Face Noir

Face Noir

Publisher: Daedalic
Entwicklerstudio: Mad Orange
Genre: Klick-Adventure
Sub-Genre: Klassisches Krimiadventure
Art: Midprice
Erscheinungsdatum: 31.07.2012
USK 12

Face Noir   17.09.2012 von DeWerni

New York, Amerika in den 1930ern – die Welt steckt in einer tiefen Depression, die guten Zeiten sind längst vorbei. Ihr steckt als Privatdetektiv Jack Del Niro mittendrin und müsst Euch um einen mysteriösen Mord im Hafen und die üble Entführung eines jungen Mädchens kümmern. Doch eigentlich trügt der Schein, alles ist viel schlimmer, als erwartet …

 

Der Publisher Daedalic beglückte die Gamergemeinde vor kurzem wieder einmal mit einem neuen Adventure. Überhaupt scheint sich das Genre gerade in Deutschland immer noch großer Beliebtheit zu erfreuen. Regelmäßig gibt es Nachschub in diesem Sektor, ohne dass der ganz große Hype um eine der Veröffentlichungen entsteht. In Face Noir ist das Setting spannend gewählt: Ihr seid typischerweise ein Privatermittler, der im New York der 1930er Jahre einigen mysteriösen Vorfällen auf den Grund gehen möchte. Die Atmosphäre ist düster, kein Wunder, die Welt steckt in einer tiefen Depression. Das Ganze hört sich spannend an? Dachten wir uns auch und haben einen etwas genaueren Blick in das Game gewagt.

 

Wer zum Teufel ist eigentlich Sean Macleane?!

Im Spiel übernehmt Ihr die Rolle des einfachen Privatermittlers Jack Del Niro. Während Ihr schon wisst, dass dieser in absehbarer Zeit in den Lauf einer Pistole schauen wird, setzt der Flashback ein, die Story beginnt für Euch. Dabei wird zunächst klar, dass sich Jack mit miesen Ermittlungs- und Beschattungsjobs über Wasser halten muss. Eines Abends erhält er einen mysteriösen Anruf eines Unbekannten, der ihn auffordert, zum Hafen zu kommen. Man ist ja neugierig und folgt der Aufforderung, oder? Und mir nichts dir nichts steckt man mitten im Schlamassel: Jack entdeckt die Leiche des früheren Kollegen und Freund Sean Macleane. Als er sich gerade dort umschaut, bekommt er einen Schlag auf den Hinterkopf. Nun gilt es ganze Überzeugungsarbeit zu leisten, denn als er wieder erwacht, findet er sich im Knast wieder. Schlimmer noch: Er wird direkt für den Mord an Sean verantwortlich gemacht, und das, obwohl er eigentlich nur dem mysteriösen Anruf nachgehen wollte. Doch glücklicherweise gibt es nicht nur heute, sondern auch im New York der 1930er Jahre einige korrupte Bullen. Das hilft wenigstens vorübergehend wieder auf freien Fuß zu gelangen und dem seltsamen Treiben selbst auf die Spur zu kommen, auch wenn Jack nun logischerweise unter besonderer Beobachtung steht. Trotzdem macht er sich gleich an die Mordermittlungen. Doch auf was er da kurze Zeit später im Hafen stößt, klingt auch nicht wirklich erfreulicher: Er findet ein Kind, das anscheinend entführt wurde. Irgendwie stinkt da etwas ganz gewaltig zum Himmel, nur weiß Jack noch nicht, was. Doch auch dort kann er seine Schnüfflernase nicht raushalten und kommt so dem großen Geheimnis Stück für Stück auf die Spur, auch wenn er dabei noch das eine oder andere Rätsel lösen muss und nicht nur einmal sein eigenes Leben und die Freiheit auf dem Spiel stehen.

 

Das etwas andere Gefummel

Die Steuerung des Werks ist hautsächlich genretypisch umgesetzt, zeigt aber doch einige Schwächen. Die Hauptbewegung wird also mit der Maus gesteuert. Außerdem können Dinge aufgenommen, untersucht und analysiert und zudem kombiniert werden, da macht das Game keine Ausnahme. Etwas schade ist, dass Jack immer den einen Laufmodus an den Tag legt, einen Gang zulegen oder spurten, das ist zu viel verlangt. Wenigstens kann man aber die einzelnen Lokationen über den Bildschirmrand hinweg wechseln, indem man an die Wechselstelle doppelt klickt. Etwas umständlich ist das Handling des Inventars ausgefallen. Denn dieses muss man per mittlerer Maus- oder Leertaste bei jeder Verwendung des Inventars erst öffnen, das gilt auch für die Kombination von gesammelten Gegenständen, was daran liegt, dass das Nehmen eines Gegenstands gleichzeitig das Schließen des Inventars bedingt. Hier muss man sich teilweise etwas durchwursteln. Einzige Hilfe zum Fortgang im Spiel ist im Übrigen die F1-Taste, mit der man sich Hotspot-artig relevante Gegenstände und Markierungen am aktuellen Ort des Geschehens anschauen kann. Diese werden durch rote Punkte angezeigt, an denen man nun seine Untersuchungen genauer fortführen kann. Durch die Stadt bewegt man sich per Privattaxi, denn netterweise hat Jack einen korrupten chinesischen Taxifahrer, den man nun durch Erpressung für die eigenen Dienste gewinnen konnte.

 

Rätsel und Kombinationsgabe

Die enthaltenen Rätsel sind dann wie so oft ein zweischneidiges Ding. Die Rätsel, die praktisch vom Storyverlauf her gestellt werden, sind sehr linear und einsichtig gehalten. Das bedeutet zum einen, dass es sich um Dinge handelt, die nicht allzu schwer zu erforschen sind, zum anderen lassen sich bestimmte Dinge aber erst dann durchführen, wenn man andere erledigt hat. Das ist alleine von der Tatsache her nicht immer logisch, man kann sich aber darauf einstellen. Aber es gibt noch weitere Rätsel, die von dem Spiel als Aufgabe gestellt werden und diese müssen als Minispiele gemeistert werden. Das gilt beispielsweise für die Fähigkeit des Schlösserknackens, wobei man hierbei immer einen Dietrich rechtsrum mit Gefühl bis zu einer knacksenden Stelle drehen muss, danach das gleiche nach links und wieder nach rechts – ganz wie die Zahlenkombination bei einem klassischen Safe. Das Ganze erforderte sehr viel Fingerspitzengefühl, da auch die Steuerung dabei nicht immer ganz einwandfrei reagiert. Oder war es doch das Zucken des Fingers?! Ähnliche Minispiele sind dann auch für die Ermittlung von richtigen Sequenzen oder einem Vorbeischleichen an Wachbeamten notwendig. Diese Minispiele sind nicht immer auf Anhieb zu meistern und erfordern manchmal mehr als einen Versuch, auch weil es oftmals auch gegen die Zeit geht. Glücklicherweise kann Jack nicht in diesem Sinne bei seinen Aktionen sterben, indem er ein virtuelles Leben verliert. Vielmehr ist es möglich, an Aufgaben zu scheitern. Dann kann man am letzten Checkpoint, die im Spiel doch fair verteilt sind, weitermachen oder man hat geschickt an einer Stelle einen Spielstand gesichert.

 

Bildergalerie von Face Noir (14 Bilder)

Ein weiteres, aber durchaus wichtiges Element bei der Lösung des Gesamtfalls ist der Denk-Modus. Hierbei sieht man alle möglichen Gedanken, die Jack im Kopf herumschwirren und mit dem Fall zu tun haben. Kombiniert man die richtigen Gedanken, lassen sich neue Erkenntnisse gewinnen und Jack kommt der Lösung des Falls Stück für Stück näher. Diese Kombinationen spiegeln den eigentlichen Ermittlungsprozess des klassischen Kriminalermittlers wohl am besten wieder. Allerdings kann man diese Kombination nicht frei und jederzeit durchführen, vielmehr wird auch diese Aufgabe in speziellen Situationen als Minispiel eingeblendet. Insgesamt sind die Ideen, Ansätze und Spielmechanismen prinzipiell nicht schlecht, allerdings wirken sie teilweise auch etwas unreif oder werden aufgrund von vielen Wiederholungen schnell langweilig und eintönig.

 

Technisch auch noch aus den 1930ern?!

Eines muss man an dieser Stelle gleich festhalten: Die Atmosphäre stimmt. Die Sepia-Optik der Bilder sorgt für zusätzliche düstere Stimmung und wirkt stilvoll, genauso wie auch das trübe Setting in New York an sich. Die Animationen der einzelnen Charaktere sind dagegen leider etwas zu hölzern umgesetzt. Zudem sind die Präsentationen der Köpfe in den Dialogen etwas mies. Das hat man bei vergleichbaren Spielen schon besser gesehen. Da fehlt es etwas an Authentizität. Anders sieht das Ganze schon wieder mit den Zwischensequenzen aus, die in einer Art Comic-Look gehalten sind und mit ihren Untertiteln voll überzeugen. Das passt wiederum sehr gut in das Setting des Werks. Ähnlich sieht das Ganze beim Sound aus, der solide umgesetzt ist, aber sicherlich auch kein Highlight darstellt. Der beste Aspekt ist da sicher noch die Jazzmusik, die des Öfteren im Hintergrund dudelt und ins Geschehen passt, aber mit der Zeit etwas nervt. Die deutsche Sprachausgabe geht in Ordnung, auch wenn man sich in einigen Situationen etwas mehr hörbare Motivation und Gefühlsausdrücke gewünscht hätte. Insgesamt bewegt sich Face Noir also auf mittelmäßigem, technischen Niveau, das für ein Adventure dieser Art in Ordnung geht, ohne wirklich komplett zu überzeugen.

Das Fazit von: DeWerni

DeWerni

Mad Orange bringt mit seinem Erstlingswerk ein durchaus vielversprechendes Adventure auf den Markt, das einige klassische Prinzipien mit ein paar Dingen kombiniert, die nicht ganz gewöhnlich für das Genre sind. Auch wenn diese neuen Ansätze nicht in jedem Spielbereich gelingen und so das Genre mit Sicherheit nicht revolutionieren, so liefern sie doch trotzdem ein paar interessante Ideen, die für zukünftige Releases perfektioniert werden dürfen. Wenn man mit nicht allzu hohen Erwartungen an die Sache rangeht und ein klassisches Adventure erwartet, wird man als Genreliebhaber nicht enttäuscht, sondern gut unterhalten werden. Wer vom Erstlingswerk ein Adventurehighlight erwartet oder das Genre nicht unbedingt mag, der sollte die Finger von Face Noir lassen. Hier bekommt man solide Kost mit spannender Story und ein paar weiterzuentwickelnden Ideen geliefert - nicht mehr, aber auch nicht weniger!


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positiv negativ
  • Schöne Rätselgestaltung …
  • Interessante Story …
  • Gelungene Atmosphäre
  • Passende Optik …
  • Kaum technische Anforderungen
  • Lange Spieldauer
  • … die mit der Zeit eintönig wird
  • … die kaum Überraschendes bietet
  • Etwas nervige Steuerung
  • ... die nicht immer auf aktuellem, technischen Stand ist
  • Insgesamt etwas unreif





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