Ist Overwatch im E-Sport angekommen?

Ist Overwatch im E-Sport angekommen?

Genre: Eventbericht
FSK 16

Ist Overwatch im E-Sport angekommen?   23.08.2016 von Chino

Overwatch hat über 10 Millionen Spieler auf drei Plattformen und die Entwickler haben Cheater weitestgehend unter Kontrolle. Blizzard ist scheinbar nun auch im First Person Shooter-Markt (FPS) angekommen. Nach Hearthstone und Heroes of the storm baut man die eigene Marke weiter aus. Muss man auch, denn World of Warcraft kommt langsam in die Jahre und läuft meist nur für ca. sechs Monate nach Release eines neuen Addons richtig gut. Also singen wir jetzt alle ein Loblied auf Overwatch und den genialen Coup, den man gelandet hat? Nein, vielmehr möchte ich die Frage stellen ob Overwatch mehr ist als ein ziemliches gutes FPS-Teamspiel?


Die Geschichte

 

Seit dem Release von Counterstrike 1999 ging eigentlich kaum ein Weg an der anfänglichen Half Life und späteren Stand-Alone-Variante von Valve vorbei. Das simple Spielprinzip - Böse gegen Gut beziehungsweise Terroristen gegen Anti-Terroristen - bot einen schnellen Zugang und begeisterte rasch die Massen. Mit schnellerem Internet und dem Aufkeimen von Ligen und Cups war Counterstrike lange Zeit der meist gespielte Titel im Netz. Warum ich das erwähne? Weil es damals ein Spiel gab, welches neben Counterstrike existierte und auch eine recht große Fanbase hatte, und zwar Team Fortress. Jener Teamshooter, sowie das erste Battlefield 1942, waren damals die einzige ernsthafte Konkurrenz für die schnell wachsende Counterstrike-Gemeinde. Und heute? Team Fortress erlebte mit Teil 2 eine kleine Renaissance, Battlefield hat unzählige, erfolgreiche Nachfolger, aber in Sachen E-Sport hat nie jemand am Genrethron von Counterstrike gekratzt… bis jetzt!

 

Auftritt Blizzard

 

Nun kommt Blizzard mit einem Spiel um die Ecke was sich aus Allerlei Altem bedient und doch ganz neu ist. Klassisch sind die Anleihen aus Team Fortress wie Geschütze bauen, ein Sanitäter und Unterstützungscharaktere. Gemischt wird dies mit Elementen die uns zum Beispiel aus Unreal Tournament bekannt vorkommen: Domination Maps. Und zu guter Letzt gibt es dann noch Blizzards hauseigene Stärke nämlich das Gruppenbalancing, Helden und Antihelden und Tanks, welche den Schaden einstecken gepaart mit einer eher comichaften Erscheinung wie in World of Warcraft. Alles schon mal da gewesen, aber nicht in dieser Mischung.

 

Nun sollte man meinen dass der Einstieg in das Spiel als alter FPS-Recke recht simpel ist. Ist er auch irgendwie, aber irgendwie auch nicht. Nutze ich „Schnellsuche“, so kann ich bedenkenlos und nach Herzenslust Charaktere ausprobieren. CS-Spieler werden mit dem Soldaten (Soldier) relativ schnell klarkommen während ein Genji oder eine Mei doch etwas mehr Übung benötigen. Aber Hey, Overwatch hat das Prinzip „Easy to learn – Hard to master“ nicht erfunden oder gepachtet. Trotzdem merkt man schnell wo dran man ist, wenn man die sog. „Ranked bzw. Platzierungs-“ Matches spielt.

 

Ranked – Wie die Hassliebe beginnt

 

Zu Beginn sind zehn Spiele zu absolvieren, damit Blizzard einschätzen kann, auf welchem Niveau man sich bewegt (Ranked Level 0-100). Das geht schnell und man weiß in etwa wo man dran ist. Hierbei hat es der Entwickler verstanden, dass Match Making ordentlich zu gestalten. Die Teams werden so zusammen gemischt, dass der Durchschnittsrang in etwa der Gleiche ist. Soweit so gut, ABER es macht hierbei einen gehörigen Unterschied, ob man als Gruppe zum Beispiel mit Teamspeak spielt oder als Einzelkämpfer. Auch hier matched Blizzard zum Beispiel eine komplette 6er Gruppe mit einer Anderen, oder eine 4 + 2 Gruppe mit einem Gegner der sich auch so verteilt. Genau das ist aber auch der Grund warum sich im „Ranked“ schnell die Spreu vom Weizen trennt. Wer „Ranked“ spielt, merkt schnell, dass es im Gegensatz zum „Normalen“ Spiel essenzielle Punkte zu beachten gibt. Tut man dies nicht, kann dies in den bunt zusammen gewürfelten Teams oder auch mit Freunden schnell in Frust ausarten. Deswegen hier die wichtigsten Punkte für Euch.

 

Know your class

 

Blizzard-typisch sollte man trotz überschaubaren drei bis fünf verschiedenen Aktionen die ein Overwatch-Charakter besitzt genau wissen, wann, wo und vor allem wie der Charakter einzusetzen ist. Der beste Bastionspieler (ein Roboter der sich zu einer Gatling Gun transformiert) kann im Angriff bei einer Map, auf der man sich viel bewegen muss, völlig fehl am Platz sein. Hat der Gegner allerdings einen Reinhardt-Spieler (ein Tank mit Rüstung und einem großen Schild) kann ein Bastion das Schild durch seinen unglaublichen Schaden auch schnell zerstören. Und genau dieses Beispiel führt uns zum nächsten Punkt…

 

Know your enemy

 

Neben der Beherrschung der eigenen Klasse ist es mindestens genauso wichtig zumindest zu wissen, was der Gegner mit seinem Charakter anstellen kann. Ist zum Beispiel eine Pharah im Spiel (weiblicher Ironman mit Raketenwerfer) braucht es etwas, was die Indianerin vom Himmel holen kann. Sprich, ich brauche einen Soldier mit seinem MG oder einen McCree, mit seinem starken Revolver. Und vor allem muss ich wissen…

 

...Chars wechseln ist keine Schande

 

Wenn mein Charakter nicht funktioniert und ich wenig hilfreich bin, schaue ich mir an was gebraucht wird (siehe Pharah Beispiel). Es ist nicht unüblich sondern eher sogar Pflicht, im Laufe einer Runde, den Charakter dem Spielgeschehen anzupassen. Was fehlt noch zum Erfolg? Welcher Gegner macht uns das Leben schwer? Brauchen wir mehr Heilung oder Schaden?

 

Kenne die Maps und koordiniert Euch

 

Das ist der schwierigste Punkt von Allen. Wenn wir unseren Charakter beherrschen, wissen welche Klasse gegen welche Klasse wirkt und uns nicht zu fein sind auch zu wechseln um Gegner zu kontern, ist da noch das Thema Maps und Strategien. Ich muss ähnlich wie bei Counterstrike oder gar Leauge of Legends Strategien für Zugangspunkte, Positionen und Spielsituationen auf der Map stetig parat haben. Das heißt also, ich muss wissen, wie und wann der Gegner auf einen Punkt zugreifen kann. Ich muss wissen, wo ich als Zwerg mein Geschütz hinsetze und ich muss wissen, ob ich dieses Geschütz in dieser Situation defensiver oder jener Situation offensiver setze. Ganz besonders muss ich mich aber bezüglich  der ultimativen Fähigkeiten mit meinem Team koordinieren. Ein „schwarzes Loch“ von Zarya welches alle Gegner auf eine Stelle zusammen zieht und ein gleichzeitiges explodieren des D.VA Roboters haben schon so manches Spiel in letzter Sekunde herum gerissen. Dies nur als Beispiel.

 

 

Fazit: Und was heißt das nun in Bezug auf E-Sport

 

Dies alles führt dazu, dass Overwatch rein „Competitive“ gesehen eigentlich gar nicht mit Counterstrike Maßstäben zu messen ist. Viel mehr ist Overwatch aus E-Sport-Sicht eine Mischung aus dem klassischen FPS und einem MOBA. Die Anzahl der Charaktere hat noch nicht die Dimensionen eines League of Legends angenommen, aber der Aspekt von Charakteren und entsprechenden Kontercharakteren sowie die Kombi- und Koordination von Spezialfertigkeiten hebt den Anspruch an den Spieler und das Team in andere Regionen als klassische Shooter. Allerdings steckt die Liga- und Wettkampflandschaft noch in den Kinderschuhen. Auch das hoch- und runterstufen seitens Blizzard brachte ihnen gerade zum Ende der ersten Saison eine Menge Gegenwind aus der Community entgegen. Teils brauchte es drei Siege um ein Level im Ranking zu steigen, wohingegen eine Niederlage den direkten Fall um ein Level bedeuten konnte. Dies hält allerdings nicht die E-Sports-Szene davon ab, bereits namenhafte Clans mit Overwatch Teams zu versehen. Wenn man mich nun fragt, ob Blizzard mit Overwatch einen neuen E-Sports-Titel  veröffentlicht hat, dann lautetet die Antwort: Abwarten. Die Mechaniken und Ansätze sehen mehr als gut aus, aber das Ranking stößt wie erwähnt noch sauer auf. Ich denke aber aufgrund des Interesses seitens großer Clans wird sich Overwatch auf Dauer mit Titeln wie Counterstrike, League of Legends, Starcraft oder DOTA etablieren können. Nur wird dies noch Zeit brauchen – wir werden sehen.




Kommentar verfassen

Schreibe hier einen Kommentar. Du musst einfach alle Felder, die mit einem *-markiert sind, ausfüllen.

Noch 1000 Zeichen übrig

Meine Eingaben merken?

Ich akzeptiere die AGBs


Kommentare[X]

[X] schließen