Homefront - The Revolution

Homefront - The Revolution

Publisher: Koch Media
Entwicklerstudio: Deep Silver
Genre: Action
Sub-Genre: Shooter
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 20.05.2016
USK 18

Homefront - The Revolution   02.06.2016 von GloansBunny

Nachdem Redakteurin GloansBunny jetzt viele Spielstunden mit einem namhaften Online-Shooter verbracht hat, wird es nun Zeit für eine Revolution- genauer gesagt für Homefront: The Revolution. Ob das Game zum neuen Sommer-Kracher mutiert oder ein Schuss in den Ofen ist, verrät folgendes Review...

 

Das hatte sich die amerikanische Regierung irgendwie anders vorgestellt. Nach einer jahrelangen, ausgedehnten Shoppingtour quer durch die nordkoreanische Hightech- und Waffenwelt reichte der feindlichen KPA ein einziger Knopfdruck, und schon verwandelte sich das von ihr selbst produzierte US-Militär einem Haufen Schrott. Vier Jahre später befinden sich die USA im Jahr 2029 also noch immer im Kampf gegen die nordkoreanischen Besatzer, die das ganze Land mit brachialer Gewalt in Angst und Schrecken versetzen. Während die Zivilbevölkerung unter der Tyrannei leidet, bildet sich im Untergrund eine geheime Widerstandsbewegung, der sich auch Ethan Brady anschließt. Mit viel kämpferischem Herzblut und Liebe zum Vaterland planen die Guerilla-Krieger eine Revolte an der Heimatfront, der sich möglichst viele Bürger anschließen sollen. Blöd nur, dass Anführer Walker von der KPA festgenommen wurde und niemand den Arsch in der Hose bzw. das Charisma und die mitreißende Rhetorik besitzt, um ihn vertreten zu können. Mangels Alternativen und weil er laut einem Rebellen-Kumpel "ja sowieso stirbt", wird Brady kurzerhand zum neuen Ober-Rebellion-Anzettler ernannt und ins besetzte Philadelphia geschickt, um dort ein wenig Unruhe zu stiften. Durch Sabotage, Infiltrierung, Hinterhalte und Täuschungsmanövern soll der junge Kämpfer die mächtige KPA dezimieren und so neue Mitglieder für die Widerstandszelle rekrutieren. Doch das klingt einfacher, als es ist, denn die Koreaner schicken ordentliches Equipment ins Feld. Ob der unerfahrene Brady wohl lange standhält bei so vielen Drohnen, gepanzerten und schwer bewaffneten Soldaten, gigantischen Luftschiffen und einer Überwachungstechnologie, die jeden seiner Schritte verfolgt? 

 

Steuerung und Sound: keine Revolution, keine Evolution, doch Stillstand ist etwas anderes...

 

Das Controllerlayout von Homefront: The Revolution ist für alte Shooter-Hasen leichte Kost, denn wie im Genre so üblich liegen sämtliche Aktionen auf den bewährten Tasten. Schießen, zielen, ducken, nachladen, Waffen wechseln... Nix Neues an der Front also. Die aus der Egoperspektive heraus gegebenen, intuitiven Befehle setzt Brady relativ direkt und präzise um, nur selten, vornehmlich bei Sprüngen über vermeintlich niedrige Hindernisse, mutiert die Steuerung zur Diva. Man darf also getrost salutieren vorm werten Major Homefront: The Revolution.

 

Auch das Sounddesign spricht für sich, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn neben dem unaufdringlichen, aber stets passenden Soundtrack sind es vor allem die mitunter sehr bekannten deutschen Synchronsprecher, die bis auf wenige Portierungsfehler ihren Job mit viel Hingabe betreiben. Die Waffen- und Umgebungsgeräusche sind voller Power und Liebe zum Detail und stehen den Sprechern, die übrigens auch den zahllosen NPCs eine Menge Leben und Individualität einhauchen, in nichts nach. Sir, ja, Sir! Wir lauschen Ihnen aufmerksamst!

 

Grafik, Gameplay und Umfang: Durchladen, anlegen, zielen und dann doch... Ladehemmung...


Optisch präsentiert sich Homefront: The Revolution in solider, unauffälliger Montur. Zwar spielt die leistungsstarke CryEngine gekonnt mit brillanten Licht- und Schatteneffekten, realistischen Gesichtsanimationen und zahllosen großen und kleinen Details in der Kulisse Philadelphias, doch von Perfektion ist das Spiel grafisch noch weit entfernt. Denn die Texturen, die die Wetter-, Bewegungs- und Zerstörungsanimationen bilden, wirken oft unrund und unfertig. Obwohl die großflächigen, offenen Areale der einzelnen Abschnitte vor Atmosphäre nur so strotzen (was vor allem dem tollen Design der Stadt mit ihren Ruinen, Tunneln und Außenposten zu verdanken ist) fehlt es dem Gesamtkonstrukt ein wenig an Pepp. Schon nach wenigen Stunden hat man sich an dem mausgrauen Einheitslook satt gesehen und widmet seine Aufmerksamkeit eher den abwechslungsreichen NPCs, die sowohl die hohe Kunst des Kämpfens, als auch des Ineinanderglitchens beherrschen. Vor kleineren technischen Macken ist also auch ein Spiel, das von der CryEngine angetrieben wird, nicht verschont. Macht aber nichts, denn Homefront: The Revolution ist trotzdem kein Augengraus. Die vielen versteckten Details und die gelungene Nachkriegsatmosphäre stecken die Fehlerchen weg wie einen Streifschuss. 

 

Das Gameplay von besteht aus mehreren Komponenten. Da wäre zum einen die Story. Diese erzählt wenig tiefsinnig, aber einigermaßen logisch die Ereignisse rund um den Untergang der USA, die von koreanischen Truppen, den sogenannten Norks, besetzt und unterdrückt wird. Um die bürgerliche Freiheit zurück zu erobern, verbünden sich amerikanische Freiheitskrieger unter der Führung von Benjamin Walker zu einer Widerstandszelle und kämpfen fortan für ihr Land. Doch Walker wird entführt, unter den Rebellen bilden sich Unstimmigkeiten und der Spieler, also Brady, gerät mitten hinein in Krieg und Streit. Insgesamt ist die Story samt ihren Wendungen, Intrigen und dem Finale relativ vorhersehbar und oberflächlich, erfüllt aber ihren Zweck, einzelne Charaktere in einen Zusammenhang zu bringen und die Ursache für den Kampf Bradys klarzustellen. Für das Genre geht die Hintergrundgeschichte in Ordnung, allerdings hat der erfahrene Gamer auch schon bessere gesehen.

 

Die zweite Komponente ist das Missions- und Leveldesign. Nachdem man in die Haut des etwas ramponierten Brady geschlüpft ist, merkt man schnell: das Alter Ego ist noch ziemlich jungfräulich, was Equipment und Waffen betrifft. Mangels Möglichkeiten schließt sich der Kämpfer also einer Untergrundzelle an und lernt dank den drei zentralen Charakteren Dana, Parrish und Burnett die Strukturen der Revolutionsbewegung kennen. Nach einem kurzen Einführungslevel mit integriertem Tutorial hat man bereits Zugriff auf den überall in Philadelphia vertretenen Waffenhändler, der allerdings erst mit der richtigen Summe an Erfahrung in Form von Tech-Punkten und Kohle die richtig guten Wummen brummend über den ranzigen Tresen schiebt. Da die lasche Basis-Pistole zwar für den Anfang reicht, man als passionierter Held aber natürlich nach Größerem (Kaliber) strebt, heißt es also "Geld verdienen"! Und das geschieht natürlich über das Abschließen zahlreicher Haupt- und Nebenmissionen, die kreuz und quer in der großen, frei begehbaren Stadt, die lediglich beim Wechsel in andere, besetzte Gebiete von Ladepausen bis zu einer langen Minute unterbrochen wird. Die Storyquests bieten wenig Neues, bedienen aber von Action- über Stealth- bis hin zu halsbrecherischen Entführungssequenzen so gut wie jeden Missionstyp. Im Gedächtnis bleiben dabei aber leider nur ein paar wenige Aufträge wie etwa der cineastisch inszenierte Diebstahl eines feindlichen Goliathpanzers aus einer Nork-Basis. Diese bietet ein wenig Abwechslung im sonst etwas aufgesetzt wirkenden Guerilla-Einheitsbrei. 

 

Heimliches Herzstück von Homefront: The Revolution ist das Nebenquest-Konzept. Neben diversen, überall in der Open World versteckten Sammelgegenständen wie etwa Briefen und Radios, die Tech-Punkte und somit neue Gegenstände beim Händler freischalten, darf man ganz ungeniert der guten, alten Far Cry-Leidenschaft nachgehen: Widerstandsposten und Sendemasten von koreanischem Gesocks befreien und dadurch Schnellreisepunkte und Markierungen auf der informativen, übersichtlichen Map freischalten. Viele der Orte liegen in schwindelerregender Höhe und wollen klettern entdeckt werden, was sich wegen der hakeligen Klettersteuerung mitunter als etwas anstrengendes Unterfangen erweist. Nichts desto trotz macht das Aufspüren Spaß, wenngleich sich auch mit der Zeit Monotonie einstellt. Für neue Motivation sorgen dann aber gut getimt die Nebenjobs vom Schwarzen Brett der Widerstandsbewegung, bei denen Brady beispielsweise bestimmte Leute für den Kampf gewinnen oder eine feindliche Patrouille ausschalten muss. Klingt öde? Ist es auch, zumindest auf Dauer, doch den gewissen Kick verteilen die zahllosen Wege, ans Ziel zu gelangen. Wem die Schnellreise zu langweilig und die Kletterei zu anstrengend ist, der schwingt sich kurzerhand aufs Motorrad und fährt etwas ungeschickt (Häusermauern und andere Hindernisse gibt es in Philadelphia nämlich wie Kugeln im Munitionslager der KPA) durch die verwinkelten Straßen des Areals. 

 

Bildergalerie von Homefront - The Revolution (10 Bilder)

Mehr Laune machen die coolen Revolutionsgeräte, die man beim Waffenhändler gegen Tech-Punkte freischalten und mit bei Gegnern und in Verstecken gefundenem Material bequem selbst basteln kann. So hilft beispielsweise ein ferngesteuertes Auto, welches in diversen Versionen verfügbar ist, dabei, Gegner abzulenken, in die Luft zu jagen oder Basen zu infiltrieren. Auch ein Hack-Modul zum Öffnen von Türen (die sonst mit einem nervigen Analogstick-Movement entsperrt werden), eine Annäherungsmine und ein Ablenkungssender für feindliche Soldaten lassen sich im virtuellen Baukasten finden. Apropos Feinde: Die Gegner-KI verhält sich leider wie ein Fähnchen im Wind. Mal agieren die Jungs erstaunlich intelligent, flankieren den Spieler und suchen ihn systematisch innerhalb eines gewissen Radius, mal lassen sie sich ohne Mühe überlisten oder wie an einer Schießbude fein säuberlich der Reihe nach abknallen. Das System hinter den Handlungen: nicht durchschaubar, zumal manche Truppen Brady aus Kilometern Entfernung entdecken, andere wiederum nur dumm schauen, während die Rebellen ihren Weg kreuzen. Über diese technische Schwäche kann auch der spaßige Waffen-Zauberhaften nicht hinwegtäuschen, der Um- und Anbauten mit nur wenigen Tastendrücken erlaubt. Insgesamt wirkt Homefront: The Revolution etwas unfertig, was auch das schlechte Balancing der drei Schwierigkeitsgrade beweist. Einfach ist viel zu leicht, mittel sorgt aber schon zu Beginn für zahlreiche Ausraster am Controller. Erst mit viel Sitz- bzw. Einarbeitungsfleisch halten sich Frust und Spielspaß in den höheren Schwierigkeitsgraden die Waage. Blöd nur, dass das komplette Revolutionsabenteuer bereits nach rund 15 Stunden, virtuelle Tode und ellenlange Ladezeiten nach selbigen inklusive, bereits ein Ende hat. Typische CoD-Rambos müssen etwas mehr Zeit investieren, denn die zweite Revolution setzt auf achtsames, taktisches Vorgehen mit hohem Stealth-Niveau. Einzelkämpfer mit Hang zu wilden Ballerorgien werden schnell zum wenig glamourösen Kamikaze umfunktioniert und von den bärenstark bewaffneten und deutlich überlegenen KPA-Truppen in Einzelteile zerlegt. Wer eine hirnlose Ballerorgie erwartet sollte einen großen Bogen um Homefront: The Revolution machen.

 

Nach der durchwachsenen Einzelspielerkampagne wartet aber immerhin noch das Sahnehäubchen von Homefront: The Revolution: Der kooperative Widerstandsmodus. Ein bis zu vier Spieler umfassendes Team meistert hier zahllose, von der Kampagne losgelöste PvE-Missionen, die vor allem mit ihrer Variationsfreudigkeit und dem angeschlossenen Upgradesystem punkten. Feindliche Basen einnehmen, hochrangige Ziele einen Kopf kürzer machen, Vorratslager zerstören... Die Liste an abwechslungsreichen Koop-Jobs ist fast schon unendlich! Doch auch hier gilt das "Vorsicht ist besser als Nachsicht"-Prinzip und schnell bilden sich einzelne Spezialisierungen. Während ein Spieler der Mann fürs Grobe ist, agiert der andere als Sniper aus dem Hinterhalt, der dritte setzt Drohnen und technischen ein Schnickschnack ein... Toll, wie gut das Teambuilding hier funktioniert und man automatisch zum kommunikativen Spezialtrupp mutiert! Garniert wird der rein kooperative Mehrspielermodus noch mit einem immens motivierenden Fertigkeitensystem, welches sich in vier Talentbäume Marke Heilung, Technik und Co splittet. Das Verbessern des individuell gestaltbaren Charakters macht immens viel Spaß und fesselt dank zahlreicher Fähigkeiten und durch Erfahrung freispielbare Ausrüstungs- und Kleidungsstücke lange Zeit an den Bildschirm. Warum dieses Feature aber nur in den Widerstandsmodus und nicht ins Soloabenteuer integriert wurde, nehmen die Entwickler wohl mit ins Soldatengrab...


Das Fazit von: GloansBunny

GloansBunny

Homefront: The Revolution ist ein solider, atmosphärischer Open-World-Shooter mit Stärken und Schwächen. Das Missions- und Kulissendesign macht Spaß, kann aber auf Dauer nicht konstant an den Bildschirm fesseln, da es dem Spiel an Innovation und Abwechslung mangelt. Trotz zahlreicher Aufgaben und diversen witzigen Gadgets trüben zudem KI-, Clipping- und Balancing-Fehler das taktische Actionvergnügen und auch die hakelige Klettersteuerung sorgt für Frust. Ganz klarer Sieger der Herzen ist allerdings der äußerst kurzweilige und im Gegensatz zur Solokampagne sehr motivierende Koop-Multiplayermodus "Der Widerstand". Hätte es das darin enthaltene Upgradesystem samt Talentbäumen auch in die Einzelspielermissionen geschafft, hätte Homefront: The Revolution ein Volltreffer werden können. So bleibt es allerdings nur ein Streifschuss, dessen Wunde schon bald wieder vergessen sein wird...


Die letzten Artikel der Redakteurin:


positiv negativ
  • Stimmige Atmosphäre in einer optisch gelungenen Open World
  • Sehr gute deutsche Synchronisation, passender Soundtrack
  • Grandiose Licht- und Schatteneffekte plus Gesichtsanimationen
  • Viele Haupt- und Nebenmissionen
  • Coole Waffen und Gegenstände samt diversen Mod-Möglichkeiten
  • Extrem spaßiger Koop-Multiplayermodus mit motivierenden Missionen und Charakter-Upgrades
  • Texturen stellenweise unscharf, zahlreiche Clippingfehler
  • Gegner-KI und Schwierigkeitsgrade schwanken deutlich
  • Story kaum der Rede wert und vorhersehbar
  • Solokampagne bietet zu wenig Abwechslung und nervt durch die hakelige Klettersteuerung auf Dauer





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