Fantasy Filmfest Nights - Der Samstag

Fantasy Filmfest Nights - Der Samstag

Genre: Filmfestival

Fantasy Filmfest Nights - Der Samstag   21.03.2015 von Beef Supreme

Fantasy Filmfest Nights 2015 – Der Samstag

 

Alle Jahre wieder laden die Mannen von Rosebud Entertainment zu den Fantasy Filmfest Nights. Ein Wochenende voller Blut, Tod, Leid und allerlei Formen von Unbill. Ein Wochenende wie gemacht zum Abschalten und den grauen Alltag hinter sich zu lassen, während man den anderen beim Sterben zusieht. In diesem kleinen Special geht es um die Samstagsvorstellungen der diesjährigen Fantasy Filmfest Nights, denen ich in Stuttgart am 14. und 15. März beiwohnte.

 

Marshland

Den Anfang macht ein kleiner aber feiner Cop-Thriller aus Spanien. Die zwei ungleichen Ermittler Juan und Pedro befinden sich im spanischen Hinterland kurz nach dem Ende des Franco-Regimes. Dort sollen sie Näheres über den Verbleib zweier Vermisster Teenie-Mädels ausfindig machen, die sich angeblich aus dem Staub gemacht haben, da der Ort gemeinhin als das letzte Loch gilt. Schnell entwickelt sich der Vermisstenfall zu einer Mordermittlung, da es sich die beiden Damen mit dem Gesicht nach unten in den Sümpfen bequem gemacht haben. Es soll sich noch heraus stellen, dass die Nummer größer ist, als der gemeine Standarddoppelmord.

 

Ein gewagter Auftakt für ein von Horror geprägtes Filmfestival. In sehr ruhigen und teils künstlerischen Bildern zeigt Marshland eine rückständige Gesellschaft, die mit dieser ominösen Demokratie noch nicht so klar kommt. Die Grundatmosphäre lässt sich ohne weiteres mit der aus der Serie True Detective vergleichen, wohingegen der Film qualitativ nicht an das Vorbild heran reicht. Wenn man es schafft sich auf den Film einzulassen, eröffnet sich dennoch ein interessanter Thriller, in dem Zuschauer wie auch Polizisten sich nach und nach den Täter zusammenstückeln und dabei immer weiter in den Sumpf von Verbrechen und menschlichem Abschaum hinabgezogen werden. Aufgrund des sehr geringen Actionanteils weist der Film aber gelegentlich einige Längen auf, vor allem da gewisse Ereignisse, wie die Bekanntschaft Gewehrkolben – Pedros Schläfe, nicht weiterverfolgt werden und stattdessen mit Dialogen fortgefahren wird. Dennoch bleibt ein atmosphärisch dichter und über weite Strecken spannender Krimi-Thriller, den man sich durchaus anschauen kann. Als Auftaktfilm vielleicht nicht besonders geeignet, aber trotzdem gut.

MEINE WERTUNG: 7/10

 

 

Tusk

Silent Bob goes Horror! Kevin Smith betätigt sich einmal mehr als Regisseur und wartet gleich mit einer völlig bekloppten Idee auf, die so garantiert noch nicht dagewesen ist. Wallace Bryton ist ein selbstverliebter Pod-Caster, dessen Show sich auf Kuriositäten aller Art spezialisiert hat. Als er von einem älteren Herren namens Howard Howe hört, der von seinem bewegten Leben berichten will, wittert Wallace seinen nächsten Click-Generator und macht sich auf ins kanadische Outback. Nach einer Tee-Orgie bricht Wallace mit 2,8 Kamille zusammen und findet sich am nächsten Morgen im Rollstuhl wieder. Ohne Bein. Ab da wird ihm schnell klar, dass der Opa massiv einen an der Klatsche hat, denn er will aus Wallace seine alte Jugendliebe formen und baut sich aus ihm ein Walross zusammen.

 

Auf den Film hier habe ich gewartet. Eine Idee so bescheuert, dass es nur genial werden kann. Und mit Smith, Kreativschädel hinter Dogma und Jay und Silent Bob schlagen zurück, auf dem Regiestuhl? Das wird der Hammer! Dachte ich. Zu früh und vor allem beim falschen Film werde ich schon das erste Mal auf diesem Festival enttäuscht. Was sich auf dem Papier wie eine einzige Party liest, entpuppt sich als lahm inszenierter und viel zu dialoglastiger Film ohne wirkliche Handlung. Den ganzen Film über war ich mir auch nicht sicher, was ich vom irren Howard halten soll. Mal verhält er sich wie der sadistisch abgeklärte Killer nur um direkt danach wie ein kleines Kind vor sich hin zu faseln. So ähnlich verhielt es sich mit der Atmosphäre des Films. Ich war mir nie wirklich sicher, ob das hier alles bitterernst ist, oder ob ich auch mal lachen soll. Die Tonart des Films wechselt so schnell, dass ich nie so richtig wusste, was ich hier eigentlich anschaue. Zu den wenigen Highlights gehört vor allem Johnny Depp in seiner Rolle als schusseliger Ermittler Lapointe. Grandiose Performance, die sicher einige Lacher garantiert - hier bin ich fast schon überzeugt, dass das beabsichtigt ist. Aber auch er kann das schwache Drehbuch und die lahme Umsetzung nicht aufwiegen. Sehr schade, aber der Auftakt der True North-Trilogie, enttäuscht. Hoffen wir mal, dass der zweite Teil dieser Trilogie, der auf den wohlklingenden Namen Yoga Hosers hört, das Ruder noch reißen kann.

MEINE WERTUNG: 4/10

 

 

Spring

Weiter im Text. Auf den enttäuschenden Tusk folgt mit Spring ein sehr schwer zu kategorisierender Film. Nachdem Evan seine Mutter an den Krebs verloren hat, beschließt er in Italien ein wenig den Kopf frei zu kriegen. Schnell lernt er dort zwei Briten kennen, die ihn mit durchs Land und durch die italienischen Weinkeller schleifen. Unterwegs trifft er Louise, die Evan ziemlich ansprechend findet. Schnell entwickelt sich eine kleine Urlaubsliebschaft, aus der schnell mehr zu werden scheint - das hübsche Mädel hat allerdings ein kleines Geheimnis. Sie ist eine Art Gestaltwandler, die sich auch gerne mal Fleischbeilage mit Herzschlag gönnt.

 

Spring hat es mir wirklich nicht leicht gemacht. Nach dem irreführenden Start war ich umso erstaunter, dass der gesamte Film ohne einen offenkundig bösen Buben oder sonst einen Gegenspieler auskommt. Der gesamte Film dreht sich um die Liebschaft zwischen den beiden und die Schwierigkeiten, die so eine willkürliche Mutation mit sich bringt. Eine wirkliche Handlung abseits dieser komplizierten Liebschaft gibt es nicht, was dazu führen könnte, dass es dem einen oder anderen schnell langweilig wird. Spring schafft aber das Kunststück, das Paar höchst sympathisch darzustellen und entwickelt eine interessante Liebesgeschichte, die glücklicherweise ohne jeden Kitsch oder Schmalz auskommt. Gelegentlich wird auch etwas Gewalt und Tod eingestreut, aber diese ist kaum nennenswert und wird die Blutdurstigen wahrscheinlich enttäuschen.


Obwohl das hier im eigentlichen Sinne eine Romanze ist, hat mir Spring ziemlich gut gefallen und jeder, der sich auch mal auf einen emotionalen Film einlassen kann, sollte dieses kleine Fantasy-Beziehungsdrama mit leichtem Horroreinschlag sichten.

MEINE WERTUNG: 6/10

 

 

A Girl Walks Home Alone At Night

Der wohl eigenartigste Film des gesamten Festivals. International als hochwertiges Kunstwerk gefeiert, vermengt dieses exotische Machwerk der iranischen Regisseurin Ana Lily Amirpour Western, Drama und Schwarzweiß-Film in neuzeitlichem Gewand. Nur wurde bei dieser eigensinnigen Mixtur und all der Exotik wohl vergessen, einen guten Film daraus zu machen. Eine Zusammenfassung zu geben ist schwer, denn es gibt eigentlich keine wirkliche Story. Des Nachts streift eine jung erscheinende und äußerst schweigsame Vampirdame durch die Straßen des fiktiven Ortes Bad City. Zugleich rennt da noch Arash, der Sohn eines drogensüchtigen Verlierers, durch die Straßen und fristet ein karges Dasein im Schatten des lokalen Pimps. Dann gibt es da noch andere Leute, die ihr Ding machen. Eines Tages trifft Arash auf die Vampirlady und verliebt sich in sie. Und sonst passiert irgendwie kaum etwas.

 

Dieser Film polarisiert. Entweder man steht auf den Stil, die Bildsprache und den Minimalismus, oder eben nicht. Ich gehöre zur zweiten Gruppe und erachte die 100 Minuten, die ich hier krampfhaft darum gekämpft habe, wach zu bleiben als pure Zeitverschwendung. A Girl Walks Home Alone At Night ist destillierte Langeweile in über anderthalb Stunden unbunten Film gegossen. Die völlige Abwesenheit einer Handlung gepaart mit konsequenter Spannungsarmut ergab für mich den schlechtesten Film des Festivals. Diese Einschätzung ist allerdings mit Vorsicht zu genießen, da ich mich nicht als Connaisseur des gepflegten Arthouse-Kinos einschätze.

MEINE WERTUNG: 2/10

 

 

Wyrmwood: Road of the Dead

Puh, der Samstag ist fast durch, und bisher finde ich nicht, dass sich der Erwerb der Dauerkarte rentiert hat. Und als ich fast schon alle Hoffnung fahren ließ, als ich denn da wanderte im finsteren Tal ungruseliger und unterdurchschnittlicher Filme, erschien Wyrmwood. Und ich sah, dass es gut war. Grandios geradezu. Das, was die bisherigen Filme an Gore, Fun und Rock’n’Roll vermissen ließen, gleicht Wyrmwood im Vorbeigehen aus. Endlich Zombies, Freunde des gepflegten gedärmgetränkten Gemetzels!

 

Unzählige Sternschnuppen sausen am Firmament entlang und – zack – Zombies! Plötzlich verwandelt sich ein Großteil der Menschheit in hirnlose, hirnhungrige Schlurfer. Der Film folgt Barry, Benny und Frank die aus unbekannten Gründen ihren Verstand nicht am Eingang abgegeben haben und fortan die Doppelläufige schwingen. Zeitgleich wird Brooke, die Schwester von Barry, von Militärs kassiert und einem irren Wissenschaftler vor das Skalpell geworfen. Lasset die Party beginnen!

 

Meine Herren, geht Wyrmwood ab. Das Gaspedal ist fast permanent ans Bodenblech getackert und die Zombies fressen im Sekundentakt Blei. Dabei wird auch nicht vergessen, den Kills ein gerüttelt Maß an blutiger Unterstreichung sowie Style angedeihen zu lassen. Ganz nebenbei macht die überraschend durchdachte Story sogar Sinn, und erfrischt durch neue Ideen abseits der ach so angesagten Virenzombies. Zudem habe ich mich dabei ertappt, wie mir die Charaktere dieses Zombiefilms auf einmal sympathisch waren und mich deren Ableben tiefer traf, als es bei solch einem No-Brainer der Fall sein sollte. Und als ob das noch nicht genug des Lobes wäre, versteht es Wyrmwood sogar noch, an den richtigen Stellen legeren Humor und knackige Jokes einzubauen, um das Gemetzel aufzulockern. Wyrmwood ist das Beste, was das überlaufene Zombie-Genre in den letzten Jahren hervorgebracht hat, und ich habe jede Minute des Films gefeiert. Wenn ich meckern wollte, könnte ich die teils weniger gelungenen CGI-Effekte anführen, die ein wenig an die „billigeren“ Episoden von The Walking Dead erinnern. Es gibt aber auch genug Handgemachtes zu sehen, was diesen kleinen Schnitzer mehr als kompensiert. Ein mehr als würdiger Abschluss des ersten, etwas durchwachsenen Festivaltages.

MEINE WERTUNG: 9/10


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Als kleines außerplanmäßiges Extra wurde noch einer der Kurzfilme aus ABCs of Death Part 2 gezeigt, auf den hier nicht näher eingegangen werden soll. Eine nette Idee und willkommene Abwechslung zu den sich ewig wiederholenden Trailern vor den Vorstellungen. Bisher wurde ich noch nicht so begeistert, wie ich mir das gewünscht hätte. Marshland wusste zwar zu gefallen, war aber doch sehr ruhig und passt meiner Ansicht nach nur begrenzt in das Konzept der FFF Nights. Die Ausfälle Tusk und A Girl… haben mir erst einmal gehörig die Laune verdorben, bevor mich Wyrmwood wieder daran erinnerte, warum ich so gern auf dieses Festival gehe. Wen’s interessiert, einen Bericht über den Sonntag gibt es selbstverständlich auch noch bei uns.


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