Grotesque Tactics - Premium Edition

Grotesque Tactics - Premium Edition

Publisher: Headup Games
Entwicklerstudio: Silent Dreams
Genre: Rollenspiel
Sub-Genre: Rollenspiel Satire
Art: Lowprice Titel
Erscheinungsdatum: 11.06.2010
USK 12

Grotesque Tactics - Premium Edition   23.07.2010 von Der Ohm

Habt ihr eine Ahnung wovor ich neuerdings am meisten Angst habe?  Vor Killerpilzen - ja richtig gelesen - Killerpilze. Dabei mein ich nicht die Teeny-Band, die mich mit voller Lautstärke aus dem Zimmer meiner Tochter beschallen und den letzten Nerv rauben, sondern echte Killerpilze. Na klar, ihr sagt natürlich die gibt es gar nicht, aber ich kann euch da etwas ganz anderes erzählen. Lauscht meinen Worten und folgt mir in ein Land voller Abenteuer…

Die Story

Mein Name ist Drake, ich bin, oder besser, ich war Rekrut auf der Militärakademie. Ich bin der Einzige dem es nicht gelungen ist die Aufnahmeprüfung zu bestehen. Gedemütigt und ohne Zukunft wollte ich nur noch sterben, und das so erbärmlich wie möglich. Mein Plan sah es vor, mich in den Rachen eines brutalen Killerpilzes zu stürzen. Vor der Stadt angekommen traf ich auf zwei überlebende Soldaten der königlichen Truppen, die auch verzweifelt und deprimiert  ihrem Leben ein Ende setzten wollten, weil sie aus „Der“ Schlacht als flüchtende Verlierer wiedergekehrt sind und das nicht mit ihrer Ehre überein bringen konnten. Doch für mich hat diese Begegnung eine große Wendung herbeigeführt. Ich war nicht nur der einzige Rekrut der die Prüfung nicht bestanden hat, ich war nun sogar der letzte Rekrut der noch am Leben war! Na wenn das mal keine guten Nachrichten sind. Die Kreaturen der Dark Church haben die komplette – diese beiden feigen Flüchtlinge mal nicht mitgezählt – königliche Armee ausgelöscht. War ich so etwas wie ein Auserwählter? Liegt es nun an mir das Land Glory vor den Untergang zu bewahren? Ich glaub mal schon, wär ja sonst alles Quatsch. Zusammen mit meinem neuen Mentor , dem arroganten und überaus selbstverliebten Ritter Holy Avatar und einigen halbnackten Jungfrauen, die obendrein noch mit dem Bogen umgehen können, habe ich mich auf den Weg gemacht, die Dark Church zu zerschlagen. Ob mir dies gelungen ist? Hätte ich diese Worte sonst an dich richten können? Dumme Frage törichter Wicht!

Steuerung

Wie ich richtig gesteuert werde hat mir auch der Holy Avatar beigebracht. Meine Welt, das Land Glory, besteht aus kleinen Kästchen. Klingt komisch, ist aber so. Beim Erkunden der kunterbunten Welt fällt das kaum ins Gewicht, man läuft zwar ein wenig eckig, aber das angestrebte Ziel wird trotzdem irgendwann erreicht. Richtig auffällig wird unsere Kästchenwelt, sobald es Kämpfe mit den Killerpilzen, Killerpilzmagiern oder noch schlimmeren Wesen kommt. Gerecht wie meine Welt nun einmal ist hat nun jeder am Kampf beteiligte seinen eigenen Zug, bei dem er von Kästchen zu Kästchen gehen kann oder einem Gegner eins auf die Rübe geben kann. Ich glaube in eurer Welt nennt man das rundenbasiert – komische Namen denkt ihr euch aus, das muss man mal sagen. Während Holy Avatar und ich uns mit Schwertern und kleinen Zaubereien zur Wehr setzen, schießen die schnuckeligen Jungfrauen mit Pfeil und Bogen. Fieserweise dürfen diese sogar schräg schießen. Wir aber nicht, wie gemein. Ist der Kampf zu unseren Gunsten ausgegangen, dürfen wir die Gegenstände der gefallenen Feinde einsammeln und behalten, altes Kriegsrecht in Glory. Sollte der Kampf nicht zu unseren Gunsten ausgehen, so wäre sowieso alles egal. Wenn der Holy Avatar oder ich sterben sollte, dann ist das Spiel (ja, ich lebe in einem Spiel, na und?) sofort vorbei. Gesteuert werde ich wahlweise über die Maus oder über die Tastatur, mit den Cursortasten kann ich ebenso laufen. Aktionen sind mit Hotkeys über die ganze Tastatur belegt. Erfahrene Spieler greifen im späteren Verlauf des Spieles wohl automatisch auf diese Funktion zurück. Es spart Zeit, da einige von euch Außenweltlern meine Welt wohl ein bisschen unübersichtlich finden. So eine Frechheit.

Gameplay

So wechselt meine Reise immer zwischen superwitzigen Dialogen, zwischen mir und meinen  Mitbewohnern, Kämpfen mit superfiesen Bösewichten und Erkundungen unserer superknallbunten Welt. Das Ganze gibt es inklusive dem Auffinden von superwertvollen Schätzen, die wohl irgendjemand in Schatztruhen gepackt und in der Welt verteilt hat. Dem scheint echt langweilig gewesen zu sein. Hab ich schon erwähnt dass ich superwitzig bin und teils ewig lange superwitzige Dialoge führe? Wie in einem klassischen Gameboy-Rollenspiel tauchen auch bei meinem Spiel die Texte in einem Balken im unteren Drittel des Bildschirms auf, während wir vollvertonten Charaktere unserem Drehbuch folgen. Falls uns irgendjemand in eurer Welt nicht so lustig finden sollte, so könnt ihr unsere Dialoge auch mit dem Druck auf die rechte Maustaste abkürzen. Meinem Ghostwriter, dessen Worte ihr gerade lest, hat das sehr gefallen. Er meinte doch glatt, wir reden zu viel und sind gar nicht so superwitzig wie wir meinen. Der hat ja keine Ahnung der Tropf.

Wir sind nicht nur zum Reden in Glory, sondern lösen hier und da auch mal eine Quest und davon gar nicht mal so wenig. Mal führen wir alte Bekannte wieder zusammen, mal Sammeln wir abgeschlagene Körperteile unserer Feinde ein, aus dem jemand was feines Basteln möchte. Unser unermüdlicher Kampf für das Gute zahlt sich aus. So bekommen wir für jede getroffene Attacke ein paar Punkte und noch mehr, wenn der Gegner dadurch sterben sollte. Diese stehen hier an jeder Ecke und sind trotz ihrer oft niedlichen Optik nicht zu unterschätzen. Für ein paar Meter Feldweg brauchen wir oft Stunden, da wir von einem Kampf in den andern schliddern. Falls wir einmal nicht genug Heiltränke bei uns haben und so eine Auseinandersetzung nicht überstehen sollten, muss der letzte automatisch-generierte Spielstand geladen werden und der kann Ewigkeiten her sein. Im Kampf heißt es dann oft:  Spaß beiseite. Wenn wir starken Recken uns schützend vor den halbnackten Jungfrauen stellen – also wirklich taktisch vorgehen – dann passiert denen auch wenig. Wehe dem, wir kloppen einfach drauf los, dann war es das schnell mit der Jungfräulichkeit. Es ist zwar ärgerlich wenn eine Jungfrau sterben muss, aber sein wir mal ehrlich, besser die als ich. Denn so geht das Leben für mich und dem Holy Avatar weiter und an der nächsten Ecke wartet doch eh die nächste Jungfrau, die von uns gerettet werden will.  Natürlich geben uns auch unsere Auftraggeber ein paar Aufmerksamkeiten mit auf dem Weg, wenn wir ihnen berichten, wie erfolgreich wir waren. So eine neue Rüstung oder eine stärkere Waffe steht uns doch allen gut. Durch die errungenen Punkte steigen wir Level für Level auf und werden dadurch mal für mal stärker. Sollte uns doch einmal eine Stelle zu knifflig werden oder uns wird langweilig, dann können wir jederzeit den Schwierigkeitsgrad senken oder aber erhöhen. Versucht das mal in eurer Welt.

Grafik und Sound

Meinem Ghostwriter hier gefallen asiatische Rollenspiele nicht, da er sich mit kulleräugigen Kindern nicht identifizieren kann und lieber als gestandener Krieger durch die Lande zieht. Wie gut das ich aus Deutschland komme. Aber ich muss zugeben dass meine Programmierer auch das asiatische Rollenspiel ein wenig durch den Kakao ziehen wollten und so sind viele viele Anleihen aus dem fernen Osten zu sehen. Von der knallbunten Welt einmal angefangen, die nicht allzu abwechslungsreich daherkommt, über unsere Jungfrauen und die niedlichen Gegner. Holy Avatar und ich sind nicht von diesem Schlag, ich glaub der Ghostwriter hat uns lieb. Wenn er später auf die fiesen großen Gegner treffen sollte, wird er auch diese lieb haben. Meine Welt ist voll zoom- und drehbar, allerdings erfolgt das nicht allzu komfortabel. Wieso meine Erschaffer die Zoomfunktion nicht auf das Scrollrad der Maus gelegt haben, wird auch mir ein ewiges Rätsel bleiben. Eine Quest die ich nicht erfüllen kann. Ohne die Zoomfunktion ist der Spieler fast aufgeschmissen. Oft fährt der Bildausschnitt zum nächsten entdeckten Gegner, der noch anderthalb Bildausschnitte weg war. Zurückscrollen zur Party darf man dann selber. Unsere Städte sind erst voll rausgezoomt und übersichtlich, eine Minimap wäre hier vom Vorteil. Während wir durch Glory laufen, spielt immer ein Lied durch unsere Länder, das auch ihr hören könnt. Nichts Besonderes, aber dafür nervt sie uns auch nicht während unserer Aufgaben. Unsere Stimmen haben uns Berühmtheiten aus eurer Welt geliehen.  Namen wie die deutschen Stimmen von Angelina Jolie, Elvis Presley und King of Queens sagen mir zwar nichts, ihr könnt damit aber bestimmt etwas anfangen.               


Das Fazit von: Der Ohm

Der Ohm

Hört Drake noch zu? Nein? Gut, dann kann ich jetzt ja offen schreiben was ich von Grotesque Tactics halte. Zuerst hatte ich mir ja wirklich Sorgen wegen der Anime-Optik und dem Airbrush-Cover gemacht. So ganz ausgemerzt wurde das Gefühl letztendlich auch nicht. Beworben wird es als ironisches, storyintensives Fantasy-RPG. Die Story an sich ist allerdings nicht allzu fesselnd und steht im Grunde  nach der ersten halben Stunde fest. Falls die Geschichte sich auf die erschlagenen Textmassen beziehen, so hat der Werbetext durchaus seine Berechtigung. Klar gibt es witzige Passagen und Dialoge, richtig vom Hocker haut mich der Humor aber nicht. Die Kämpfe sind zumindest anfangs taktisch fordernd, was sich aber auf die richtige Positionierung der Kämpfer beschränkt. Vor allem ziehen sich die Fights durch die Runden ziemlich in die Länge. RPG-Fans die auch mal ihr Genre aufs Korn genommen haben möchten, sind hier aber genau richtig und werden bestimmt auch eine Anspielung auf ihr Lieblings-Rollenspiel finden. Daher reicht es bei der Bewertung noch für eine 6 von 10.


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