Fly

Fly

Genre: Tanzfilm • Musik • Drama
Regie: Katja von Garnier
Hauptdarsteller: Svenja Jung • Ben Wichert
Laufzeit: DVD (106 Min) • BD (110 Min)
Label: Studiocanal
FSK 6

Fly    06.04.2022 von MarS

Knapp 25 Jahre nach ihrem musikalischen Roadmovie bandits schickt die deutsche Regisseurin Katja von Garnier noch einmal ihre damalige Besetzung hinter Gitter - wenn auch dieses Mal nicht als Insassen. Musik ist allerdings auch in Fly ein wichtiger Bestandteil...

 

Inhalt

 

Ihr ganzes Leben träumt die 20-jährige Bex (Svenja Jung) bereits von Freiheit, doch ein fahrlässig verursachter Verkehrsunfall hat ihr genau das Gegenteil beschert. Ihre Haftstrafe hat Bex zwar bald überstanden, doch noch immer wird sie von Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen geplagt. Als Bex schließlich an einem Resozialisierungsprogramm teilnehmen soll, ist sie zunächst wenig begeistert, denn als Teilnehmerin eines Tanz-Workshops ist sie gezwungen, sich den anderen Tänzern zu öffnen, und sich ihren eigenen Dämonen zu stellen. Dank den eigenwilligen Methoden der Workshop-Leiterin Ava (Jasmin Tabatabai), aber auch ihrem Crew-Mitglied Jay (Ben Wichert), fühlt sich Bex jedoch schon bald das erste Mal in ihrem Leben frei, und schließlich entwickeln sich die gänzlich unterschiedlichen Tänzer tatsächlich zu einer echten Gemeinschaft. Doch noch bevor es ihnen möglich ist, ihre Fortschritte zu präsentieren, soll das Programm plötzlich eingestellt werden...

 

"Wie Step-Up mit Knasties?"

 

Tatsächlich könnte man im ersten Moment denken, Fly wäre die deutsche Variante eines ganz klassischen Tanzfilms, der einfach ein wenig zu spät das Licht der Filmwelt erblickt hat. Eine Gruppe von Einzelgängern mit völlig unterschiedlichen Charakteren und Tanzstilen muss zusammenfinden, um zu einer Einheit zu werden, und damit am Ende alle Zweifler Lügen zu strafen. Sogar ein obligatorisches Dance-Battle, das zunächst das große Ziel zu sein scheint, ist in Fly zu finden. Doch anstatt das finale Highlight zu markieren, ist dieses Battle eigentlich nur der Auftakt zum Schlussakt des Films, in dem es um viel mehr geht, als nur das Tanzen. Auch wenn die Tanzszenen hier zahlreich und ansprechend choreografiert sind, so dienen diese im Fall von Fly weniger dazu, den Zuschauer mit möglichst spektakulären Szenen zu versorgen, und damit über die dünne Handlung hinwegzutäuschen. Stattdessen ist Tanz hier das Element, mit dem sich die Tänzer ausdrücken, mit dem sie ihre Geschichte erzählen. Tanz als universelle Sprache, als Mittel zur Verständigung, selbst wenn man sonst nichts gemeinsam hat. Und genau das funktioniert in Fly wirklich sehr gut. So gut sogar, dass selbst in Momenten, die in anderen Filmen mit Dialogen ausgearbeitet werden, ein Tanz tatsächlich mehr sagt als tausend Worte, und Fly dabei dennoch starke Emotionen auszulösen weiß. Angst, Liebe, Entschuldigungen, das Gefühl von Gemeinschaft, wirklich alles wird hier durch Ausdruckstanz beziehungsweise das Zusammenspiel aus Musik und Gestik dargestellt, und das auf eine Art und Weise, die den Zuschauer immer wieder zu faszinieren weiß. Zu verdanken ist dies natürlich den Akteuren des Films, zu denen neben Svenja Jung - die sich neben ihren professionellen Mitstreitern im tänzerischen Bereich wirklich bemerkenswert schlägt - auch der Hip-Hop Freestyle Weltmeister Ben Wichert sowie die Truppe der "Flying Steps" zählen. Selbstredend bewegen sich hier nicht alle Darsteller auf gleichem Niveau, doch die mangelnde Erfahrung vor der Kamera wird ein ums andere Mal durch die tänzerische Ausstrahlung wieder ausgeglichen. Ein weiteres Highlight ist unterdessen Jasmin Tabatabai, die in ihrer Rolle als Trainerin Ava nicht nur den emotionalen Fels in der Brandung für die jungen Häftlinge darstellt, sondern auch für jede Menge zynische, bissige Kommentare und damit den nötigen Humor innerhalb der Erzählung sorgt. Nicht zu vergessen natürlich der großartig in Szene gesetzte Moment, in dem Jasmin Tabatabai, Katja Riemann und Nicolette Krebitz endlich wieder vereint vor der Kamera stehen - und diesen Moment zu einer herrlichen Insider-Gag für alle Fans von bandits werden lassen. Fast ein wenig schade ist es da, dass das Drehbuch an mancher Stelle etwas arg dick aufträgt, und einige Zusammenhänge zwischen den Figuren extrem konstruiert und überzogen wirken. Hier hat man im Bereich der Nebenhandlungen zu stark auf zusätzliche Emotionen gesetzt, und dabei vergessen, dass auch diese sich eigentlich ebenso harmonisch in die Hauptgeschichte einfügen sollten, wie sich Tanz und Musik innerhalb der Geschichte gegenseitig ergänzen. Überhaupt liegt der Fokus am Ende sehr stark auf den Tanzszenen und den sich daraus entwickelnden Gefühlen, während die Handlung selbst eher genretypisch und generisch bleibt. Dies sei Fly aber verziehen, denn auch ohne innovative Hintergrundgeschichte ist das Ganze ebenso unterhaltsam, wie auch eine gelungene Ausnahme im Genre der Tanzfilme, die den Tanz nicht nur zu Show-Zwecken in Szene setzt, sondern diesen tatsächlich als Mittel nutzt, um sich auszudrücken...

 

Bildergalerie von Fly (6 Bilder)

Details der Blu-ray

 

Die Blu-ray präsentiert sich in einer ordentlichen Bildqualität, allerdings auch mit Luft nach Oben. Grundsätzlich bietet das Bild eine gute Schärfe, die Farben sind natürlich, und das Kontrastverhältnis ausgewogen. Immer wieder wird das Bild aber auch etwas schwammiger, während der Kontrast merklich nachlässt. Ähnlich verhält es sich mit dem meist dezenten Filmkorn, das in dunkleren Bildbereichen ab und an deutlich stärker ausgeprägt ist. Insgesamt ein gutes, aber ein wenig schwankendes Bild. Auch die Tonspur hinterlässt einen schwankenden Gesamteindruck. Während der Ton oftmals durchaus dynamisch und kräftig klingt, bleibt er an anderer Stelle kraftlos und mit zu wenig Druck unterlegt. Insgesamt ist die gesamte Tonspur zudem etwas zu leise abgemischt, was jedoch durch eine Lautstärkenanhebung größtenteils ausgeglichen werden kann. Im Verlauf des Films werden gerade die Tanz- und Musikszenen zunehmend kräftiger und atmosphärischer wiedergegeben, während das übrige Sounddesign im vorderen Boxenspektrum verbleibt. Sowohl optisch, wie auch akustisch, wäre hier etwas mehr drin gewesen, insgesamt weiß die Blu-ray aber trotz kleinerer Schwächen zu gefallen.



Cover & Bilder © Studiocanal GmbH


Das Fazit von: MarS

MarS

Mit Fly bringt Katja von Garnier nicht nur nach fast 25 Jahren ihre bandits wieder zusammen, sondern sorgt gleich auch noch für angenehm frischen Wind im ansonsten meist nach gängigen Mustern ablaufenden Tanzfilm-Genre. Anstatt sich auf den Show-Charakter ihrer Tanzszenen zu verlassen, nutzt Fly den Tanz als Stilmittel, um Gefühle zu transportieren, und damit zu zeigen, wie universell diese Sprache verstanden wird. Da ist es auch gar nicht schlimm, dass die Handlung an so mancher Stelle etwas übers Ziel hinausschießt, und sich arg konstruiert gibt, denn selbst reduziert auf die großartigen Choreografien und die emotionalen Tanzsequenzen weiß Fly immer noch hervorragend zu unterhalten. 


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