich eingefügt worden und könnte nicht ganz mit der Puppe mithalten, die Violet vor der Brust mit sich herum trägt.


Das Fazit von: LorD Avenger

 LorD Avenger

Ich sage ehrlich heraus, dass die Serie nicht ganz mein Fall war, aber gleichzeitig weiß ich alles zu schätzen, dass sie wirklich gut macht. Zweifelsohne richtet sie sich primär an Kinder und Fans von schrillen, abgedrehten Filmsets - und die werden auch voll auf ihre Kosten kommen. Alle anderen Zuschauer werden die lediglich 8 Episoden vielleicht durchsitzen, auch weil diese entsprechend jeweils einem Buch der Vorlage innerhalb von zwei Folgen in sich abgeschlossen sind und dann recht dramatisch Umgebung und Stimmung wechseln. Darüber hinaus fehlt mir ein wenig der Humor für mein Alter, der darüber hinausgeht, die Begriffserklärungs-Running Gags herauszufiltern, die sich allerdings wie eine spielerische Methode anfühlen, das Vokabular von Kindern zu erweitern. Auch die mysteriöse Rahmengeschichte um eine alles verbindende Geheimorganisation hält einen nicht bei der Stange, weil sie stets zu sehr in den Hintergrund rückt und über die gesamte erste Staffel hinweg so gut wie keinen Fortschritt macht. Nett anzusehen also, aber nicht unbedingt etwas, bei dem ich heiß entbrannt auf die bereits angekündigte zweite Staffel warte oder gar die dritte, welche die letzten Bücher umfassen und die Serie zum Ende bringen soll.


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