Just Cause 3

Just Cause 3

Publisher: Square Enix
Entwicklerstudio: Avalanche Studios
Genre: Action
Sub-Genre: Open World 3rd-Person-Action
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 01.12.2015
USK 18

Just Cause 3   22.12.2015 von Beef Supreme

Rico Rodriguez, Experte für diskrete Diktatorenentmachtungen und zirkusreife Akrobatikeinlagen, kehrt nach 5-jährigem Urlaub wieder ins Zerstörungsbusiness zurück. Nachdem er bereits zwei fiktive Inseln von ihren Unterdrückern befreit hat, ist nun seine Heimat Medici an der Reihe, die, wie soll es auch anders sein, unter der Schreckensherrschaft eines weiteren Tyrannen ächzt. Ob der dritte Ausflug an der Seite Ricos taugt, zeigt der Test...

 

Andere Leute kehren in ihre Heimat zurück, um Verwandte zu besuchen, Freunde zu treffen und die Füße in bekanntem Umfeld und lokalen Spezialitäten hochzulegen. Nicht so Herr Rodriguez. Noch bevor er einen Fuß auf seine Heimatinselgruppe gesetzt hat, steht er unter Beschuss. Unter Flak-Feuer auf einem Flugzeug surfend dürfen die ersten 10 oder 20 Soldaten ins Gras beißen, bevor auch nur das erste Hallo fällt. Der Einstieg ist Programm. Just Cause 3 hält sich nicht lange mit öden Einführungen oder Erklärungen auf, sondern schmeißt den Spieler direkt in eine Orgie der Zerstörung, die vor nichts und niemandem Halt macht. Die Story ist schnell abgerissen und dient eigentlich auch nur als loses Flickwerk, um den Anschein einer Struktur in Ricos Herrschaft des Chaos zu bringen. Die fiktive Insel Medici wird von dem grausamen Diktator DiRavello unterdrückt. Ricos Kindheitskumpel Mario gehört dem Widerstand an und diese brauchen Ricos Hilfe um den unbeliebten Machthaber ans Messer zu liefern. Unterstützt werden die Rebellen von ein paar mehr oder minder bedeutenden Nebencharakteren, die Rico mit Missionen versorgen, um seine Zerstörungswut in eine bestimmte Richtung zu lenken. Große Überraschungen hält die Geschichte kaum parat; die Feindbilder sind von Anfang an klar definiert und eine ausgefeilte Handlung oder geschickt platzierte Plot Twists sollten nicht erwartet werden.


Das macht aber nix, denn die Just-Cause-Reihe steht eher für maximale Zerstörung, übertriebene Explosionen und Over-The-Top-Action. Und genau das bekommt die geneigte Zielgruppe im Übermaß. Wie schon in den vorangegangenen Teilen muss die Macht des austauschbaren Diktators geschmälert werden, indem ihm nach und nach Gebiete entrissen werden. Und da sich Rebellen dazu bereit erklärt haben, alles wieder aufzubauen, was Rico zu Klump schlägt, lässt dieser sich auch nicht lumpen und verbreitet Demokratie American Style: einfach alles hochjagen. Medici besteht aus 3 Inseln, die in einzelne Gebiete unterteilt sind. Diese wiederum enthalten eine gewisse Anzahl an Siedlungen und Militärbasen, die gründlich auseinandergenommen werden wollen. Sobald unzählige Leichen den Asphalt pflastern und alles in Schutt und Asche liegt, gilt die Zone als befreit. Und das wiederholt sich immer und immer wieder, bis irgendwann das Gebiet befreit ist und schlussendlich in ganz Medici nur noch verbrannte Erde verbleibt. Diese Demokratisierungsfeldzüge mit Feuer und Schwert machen anfangs noch jede Menge Spaß, da mittels Ricos Spezialhandschuh alle möglichen Dinge und Menschen miteinander verbunden werden können. Bis zu 6 Objekte lassen sich aneinanderknoten, um dann der exzellenten Physik ihren Lauf zu lassen. Man kombiniere also Hubschrauber mit Benzintank und für den Spaß hängt man noch ein oder zwei Panzerchen dran und schon ist gute Laune vorprogrammiert. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt und die Resultate können einem durchaus die Tränen vor Lachen in die Augen treiben. Insgesamt ist das Spielprinzip aber zu repetitiv, um auf lange Sicht spaßig zu bleiben. Durch kleine Nebentätigkeiten wie Auto- oder Flugzeugrennen wird versucht, etwas Abwechslung von der ganzen Vernichterei zu bieten. Schade nur, dass es auch hier immer nur Checkpoints abzufahren oder –fliegen gilt, was auch eher früher als später zur schnarchigen Pflichtaufgabe verkommt.


Denn diese Nebenaufgaben schalten gewisse Mods frei, die Ricos Equipment aufwerten. Boost für Fahr- und Flugzeuge, mehr Enterhaken, mehr Granaten und und und. All das erhält man aber nur durch das Abarbeiten von Rennen, Zerstörungsaufgaben und dergleichen. Und diese erhält man nur durch Befreien von weiteren Militärbasen und Siedlungen. Ein ewiger Kreis der Vernichtung und Abwechslungsarmut. So groß Just Cause 3 auch ist, und es ist wirklich riesig, so wenig gibt’s eigentlich zu tun. Die Story-Missionen hingegen sind relativ interessant gestaltet, wenn auch in der Regel viel zu leicht. Dafür darf man dann auch mal auf einer Rakete reiten. Leider sind diese Momente, die zumindest eine Zeit lang im Gedächtnis bleiben, ziemlich rar gesät.

 

Punkten kann Just Cause 3 durch eine sehr hohe Dynamik, die den Spieler sehr schnell zu einer mächtigen Kampfmaschine etabliert. Mit ein wenig Übung können in wenigen Sekunden ganze Landstriche entvölkert und riesige Strukturen dem Erdboden gleichgemacht werden. Und auch wenn es an Abwechslung mangelt, was gibt’s geileres als mit einem Kampfjet die Stimmung in der Militärbasis aufzulockern, um dann aus vollem Flug auf Fallschirm und Raketenwerfer zu wechseln. Und bevor man den Boden berührt wird mittels Enterhaken der arme Kampfhubschrauber requiriert. In weniger als 30 Sekunden ist Medici um 100 Soldaten ärmer, dafür aber um unzählige Explosionen und Flächenbrände reicher. Und es macht einfach Laune, weil alles so flüssig von der Hand geht. Der Wechsel zwischen Fortbewegungsmitteln, die Kombination aus Wingsuit und Fallschirm, das Verbinden von explosivem Material über den Enterhaken bei gleichzeitiger Waffenverwendung, all das läuft butterweich und hält das Adrenalin oben. Rico müsste in 10 Spielstunden nicht einmal seine Füße bemühen und trotzdem würde alles um ihn herum in Flammen stehen. Und dieses Gefühl der absoluten Kontrolle über maximale Zerstörung macht unglaublich viel Spaß.

 

Leider dämpft die dämliche KI den Spaß an der Demokratisierung. Taktik braucht’s nämlich so gut wie nie, da sich wirklich alles einfach so abknallen lässt. Klar, es wird zurückgeschossen, aber das war’s auch. Keine Deckung, kein Flankieren, keine koordinierten Angriffe, Medicis Elitesoldaten stehen einfach nur dumm rum, bis sie oft genug getroffen wurden. Das geht zum Teil so weit, dass DiRavellos Truppen Rico die Arbeit abnehmen, weil stumpf ein Luftschlag auf den nächsten folgt. Egal, was sich da unten befindet: Verbündete Truppen oder Zielobjekte, alles Wurst, Hauptsache Rico kriegt eine Rakete auf den Schädel. Nutzt man das, zerstören Medicis Finest ganze Basen, ohne dass Rico auch nur eine Kugel abfeuern muss. Gefährlich ist allein die Masse, denn DiRavello verfügt über endlosen Nachschub und er scheut sich nicht, tausende Soldaten für die Verteidigung eines unbedeutenden Bergdorfes in den Tod zu schicken. Man wird mehr als nur ein paar Tode sterben, denn trotz Ricos Schnelligkeit und Wendigkeit erdrückt ihn das Kreuzfeuer immer mal wieder. Und das führt zu einem der größten Probleme von Just Cause 3: Die Ladezeiten. Auf PS4 und Xbox One können diese bis zu vier Minuten betragen, was einen den Tod noch mehr fürchten lässt als in Bloodborne oder der Souls-Reihe. Das gleiche gilt übrigens auch für Herausforderungen, Nebenmissionen und Schnellreisen. Mit Pech wird nach einem 30-sekündigen Rennen erstmal 3 Minuten oder länger geladen, bevor der Neustart gestattet wird. Wie das durch die Qualitätssicherung gekommen ist, bleibt mir schleierhaft.

 

Bildergalerie von Just Cause 3 (19 Bilder)

Abgesehen davon weiß die Technik aber auf allen anderen Ebenen zu brillieren. Eine sehr hohe Sichtweite kombiniert mit einer liebevoll gestalteten Landschaft umschmeicheln das Auge. Dazu gesellen sich malerische Explosionen und wunderschöne Flammentürme, die sich neckisch hinter physikalisch überzeugendem, voluminösem Rauch verstecken. Die kräftigen Farben mögen nicht jedermanns Geschmack sein, heben aber das fröhliche Ambiente der totalen Zerstörung stimmungsvoll hervor. Unterstrichen wird dieses Gemälde der Gewalt von einem subtilen Soundtrack der sich eher vornehm in Hintergrund hält und die Bühne gönnerhaft den wuchtigen Waffensounds und druckvollen Detonationen überlässt, die durchaus für wackelnde Tapeten sorgen können. Einzig die deutsche Sprachausgabe kann für aufgerollte Fußnägel sorgen, glücklicherweise ist der englische Ton ebenso vertreten und dieser bringt die frivole Stimmung gut gelaunter Rebellen voll zur Geltung. 


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Just Cause 3 ist ein riesiger, auf Hochglanz polierter Spielplatz für Erwachsene. Der eigenen Kreativität werden kaum Grenzen gesetzt und überall gibt’s was in die Luft zu sprengen. Und das macht massiv Laune. Die geniale Physik macht alles mit, was dem inneren zerstörerischen Kind in den Sinn kommt und das Spiel liefert die Werkzeuge dafür. Aber wie das mit Spielplätzen so ist, irgendwann hat man alles gesehen und alles gemacht. Und was bringen mir 30 Schaukeln und 20 Rutschen, wenn es doch immer das gleiche ist? Just Cause 3 verhält sich ebenso. Riesige Insel und massig Zerstörungspotential, das aber kaum genutzt wird. Die seichte Handlung kann nur bedingt begeistern und die ewig gleichen Befreiungsaktionen verkommen irgendwann zur Pflichterfüllung, nur um endlich an diese elenden zielsuchenden Granaten ranzukommen. Etwas mehr Fleisch an diesen hübschen Knochen der Demolierung und Just Cause 3 hätte die Erfüllung des vernichtungsgeilen Gamer-Traums werden können. So ist es ‚nur‘ ein gutes Spiel, dass mit nervig langen Ladezeiten und einer schwachen KI zu kämpfen hat.


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