F1 2010

F1 2010

Publisher: Codemasters
Entwicklerstudio: Codemasters
Genre: Racinggame
Sub-Genre: Formel 1-Simulation
Art: Vollpreistitel
Erscheinungsdatum: 23.09.2010
USK 0

F1 2010   28.09.2010 von DeWerni

Endlich ist es wieder mal soweit. Ein Publisher traut sich an ein Formel 1-Rennspiel. Na dann würde ich mal sagen: „Nichts wie rein ins Cockpit und Vollgas!“ Das Spiel erntete bis zum Release große Vorschusslorbeeren. Ob es diese auch verdient hat und ob es wirklich das beste Formel 1-Spiel aller Zeiten ist, erfahrt ihr im nachfolgenden Bericht…

 

Endlich ist die lange Durststecke vorbei – PC- und Xbox 360-Zockern sollte sofort klar sein, von was die Rede ist. Es geht darum, dass es auf diesen beiden Plattformen seit einer gefühlten Ewigkeit endlich wieder ein Formel 1-Rennspiel gibt. An diesem kargen Weg war vor allem Sony Schuld, das ein Exklusivrecht für Gamesentwicklungen im Bereich der Formel 1 seit 2002 inne hatte. Somit ist es klar, dass es seitdem eben nur Releases für die Playstation 2, 3 und PSP gab. Die Sache an sich ist aus marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten auf jeden Fall verständlich, allerdings hat aus meiner Sicht Sony seine Monopolstellung in diesem Bereich nie richtig ausgeschöpft, zu schlecht waren doch die erschienenen Games in der Vergangenheit. Grund genug die Exklusivrechte im vergangenen Jahr wieder frei zu geben, was uns das vorliegende Spiel im Endeffekt beschert. Die Vorschusslorbeeren für das neue Release auf Xbox 360, PC und Playstation 3 waren bis zum Release auf jeden Fall sehr groß. Auch unsere Redaktion freute sich schon tierisch auf das Spiel, nachdem wir vor Kurzem glücklicher Teilnehmer der Gamespräsentation des Vertriebs der Koch Media GmbH mit Adrian Sutil sein durften. Den Vorbericht dazu, unsere ersten Eindrücke und ein Interview mit Adrian Sutil könnt ihr selbstverständlich noch einmal hier nachlesen. Bevor wir die Scheibe nun aber endlich in unsere Konsole werfen, noch ein paar Fakten zum Spiel. Es hat also das volle Lizenzpaket der diesjährigen Saison, es sind also alle 19 originalen Rennstrecken, alle 12 Rennteams und alle 24 Fahrer mit ihren im Original designten Rennboliden im Spiel vorhanden. Die Basisvoraussetzungen für ein gutes Rennspiel liegen also schon einmal vor.

Ab ins Fahrerlager…
Jetzt aber nichts wie ab mit der Scheibe in die Konsole. Der Anfang ist schon einmal geil. Nach dem typischen Intro von Entwickler und Publisher landet ihr gleich hinter dem virtuellen Mikrofon, ihr müsst euer erstes Interview für die Presse erledigen. Dabei werdet ihr erst mal als neuer Fahrer der Formel 1 begrüßt, ihr werdet nach einem Namen gefragt, euer Spitzname wird euch aus der Nase gezogen, genauso wie eure Herkunft, das Team, für das ihr fahrt, und auch in welchem fahrerischen Leistungsbereich ihr euch selber seht. Die Idee, euer Spielprofil auf diese Weise anzulegen und die Fakten mit solchen Fragen zu verpacken, ist genial und macht Lust auf mehr. Als nächstes werdet ihr direkt in das Fahrerlager verfrachtet. Dort wartet bereits die Presse, rechts von euch befinden sich die Aufbauten des Herstellers, den ihr gewählt habt, links von euch ist eure Unterkunft. Dieses Szenario dient als das Hauptmenü und verbirgt Funktionen wie den Beginn einer neuen Karriere, die ihr sowieso schon impliziert gestartet habt, das Zeitfahren, einen einzelnen Grand Prix zu absolvieren, online oder per System Link ein Multiplayerspiel zu starten oder einem beizutreten, diverse Einstellungen vorzunehmen oder die Karriere mit dem Betreten eurer Unterkunft fortzusetzen. Das Zentrum des Singleplayerspiels ist sicherlich die Karriere. Um diese fortzuführen oder erst richtig zu beginnen, geht’s also direkt in die Unterkunft. Dort wartet auch gleich meine Agentin auf mich, die mich mit allen möglichen Informationen rund um das Thema Vertragsangelegenheiten und Hintergründe zu den Teams und deren Fahrern versorgt. Ich persönlich habe mich für das BMW Sauber Team entschieden. Wenn ich dieses anklicke, erfahre ich, dass ich im ersten Jahr 500.000 US-Dollar verdiene und mein Saisonziel ist es, mindestens 15. der aktuellen Weltmeisterschaft zu werden. Gut, sieht für das erste Jahr doch nach einem vernünftigen Ziel aus. In meiner Behausung kann ich außerdem Informationen zum aktuellen Stand der Fahrerwertung und in der Konstrukteurs-WM abrufen, mir ein Helmdesign aussuchen, die Einstellungen für den nächsten Grand Prix ändern (Schwierigkeitsgrad und Länge) und diesen schließlich starten. Ich kann es eh kaum abwarten, also gleich los.

Boxengasse und Teamboxen

Als nächstes findet man sich in seinem Wagen sitzend in der Box des gewählten Teams wieder. Auch dieses dient praktisch als das Rennmenü. Die Wartezeiten während des Ladens werden übrigens schön mit der Einblendung interessanter Informationen, Tipps und Statistiken überbrückt. Kenner von Race Driver Grid oder anderen neueren Rennspielen von Codemasters werden wissen von was ich rede. In der Box kann ich mir dann meinen Teamkollegen und vergleichende Statistiken betrachten, die natürlich nicht ganz unwichtig für den zukünftigen Verlauf der Karriere sind, die richtige Reifenmischung für das Wetter wählen, mir eine Übersicht über die aktuelle Session (Training, Qualifying oder Rennen), die momentanen Bestzeiten, Streckeninfos, den Forschungsstand des Teams und das Wetter am Rennwochenende anzeigen lassen. Außerdem kann ich ein paar Einstellungen am Setup des Fahrzeugs vornehmen und meinen Renningenieur bitten, mir bei ein paar Sachen zu helfen oder mich mit dem Fahrzeug auf die Strecke zu schicken. Zu den Eistellungen am Fahrzeug sei gesagt, dass es sicherlich schon andere Rennspiele gab, die da mehr anzubieten haben. Allerdings verbrachte man so immer viel Zeit mit der richtigen Einstellung und wenig mit dem Rennen an sich. F1 2010 hat aus meiner Sicht einen sehr guten Spagat zwischen Nutzen und Dauer gefunden. Wer Spaß an den Einstellungen hat, der wird sich sicher eine Weile damit beschäftigen können, diese zu optimieren. Wer aber wenig Lust auf so ein Detailgewurschtel hat, der kann seinen Renningenieur fragen, dieser wird einem eine einigermaßen gute Einstellung mit Hilfe einiger Fragen vorgeben, so dass man in das eigentlich Spiel deutlich schneller einsteigen kann.

Auf die Strecke
Wenn man nun die Box auf Anweisung seines Renningenieurs verlässt, der auch auf den Verkehr in der Boxengasse achtet, so muss man natürlich erst einmal die Geschwindigkeitsbeschränkung von 100km/h in der Boxengasse zu beachten. Diese wird aber automatisch nicht überschritten, so dass man von Beginn an Vollgas geben kann. Wenn man dann aber aus dieser raus ist, kommt man in das volle Vergnügen des Spiels. Das Handling des Wagens ist wirklich eine Pracht. Man kommt fast auf Anhieb mit dem Vehikel zurecht. Je nach Schwierigkeitsgrad und der genauen Einstellung unterstützen einen einige technische Zusatzsysteme, wie beispielsweise ein Brems- und Lenkassistent oder eine Idealspur mit der mittlerweile typischen roten, gelben beziehungsweise grünen gefärbten Geschwindigkeitsanzeige. So werden auch Anfänger schnell und gut mit dem Game zurechtkommen. Das Geschwindigkeitsgefühl kommt vor allem in der Motorhauben- und der Cockpitansicht sehr schön rüber, da fühlt man sich gleich mittendrin statt nur dabei. Generell präferiere ich eine der beiden eben genannten Ansichten, die anderen Kameras von hinten über dem Wagen nehmen doch viel vom Rennfahrfeeling weg. Die Steuerung geht gut von der Hand und nach nur wenigen Runden hat man schon ein wenig ein Gefühl dafür, wann der Wagen vielleicht ausbrechen könnte und wie man kurvenmäßig am Limit fahren kann. Je nach Leistungsvermögen lassen sich dann aber die Einstellungen noch verändern und machen das Ganze deutlich schwieriger, so werden definitiv auch erfahrenere Formel 1 Fahren unter euch eine Herausforderung finden. Mir ist beim Spielen auf alle Fälle aufgefallen, dass es extrem auf die Streckenkenntnisse ankommt. Seid ihr bei eurem ersten Grand Prix ein paar Runden gefahren und wisst, in welcher Kurve man vielleicht etwas mehr Gas geben kann oder weniger geben muss, so verbessern sich eure Rundenzeiten extrem und ihr rutscht im Klassement schnell einige Plätze nach oben. Übung macht den Meister und genau so ist es auch. Einen Grand Prix schnell mal in 5 Minuten gewinnen, das geht kaum, wenn man nicht Vollprofi ist. Aber wenn ihr ein bisschen Geduld habt, wird der erste Erfolg auf der Strecke euch schnell ereilen. Vielleicht bekommt ihr ja auch bald neue Vertragsangebote bei größeren und schnelleren Teams und seid zu Höherem berufen…

Multiplayermodus

An dieser Stelle muss man wohl leider festhalten, dass der Multiplayermodus mit Freunden sicherlich auch eine Menge Spaß bereiten kann, aber leider der schwächste Modus von F1 2010 ist. Es gibt einige interessante Modi wie den Sprint, bei dem man drei Runden bei trockenem Wetter ein normales Rennen fährt, die Pole Position, bei der man in 20 Minuten nach der schnellsten Runde jagt, der Ausdauer oder den Grand Prix. Bei beiden muss man 20% eines wirklichen Rennens fahren entweder mit Training und Qualifying (Grand Prix) oder ohne. Dabei hat der Host jederzeit die Einstellungen in der Hand. Die Sessionzeiten sind gegenüber der Karrierevariante natürlich etwas gestutzt, damit nicht zu schnell zu viele Spieler ein Spiel verlassen, dem sowieso nur Leute beitreten können, so lange es nicht vom Host gestartet wurde. Ein Rennen egal in welchem Modus besteht übrigens immer aus maximal 12 menschlichen Mitspielern, die restlichen 12 können mit KI-Gegner aufgefüllt werden, sofern das erwünscht ist. Generell kommt es im Übrigen sehr darauf an, mit welchen Mitspielern man in einem Spiel ist, ob es Spaß macht oder doch eher nervt. Gegenseitiges Abschießen ist natürlich teilweise genauso angesagt wie auch lästiges Querstehen auf der Strecke. Damit kann man seine Mitstreiter schon einmal zur Weißglut treiben. Kurz und knapp gesagt, hat man die richtigen Mitspieler und Freunde am Start, wird man auch mit dem etwas kargen Multiplayermodus online seinen Spaß haben.

Grafik und Sound
Die Grafik ist schon ein Highlight des Spiels. Die Rennstrecken wirken authentischer denn je und sind mit viel Liebe zum Detail umgesetzt worden. Selbst Adrian Sutil selbst hat ja in unserem Interview gesagt, dass es da bis auf einige, wenige Details kaum Unterschiede zu den Originalen gibt. Auch die Fahrzeuge wurden detailgetreu umgesetzt, egal ob Heck- und Bugspoiler, die Lackierungen oder die Aufkleber der Sponsoren, alles stimmt bis ins Detail. Abgesehen von den Markierungen auf den Reifen, die auch ins Spiel eingebunden wurden, erkennt man während der Fahrt sogar optisch den Zustand eines Reifens – genauso wie ein kurzer Ausritt ins Kiesbett, was einem auch gleich durch die Boxencrew mitgeteilt wird.  Genial umgesetzt sind auch die Wettereffekte. Bei Regen sieht man kleine Pfützen auf dem Asphalt, genau wie die Gischt eines vorfahrenden Autos, die einem die Sicht nochmals einschränkt.  Schaltet man dann in die Cockpitperspektive, so sieht man erst einmal wie viel oder besser wie wenig ein Rennfahrer vom eigentlichen Rennverlauf aus sieht. Schade ist allerdings, dass die Grafikpracht bei der Xbox 360-Version leider durch ein hin und wieder auftretendes Kantenflimmern etwas getrübt wird. Vom Sound her kann F1 2010 nicht immer ganz überzeugen. Die Motoren heulen auf der Rennstrecke zwar sehr gut und druckvoll aus den Boxen auf, was für eine sehr gute Rennatmosphäre sorgt. Alles andere aber hätte man noch verbessern dürfen, sei es der teilweise dürftige Kommentar oder die eintönige Musik. Insgesamt bleibt es trotz allem eine sehr gute technische Umsetzung, die aber in zukünftig anstehenden Veröffentlichungen gerne noch etwas weiter entwickelt werden darf und Luft nach oben bietet.


Das Fazit von: DeWerni

DeWerni

Geil, geil, geil! F1 2010 macht einfach nur riesen Laune. Endlich kommt wieder mal ein Formel 1 Racegame auf den aktuellen Konsolen und dann gleich so ein riesen Kracher. Trotz der großen Erwartungen geht das Spiel nicht unter, sondern bestätigt diese sogar. So bietet es für Anfänger einen einigermaßen schnellen und spektakulären Einstieg und trotzdem einige Einstellungen für die Detailbegeisterten unter euch, so dass man sich seine eigene Herausforderung schaffen kann. Außerdem lassen sich die diversen Einstellungen auch so anpassen, dass selbst gestandene Formel 1 Profis nach einigen Runden noch schweißnasse Hände aufgrund der guten Atmosphäre bekommen. Ich bin persönlich auch nicht so der Tüftler, aber Racingfans müssen an dieser Stelle auf alle Fälle zuschlagen, es wird definitiv keiner bereuen. Da hat Codemasters wohl Vieles, wenn auch nicht Alles, richtig gemacht! Geiles Spiel, tolle Umsetzung und damit eine absolute Kaufempfehlung!


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positiv negativ
  • Sehr flüssig trotz 24 Autos
  • Schöne Konfigurationseinstellungen
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  • Atmosphärisch und grafisch sehr gut
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  • Fordernde Karriere
  • Etwas karger Mehrspielermodus
  • Schwaches Schadensmodell
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