Interview mit Tim Fehlbaum

Interview mit Tim Fehlbaum

Genre: Interview

Interview mit Tim Fehlbaum  25.09.2011 von Benji

Wir schreiben Montag den 19. September 2011. Die Kino-Tour zum Start des neuen Films Hell neigt sich dem Ende. Hunderte von Fans und Pressevertreter bekamen über die letzten Wochen die Chance den Film noch vor Kinostart zu sehen, während zur gleichen Zeit Schauspieler und Regisseur mit mehreren Interviewterminen belagert wurden. Alle Beteiligten wirken entsprechend erschöpft. Nur einer scheint noch vor Kraft zu strotzen. Regisseur Tim Fehlbaum springt durch die Menge der Besucher, verteilt bereitwillig Autogramme, unterhält sich angeregt sowohl mit dem Produktionsteam als auch mit den angereisten Fans. Man merkt ihm an, dass er die aktuelle Zeit rund um den Kinostart von Hell genießt. Während der Großteil der Menge aus dem Kino strömt, gibt uns Tim die Chance auf ein letztes Interview. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

 

Sofahelden.de: Hallo Tim. Hell läuft ab Donnerstag dem 22. September in den Kinos an. Der Film hat bereits im Vorfeld enorme Erfolge feiern können. War das zu erwarten bzw. gab es einen Moment während der Dreharbeiten, in dem du dachtest: „Das könnte echt gut werden?“


Tim Fehlbaum: Also ob der Film gut ist oder nicht, ist erst mal dir und den Zuschauern überlassen. Im Gegenteil, beim Dreh oder beim Schnitt hatte ich meistens das Gefühl, dass es nichts wird. Dann hatten wir auch noch die ersten Testscreenings, die halbwegs schlecht ausgefallen sind. Als wir den ersten Rohschnitt gemacht haben, habe ich gedacht: „Das wird schwierig“, doch unser Cutter Andreas Menn hat nicht losgelassen und den Film verdichtet. Wir sind dabei z. B. auch auf die Testscreenings eingegangen. Es ist erstaunlich, wie viel man im Schnitt noch machen kann. Es gibt natürlich auch positive Momente beim Dreh. Zum Beispiel am ersten Drehtag, als ich an das Set der Tankstelle gekommen bin und gesehen habe, was die Heike Lange vom Szenenbild mit ihrem Team dort geleistet hat. Das war so ein magischer Moment, wo ich gedacht habe: „Wow. Das könnte wirklich was werden.“ Meistens sind es allerdings Selbstzweifel - bis jetzt. Wir wissen ja noch nicht, wie er ankommen wird.

 

 Sofahelden.de: Das ist eine gute Überleitung zur nächsten Frage. Was erwartest du dir denn vom Kinostart?

 

Tim Fehlbaum: Ich spüre im Moment gerade im Internet, dass es gewisse Vorbehalte gegenüber deutschen Filmen gibt und ich würde mich freuen, wenn sich die Leute den Film zumindest anschauen, um sich ein Bild zu machen und ihn nicht aufgrund der Vorurteile bewerten. Ich weiß gar nicht, woher diese kommen, denn ich kenne viele tolle deutsche Genrefilme, die aber auch teilweise untergegangen sind. Wobei ich nicht weiß warum. Ich denke das ist abhängig von einer Mund-zu-Mund-Propaganda - es ist abhängig von den Seiten wie euch. In der Form, dass die Leute sehen, dass da Andere sind, die sich mit Filmen beschäftigen und diesen Film interessant fanden. Letztlich kann man an dem Film vielleicht vieles kritisieren, aber ich glaube zumindest, dass er eine interessante Ästhetik hat, die es so bis jetzt noch nicht zu sehen gab und dass er tolle Schauspieler bietet.

 

Sofahelden.de: Der Film ist tatsächlich für eine deutsche Produktion relativ ungewöhnlich, was nicht zuletzt am gewählten Genre und der Thematik liegt. Gab es dadurch im Vorfeld Probleme einen Geldgeber zu finden?

 

Tim Fehlbaum: Als es klar wurde, dass es ein solcher Genrefilm werden sollte, haben uns einige Leute im Vorfeld davon abgeraten, da sie wohl schlechte Erfahrungen gemacht haben. Wir dachten dann, es wird schwierig diesen Film zu finanzieren, aber wir haben ihn dann so, wie tatsächlich die meisten deutschen Filme finanziert werden, bei der Förderung eingereicht. Die Erste war beim FFF Bayern und zu unserer Überraschung haben die dann auch bei der ersten Einreichung zugesagt. Das war dann so etwas wie der Startschuss. Bis dahin war alles in der Schwebe aber ab diesem Zeitpunkt wussten wir, dass es losgeht.

 

Sofahelden.de: Hell zeigt ja unter anderem die menschlichen Abgründe auf und das teilweise mit sehr drastischen Szenen. Hattest du nie vorher die Angst, dass dies das Zielpublikum evtl. überfordern oder gar abschrecken könnte?

 

Tim Fehlbaum: Interessanterweise hatte ich eine andere Angst, aber zu der komme ich gleich noch. Eine Leitlinie, die wir uns für den Film gesteckt haben war, dass wir die Brutalität und die Gewaltszenen nicht unbedingt zeigen. Es gibt einen alten Satz, der besagt: „Der Horror kann nie so groß sein, wie dass, was im Kopf des Zuschauers passiert.“ Sprich: Wenn man die Fantasie hinzunimmt und die Geschehnisse nicht genau zeigt, ist es meist unheimlicher, als wenn man es sieht. Für uns war also von Anfang an klar, dass es kein Splatterfilm werden sollte. Meine Befürchtung war also eher die Gegenteilige. Nämlich das er den Genre-Leuten, die den Film gucken, zu unblutig ist. Dass diese von dem Film hören, an einen apokalyptischen Thriller denken und damit erwarten, dass es dort entsprechend zur Sache geht. Der Film lief z. B. auf dem Fantasy Filmfest und vor dieser Vorführung war ich sehr nervös, denn dort saßen die Spezialisten drin. Interessanterweise kamen die dann aber nach der Vorstellung zu mir und meinten, dass es so in Ordnung wäre. Schlussendlich fanden die es auch gerade gut, dass dies ausgespart wurde.

 

Sofahelden.de: Der Film lässt tatsächlich vieles offen, was die visuelle Darstellung angeht. Dafür wird aber viel mit Soundeffekten gearbeitet, richtig?


Tim Fehlbaum: Ja, das stimmt. Ich wollte tatsächlich, dass wir in der Ton-Ebene nicht mit Effekten geizen. Wir haben für einen solchen Film außergewöhnlich viel Zeit in die Tonarbeit investiert. Hubert Bartholomae hat an der Mischung gearbeitet und der hat einen wahnsinnigen Job gemacht. Er hat verschiedenste Winde aufgenommen, angelegt und ausprobiert. Wir saßen wohl schlussendlich vier Wochen in der Mischung, was wirklich eine sehr lange Zeit ist. Und das ging nur, weil der Hubert Bartholomae auch mit Herzblut dabei war.

 

Sofahelden.de: Das ist ja nun dein erster Kinofilm und dafür ist er relativ gut gelungen. Woran meinst du, könnte dies liegen? Ist es eher Talent, ist es hart erarbeitet oder war es eher das richtige Thema zum richtigen Zeitpunkt?

 

Tim Fehlbaum:  Es freut mich, wenn du ihn gut findest. So ein Kompliment muss ich an meine Leute weitergeben - ohne sie wäre es nicht möglich gewesen. Das geht los mit den Produzenten Thomas Wöbke, Gabriele Walther und Ruth Waldburger, die mir überhaupt erst die Chance gegeben haben. Sie hatten den Mut diesen Film zu produzieren und haben gesagt: „Tim wir glauben an dich und wir wollen diesen Film machen.“ Es geht dann weiter mit dem ganzen Team. Beim Dreh waren wir wie eine große Familie und es haben alle für eine Sache gekämpft. Ich hatte auch das Glück mit Heike Lange beim Szenenbild, Markus Förderer als Kameramann, Leonie Leuenberger bei den Kostümen, dem Cutter Andreas Menn oder - wie schon erwähnt - beim Ton. Alle waren mit Engagement dabei. Da war so eine Stimmung, die hat dem Film enorm viel geholfen. Das ist also nicht alleine mein Verdienst. Der nächste Punkt sind die Schauspieler. Ich hab mir einfach gedacht, ich besetze ihn so gut wie möglich, dann kann ich mich mehr um die technischen Aspekte im Film kümmern. Diese Schauspieler haben alle viel mehr Erfahrung als ich und ich habe deswegen in erster Linie von denen profitiert.

 

Sofahelden.de: Ist es nicht bei so einem Film, und gerade wenn es das Erstwerk ist, schwierig, an solche hochklassigen Schauspieler ranzukommen?

 

Tim Fehlbaum:  Ja, das war auch teilweise schwierig wie zum Beispiel bei Angela Winkler, welche die Bäuerin spielt. Ich hatte relativ früh die Idee, dass sie diese Rolle machen könnte, weil sie dieses gewisse abgründige in den Augen hat. Ihr haben wir das Drehbuch zu lesen gegeben und sie hat erst zugesagt, dann aber plötzlich wieder zurückgezogen. Da war es dann richtig schwierig. Da bin ich dann wirklich von München nach Berlin gefahren, hab sie in ihrer Wohnung belagert und zu ihr gesagt: „Frau Winkler ich bin jetzt hier und ich werde nicht eher gehen, bis Sie mir zugesagt haben!“ Teilweise hat es also sehr viel Überzeugungsarbeit gekostet, aber als sie dann dabei war, stand sie auch 100% hinter dem Film.

Sofahelden.de: Wahrscheinlich war es für dich jetzt eine Menge Trubel rund um den Filmstart. Was steht als Nächstes bei dir auf dem Plan, wenn alles vorbei ist?

 

Tim Fehlbaum: Ehrlich gesagt weiß ich das noch nicht. Im Moment bin ich noch darauf fokussiert, diesen Film ins Kino zu bringen und das ist erst mal das Wichtigste. Danach werde ich dann gucken, wie es weitergeht. Es wird aber wohl etwas Dunkles oder Düsteres werden und sicherlich wird es keine Komödie sein. Ich mag selber Komödien, aber ich glaube auch, dass Komödien mit zum Schwierigsten gehören, was man machen kann. Die Leute zum Lachen zu bringen ist sehr viel schwieriger, als sie zum Gruseln zu bringen. Das hat Billy Wilder schon mal gesagt. Ich hab auch eher eine Faszination für düstere Stoffe.

 

Sofahelden.de: Dürfen wir denn einen vielversprechenden Zombiefilm erwarten?

 

Tim Fehlbaum: *lacht* Das kommt jetzt natürlich darauf an, wie alles läuft. Das Thema lässt mich aber nach wie vor nicht los.

 

Sofahelden.de: Ist also ein deutschsprachiger Romero  im Kommen?

 

Tim Fehlbaum: Das wäre hoch gegriffen. Romero macht natürlich mitunter die besten Zombiefilme. Jetzt gab es aber zuletzt sehr viele Filme dieser Art, genauso wie es auch viele apokalyptische Filme gab. Da muss einem etwas einfallen, dass neu ist an diesem Genre und wenn man da auf etwas kommt, dann ist das natürlich nicht ausgeschlossen.

 

Sofahelden.de: Ok. Danke für das Interview.

 

Tim Fehlbaum: Kein Problem. Danke an dich!




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