Hell

Hell

Originaltitel: Hell
Genre: Thriller
Regie: Tim Fehlbaum
Hauptdarsteller: Hannah Herzsprung • Lisa Vicari • Stipe Erceg
Laufzeit: Ca. 89 Minuten
Label: Paramount Home Entertainment
FSK 16

Hell   02.05.2012 von

Deutsche Filmproduktionen haben schon lange mit immensen Vorurteilen zu kämpfen. So heißt es gerne deutsche Filme seien uninspiriert, langweilig, gar abkupfernd. Jetzt macht sich ein Schweizer Jungtalent daran, diese Vorurteile aus der Welt zu räumen. Tim Fehlbaum räumte mit Hell eine ganze Reihe an Publikumspreisen ab. Wir haben uns den postapokalyptischen Thriller angesehen und verraten Euch, warum dieser Film das Potenzial zum Blockbuster hat...

Wir schreiben das Jahr 2016. Seit vier Jahren verbrennt die Sonne alles Leben auf der Erde. In kürzester Zeit haben sich die Temperaturen um mehr als 10°C erhöht. Während ein Großteil der Menschheit ausgestorben ist, versuchen sich einzelne Personen auf dem mittlerweile kargen Planeten am Leben zu halten. Unter anderem Marie, die mit ihrem Freund Philip und ihrer Schwester Leonie in einem abgedunkelten Auto quer durch das Land in die Berge reist. Dort soll es noch Wasserreserven geben, auch wenn das keiner mit Bestimmtheit sagen kann. Auf dem Weg findet der kleine Reisetrupp den Einzelgänger Tom. Dieser hatte erst versucht ihre Reserven zu klauen, wurde aber von Philip überwältigt. Schnell stellt sich heraus, dass Tom mit seinen handwerklichen Kenntnissen für die Gruppe wertvoll sein könnte. Ohne über den anfänglichen Raubversuch nachzudenken, wird Tom deshalb als Mitfahrer angeworben. Die Zeichen stehen damit eigentlich gut, doch unverhofft werden sie in einem Bergpass aufgehalten. Eine geheimnisvolle Gruppe scheint es auf sie abgesehen zu haben. Was steckt hinter diesen Menschen und werden die Vier wirklich Wasser in den Bergen finden?

Hell bietet dem Zuschauer einen gnadenlosen Blick auf die menschlichen Abgründe an. Schnell wird die Geschichte um das apokalyptische Unglück zur Nebensache. Was wirklich zählt, sind die zwischenmenschlichen Beziehungen, denn in einer toten Welt ist jeder auf sich alleine gestellt. Ein Fakt, welcher sich letztlich in drastischen Szenen widerspiegelt. Hell erzählt von einer Welt, in der die Gewalt zum Überleben zwingend notwendig ist, und dennoch wurden bei der Umsetzung explizite Darstellungen vermieden. Viel mehr wird der Zuschauer mit seiner Fantasie alleine gelassen, während gut eingesetzte Soundeffekte immer wieder kleine Impulse geben. Letztlich schafft der Film es damit, einen verstörenden Eindruck zu hinterlassen. Einige Szenen verursachen eine Stimmung, die sogar fast schon einer Schockstarre gleichkommen. Letztlich war diese Reaktion aber auch gewollt, denn der talentierte Jungregisseur hinter diesem Film wusste, was er wollte.

Tim Fehlbaum schafft in seinem Debütwerk dass, was nur wenige Regisseure zu leisten fähig sind.
Er vereint gekonnt den aufregenden Stoff eines Blockbusters mit den cineastischen Qualitäten eines Kunstfilms. Dabei arbeitet er in erster Linie mit einfachen Mitteln. Großspurige Spezialeffekte wird man in Hell vergebens suchen. Stattdessen ist es das Spiel mit Licht und Staub, was dem Zuschauer eine der wohl realistischsten Darstellungen einer postapokalyptischen Welt bietet. Nicht zuletzt war es aber auch das Glück, ein halbwegs vernünftiges Set auf Korsika zu finden. Denn wo noch kurz vor Drehbeginn ein Waldbrand einen riesigen Berghang abgebrannt hat, ließ sich wunderbar die Gefahr einer toten Erde widerspiegeln.

Die Frage, woher Fehlbaum ein solches Händchen für Filme hat, lässt sich mit einem Blick auf die Credits lösen. Der filmische Experte für apokalyptische Szenarien - Roland Emmerich - ist dort als ausführender Produzent angegeben. Wie groß dessen Einfluss auf den Film wirklich war, lässt sich letztlich schwer sagen. Schlecht kann er zumindest nicht gewesen sein. Beim Kinostart hatten wir das Glück Tim Fehlbaum höchstpersönlich zu treffen und mit ihm ein Interview führen zu dürfen. Er verrät uns mehr Infos zum Film und zu der Drehzeit. HIER könnt Ihr alles nachlesen.

Bildergalerie von Hell (10 Bilder)

Am 26.04.2012 erschien nun endlich der Film nun endlich auf Blu-ray und DVD. Paramount liefert uns auf der DVD eine deutsche Tonspur in Dolby Digital 5.1 und auf Wunsch deutsche Untertitel. Wer auf DTS HD 5.1 nicht verzichten möchte, muss hier zur Blu-ray greifen. Die Stimmen sind in einzelnen Dialogen etwas zu leise oder undeutlich, ob dies wirklich Absicht ist, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Die Farben präsentieren sich in zwei großen Kontrasten. Durch die einsetzten Stilmittel ist der Film tagsüber fast ausschließlich in Sandfarben gehalten, sodass ein stimmiges Gesamtkonzept entsteht. Um die Aggressivität der Sonne zu verdeutlichen, wurden einige Szenen teilweise stark überbelichtet. Die Schwarztöne hingegen wirken des Öfteren ein wenig zu körnig und nicht satt genug. Neben einem Premierentrailer und dem Making Of bieten die Extras noch den klassischen Kinotrailer und eine Hintergrundgeschichte zum Film.


Das Fazit von: Benji

Benji

Ich muss zugeben, ich habe auch so meine Vorurteile gegenüber deutschen Filmproduktionen gehabt. Viel zu oft habe ich aus der Bundesrepublik seichte Komödien und knorrige Krimis bekommen. Ich vermute auch, dass viele Produzenten hierzulande einfach zu vorsichtig sind. Hell zeigt, dass diese Vorsicht unbegründet ist. Die Filmförderung ist trotz des ungewöhnlichen Themas auf den Film eingegangen und das Publikum hat die Experimentierfreude mit diversen Preisen belohnt. Nicht zuletzt ist der Erfolg aber auch einem talentierten neuen Jungregisseur zu verdanken, der einem vergraulten Publikum das gibt, wonach es seit Langem wünscht: Abwechslung vom bekannten Einheitsbrei! Gerade deswegen sollte man diesen Film unterstützen. Kauft Euch also die DVD oder die Blu-ray - es lohnt sich!


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