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Herr der Ringe - Abenteuer von Aragorn

Publisher: Warner Bros. Interactive
Entwicklerstudio: Headstrong Games/ TT Fusion
Genre: Adventure
Sub-Genre: 3rd Person Action Adventure
Art: Vollpreistitel
Erscheinungsdatum: 29.10.2010
USK 12

Herr der Ringe - Abenteuer von Aragorn   02.12.2010 von Beef Supreme

One swing to rule them all… oder zumindest einen der neun  Gefährten. Wie der Name „Die Abenteuer von Aragorn“ (AQ) schon sagt, steuert man den Streicher der tausend Namen durch seine Perspektive der Geschichte. Hier wird also nicht der Ring vernichtet, sondern dafür gesorgt, dass andere diesen reibungslos über den Berg bringen. Ein episches Abenteuer, welches der Welt Tolkiens gerecht wird?

Da steht er nun. Der noch ungekrönte König Gondors hat seine Getreuen vor den Toren Mordors versammelt. Er hält eine flammende Rede, um auch den ängstlichsten seiner loyalen Recken neuen Mut einzuflößen, damit sie ihre schier unbezwingbare Aufgabe zu meistern vermögen. Schon stürmen die ersten der entstellten Bestien heran und werfen rasend vor urtümlicher Wut in den Stahl der freien Völker Mittelerdes. Das Schlachtenglück scheint auf ihrer Seite zu sein, als plötzlich ein furchterregender Balrog zwischen den Pforten auftaucht. Markerschütterndes Gebrüll fegt über Menschen, Zwerge und Elfen gleichermaßen hinweg und vertreibt auch den letzten Funken Hoffnung auf Sieg. Doch halt! Ein Balrog? Am schwarzen Tor musste niemals ein Balrog niedergestreckt werden. Grober Schnitzer in der  Anpassung der Geschichte?

Nein. Elanor, Tochter von Samweis Gamdschie, muss da was verwechselt haben, als sie ihren drei Geschwistern die heroische Endschlacht nahe bringen wollte. Die Ereignisse in AQ beginnen nämlich 15 Jahre nachdem Frodo Beutlin den Ring den Flammen des Schicksalsberges übergab. Ganz Auenland steckt nämlich in den Vorbereitungen für ein großes Fest zu Ehren Aragorns, welcher sich anschickt, die kleinen Pelzfüße zu besuchen. Man spielt Frodo Gamdschie, einen Sohn Sams und tollt mit Holzschwert und -schild durch Hobbingen, um verschiedene Aufgaben zu erfüllen. Dieser Abschnitt dient als Tutorial, um einem das Kampfsystem näher zu bringen und sich mit der Move-Steuerung vertraut zu machen. Nebenher kann man auch ein wenig Geld verdienen, welches man im späteren Verlauf als Aragorn für Artefakte ausgeben kann.

Ja, der Hauptteil besteht nämlich aus den Abenteuern aus der Sicht Aragorns. Man startet in Bree, wo man die vier Hobbitse vor den Ringgeistern rettet. So beginnt die Reise über die Wetterspitze nach Bruchtal, wo sich dann die Gefährten zusammenfinden. Über weitere Schlüsselstellen, wie Moria oder Rohan, erreicht man dann Minas Tirith, von wo man sich schlussendlich Richtung Mordor aufmacht.  

AQ erzählt die Geschichte um den einen Ring nicht neu, was auch ein Verbrechen wäre. Stattdessen wird alles aus der Sicht Aragorns wiedergegeben und Frodo mit seinem treuen Sam spielen nur eine untergeordnete Rolle. Das Spiel ist nämlich eine Geschichte, die Sam seinen Kindern erzählt, während die Festvorbereitungen laufen. Daher kommt es, dass man immer mal wieder Streichers Pfade verlässt und als Frodo Gamdschie zu verschiedenen Tageszeiten kleinere Aufgaben meistern kann, welche einem zum Beispiel das Bogenschießen oder das Reiten beibringen. Doch obwohl dezente Rollenspielansätze vorhanden sind, werden diese nicht konsequent genug ausgeführt. Die einzige Belohnung nämlich ist Geld. Und dessen einziger Zweck ist es, Aragorn neue Artefakte zu erwerben, welche ihm Vorteile im Kampf bringen. Später erhält man diese auch direkt durch Quest-Erfüllung, doch Erfahrungspunkte oder Verbesserungen von Eigenschaften sucht man  vergebens.

Die Geschichte an sich ist auch etwas zersplittert aufgebaut, werden doch viele Ereignisse so zurechtgebogen, dass sie in den Spielablauf passen. Allerbestes Beispiel ist Gandalf. Dazu muss gesagt werden, dass AQ über einen Co-Op Modus verfügt, welcher von Gandalf bekleidet wird. Dieser übt sich aber in Moria im Freistil-Turmspringen, kann aber direkt danach schon wieder angewählt werden. Genauso in Helms Klamm, wo er eigentlich auf der Suche nach den Rohirimm irgendwo im Osten rumzaubert.  

Auch wird zu keinem Zeitpunkt die Tiefe der Bücher oder des Films erlangt. Zum Beispiel werden der Zustand Theodéns sowie seine Errettung mal kurz abgespult, sodass man sich auf banale Suchquests oder „Töte-soundsoviele-von-irgendwas“ Quests konzentrieren kann. Erst ab der zweiten Hälfte des Spiels nehmen diese ab und AQ wird umgekehrt proportional dazu interessanter, da man weniger Kilometer sinnlos hin und her rennen muss. Denn so kann man sich mehr auf das Niedermachen von Orks und anderen Mittelerde Biestern verlegen. Wäre da nicht die ungenaue Gestenerkennung. Das eigentlich simple Kampfsystem führt  gerade bei größeren Kämpfen auch zu größeren Krämpfen. Horizontaler Schlag, vertikaler Schlag und Stich, sollte nicht so schwer sein. Doch mindestens 50% Fehlerkennung sollte dabei einkalkuliert werden, was die Kämpfe in ein planloses Herumgefuchtel verwandelt. Dies stellt aber in Anbetracht des quasi nicht vorhandenen Schwierigkeitsgrades kein Problem dar.  Die kindgerechte Aufmachung wird zu keiner Zeit verleugnet und jeder halbwegs talentierte Spieler sollte so seine Mühen haben, Saurons Horden zum Opfer zu fallen.


Es lässt sich nicht vermeiden, auch die technische Seite muss beleuchtet werden. Und hier erlebt man eins der unwürdigsten Spiele seit langem. Da zwischen Move und Wii Motion gewisse Parallelen zu existieren scheinen, hat es sich wohl angeboten AQ für diese Systeme zu entwickeln. Hierbei scheint die Wii die Primärkonsole gewesen zu sein, denn TT Fusion, für die Konvertierung verantwortlich, scheint sich nicht die Mühe gemacht zu haben, das Potential der PS3 auszuschöpfen. Eckige Darstellung, niedrig aufgelöste Texturen, hölzerne Bewegung, fehlende Mimik, heftiges Tearing, kurzum: Alles was man auf einer NextGen-Konsole vermeiden sollte, findet sich hier. Angesichts der traumhaften musikalischen Untermalung und der gelungenen Sprachausgabe treibt es einem fast die Tränen in die Augen, wenn man mit ansehen muss, wie optisch alles den Brandywein runter geht. Denn auch Zwischensequenzen in Ingame-Grafik müssen leiden. Heerscharen? Nein, nur 10 Alibi-Soldaten vor einem wabernden Bitmap. Zersplitterndes Holz? Fehlanzeige, es ist einfach nicht mehr da. Sowas darf in Zeiten von Uncharted 2 oder Heavy Rain nicht mehr passieren. Zudem wird man noch von ziemlich krassen Clipping-Fehlern geplagt, die es einem unmöglich machen, zwischen Stein und Baum hindurch zu laufen obwohl diese geschätzt fünf Meter auseinander stehen. Zu Pferd wird dieser Missstand nur noch potenziert. Dies alles lässt den Eindruck, hier eine lieblose Konvertierung vorzufinden, kaum noch aus der Welt räumen.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Ich bin immer noch der Meinung Peter Jackson hat seine Seele verkauft, damit er solch ein cineastisches Meisterwerk auf die Beine stellen konnte. Umso tragischer ist es, dass man mit AQ so eine lieblose und in jeder Hinsicht abgespeckte Umsetzung vorfindet. Keine epischen Schlachten, nur kleine Scharmützel. Keine atmosphärischen Landschaften, nur verschwommene Grastexturen. Zudem werden viele wichtige Stellen einfach ausgelassen, so dass die Missionen willkürlich aneinandergereiht wirken. Die schludrige, wenn auch optionale Move-Umsetzung gibt AQ den Rest. Die an sich gute Idee das Ganze in eine erzählte Geschichte zu verpacken kann leider auch nichts mehr retten. So etwas hat der Herr der Ringe nicht verdient.


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