Joker

Joker

Originaltitel: Joker
Genre: Drama
Regie: Todd Phillips
Hauptdarsteller: Joaquin Phoenix • Robert De Niro
Laufzeit: Streaming (122 Min)
Label: Warner Home Video
FSK 16

Joker   18.10.2019 von LorD Avenger

Die Origin-Story von Batmans Erzfeind Joker wurde schon oft erzählt und angedeutet und doch war man sich nie so recht sicher, ob sie nun der Wahrheit entsprach oder eine verrückte Lüge des Clown-Prinzen sein sollte. Joaquin Phoenix verkörpert den wahnsinnigen Verbrecher nun in einer Geschichte, die sich komplett nur darum dreht, wie der Mann unter der Schminke zum Joker wurde...


Inhalt

 

Die frühen 80er-Jahre sind keine gute Zeit für den Außenseiter Arthur Fleck, aber eigentlich hatte er in seinem gesamten Leben noch keine gute Zeit gehabt. Zusammen mit seiner Mutter lebt er in einem heruntergekommenen Apartment in Gotham City, verdient Almosen mit seinem Job als Clown. In Folge einer Kopfverletzung leidet er an einer Krankheit, die ihn in den unpassendsten Situationen zum heftigen Lachen verleitet, weshalb er von der Gesellschaft noch zusätzlich ausgegrenzt wird. Damit nicht genug, animiert Arthurs ganzes Wesen zahlreiche streitlustige Bewohner der Stadt dazu, ihm gegenüber hangreiflich zu werden. Er vergräbt sich immer weiter in sich selbst und träumt von der unerreichbaren Karriere als Stand Up-Comedian - denn alles, was er möchte, ist den Leuten ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Doch irgendwann läuft jedes Fass über...

 

Der Joker-Film ist derzeit ja in aller Munde und macht Schlagzeilen mit Kinobesuchern, die angeblich schockiert vorzeitig den Saal verlassen mussten. Das kann ich mir ehrlich gesagt nur schwer vorstellen, aber eines ist klar: Der herkömmliche Superhelden-Film ist es definitiv nicht. Natürlich ist er es schon rein vom Titel her nicht, weil es um einen Superschurken und nicht um einen -helden geht, aber dasselbe gilt schließlich auch für Venom mit Tom Hardy und selbst der unterschied sich nicht so wahnsinnig von den üblichen Marvel- und DC-Streifen. Joker allerdings spielt in einer völlig anderen Liga und einem völlig anderen Genre - es ist kein explosionslastiger Actionfilm voller Schießereien, keine spaßige Komödie, kein spannender Thriller. Es ist durch und durch ein psychologisches Drama und das sollte auch jeder wissen, der sich diesen Film anschauen möchte. Auch Heath Ledger hat in The Dark Knight den wahnsinnigen Clown gemimt, doch hat man ihn gefeiert und gemocht, weil man trotz seiner grausamen Verbrechen auch über ihn lachen konnte - wie er da in seinem Krankenschwesterkostüm aus dem Krankenhaus stiefelt, bevor er es mit dem defekten Zünder in die Luft jagt oder wie er den Gangsterbossen seinen Bleistifttrick vorführt. Über die von Joaquin Phoenix gespielte Figur kann man nur schwer lachen, denn dieser Joker ist nicht einfach nur das unterhaltsame Film-wahnsinnig, er ist wirklich ernsthaft krank. Zum einen kämpft er natürlich mit seiner geistigen Behinderung, die ihn unkontrolliert lachen lässt und zum anderen mit offensichtlichen Depressionen. Er hat keine Freude in seinem in jeder Hinsicht elenden Leben, alle Menschen sind herablassend oder sogar grausam zu ihm und sein großer Lebenstraum ist schlichtweg unerreichbar. Im berühmten Comic The Killing Joke hat man sich auch an einer Origin-Story des Jokers versucht und diese wird begleitet mit der Idee "All it takes is one bad day" ("Alles was es braucht, ist ein schlechter Tag") - in diesem Film folgt für den Protagonisten aber ein schlechter Tag auf den anderen und das schon sein gesamtes Leben lang. Alles, was es da noch braucht, ist eine einzige Kurzschlussreaktion, die den Stein ins Rollen bringt.

 

Bildergalerie von Joker (6 Bilder)

Details des Films

 

Da Joker mehr Psychologie-Studie als Unterhaltungsfilm ist, baut er sich auch völlig anders auf. Die schmutzigen Armenviertel von Gotham geben mit ihren tristen Braun- und Grautönen die Stimmung der Geschichte an, die Musik - sofern man die schrillen, fast schon anstrengenden Instrumentlaute so betiteln möchte - ist eher mit einem Horrorfilm zu vergleichen als beispielsweise mit einem flippigen Guardians of the Galaxy. Es gibt viele sehr ruhige und langsame Szenen, in denen niemand spricht und kaum etwas anderes passiert als Joaquin Phoenixs schauspielerische Leistung - und die ist zweifelsohne gut genug, um ihn zumindest ins Rennen um den nächsten Oscar zu schicken. Das war aber scheinbar auch das einzig Reizvolle für den Darsteller an dieser Rolle - dass es tatsächlich eine vollkommene, äußerst anspruchsvolle Charakterdarstellung war und noch wichtiger: Dass es ein alleinstehender Film wird. Zwar hat auch ein junger Bruce Wayne seinen Auftritt und sicherlich wäre es möglich, Phoenix in den kommenden Batman-Filmen Robert Pattinson gegenüberzustellen, aber das scheint tatsächlich eher außer Frage zu stehen.

 

Bilder: © 2019 Warner Bros. Entertainment Inc. All rights reserved


Das Fazit von: LorD Avenger

 LorD Avenger

Dass Leute aus Schock und Entsetzen den Kinosaal verlassen haben, halte ich für nichts weiter als clevere PR - wenn überhaupt, dann sind allenfalls Leute aus Langeweile gegangen. Gerade mit der Heath Ledger-Version vom Joker im Hinterkopf könnten viele Zuschauer mit Sicherheit schwer enttäuscht werden, wenn sie nun in dieses deprimierende Psychologie-Drama hineinstolpern. Obgleich das Ganze in Gotham spielt und auch ein Bruce Wayne vorkommt, sollte man das Ganze wirklich nicht als Comicverfilmung ansehen - gerade auch, weil Phoenix es mit der Rolle bei diesem einen Mal belassen möchte. Es ist ein durch die Bank ernster und in allen Punkten - Handlung, Charaktere, Farbgebung, Musik, Stimmung - deprimierender Film, der sich mit psychischen Krankheiten, Mobbing und Außenseiter der Gesellschaft beschäftigt und dass aus all diesen Gründen am Ende der Joker resultiert ist lediglich Beiwerk, das einzig in den letzten fünfzehn Minuten relevant wird. Phoenix liefert eine grandiose schauspielerische Leistung ab und Joker ist auch ein durchaus gelungenes Drama zur Thematik - man muss nur wissen, worauf man sich einlässt und ob man das möchte. Mir persönlich wären die ersten anderthalb Stunden deutlich zu langsam, dröge und düster gewesen, wenn ich mich nicht an den Gedanken geklammert hätte, dass sich alles doch irgendwie um meinen Lieblingsschurken dreht.


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