Interview mit Schauspieler August Diehl

Interview mit Schauspieler August Diehl

Genre: Interview

Interview mit Schauspieler August Diehl   05.11.2010 von DeWerni

Heute können wir euch das nächste Interview mit einem der Stars aus „Die kommenden Tage“ präsentieren. August Diehl alias Konstantin spricht über den Film, die Dreharbeiten und das tiefgründige Thema unserer nahen Zukunft aus schauspielerischer aber auch privater Sicht…

Schon mehrfach haben wir in jüngster Zeit auf „Die kommenden Tage“ hingewiesen. Heute bekommt ihr den letzten Bericht über unseren Ausflug nach Berlin mit der Präsentation des eigentlichen Films und einigen Interviews mit den Stars und Sternchen vom Set geliefert. Nachdem sich der vorige Bericht mit dem heimlichen Star außerhalb der eigentlichen Bilder – Regisseur Lars Kraume – beschäftigte, geht es in diesem um August Diehl, der die Rolle des Konstantin übernommen hat. Wer sich noch einmal die Details des Films zu Gemüte führen möchte, der kann das hier tun. Wenn ihr doch lieber noch mehr über Lars Kraume wissen wollt, dann klickt doch einfach hier. August Diehl selbst sollte den meisten von euch sicher ein Begriff sein. Er hat nämlich schon in diversen Hollywoodproduktionen mitgewirkt, darunter beispielsweise Blockbuster wie „Inglorious Basterds“ oder zuletzt „Salt“. Des Weiteren hat er in den letzten Jahren aber auch bei deutschen Filmproduktionen mitgewirkt („23 – Nichts ist so wie es scheint“ oder „Anatomie 2“) und zusätzlich im Theater auf der Bühne gestanden („Don Karlos“ von Schiller im Hamburger Schauspielhaus oder „Major Barbara“ von George Bernard Shaw im Schauspielhaus Zürich). Aufgrund seiner diversen Erfahrungen plaudert der 1976 in Berlin geborene August Diehl mit uns über den Film, die Vergleiche mit Hollywood, dessen Größen wie Quentin Tarantino, über die Thematik des Films und auch wie er selbst persönlich die Zukunft für uns sieht.

 

Sofahelden: Hallo August! Der Film beschäftigt sich mit einer ziemlich finsteren und bedrückenden Zukunft. Siehst Du das genauso?

 

August Diehl: Das einzig finstere daran ist für mich, dass der Film dabei den Titel „Die kommenden Tage“ trägt. Alles andere ist für mich gar nicht so finster, es ist eigentlich lediglich die Frage, wann das passieren wird. Ich weiß nicht ob das so schnell geht, aber ich bin sicher, dass es irgendwann passieren wird (Anm. der Redaktion : Gemeint ist der Krieg und der Streit um die knappen Ressourcen). Erstaunlich ist es ja eigentlich, dass es in Europa noch nicht so aussieht wie im Rest der Welt, wo ja die große Schere zwischen arm und reich und die Knappheit an verfügbaren Ressourcen praktisch Gang und Gebe sind. Hier ist noch alles auf den Straßen so leer und sauber und wenn man von woanders wieder hierher kommt, dann denkt man einfach nur: „Wahnsinn, wie schaffen die das?!“

 

Sofahelden: Du bist ja selbst noch gar nicht seit allzu langer Zeit Vater. Man macht sich doch als Vater auch ganz anders Gedanken um die Zukunft, oder?

 

August Diehl: Nein, eigentlich gar nicht, denn ich habe mir schon immer Gedanken um die Zukunft gemacht. Man denkt aber vielleicht weniger eigennützig und auf sich selbst bezogen. Die Themen und die Gedanken sind aber eigentlich immer noch die gleichen.

Sofahelden: Wenn man so über die Zukunft denkt, dann könnte man ja praktisch zwei Haltungen annehmen. Entweder man schöpft noch aus dem Vollen und genießt das Leben solange es noch geht oder man versucht dann eben etwas dagegen zu tun, so wie auch Deine Rolle im Film, und das unter Umständen auch mit Gewaltbereitschaft. Wie siehst Du das auch für Dich persönlich?

 

August Diehl: Wie ich das persönlich handhaben würde, kann ich irgendwie gar nicht beantworten. Das Ganze ist natürlich eine sehr spekulative Frage und zur Beantwortung kenne ich mich selber noch zu wenig. Dabei kommt es dann auch immer darauf an, inwieweit man sich persönlich bedroht fühlt. Die Rolle von Hans (Anm. der Redaktion: Gespielt von Daniel Brühl) ist im Film sehr nachvollziehbar. Er zieht sich praktisch komplett aus der Gesellschaft zurück und tritt aus. Auf der anderen Seite finde ich es aber auch toll, wenn man etwas tut, wie das beispielsweise im Moment bei uns mit Stuttgart 21 passiert, auch wenn natürlich unglückliche Umstände der Polizeiarbeit dazu geführt haben, dass die Sache nun in den Medien so breit getreten wird. Man sieht daran, dass man sich anscheinend doch noch einmischen und etwas verändern kann, wenn die Sache in Stuttgart gut ausgehen sollte. So einen Eindruck hatte man ja schon lange nicht mehr.

 

Sofahelden: Wie muss man sich denn die Dreharbeiten zu einem solchen Film vorstellen, der einem ja vielleicht auch mental sehr nahegeht? Wurde während der Pausen viel darüber diskutiert oder wurde das Thema dann eher ausgeblendet?

 

August Diehl: Eine angespannte und diskussionsfreudige Atmosphäre aufgrund der Thematik des Films war eher in den Vorbereitungen zu spüren. Während den Dreharbeiten selbst hat man ja immer ein wahnsinniges Zeitpensum zu absolvieren und da ist dann einfach nicht der Platz für solche Diskussionen. Das kam, wenn überhaupt, dann eher abends nach Drehschluss oder an den Wochenenden. Ich hatte aber den Eindruck, dass in den ersten Treffen zwischen Lars (Anm. der Redaktion : Der Regisseur) und mir das Thema des Films viel relevanter war, als die eigentlichen Rollen die darin vorkommen. Ich habe dabei gemerkt, dass es sich um ein Thema handelt, das mich irgendwie schon länger bewegt. Lars kam auf mich zu und hat mir den Film angeboten und ich dachte nur: „Wow – Du auch?!“

 

Sofahelden: Kann man den Film aus Deiner Sicht eigentlich als Science Fiction Film ansehen?

 

August Diehl: Ich bin kein Genreexperte, aber ich glaube nicht. Nein, Science Fiction ist noch etwas Anderes, es hat das Fiktionale darin, was hier komplett außen vorgelassen wird. Das Einzige was der Film vielleicht mit diesem Genre gemein hat ist das Gesellschaftskritische, was ja auch in Science Fiction Filmen fast immer Bestandteil ist. Ansonsten ist es kein Science Fiktion Film, es sind einfach die kommenden Tage, es ist sozusagen übermorgen.

 

Sofahelden: Deine Figur entwickelt sich im Laufe des Films zum Bösewicht, was ja nicht von Anfang an wirklich klar ist. Wie auch schon in Inglorious Basterds machst Du das verdammt gut. Wie schaffst Du das? Und musst Du da nicht langsam aufpassen, in eine Ecke geschoben zu werden?

 

August Diehl: Diese Angst hat man, glaube ich, dauernd. Ich hatte schon nach „23“ Angst, dass ich jetzt immer als der durchgeknallte Kokser dastehen würde. Irgendwann habe ich aber dann einfach aufgehört, diese Angst zu haben. Man muss abwarten. Es kommt bald ein Film heraus, in dem spiele ich praktisch das komplette Gegenteil von Konstantin. Ich hoffe weiterhin, dass meine weiteren Rollen so abwechslungsreich bleiben. Es ist immer auch eine Frage inwieweit man überhaupt mit der Rollenauswahl Einfluss auf seine Karriere hat. Ich kann nur sagen, dass es einfach richtig kräftezehrend ist, sich darüber ständig Gedanken zu machen. Auf der anderen Seite macht es mir gerade richtig Spaß solche Rollen von Antagonisten zu übernehmen. Ich war auch früher im Kino immer für die Bösen. Aber es macht, glaube ich, jedem Schauspieler Spaß, Charaktere zu übernehmen, die man nicht immer ganz versteht und die ein wenig unheimlich sind.

 

Sofahelden: Wie unterscheiden sich Lars Kraume und Quentin Tarantino menschlich und in ihrer Arbeit als Regisseure?

 

August Diehl: Sprachlich habe ich mich mit Lars auf jeden Fall besser verstanden. (lacht) Das sind so große Unterschiede, jeder Mensch ist vollkommen anders. Quentin Tarantino arbeitet unheimlich befreiend. Er war der erste Filmregisseur, der so gearbeitet hat, wie man es eigentlich am Theater tut. Das war neu für mich. Eine typisch deutsche Haltung bei Regisseuren ist beispielsweise, dass sie immer Angst davor haben, man würde als Schauspieler zu viel machen. Tarantino kam am dritten Drehtag auf mich zu und sagte: „Ich sehe, was Du da versuchst, aber mach doch einfach mal mehr!“ So eine Haltung ist natürlich auch immer davon abhängig, in welchem Genre man sich gerade bewegt.

Sofahelden: Der Film soll nun doch zum Nachdenken anregen. Ist das auch so Dein generelles Ziel und Bedürfnis als Schauspieler?

August Diehl
:
Ja, ich gehe bei einer Rolle auch immer stark von mir als Kinozuschauer aus. Die Filme die lange in meinem Kopf geblieben sind, sind Filme, über die ich mich auch mit vielen Freunden gestritten habe. Die waren lange ein Thema  und auch nicht unbedingt Filme, bei denen alle behaupteten, es wäre ein phantastischer Film. „Fight Club“ war zum Beispiel so ein Film, von dem ich jetzt kein absoluter Fan bin, aber er hat auf jeden Fall seine Spuren hinterlassen, auch wenn man gar nicht so genau weiß, warum. Die Hoffnung ist natürlich da, dass auch „Die kommenden Tage“ so ein Film ist. Ich merke auf alle Fälle schon jetzt in den Interviews vorab, dass das Gesprächsthema immer sehr schnell vom eigentlichen Film auf die Themen überschwenkt, wie es auch jetzt der Fall ist. Das ist immer ein sehr gutes Zeichen.

 

Sofahelden: Was war Deine Lieblingsszene im Film und für Dich am herausforderndsten und interessantesten zu spielen?

 

August Diehl: Spaß gemacht haben auf alle Fälle die Szenen mit Johanna Wokalek, das Paar insgesamt hat mir sehr gefallen. Da gibt es eine seltsame, gegenseitige Abhängigkeit, auch wenn er sich das nicht immer eingestehen mag. Abhängigkeit gibt auf der anderen Seite immer Sicherheit und ich glaube auch, dass Konstantin das braucht. Das Schöne an Konstantin war eigentlich, dass ich fast drei Rollen auf einmal spielen konnte. Das hat viel Spaß gemacht.

 

Sofahelden: Im Film werden auch einige mögliche zukünftige Technologien eingeführt. Bist Du eigentlich jemand, der sehr auf neue Technik fixiert ist und immer das neueste Handy haben muss?

 

August Diehl: Ja, es gibt ein paar Sachen, die ich echt toll finde. Das Internet zum Beispiel finde ich klasse. Obwohl ich selten im Internet bin, finde ich es unglaublich, dass es immer schwerer wird, uns Informationen vorzuenthalten. Wenn man sich für bestimmte Dinge interessiert, wird man auch immer Informationen darüber im Internet finden. Es gab ja zum Beispiel in diesem Sommer die große Ölkatastrophe und zeitgleich gab es eine ähnliche Katastrophe vor der Küste Nigerias, was ja ein sehr armes Land ist und es deswegen nicht so in die Medien kam. Wenn man darüber aber etwas wissen wollte, konnte man sich Informationen im Internet darüber besorgen. Und so etwas finde ich eine gute, neue Errungenschaft.

 

Sofahelden: Wir bedanken uns ganz herzlich bei Dir für das Interview und wünschen Dir für den Film und Deine kommenden Projekte viel Erfolg!

 

Mit diesem Interview haben wir unseren Besuch in Berlin abgeschlossen und hoffen, dass wir einige interessante Informationen für euch sammeln konnten. Wenn euch das Thema interessiert, dann würden sich unsere beiden Interviewgäste bestimmt darüber freuen, wenn ihr euch den Film ab dem 04. November in unseren Kinos anschaut. Wir wünschen euch viel Spaß und Unterhaltung dabei!  Uns haben der Film, die Interviews und der gesamte Besuch in Berlin sehr viel Spaß gemacht, weshalb wir uns an dieser Stelle auch nochmals bei Universal herzlich für die Einladung bedanken möchten! 




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