Interview mit Dennis Gansel (Die vierte Macht)

Interview mit Dennis Gansel (Die vierte Macht)

Genre: Interview

Interview mit Dennis Gansel (Die vierte Macht)  21.02.2012 von Crazyorange

Heute haben wir ein Interview eines deutschen Regisseurs für Euch. Dennis Gansel hat sich mittlerweile mit seinen Filmen einen Namen gemacht, der wohl bekannteste dürfe „Die Welle“ oder „Napola“ sein. Da im März sein neuer Film in die Kinos kommt, hatten wir die Chance, mit ihm ein Interview zu führen...

Sofahelden.de:
Herr Gansel, in Ihrem aktuellen Film "Die vierte Macht" geht es um terroristische Aktivitäten in Moskau. Wie kamen Sie zu diesem Themengebiet?


Dennis Gansel:
Das kam durch meinen ersten Film, den Politthriller DAS PHANTOM. Dort ging es um die Verschwörungstheorie, dass es die sogenannte dritte Generation der RAF nicht gegeben hat, sondern dass sie ein Konstrukt ist, was vom Staat und den Geheimdiensten aufrecht gehalten wurde, um die Politik zu beeinflussen. Durch diesen Film begann ich mich intensiv, mit dem Themenbereich auseinanderzusetzen: mit Staatsterrorismus, False Flag Attentaten und der sogenannten Strategie der Spannung. Es war hochinteressant wie beispielsweise der Terrorismus der roten Brigaden in Italien gezielt von Geheimdiensten gesteuert wurde, um Italien davon abzuhalten, zu stark kommunistisch zu wählen. Als ich dann meinen Film NAPOLA in Russland zeigte, machte mich jemand auf die Tschetschenienkriege aufmerksam. Deren Auslöser waren große Sprengstoffattentate auf Wohnhäuser in Moskau. Ich begann zu recherchieren und fand die Ergebnisse ungeheuerlich. Als dann Anna Politowskaya 2006 erschossen wurde, war mir klar, dass ich einen Film machen will, der in diesem Klima spielte.

Sofahelden.de: Gibt es ein Filmgenre, in dem Sie sich besonders gern vertiefen?

Dennis Gansel: Drama und Thriller finde ich persönlich besonders interessant. Beides sind urdeutsche Genres, die momentan noch viel zu brach liegen. Da ist noch sehr viel möglich. Die technischen Möglichkeiten und Locations haben wir; ebenso die Schauspieler. Man muss nur auf die Geschichten kommen und unsere deutsche Gegenwart, als auch die Geschichte, bieten da eigentlich mehr als genug Stoff.

Sofahelden.de: "Die Welle" und "Napola - Elite für den Führer" sind Filme mit politischem Hintergrund. Gibt es einen speziellen Reiz, in diesem Bereich zu drehen?

Dennis Gansel:
  Nicht unbedingt. Es muss zur Geschichte passen und das war bei den beiden Filmen der Fall. Grundsätzlich mag ich ja, wenn man neben Spannung und Emotionen noch etwas Weiteres mit aus einem Film nimmt. Viele meiner persönlichen Lieblingsfilme haben das, beispielsweise das "New Hollywood" Kino der 70er Jahre wie "3 Tage des Condor" oder "French Connection".

Sofahelden.de:
Was war beim Dreh zu "Die vierte Macht" besonders herausfordernd?

Dennis Gansel:
Herausfordernd war es, einen Film zu machen, der durchgängig spannend ist. Nur wenn man mit der Hauptfigur permanent mitgeht und ihren unfassbaren Weg gebannt verfolgt, ist man dabei. Das war viel Bucharbeit, aber richtig funktionieren tut es nur durch Moritz, an dessen Gesicht man förmlich kleben bleibt. Beim Dreh selber wussten wir irgendwann, dass wir kaum in Russland drehen können. Sondern in Kiew und viel in Berlin. Das glaubhaft hinzukriegen, war eine kleine Meisterleitung von unserem Production-Designer Matthias Müsse und seinem Team. Insgesamt waren wir nur drei Tage in Moskau und es funktioniert perfekt.



Sofahelden.de:
Welcher Filmgeschmack würde uns von Ihnen privat erwarten, wenn wir bei Ihnen zu Hause ins DVD Regal sehen würden?

Dennis Gansel:
Ich bin ein Allesgucker. Von "Hangover" zu "Valhalla Rising", von "Fight Club" zu "All about Eve" bis hin zu Stummfilmen aus der Weimarer Republik. Ich bin da ein bekennender Nerd in Reinform und ich finde nichts großartiger als ein Wochenende komplett auf der Couch mit Bringdienst-Essen zu verbringen und mir einen Film nach dem anderen anzusehen. Leider komm ich langsam in das Alter, in dem ich mit Sport dagegen halten muss, um nicht irgendwann wie ein Couch-Potato auszusehen.

Sofahelden.de:
Wie schwer ist es, als Regisseur und Drehbuchautor in Deutschland Fuß zu fassen?

Dennis Gansel:
Ich finde es sehr schwer. Das Problem liegt darin, dass man zunächst nicht unbedingt ein besonders guter Regisseur sein muss, sondern vor allem ein guter Autor. Wenn man es nicht schafft, ein Drehbuch zu schreiben, was die Produzenten, Förderer und Sender wirklich machen wollen, hat man kaum die Möglichkeit, seine Begabung auch wirklich zu zeigen. Das heißt, man muss schon mal zwei Berufsfelder beherrschen. Und dann müssen noch eine gehörige Portion Glück und Timing dazu kommen (und gute Vermarktung), damit es ein Erfolg werden kann. Das sind schon mal recht anspruchsvolle Startkriterien. Da draußen gibt es viel mehr Talente, als man glauben mag, aber nur die wenigsten kriegen wirklich die Chance auf sich aufmerksam zu machen.

Sofahelden.de:
Was war Ihr bisher größter, persönlicher Erfolg?

Dennis Gansel:
Sicher die Finanzierung meines Debütfilms DAS PHANTOM, denn damit fing alles an. Wir reden hier von 1999. Einen Politthriller anzugehen, glich einem Himmelfahrtskommando und ich bin saufroh, dass es geklappt hat. Sonst hätte ich sicher nach ein paar Jahren das Handtuch geworfen.

Sofahelden.de:
Vielen Dank Herr Gansel für das ausführliche Gespräch...




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