Interview mit Brian Fargo

Interview mit Brian Fargo

Genre: Gründer und CEO von inXile entertainment

Interview mit Brian Fargo   17.03.2010 von Panikmike

Sie sind der Gründungsvater von inXile. Was bedeutet das im tagtäglichen Leben?
Die Spielbranche ist eine der anspruchsvollsten Industrien, die man sich aussuchen kann. Doch das meiner Meinung nach Beste daran ist, dass so gut wie kein Tag wie der andere ist. Generell gebe ich der Firma die Richtung vor. Auch arbeite ich mit meinem Produktionsteam zusammen, um sicherzustellen, dass die Spiele, die wir in der Schmiede haben, nicht vom Kurs abkommen und wir die Ziele, die wir uns gesetzt haben, auch erreichen. Frontmann von inXile bin ich ebenfalls, so dass ich mich gewöhnlich um die Welt da draußen kümmere, d. h. mich mit der Presse und Aushandlung von
Verträgen abgebe.

Wie sind Sie eigentlich in der Spielindustrie gelandet? Konnte man es damals überhaupt eine „Industrie“ nennen?
Als ich damals zwecks Broterwerbs begann Spiele zu entwickeln, konnte man unsere Industrie nicht wirklich so nennen. Alle meine Hobbys -- vom Comic-Hefte sammeln (Heavy Metal war da einer meiner Favoriten), Dungeons and Dragons spielen, tonnenweise Romane lesen bis hin zum Computer programmieren -- passten richtig gut zu dem, was schließlich zur heutigen Spielbranche werden sollte. Ich denke, ich hab genauso angefangen, wie viele andere auch – mit einem einfachen Gedanken: Ich kann ein besseres Spiel entwickeln als die, die ich gerade spiele. Es ist schwer zu glauben, dass ich das nun schon seit fast 30 Jahren mache!

An welchen Spielen haben Sie seitdem mitgewirkt?
Ich hatte das Glück, in meiner Karriere an sehr vielen Spielen gearbeitet zu haben. Ich gründete Interplay und später eine weitere Firma, inXile Entertainment. Mein erster großer Hit war Bard's Tale, schon damals 1985. Und ich produzierte oder leitete die Produktion von Wasteland,Battle Chess, Castles, Stonekeep, Baldur's Gate, Fallout, Redneck Rampage, der Star Treck-Spiele von Interplay sowie vieler anderer während meiner Karriere bei Interplay. inXile wurde 2002 gegründet. Wir produzierten Bard's Tale re-imagining und halfen, Line Rider, Fantastic Contraption und Impossible Quiz populär zu machen. Auch haben wir jetzt Hunted: The Demon’s Forge enthüllt – einen frischen Ansatz fürdie Dungeon Games, mit denen wir aufgewachsen sind – das wir zusammen mit Bethesda Softworks entwickeln.

Was glauben Sie würden Sie heute tun, wenn Sie kein Spielentwickler wären?

Es ist schwer, sich vorzustellen, was ich wohl machen würde, wenn ich kein Spielentwickler wäre. Wenn nicht Spiele konzipieren, dann könnte ich mich in der kreativen Branche, vielleicht beim Film oder Fernsehen vorstellen. Diese Medien haben mich schon immer fasziniert, und es interessiert mich auch, was die Leute unterhaltsam finden. Auch Psychologie und Soziologie sind für mich interessant, da diese beiden Elemente in jeder Art Unterhaltung eine Rolle spielen. Vielleicht hätte ich ja Seelenklempner sein können ;-)

Haben Sie schon mal daran gedacht, ein Spiel über Fargo zu produzieren? Brian Fargo präsentiert Fargo?
Mein Leben würde sich an diesem Punkt sicher gut für ein Buch oder einen Film eignen. Mein Privatleben war bestimmt kein normales, und ich bin in puncto Hilfe beim Schreiben eines Buches über eine Reihe wirklich sehr dramatischer und interessanter Lebensereignisse bereits im Gespräch mit einigen Autoren. Aber ein Spiel wäre es definitiv nicht … denn ein Spiel muss mich an einen anderen Ort versetzen! Ich weiß noch, als der Film Fargo rauskam und ich echt Angst hatte, dass da jemand namens Fargo mitspielen könnte, der Serienkiller oder Abweichler ist, und ich mir für Rest meines Lebens bei jedem Treffen Sprüche wie „Ah, wie der Killer in dem Film“ oder „Ach, wie der Rodeoclown in dem Movie“ oder ähnliches anhören müsste.

Hunted: The Demon’s Forge ist eine moderne Version der herkömmlichen Dungeon-Action. Sie sind ja nun schon eine ganze Weile in der Industrie tätig … wären da vielleicht noch andere Spielgenres, die Sie gern modernisieren oder wiederbeleben würden?
Die soziale Netzwerkdynamik von Facebook bietet einige interessante Möglichkeiten, wie man ein paar alte Genres wieder zum Leben erwecken könnte. Ich und mein Team sind da schon am Ideen- und Gedankenaustausch, doch gibt’s da einiges, was wirklich interessant ist. Ich bin so dankbar für die Free-to-Play-, digitale Download- und soziale Netzwerkspielmöglichkeiten, die sich in den letzten Jahren aufgetan haben. Ich liebe es, große Spiele wie Hunted: The Demon's Forge zu konzipieren, aber es ist auch mal schön, mit weniger Druck kleinere Spiele zu entwickeln und dabei etwas
experimentieren zu können. Ich würde definitiv gerne mehr RPG-Spiele entwickeln, um dieses Genre auf ein neues Niveau zu heben.

Haben Sie in letzter Zeit irgendwelche guten Spiele gespielt?

Ich habe in letzter Zeit diverse kleinere Spiele gespielt, um zu sehen, wie sie Interface-Design und Gameplay-Mechanik handhaben. Plants vs. Zombies ist interessant im Hinblick darauf, wie gut die Entwickler das Tower-Defense-Genre adaptiert und optimiert haben. Auch mit Guitar Hero und Rock Band habe ich viel Zeit verbracht, um das Genre besser zu verstehen. Und ich habe eine Menge Wii-Sportspiele gespielt, um ein Gefühl für die Wii-Fernbedienung zu entwickeln. Ich tendiere Spiele zu spielen, die ich besser verstehen will, um so mein Wissen weiter auszubauen und meine Ideen relevant zu halten. Es schockiert mich immer wieder, wenn ich von Führungskräften der Spielbranche höre, die kein Facebook-Konto haben.

Bestes Spiel aller Zeiten?
Ich weiß nicht, ob ich ein Spiel als bestes aller Zeiten auswählen kann, da ich so viele spektakuläre Nächte lang in so viele verschiedene Spiele vertieft war. Die ursprüngliche Wizardry-Serie war absolut fesselnd und bereichernd. Besonders liebte ich die Zelda-Originalserie, Alone in the Dark, Realm of  the Haunting, Rock N’ Roll Racing, Baldur's Gate, Warcraft 1 und 2 sowie BioShock, um nur ein paar zu nennen. Aber das Spiel, dem ich bei Weitem die meisten Stunden widmete, war ein Titel von Shiny/Interplay namens Sacrifice. Es war ein First/Third-Person-RTS und ich fand die Teamdynamik und die Grafik des Spiels einfach super. Für mich repräsentiert dieses Spiel das beste PC-Gaming.

Was machen Sie sonst noch gerne in Ihrer Freizeit?
Mein Haupthobby neben der Spielindustrie war es, mein Traumhaus zu bauen. Mein ganzes Leben bestand darin, Dinge auf einem Monitor zu erschaffen, aber nichts davon war greifbar. Ich habe die letzten 7 Jahre damit verbracht, von Grund auf ein Haus zu bauen. Es war Detailarbeit, vom allgemeinen Design bis hin zur Auswahl interessanter Antiquitäten … und nicht zuletzt der Türknäufe. Der Hausbau und die Spielkonzeption haben viele kreative und verwaltungstechnische Gemeinsamkeiten, nur dass man beim Hausbau nicht mal eben etwas rückgängig machen kann! Ich bin auch ein begeisterter Filmfan. Ich verbringe viel Zeit, mit Freunden Filme aller Art anzuschauen, von Dokumentarfilmen über Kurosawa bis hin zu modernen Streifen.

Wir danken Peter von Indigo Pearl für die Möglichkeit, das Interview veröffentlichen zu dürfen!




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