Hellraiser (gekürzte Fassung)

Hellraiser (gekürzte Fassung)

Originaltitel: Hellraiser 1
Genre: Horror
Regie: Clive Barker
Hauptdarsteller: Doug Bradley
Laufzeit: Ca. 91 Minuten
Label: Kinowelt
FSK 18

Hellraiser (gekürzte Fassung)   09.09.2011 von Benji

Auch wenn die Fans des Rubik Würfels das sicherlich nicht gerne hören, es gibt Würfel, mit denen man besser nicht spielt. Zum Beispiel solche, die nach erfolgreichem Lösen ein Tor in die Hölle öffnen und einen Trupp schräg aussehender Dämonen rufen. Leider hat es dieser Ratschlag nicht bis zum guten Frank Cotton geschafft. Dessen Aufeinandertreffen mit den Zenobiten war so verstörend, dass er danach erst mal wieder ein paar Monate brauchte, um sich „zu sammeln“...

Es ist eine dieser Geschichten, die man abends an einem Lagerfeuer erzählen kann.
Auf einem stereotypisch abgefahrenen Markt irgendwo in einem der Länder, wo man sich nur mit vollgestempeltem Impfpass hin traut, findet Frank Cotton einen Würfel, der unaussprechliches Leid und übermenschliche Schmerzen bereiten soll. Natürlich kann sich ein echter Abenteurer nicht von einem solchen Objekt lösen und muss ihn ausprobieren - stilecht in einer Zeremonie mit vielen Kerzen, einem aufgemalten Kreis und dem dumpfen Gefühl einer nahenden Katastrophe. Schmerz, Blut und ein paar Gedärme später ist es Franks Bruder Larry, der in dessen Unterschlupf, dem ehemaligen Haus der Grußmutter, einziehen will. Ein Faktum, der sich für Franks unsterbliche Überreste als Positiv herausstellen sollte. Denn ein wenig Blut des nervigen Bruders reicht schon aus, um die Fetzen Haut und Knochen wieder zu einem erkennbaren Gesamtbild verschmelzen zu lassen. Um allerdings den vollen Frank wieder begutachten zu können, braucht es schon ein wenig mehr. Wie gut, dass sich ausgerechnet Larrys Frau Julia als Lockvogel für potenzielle Opfer bereit erklärt. Es ist der Anfang einer tollen Freundschaft, die unglücklicherweise eine Menge Opfer fordert.

Auf dem Klapptext von Clive Barkers bekanntestem Horrorwerk wird Stephen King mit folgendem Satz zitiert: „Ich habe die Zukunft des Horrors gesehen… sein Name ist Clive Barker“. Allein diese Aussage macht Lust, sich mit einer Tüte Kartoffelchips und einem Bier vor den Fernseher zu setzen. Blöd nur, wenn man dann ausgerechnet nur die geschnittene Fassung des Horrorkults vorliegen hat. Ganze fünf Minuten fehlen dort und das beinhaltet so gut wie alle Tötungsszenen. Sogar so banale Sachen wie Larrys Schnittwunde wurden herausgeschnitten. Auf der anderen Seite ist zum Beispiel Franks Selbstfindungstrip, in dem sich Hirn und Rückgrat wieder Hallo sagen, in vollen Zügen zu sehen. Der Schnittansatz wirkt dadurch willkürlich und ist nicht nachzuvollziehen. Warum man überhaupt in Zeiten von Saw einen Film aus den 80ern nur geschnitten und mit dem Siegel „Ab 18“ auf den Markt wirft, bleibt sowieso fraglich. Fakt ist: Für wahre Fans des Streifens dürfte die vorliegende Version damit nichts sein. Fehlt ihr im Grunde doch genau das, was den Film zum Kultobjekt gemacht hat.

Nichtsdestotrotz hat der Film seine interessanten Ansätze.
Angefangen bei den sogenannten Zenobiten, die in ihrem Design einzigartig sind. Die Art und Weise wie sie die diversen Formen von Schmerz und Abscheu in ihrer Gestalt vereinen, lässt einem die Nackenhaare hervorstehen. Nicht umsonst gelten sie als die eigentlichen Hauptcharaktere des Films, auch wenn sie relativ selten im Film auftauchen. Weiterhin schafft es Clive Barker, mit einfachsten Mitteln einen klassischen Ekel zu erzeugen. Mit Maden und weiterem Kriechzeug wird Abscheu erzeugt und die Arbeit der exzellenten Maskenbildner gibt einem ständig ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Genug Grund also sich auch trotz geschnittener Fassung an den Film heranzutrauen.

Die Blu-Ray Fassung des Films ist technisch auf aktuellem Stand.
Das Bild ist dank digitaler Überarbeitung auf einem guten Niveau und auch der Sound ist trotz des Alters vom Film frei von Rauschen und Knistern. Alles in allem erfüllt die Fassung damit die Anforderungen an eine Blu-Ray Pressung eines 80er Jahre Streifens. Es fehlt alleine an den geschnittenen Szenen, um die volle Stimmung zu entfalten.

Das Fazit von: Benji

Benji

Das ist also der Kulthorror Hellraiser. Nun ja – zumindest das, was von ihm übrig geblieben ist. Die diversen Schnitte haben dem Film viel von der Stimmung genommen, die ihn letztlich erst zum Kultobjekt gemacht hat. Auf der anderen Seite kann man nicht sagen, dass der Film dadurch verträglicher für sanftere Gemüter geworden ist. Dadurch hat diese Fassung im Prinzip ihre Daseinsberechtigung verloren. Um aber das Gesamtwerk nicht völlig zu entwerten, werde ich dem Ganzen nur zwei Strafpunkte verpassen. Addiert diese also ruhig hinzu, wenn Ihr die Wertung für den vollen Film haben wollt.


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