Gingerclown

Gingerclown

Originaltitel: Gingerclown
Genre: Horrorkomödie
Regie: Balázs Hatvani
Hauptdarsteller: Ashley Lloyd • Erin Hayes
Laufzeit: DVD (80 Min) • BD (82 Min)
Label: Ascot Elite
FSK 18

Gingerclown   10.12.2014 von Beef Supreme

So, Freunde der Nacht, Reißbrett zur Hand. Wir basteln einen Horrorschinken. Wir brauchen auf jeden Fall mal Monster. Was für welche? Egal, können wir uns später überlegen. Vielleicht. Dann Stereotypen, massenweise Stereotypen ohne Tiefgang, wir wollen nicht zu viel Anspruch, ja? Ach, und platte Gags müssen rein, wir haben keine Kohle, wir können nicht auf ernst oder brutal machen. Gut, fehlt noch was? Wie bitte? Handlung? Lasst mich bloß in Ruhe, hat doch keiner Zeit für sowas. Also dann, lasst die Filmrolle qualmen, Leute, das Ding muss bis übermorgen stehen. Abfahrt!


Ein guter Horrorstreifen muss dunkel sein. Immer. So auch Gingerclown. Also startet der Film mitten in der Nacht. Vorzeigefootballer Biff, so stark wie beschränkt, hängt ganz klassisch mit seinen Ballspielkumpels und entsprechender Blondchen-Begleitung auf dem Hollywood-Hügel ab. Da radelt schon das nächste Charakterabziehbild durch die Szene: Sammy. Hager, schreckhaft, feige, Nerd. Es kommt wie es kommen muss: Biff sucht Beef mit Sammy-Boy und zwingt ihn, des Nachts in einen schaurigen, stillgelegten Vergnügungspark zu schlottern. Obwohl sogar die Dicke-Eier-Fraktion um Biff vor der gar grausigen Gefährlichkeit des Parks warnt, zieht Sam der Zitternde das durch. Schon allein deshalb, weil er nicht zum Chiropraktiker seines Mistrauens wackeln will. Biffs Blondchen Jenny ist unangetan von seiner Rollenausübung als furchtloser Alphawolf und stapft Sam dem Furchtsamen hinterher, um ihm seine Föhnfrisur zu richten. Was als semi-harmlose Mutprobe beginnt, endet…


… ja in was eigentlich? Würde ich nur die erste Hälfte berücksichtigen, würde hier stehen „in einer gelungenen Hommage an das 80er Horror-Trashkino mit mannigfaltigem Gagfeuerwerk, dessen Niveau im Marianengraben zu finden ist.“ Und auf niveaulos steh‘ ich. Beleidigungen am laufenden Meter, reimende Dämonen, grottig-geile Wortspiele, eine cholerische Kaffeekanne, und eine lethargische wie schlagfertige sprechende Metallkugel: Die erste Hälfte haut einen Gag nach dem anderen raus, wovon die meisten sogar zünden, und glänzt mit interessanten Ideen. Die Gevattern Handlung und Spannung halten sich bisher zwar noch sehr gut versteckt, aber in Anbetracht der humoristischen Qualitäten ist das erstmal zu verschmerzen.
Wenn sich da nicht noch die zweiten 40 Minuten ums Eck schleppen würden. Das Gag-Arsenal wurde in jugendlichem Leichtsinn zu früh verballert, die Ideen zu früh sinnlos verschwendet. Es stellt sich heraus, dass die Kaffeekanne und eigentlich alle anderen coolen Auftritte nur kurz mal ihre Sprüche drücken durften, aber ansonsten vollkommen irrelevant sind. Sie wirken wie ein Haufen für sich guter Ideen, die irgendwie auf Biegen und Brechen untergebracht werden mussten, ohne dass auch nur im Entferntesten an Kohärenz gedacht wurde. Selbst wenn einige der Sprücheklopfer tatsächlich ein zweites Mal durchs Bild huschen dürfen, haben sie außer der Wiederholung ihres sinnlosen Gelabers nichts zu melden. Und ein Witz den man zum zweiten Mal hört, taugt nicht besonders.
Der namensgebende Gingerclown soll zwar irgendwie der Hauptschurke sein, stiefelt aber dafür auffallend selten durchs Gehölz. Wenn er sich denn mal zeigt, dann meist in Form einer riesigen Klauenhand. Spannung oder bedrohliche Atmosphäre sucht man leider vergebens, da die Auftritte des Monsters, was genau er eigentlich ist, erfährt man nämlich nicht, absolut lahm in Szene gesetzt wurden.


Neben den irgendwann fahlen Gags und durch Abwesenheit glänzender Handlung krankt Gingerclown noch an der Abwesenheit der Monster. Irgendwie hat es niemand für nötig erachtet, die teils ziemlich gelungenen Kostüme der Monster angemessen in Szene zu setzen, denn wenn man mal eins sieht, dann nur im Halblicht/-dunkel und dann auch nur kurz, was sehr schade ist. So kann keine bedrohliche Stimmung entstehen, obwohl das Score-Orchester fiedelt, bis die Geige glüht. Hinzu kommt, dass der Body-Count viel zu niedrig ist. Wenn schon nicht spannend, dann wenigstens blutig. Aber auch das bleibt dem frustrierten Zuschauer verwehrt, da außer Schleichen, Schreien und Weglaufen nichts zelebriert wird.

 

Bildergalerie von Gingerclown (7 Bilder)


Wenigstens auf technischer Ebene erwartet einen keine so herbe Enttäuschung. Das erwähnte Orchester stand den ganzen Film über unter Vollbeschäftigung und macht seine Sache richtig gut. Vielleicht etwas zu auffällig und zu sehr im Vordergrund, aber immer stimmig klirrt der Sound der 80er aus den Boxen. Sogar die Synchro ist richtig gut gelungen und unterscheidet sich qualitativ kaum von den englischen Stimmen. Einzig das Bild ist insgesamt zu dunkel. Wenn der Streifen schon durchgängig nachts spielt, dann muss eine bessere Beleuchtung her, sonst passiert nämlich genau das, was Gingerclown passiert ist: Du hast geile Kostüme, aber keiner sieht sie.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Was als semi-harmlose Mutprobe beginnt, endet…
…in massenweise verschenktem Potential. So gut die erste halbe Stunde das Flair des 80er Trashkinos einfängt und mit gelungenen Gags garniert, so knallhart wird der Streifen danach gegen die Wand geklatscht. Viel zu früh war die Luft raus, viel zu früh wurden schon alle Ideen verpulvert, ohne dass sie sinnvoll zur Handlung beigetragen hätten. Gingerclown ist wie eine Fahrt durch eine kinderkompatible Gruselbahn. Anfangs noch ganz nett mit witzigen Ideen, aber irgendwann wird’s öde, weil es immer das Gleiche ist und ja doch nichts passiert. Zurück bleibt ein etwas frustrierter Redakteur mit den Gedanken „Wenn sie doch nur…“


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