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FIFA 16

Publisher: Electronic Arts
Genre: Sport
Sub-Genre: Fußball
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 24.09.2015
USK 0

FIFA 16   12.11.2015 von Torsten

Der Konkurrent hat vorgelegt, nun darf EA mit seiner Version des virtuellen Rasenschachs nachsetzen. Die Ankündigungen der Veränderungen waren wieder zahlreich. Neues Kommentatoren-Duo, verbesserter Karriere-Modus, angepasstes Defensiv- und Zweikampfverhalten und sogar der Frauenfußball hält erstmalig seinen Einzug in das Spiel. Wie sich diese Anpassungen in das fertige Spiel fügen wird sich zeigen. Dank einiger Unstimmigkeiten mit der Post kommt unser Test etwas später. Das Warten hat sich dann aber gelohnt und endlich heißt es auch bei uns Anpfiff für FIFA 16!

 

Der Karriere-Modus

 

Seitens EA wurde im Vorfeld eine starke Verbesserung des Karriere-Modus angekündigt. Das machte natürlich neugierig und so wurde dieser Punkt vermehrt unter die Lupe genommen. Anstatt ganz einfach zum Spiel zu kommen, müssen sich Spieler nun auch innerhalb der Woche beweisen. Sollte man jedenfalls meinen, aber derart konsequent war man dann bei EA dann doch nicht. Denn die Trainingsspielchen, bei denen beispielsweise Hüte umlaufen, Pässe geschlagen oder Freistöße geschossen werden müssen, sind am Ende lediglich eine Möglichkeit, Werte der Spieler zu verbessern. Direkte Auswirkungen auf die Aufstellung am Wochenende – wenn denn die Karriere als Feldspieler bestritten wird - haben sie nicht, optional sind sie auch zu simulieren. So oder so, sie sind zumindest eine willkommene Möglichkeit, das Handling mit dem Spieler zu verbessern und mit der Bedienung bei Standardsituationen vertraut zu werden. Kritik gibt es dann eher bei ganz anderen Themenbereichen diesem eher als Nischenprodukt behandelten Spielmodus. So werden Interviews leblos und steril in tabellarischer Form vorgetragen, die gesamte Inszenierung wirkt eher trist. Vor allem aber hapert es ganz einfach an der Atmosphäre und der damit verbundenen Glaubhaftigkeit. Wenn ich bei NBA 2K mit meinem virtuellen Konterfei durch den Draft Day gehe und auf die Ausrufung meines Namens warte…wenn ich dann im Spiel erst als Shooting Guard eingewechselt werde und mich dann durch gute Leistungen zum festen Point Guard steigere, dann jauchzt das Spielerherz. Ich habe das Gefühl, etwas geschafft zu haben, für das ich nun belohnt werde. In der FIFA 16-Karriere hingegen schieße ich am Wochenende drei Tore, setze im nachfolgendem Spiel aus, nur um dann im Spiel danach nicht zu überzeugen, aber dauerhaft eingesetzt zu werden. Es scheint kaum nachzuvollziehen, dass meine persönliche Leistung im Spiel irgendwelche Konsequenzen hätte. Der Trainer- /Manager-Part kann da schon besser gefallen, ohne am Umfang einer „handfesten“ Simulation zu kratzen. Die hinzugekommenen Vorbereitungsturniere bringen neben der Übung auch Geld ein, mit der die Mannschaft verstärkt werden kann. Zudem ist es durch die erwähnten Minispiele nun möglich, auch eigene Talente aktiv zu fördern. Ein kleiner Schritt nach vorne, aber auch hier ist weiterhin viel Luft nach oben.

 

Stämmige Verteidiger und kleinliche Schiedsrichter

 

Im letzten Jahr waren schnelle Stürmer deutlich im Vorteil und oft kaum zu stoppen. Das machte eine Anpassung sinnvoll, die in diesem Jahr auch vorgenommen wurde. Die Geschwindigkeitsspitzen ballführender Spieler wurden gekappt, langsamere Spieler ohne Ball beschleunigt. So werden Verteidiger nicht mehr so leicht abgehängt. Dies wird zudem durch das stark verbesserte Stellungsspiel der Abwehrreihen gestärkt. Die Defensive steht nun geschlossener, um Gegenspielern nicht mehr so viel Platz zu lassen. Die engere Manndeckung entschärft Star-Stürmer besser als im Vorjahr und macht ein Umdenken in der Spieltechnik erforderlich. Stupides Kick´n Rush mit schneller Sturmspitze führt nun weitaus seltener zum Erfolg. Das legt den Fokus auf das Zusammenspiel mit den Mannschaftskameraden, was dem Spiel durchaus zuträglich ist. Allerdings wurde das Zweikampfverhalten der Spieler stark verändert. Hier fehlt es etwas am vermittelten Feedback, das automatisierte Zustellen verhindert kaum den Durchstart des Spielers. Dadurch ist es deutlich schwieriger geworden, den Ball von der Fußspitze des Stürmers zu stibitzen. Die Schiedsrichter bestrafen zudem kleinere Fehltritte sofort mit gelben Karton, sodass Zurückhaltung und Geduld empfehlenswert scheinen. Positiver Nebenaffekt dieser mitunter nervigen Unterbrechung des Spielflusses ist die Tatsache, dass destruktiv agierende Spieler nicht mehr mit dauerhaften Gegrätsche zum Erfolg kommen.

 

Torschüsse sind noch einmal wuchtiger geworden. Hier ist es anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, dass ein kurzer Tastendruck nicht mehr zum ausgewachsenen Torschuss reicht. Die minimal angesteuerte Schusstaste führt nunmehr zu einer analogen Umsetzung des Torschusses. Der Ball wird dann nur noch angetippt. Der damit zustande kommende „Torschuss“ ist dann allenfalls dazu geeignet, den Ball am Keeper vorbeizulegen. Nach einer kurzen Phase der Umgewöhnung klappen Torschüsse dadurch aber noch gefühlvoller, die mögliche Varianz der Schusstechnik steigt. Die Leistung der Torhüter war die letzten Jahre eine ewige Berg- und Talfahrt der Qualität. In FIFA 16 wird zwar nach wie vor hier und da nach vorne abgeklatscht, schwerwiegende Patzer sind aber noch einmal seltener geworden. Dafür haben die Torhüter eine stark gesteigerte Vorliebe für das Wegfausten der Bälle. Alles in allem werden Torschüsse aber sicher verhindert, harmlose Kullerbälle rollen nur sehr selten ins Tor. Neu hinzugekommen sind außerdem Vollspann-Flachpässe. Diese werden hart auf den eigenen Mitspieler abgefeuert und sind ein recht effektives Mittel, um Spieler schnell ins Spiel einzubinden, bevor sie von den Verteidigern bei der Ballabnahme gestört werden. Schwächere Teams haben hier manchmal so ihre Probleme bei der akkuraten Ballverarbeitung. Da geht schon einmal ein Ball daneben oder er wird fahrlässig verstolpert. Spitzenteams haben damit kaum Probleme und genau hier wirkt dieses neue Feature wenig balanciert. Zu einfach gelingen sie so quer durch die gegnerische Verteidigung.

 

Lizenzen

 

Bei den Lizenzen ist FIFA nun einmal das Maß aller Dinge und es kommen Jahr für Jahr mehr Teams hinzu. Damit grenzt es sich unschlagbar vom etwas weniger ansprechenden Umfang des Hauptkonkurrenten aus dem Hause Konami ab. Einzig bei Spielen im asiatischen Raum hat PES 2016 mehr zu bieten. Nicht zu vergessen, dass PES exklusiv die Lizenz der offiziellen Champions League im Angebot hat. Diese lässt sich bei FIFA 16 natürlich im Rahmen eines europäischen Wettbewerbs nachstellen. Neu dabei sind nun erstmals Frauen-Fußballteams. Frauen-Fußball ist populärer geworden und längst sind Weltmeisterschaften keine unbeachteten Randerscheinungen mehr. Auf dem virtuellen Platz steuern sich die Damen recht gut. Ein großer Unterschied zum Spielaufbau bei den Männern ist hier nicht zu spüren. Natürlich sind die Schüsse nicht ganz so stark und die Torfrauen greifen öfter mal daneben. Hier wird dennoch nicht über das zarte Geschlecht gelacht, sondern ordentlicher Fußball gespielt. Es ist sogar schade, dass keine gemischten Begegnungen möglich sind. Gerade beim Freundschaftsspiel mit stark unterschiedlicher Spielstärke wäre dies die ultimative Form der Demütigung.

 

Bildergalerie von FIFA 16 (7 Bilder)

Rasenschach mit jeder Menge Augenzucker

 

Das aktuelle Fifa baut technisch natürlich auf dem nahezu identischen Gerüst von FIFA 15 auf. Dieses war bereits sehr ansehnlich und noch scheint es keinen Bedarf an einer neuen Engine zu geben. Im Hause Konami bekommt man zwar die Gesichter besser hin, dafür gibt es bei EA ganze 50 originalgetreu nachgebildete Stadien und eine atmosphärische Inszenierung des Spiels. Die Animationen sind geschmeidig, Ruckler und Slowdowns gibt es nur sehr selten. Erstmals dabei ist auch das Freistoß-Spray. Geliebt und verteufelt im realen Fußball fügt es sich sehr authentisch in die optische Präsentation des virtuellen Kicks ein.

 

Der Sound kann da nicht so ganz mithalten und schwankt in seiner Qualität stark. Der Soundtrack mag Geschmackssache sein, wirkt aber weniger stimmungsvoll als in den Vorjahren. Die Spielgeräusche sind dafür erstklassig. Wenn das Leder an das Gebälk kracht rumst es so richtig aus den Lautsprechern. Dies verleiht den Schüssen erst recht das Gefühl der gesteigerten Schussstärke. Das leidige Thema der Kommentatoren vermiest allerdings einmal mehr den Eindruck der nahezu perfekten Inszenierung. An der Seite von Frank Buschmann gesellt sich nun Wolff Fuss statt Manni Breuckmann. Mit diesem Wechsel trat aber keine Verbesserung ins Kommentatoren-Duo ein. Vielmehr kommt es zu abstrusen Fehl-Kommentaren und wäre der Test des noch viel schlechteren PES-Duos nicht vorangegangen, so hätte man sich an dieser Stelle auch wieder in Rage reden können. Es bleibt dabei, dass die Kommentare nach einiger Zeit sowieso wie das Rauschen einer Autobahn fast automatisch ausgeblendet werden.


Das Fazit von: Torsten

Torsten

FIFA 16 läuft mit vielen Änderungen am Spielsystem und Umfang auf, kann damit aber nicht immer restlos überzeugen. Die hinzugekommenen Vollspann-Pässe sind eine tolle Sache, wirken aber bei Spitzenteams geradezu unfair. Die gesteigerte Defensiv-KI entschärft die nervigen, weil viel zu oft mit Torerfolg gekürten, hohen Pässe in die Spitze. Sie ist nun außerdem aggressiver und spielt deutlich besser mit. Tacklings sind allerdings schwerer durchzuführen, weil präziser angegriffen werden muss. Im Gegenzug ist der Spielaufbau komplexer und anfälliger für Fehler geworden. Es muss mehr taktiert und kombiniert werden. Und sogar die Torhüter patzen weniger. Das Spielgeschehen selbst wirkt aber weniger authentisch als bei PES 2016 und weniger geschmeidig als in FIFA 15. Irgendwie scheint hier noch nicht das letzte Wort gesprochen, bis das endgültige Spielgefühl gefunden ist. EA geht hier aber wieder einen Schritt weiter in die richtige Richtung, zumal das Spiel nicht mehr so leicht auszurechnen wirkt. 


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positiv negativ
  • Umfangreiches Lizenz-Paket
  • Vollspann-Flachpässe
  • Gesteigerte Defensiv-KI
  • 50 originalgetreue Stadien
  • Hervorragende Inszenierung
  • Spiel weniger ausrechenbar
  • Besser Torhüter
  • Frauen-Fußball!
  • Viele nervige und einfach falsche Kommentare
  • Zweikämpfe mit mangelhaftem Feedback
  • Nicht alle Spieler mit hohem Wiedererkennungswert





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