Ill Manors - Stadt der Gewalt

Ill Manors - Stadt der Gewalt

Originaltitel: Ill Manors
Genre: Drama
Regie: Ben Drew
Hauptdarsteller: Riz Ahmed • Ed Skein
Laufzeit: DVD (116 Min) • BD (121 Min)
Label: Koch Media Home Entertainment
FSK 16

Ill Manors - Stadt der Gewalt   10.03.2014 von Zahnfee

Drogen, Prostitution und Mord  jede Großstadt dieser Welt hat mindestens einen sozialen Brennpunkt, in dem genau diese Problematik vorherrscht. Filme zu diesem Thema gibt es fast schon wie Sand am Meer  mal mehr, mal weniger authentisch. Warum Ihr Euch Ill Manors nicht entgehen lassen solltet, erfahrt Ihr hier …

 

Ed (Ed Skrein) und Aaron (Riz Ahmed) sind seit ihrer gemeinsamen Zeit im Kinderheim die besten Kumpel. Beide leben im londoner Stadtteil Forest Gate und verdienen ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Drogen. Leider kommt ihnen die Polizei in die Quere und nimmt Ed hoch. Aaron kann sich zum Glück über einen Zaun retten und nimmt zuvor noch schnell ein paar Drogenpäckchen und Eds Handy an sich, damit seinem Freund nichts nachgewiesen werden kann. 

 

Kirby (Keith Coggins) ist ein alternder Drogenkoch und Dealer, der nach fünfzehn Jahren aus dem Knast entlassen wurde. Draußen stellt er fest, dass sein Revier von seinem Protégé Chris (Lee Allen) übernommen wurde und der nun der dickste Fisch im Haibecken ist. In einem Imbiss lernt er die 15-jährige Chanel (Clara Castaneda) und ihre Freundin Jody (Eloise Smyth) kennen, denen er erzählt, er könne sie zu Supermodels machen. Die beiden Mädchen gehen ihm auf den Leim und besuchen Kirby zu Hause. Blöd nur, dass wenige Momente später der junge Jake (Ryan De La Cruz) durch die Tür kommt und sowohl Chanel als auch Kirby erschießt. Und noch viel blöder, dass Chanel ausgerechnet die Schwester vom neuen Drogenbaron Chris ist.

 

Ed wurde derweil aus der U-Haft entlassen und stellt fest, dass sein Handy verschwunden ist. Aaron versichert ihm, dass er das Telefon bei Kirby deponiert hat. Auf der Straße treffen sie die Nutte Michelle (Anouska Mond), die am betreffenden Morgen bei Kirby war und beschuldigen sie, das Handy geklaut zu haben. Da sie das Telefon nicht mehr wiederfindet, zwingt Ed sie dazu ihre Schulden abzuarbeiten, in dem er sie für zwanzig Pfund oder weniger an Imbissbudenbesitzer, besoffene Barbesucher und den Inhaber von Eds und Aarons Stammkneipe verkauft. Wie es weitergeht, müsst Ihr Euch selbst ansehen :)

 

Ill Manors beleuchtet das Leben von insgesamt sechs Charakteren, verfolgt ihre Handlungen und zeigt uns, wie ihre Geschichten miteinander verbunden sind. Jede Geschichte ist mit einem passenden Song von Rapper Plan B unterlegt und erzählt uns, unterstützt durch Rückblenden und Mitschnitte von Handyvideos, die Geschichte der Person, auf der gerade der Fokus liegt. Aaron ist in diesem Film der Fels in der Brandung, der trotz, oder vielleicht auch gerade wegen seiner Situation, sein Gewissen nicht komplett abschaltet. Er sorgt für die wenigen menschlichen Momente, die manchmal auch unfreiwillig komisch wirken, wenn er sich zum Beispiel um das ausgesetzte Baby einer illegalen Prostituierten kümmert.

 

Der Film erinnert ein wenig an Pulp Fiction, mit seinen augenscheinlich erst losen, parallelen Handlungssträngen, die irgendwann zusammen laufen um dann ein großes Ganzes zu ergeben. Dabei ist er sowohl schonungslos als auch authentisch, und man zweifelt keinen Moment daran, dass sich hier nichts als die blanke Wahrheit widerspiegelt. Polemik oder Melodramatik sucht man bei Ill Manors vergebens, stattdessen gibt es nackte Realität, die es zu verdauen gilt. Die Ausweglosigkeit, in der sich der komplette Stadtteil befindet, offenbart sich schon an den Schulen, wenn 14-jährige Kinder Gras kaufen oder an Crackpfeifen ziehen und sich zu Banden zusammenrotten.

 

Die schauspielerische Leistung ist fantastisch wenn man bedenkt, welche schwierigen Rollen die einzelnen Schauspieler übernehmen müssen. Vergewaltigung, Zuhälterei, Prügel, Mord, das Setzen eines Schußes Heroin – die Leistung der Darsteller ist so authentisch, dass der Film eher wie eine tatsächliche Momentaufnahme des Ghettos als wie eine herkömmliche Filmproduktion wirkt.

 

Bildergalerie von Ill Manors - Stadt der Gewalt (7 Bilder)

Von der technischen Seite gibt es an der Qualität des Films nichts zu beanstanden. Das Bild im Format 1.78:1 präsentiert sich im Haupthandlungsstrang rauschfrei und detailtreu, wenn auch manchmal etwas kontrastarm. Das ist allerdings nicht schlimm, denn das gibt einem dieses “Mitten drin statt nur dabei”-Gefühl. Bildrauschen, übersteuerte Farben und verzerrte Bilder werden ausschließlich als stilistische Mittel in Rückblenden oder Zwischensequenzen verwendet, um sie so noch authentischer zu machen. Das Lautstärkeverhältnis von Dialog und Sound ist größtenteils sehr gut ausbalanciert und die Rap Songs kommen mit einem satten Ton über die Soundanlage.


Das Fazit von: Zahnfee

Zahnfee

Ich bin ehrlich: Als ich den Film in der Hand hielt war ich voll darauf gefasst, mir einen mittelmäßigen bis schlechten Film ansehen zu müssen. Ein Rapper, der einen Film produziert und auch noch selbst Regie führt und den Soundtrack schreibt? Das klingt nur in Hollywood nach einer wirklich guten Idee. Und in der ersten viertel Stunde des Films schien es fast so, als würde ich mit meiner Vermutung recht behalten, denn die ersten Minuten von Ill Manors sind ziemlich wirr. Der erste Eindruck täuscht jedoch gewaltig, denn dieser Film ist fast wie ein Schlag in die Magengrube, wenn man erst einmal realisiert, dass alles was in diesem Film passiert grausame Realität für sehr viele Menschen auf der ganzen Welt ist. Auf dem Cover steht, Ill Manors sei “ein absolutes Must-See”. Dem kann ich nur voll und ganz beipflichten!


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