Injustice 2

Injustice 2

Publisher: Warner Bros.
Entwicklerstudio: Netherrealm Studios
Genre: Action
Sub-Genre: Beat'em Up
Art: Fullprice
USK 16

Injustice 2   25.06.2017 von Beef Supreme

Nach einem weiteren Schabernack des Jokers, der Supermans Frau Lois das Leben kostete, verwandelte Superman zusammen mit ein paar weiteren Superrecken vor 4 Jahren Metropolis in einen totalitären Stadtstaat. Batman beendete sein Regime, stopfte das Sonnenkind im blauen Strampler in ein ausbruchssicheres Gefängnis und stellte die alte Ordnung wieder her. Doch wie es im Superhelden-Business so ist, die Ruhe währt selten lange. Erneut schlüpft man in immer frische Capes oder hautenge, knapp geschnittene Outfits und stellt wieder einmal fest, dass Gewalt doch eine Lösung ist und sich durch Maulschellen alle Probleme lösen lassen. Willkommen bei Injustice 2!

 

Die Erde in Gefahr… wieder mal

 

Wählte Injustice: Götter unter uns noch einen relativ frischen Ansatz mit der Bedrohung aus dem Inneren, geht Injustice 2 den klassischen Weg und lässt einen scheinbar übermächtigen Gegner auf die Menschheit und gleich das ganze Universum los. Brainiac, hochintelligent, skrupellos und brutal, gönnt sich im Prolog zunächst Krypton und radiert den gesamten Planeten aus. Wie bereits bekannt, Superman wurde auf die Erde geschickt, zusammen mit seiner Cousine Supergirl. Eine Zeit lang geht auch alles mehr oder weniger gut, doch irgendwann kommt Brainiac auf den Trichter, dass er nicht alle Bewohner Kryptons vernichtet hat. Das macht er zu seinem ganz persönlichen Projekt und stattet der Erde einen Besuch ab. Dort geht’s aber auch so schon nicht so prall zu, denn die Gerechtigkeitsliga ist zerbrochen, Superman im Knast und es herrscht Misstrauen und Zwietracht unter den einstigen Superkumpels. Nur Batman und einige aufstrebende Junghelden halten noch die Flagge hoch, um Brainiac Paroli zu bieten. Der jedoch arbeitet nicht allein und hat auch auf der Erde bereits einige Schurken für seine Dienste verpflichtet, unter anderem Telepathengorilla Grodd mit seiner Affenarmee. Es ist also an der Zeit, alte Konflikte ruhen zu lassen, sonst gibt es bald keine Erde mehr, auf der man sich streiten könnte.

 

Fresse polieren  - Die Antwort auf alles

 

Wie schon im Vorgänger und auch im aktuellen Mortal-Kombat-Ableger führen die Netherrealm Studios den Spieler anhand einer recht gut gemachten, in Kapitel unterteilten Story von Kampf zu Kampf, zwischen denen Cutscenes die Story vorantreiben und den Wechsel der Charaktere erläutern. Meist läuft das nach Schema F ab, Widersacher will nicht sprechen, kassiert ein paar ordentliche Backpfeifen und ist plötzlich sehr kooperativ. Das geschieht gegen Freund und Feind und ist leider nicht in allen Fällen glaubwürdig. Wenn ein Superman mal mit Motivation gegen eine Harley Quinn ausholt, deren einzige Superkraft aus mieser Schminke besteht, ist es schon komisch, dass sie danach wieder aufsteht. Doch insgesamt stört das nicht groß, denn die Handlung als solche ist für ein Beat’em Up überraschend gut gelungen und weiß über mehr als 10 Stunden gut zu unterhalten, obwohl sich gelegentlich einige Logiklücken einschleichen. Dabei vergessen die Entwickler auch nicht, neben der eigentlichen Bedrohung, Brainiac, auch die Verhältnisse zwischen den Helden zu beleuchten und vermeiden somit eine klassisch-öde Schwarz-Weiß-Darstellung. Ist eben doch nicht immer alles töfte unter’m Cape.

 

Alte Bekannte und neue Feinde

 

Neben vielen bereits bekannten Charakteren, wie Superman, Batman oder Flash stoßen in Injustice 2 auch einige interessante neue Charaktere dazu. Beispielsweise Atrocitus, einer der Red Lanterns, oder Firestorm, bekannt aus The Flash. Die Kämpferriege gestaltet sich zwar abwechslungsreich und vielseitig, doch ein paar weitere Neuzugänge hätten nicht geschadet. Die Auswahl ähnelt doch etwas zu sehr dem Vorgänger, was schade ist, denn auch das DC-Heldenportfolio ist durchaus vielseitig genug. Dafür wurden die Vorhandenen, abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen, sinnvoll in die Story integriert und sind auch spielerisch setzen sie sich spürbar voneinander ab. Ein Shazam fühlt sich völlig anders an und erfordert eine komplett andere Herangehensweise als beispielsweise Poison Ivy, die sich bedeutend träger spielt. Diese Vielseitigkeit gestaltet die Kämpfe spannend und man kann zig Stunden in diesem Spiel versenken, bis man die Kniffe aller Kämpfer drauf hat.

 

Kurze Gerade, Block, Raketenfeuer

 

Das Kampfsystem ist, wie von Netherrealm gewohnt, äußerst vielseitig und taktisch anspruchsvoll. Zwar kommt man auch mit stupidem Button-Mashing durch die Story, doch online wird man wenig Land sehen. Mit einer Kombination aus leichten, mittleren und schweren Angriffen lassen sich lange Angriffsketten zaubern, die empfindlich an der Lebensleiste der Gegner nagen. Dazu gesellen sich so einige Zusatzmoves, wie Ausweichrolle, Combo-Breaker oder den Einsatz in der Umgebung befindlicher Gegenstände, wie Eimer, Autos oder Betrunkene. Die Kämpfe machen Spaß, sind taktisch fordernd und man braucht viel Übung, bis man das richtige Timing für hübsche und gleichzeitig effektive Kombos raus hat. Dabei fällt das gelungene Balancing auf, es gibt keinen Helden, der den anderen überlegen ist, wenn man gegen einen ähnlich befähigten Widersacher spielt.
Neben normalen Attacken und Kombos beherrscht jeder Held eine Reihe von Spezialangriffen. Batman wirft Batarangs, Superman schießt Laser aus seinen Augen und so weiter. Jeder dieser Spezialangriffe kann auf Kosten von Energie verstärkt werden und eröffnen so manchmal ein Fenster für weitere Kombos. Oder aber man spart, bis die Leiste voll ist und zündet über L2 und R2 einen Supermove, der nicht nur cool inszeniert ist, sondern auch richtig reinhaut. So lassen sich Kämpfe im letzten Moment drehen oder endgültig entscheiden. Daher, immer die Energieleiste im Auge behalten. Eine weitere, taktisch wertvolle Möglichkeit, diese Energie einzusetzen sind sogenannte Clashs. Bei diesen Clashs setzen die Kontrahenten eine bestimmte Anzahl Balken der Energieleiste, je nach Verfügbarkeit zwischen einem und vier. Falls der Verteidiger gewinnt, wird dem Angreifer ein empfindlich großes Stück Lebensleiste entrissen. Gewinnt der Angreifer, erhält dieser einen satten Batzen Lebensenergie zurück. Also immer ein Auge auf des Gegners Energieleiste haben, bevor man seine komplette Energie für einen Supermove rausbläst. Netherrealm liefert hier ein gewohnt hochwertiges und spannendes Kampfsystem ab, das ich zwar nicht groß vom Vorgänger abhebt, jedoch um einige Nuancen sinnvoll erweitert und verbessert wurde.

 

Metropolis Fashion Week

 

Es gehört inzwischen wohl zum guten Ton, die Sammellust der Spieler zu triggern. Auch Injustice 2 lässt sich da nicht lumpen und hat ein Kistensystem eingeführt, das willkürliche Ausrüstungsteile enthält. Leider beschränken sich die Outfits nicht nur auf kosmetische Unterschiede, sondern verändern auch die Werte der Kämpfer. Unter anderem werden Angriffsstärke, Lebensenergie oder Kraft der Spezialangriffe beeinflusst. Bei höherwertigen Gegenständen, auch hier gibt es verschiedene Seltenheitsstufen, gibt es noch Spezialeffekte und Set-Boni, die je nach Spielstil entscheidende Vorteile verschaffen können. Leider beeinflussen diese Klamotten maßgeblich das Balancing und so kann es vorkommen, dass ein aufgepumpter und gestylter Superman gegen einen technisch überlegenen Gegner gewinnen kann, einfach weil er ein fetteres Outfit trägt. In diesem Zuge wurde natürlich auch eine künstliche Währung eingeführt, die man gegen Kisten eintauschen kann. Und natürlich kann man zu einem ominösen Wechselkurs diese künstliche Währung käuflich erstehen. Was an sich schon eine fragwürdige Idee ist, erhält dadurch noch einen weiteren bitteren Beigeschmack und riecht ein wenig nach Geldmacherei. Andererseits motiviert dieses System auch zum Weiterspielen, denn um gewisse Gegenstände anzulegen, muss man mit dem entsprechenden Kämpfer ein bestimmtes Level erreichen. Ergo mehr zocken. So hält man die Spieler bei der Stange und bestenfalls auch deren Portemonnaie. Natürlich lässt sich die Ingame-Währung auch erspielen, doch der Kontostand schmilzt erstaunlich schnell hinfort. Wer schick sein will, muss eben zahlen.

 

Backenfutter für die Massen

 

Abseits vom recht gelungenen Storymodus bietet Injustice 2 auch sonst recht vielfältige Beschäftigungstherapien für Solisten. So kann man neben dem obligatorischen Training oder Einzelkämpfen auch an ständig wechselnden Herausforderungen teilnehmen, um weitere Belohnungen in Form von Ingame-Währung oder Kisten zu gewinnen. Im sogenannten Multiversum finden sich verschiedene Ausgaben der Erde, auf denen man unter wechselnden Voraussetzungen eine Reihe von Gegnern verkloppen kann. Das bleibt auch über längere Zeit spannend, da durch Modifikatoren jede Erde eigene Kampferfahrungen bietet.

 

Sucht man die Herausforderung gegen menschliche Gegner, kommt man hier auch nicht zu kurz, denn Injustice 2 bietet eine ganze Reihe von Multiplayer-Modi, die einen gegen andere Superhelden und –schurken aus aller Welt antreten lassen. Zur Verfügung stehen der klassische schnelle Kampf gegen einen willkürlich ausgewählten Gegner, wobei man sich aussuchen kann, ob man gegen den ausgesuchten Kontrahenten antreten will. Diese Möglichkeit ist von Vorteil, da das Matchmaking manchmal Gegner aussucht, die sich weit über dem Charakterlevel des eigenen befinden. So kann eben das passieren, was bereits erwähnt wurde, egal wie gut man kämpft, durch den massiven Level- und Ausrüstungsvorteil wischt selbst der lumpigste Spieler den Boden mit einem auf. Gerade für Einsteiger kann das ziemlich frustrierend sein. Fühlt man sich aber bereit und gut genug, kann man auch in gewerteten Kämpfen antreten und so seine Stellung in der Rangliste verbessern. Darüber hinaus stehen verschiedene Räume zur Verfügung, die, wie auch im Multiversum, die Kämpfe unter verschiedenen Voraussetzungen ablaufen lassen. Als Beispiele seien hier explosive Pinguine genannt, die durch die Arena stolpern und die Kämpfer nerven, oder willkürlich verteilte Heilungen. Neben einzelnen Kämpfen kann man auch an King-of-the-Hill-Matches teilnehmen, in denen sich der Sieger der Begegnung gegen wechselnde Herausforderer behaupten muss. An Abwechslung, on- wie offline, mangelt es also nicht und kann durchaus über längeren Zeitraum begeistern, sofern man nicht zu früh vom fragwürdigen Matchmaking gefrustet wird.

 

Du schlägst aber hübsch zu

 

Technisch muss sich Injustice 2 nichts vorwerfen lassen. Die Charaktere sind allesamt mit Liebe zum Detail designed und überzeugen durch eine hohe Polygonzahl und scharfe Texturierung. Gleiches lässt sich auch ohne weiteres über die Animationen behaupten, gerade bei dieser Menge an Zwischensequenzen. Gerade die Mimik lässt sich als sehr gelungen bezeichnen und überzeugt durch Realismus und Lippensynchronität. Und eins muss man den Netherrealm Studios lassen, Inszenierung? Können sie. Seien es Hochhäuser, die effektvoll eingeebnet werden oder Feuersbrünste in dunklen Sümpfen, hier wird geklotzt, nicht gekleckert. Auch abseits der Cutscenes gibt es wenig zu meckern. Die Arenen sind ebenfalls eine Augenweide und sprühen nur so vor Abwechslung und Detailreichtum. Insgesamt ist Injustice 2 optisch über jeden Zweifel erhaben. Auch der Sound bewegt sich auf ganz hohem Niveau. Ob knackige Explosionen oder kernige Punches, die klangliche Untermalung sitzt. Ebenso die mehr als gelungene Sprachvertonung. Hier waren Profis am Werk. Ein großes Lob auch für die kaum vorhandenen Ladezeiten. Im Storymodus sind die Übergänge von Zwischensequenz zum Kampf kaum spürbar. Aber auch bei Einzelkämpfen läuft das Laden zügig und zehrt nicht unnötig lange an der Geduld des Spielers. 


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Die Netherrealm Studios liefern wieder gewohnt hohe Qualität ab. Injustice 2 kann durchaus an die Qualität des Vorgängers und auch an die der neu aufgelegten Mortal-Kombat-Reihe anknüpfen. Sei es der gelungene Storymodus oder die abwechslungsreichen Möglichkeiten für Einzelkämpfer, hier findet sich für jeden was, der Lust drauf hat, die breit aufgestellte DC-Truppe zu vermöbeln. Auch die Online-Modi bieten was fürs Geld und durch das Levelsystem auch genug Langzeitmotivation um dran zu bleiben. Falls man nicht zu früh von übermächtigen oder zu gut betuchten Widersachern zu Klump gedroschen wird, denn durch die neuen Loot-Kisten wird das Balancing empfindlich gestört, was durch das seltsam agierende Matchmaking noch verstärkt wird. Auch stößt sauer auf, dass sich so Vorteile durch Echtgeld erkauft werden können, was ich bei einem Vollpreistitel durchaus kritisch betrachte. Dennoch ist Injustice 2 ein mehr als gelungener Brawler, der Spaß macht und mit einem taktisch vielseitigen Kampfsystem überzeugen kann. 


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positiv negativ
  • Gelungener Storymodus…
  • Breit aufgestellte Kämpferauswahl…
  • Abwechslungsreiche Spielmodi
  • Cineastisch überzeugende Zwischensequenzen
  • Fette Supermoves…
  • Taktisch vielseitiges Kampfsystem
  • Schön gestaltete Arenen
  • Langzeitmotivation durch Levelsystem
  • Knackiger Sound
  • Hübsche Grafik
  • Ordentlicher Umfang
  • Saubere Onlineverbindung
  • … mit einigen Logiklücken im Storytelling
  • … die aber etwas zu sehr dem Vorgänger ähnelt
  • Mikrotranskationen, die das Balancing beeinflussen
  • Fragwürdiges Matchmaking
  • … die sich irgendwann abnutzen





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