Killzone 3

Killzone 3

Publisher: Sony
Entwicklerstudio: Guerilla Games
Genre: Action
Sub-Genre: Egoshooter
Art: Vollpreistitel
Erscheinungsdatum: 25.02.2011
USK 18

Killzone 3   11.03.2011 von Beef Supreme

Soldaten schreien in Agonie, Kugeln fliegen an einem vorbei und Gebäude stürzen ein. Jemand brüllt Befehle, die man kaum versteht, weil um einen herum im Akkord gestorben, geschrien und geschossen wird. Verschnaufpausen gibt es nur wenige, denn es gilt schnell wieder nachzuladen und weiter zu feuern. Der Feind schläft ja nicht und rückt weiter vor. So sieht ein Krieg aus, der eigentlich schon längst vorbei ist…

Scolar Visari ist tot. Der Anführer der  feindlichen Helghast liegt seelenlos am Boden. Nachdem Rico, der Kumpel des eigenen Alter Egos Sevchenko, gegen seine Befehle verstoßen und den Diktator mit Blei vollgepumpt hat, beschließt die ISA, die Fraktion der Menschen, den Rückzug anzutreten. Die Hauptstadt Pyrrhus liegt in Trümmern und die Truppen sind versprengt. Natürlich lassen sich die Helghast, liebevoll auch Higs genannt, diese Chance nicht entgehen und rüsten zu einem fulminanten Gegenangriff. Denn der Tod Visaris hat bei Weitem nicht die Kampfkraft und die Moral seiner Truppen geschädigt. Während die ISA Truppen versuchen sich zusammen zu ziehen und einen halbwegs geordneten Rückzug hinzulegen, brodelt es im Helghaster Kriegsrat ganz gewaltig.


Jorhan Stahl, Kopf der privaten Waffenschmiede "Stahl Arms Corporation", denkt nicht im Ansatz daran, die ISA Truppen einfach so ziehen zu lassen. Zudem lehnt er sich gegen die politische Obrigkeit auf und verursacht auch hinter den Fronten einen nicht ungefährlichen Machtkampf. Mit einer neuartigen Waffe will er alle verbliebenen menschlichen Truppen über den Jordan schicken. Rico und Sev, zwei Sergeants unter Captain Narville, bekommen im Laufe der Gefechte Wind  davon mit und wollen Narville überzeugen, dass der Rückzug fatale Folgen habe. Dieser hält aber am Rückzugsbefehl fest...

 

Da ist es also - Das lang erwartete "Killzone 3".  War das Ende des zweiten Teils recht unbefriedigend, setzt der Nachfolger nahtlos dort an, wo sich Sev resigniert auf die Treppe hat fallen lassen. Nach einer brillanten Intro-Sequenz, welche hier und im gesamten Spielverlauf einige Male mehr an gewisse Ereignisse der deutschen Vergangenheit erinnert, geht es auch schon direkt los. Stürzt man noch mit seinem Gefährt die Hügel hinunter, meuchelt man zehn Sekunden später schon etliche Feinde nieder. Dieser Anfang ist bezeichnend für die gesamte Spielzeit. Das Tempo ist enorm hoch und es finden sich kaum Pausen zwischen den Gefechten. Dabei wird eine unglaublich dichte Atmosphäre aufgebaut, die einen wirklich mitten ins Geschehen hinein versetzt. Schreiende Kameraden, Sperrfeuer, vorrückende Feinde und man selbst mittendrin in diesem Irrsinn. Der Spieler kämpft ums eigene Überleben und versucht stupide Befehle der weit entfernten und sicheren Kommandeure auszuführen. Begleitet wird man immer von seinem guten, wenn auch impulsiven Freund Rico, der nebst dicker Wumme auch die Funktion des Sanitäters übernimmt. Stolpert man in zu viele Geschosse ist er auch schon da und flickt einen wieder zusammen.

Obwohl das "Cover-And-Run-Prinzip" mittlerweile etwas in die Jahre gekommen und überstrapaziert wirkt, funktioniert es dennoch ganz gut und erzeugt ein echtes Schlachtgefühl. Wenn einem Leuchtspurmunition über den Scheitel zischt überlegt man es sich gut aufzustehen und wieder drauf los zu ballern. Gerade weil die gegnerische KI durchaus fordernd zu sein vermag. Geben die einen Sperrfeuer, wird man schon von anderen Feinden flankiert und hat alle Messer voll zu tun, nicht abgestochen zu werden. Natürlich ist auch hier nicht alles perfekt und es gibt einige Aussetzer in Form von gegen Wände schießende Helghast oder Kameraden, die sich einfach direkt ins Feuer stürzen. Doch diese Szenen sind eher die Ausnahme. In der Regel hängt man aber auch nicht so sehr am Kanonenfutter. Die meisten Soldaten sterben einfach gesichtslos um einen herum, was auch für die Anonymität des Tötens spricht. Sie sieht halt richtiger Krieg aus.


Und selten wurde dieser so schön dargestellt. Wurde in "Killzone 2" noch die Eintönigkeit der Häuserschluchten bemängelt, wirft man in "Killzone 3" mit abwechslungsreichen Schauplätzen nur so um sich. Pittoresk zerstörte Städte, Eislandschaften mit sichtraubendem Schneesturm, Dschungel mit fleischigem und fleischfressendem Gestrüpp, gigantische Fabriken und sogar ein Weltall-Outdoor-Abschnitt finden sich hier wieder. Und alle Abschnitte kitzeln den Sehnerv an der richtigen Stelle. Fliegende Funken, wogendes, wenn auch feindliches Gras, der schönste Wellengang seit langem und Lensflare und Partikeleffekte, die einem die Tränen in die Äuglein treiben. "Killzone 3" bietet wirklich Abwechslungsreichtum fürs Auge.


Nur leider kann man dies nicht dem Spielverlauf zuschreiben. Wie auch im Vorgänger ist man zu 95% mit dem Töten von Feienden. Die restlichen 5% schießt man nichtfleischliche Ziele über den Haufen oder legt Sprengsätze. Unterwegs ist man entweder auf Schusters Rappen oder die freundliche CPU fährt einen leider etwas zu oft durch die Gegend. Railshooter Missionen, zweifellos der Move-Erweiterung geschuldet, treten etwas zu häufig auf und fordern selbst auf dem härtesten Schwierigkeitsgrad nicht wirklich. Hier und da blitzen zwar kreative Ansätze heraus, doch leider kommen diese entweder viel zu selten vor (Stealth) oder erweisen sich als Mogelpackung (Weltraumeinsatz ist simples Geballer auf Schienen).

 

Auch das neu eingeführte Jetpack weiß nicht wirklich zu überzeugen. Für ein neues Feature findet es zu wenig Verwendung, was wirklich sehr schade ist, da es viele neue taktische Möglichkeiten eröffnet und zudem sehr leicht steuerbar ist. Auf Gimmicks, wie z.B.  versteckte Gegenstände wurde verzichtet, was ebenfalls traurig stimmt. Schade, dass die kreativen Ansätze dem konservativen Gameplay weichen mussten. Im Gegenzug dafür leben Totgeglaubte bekanntlich länger. Es ist doch tatsächlich möglich die Kampagne kooperativ im Splitscreen durchzuspielen! Heutzutage eine Seltenheit am Gamer-Himmel, erfüllt Guerilla die Wünsche derer, die noch Wert darauf legen, nicht nur mit Koreanern sondern auch mit anfassbaren Freunden zu spielen. Danke hierfür!

Aber einer der  schwerwiegendsten Kritikpunkte sind die mangelnden Bosskämpfe. Streng genommen gibt es nämlich nur einen einzigen im gesamten Einzelspieler-Modus, was ganz klar zu wenig ist. Auch wenn er sich über mehrere Instanzen erstreckt, tröstet das nicht über die geringe Anzahl hinweg. Der Multiplayer hingegen kann sich sehen lassen. Zwar findet sich auch hier das allseits bekannte Aufstiegsprinzip über Erfahrungspunkte, dennoch macht es richtig Laune. Ganz klassisch geht es in Guerilla Warfare zu. Der landläufige Durchschnittskillerspielspieler würde es Team-Deathmatch nennen. Daneben finden sich noch Kriegszone, bereits bekannt aus "Killzone 2" und Einsatz, welcher verschiedene Aufträge vorgibt, die es zu erfüllen gilt. Die Neuerungen beschränken sich aber leider nur auf den Modus Einsatz, wohingegen bei den anderen alles beim Alten blieb. Klasseneinteilung findet man auch. Es gibt den Medizinmann, der gefällte Kameraden wieder auf die Beine bringt, den Schrauber, welcher Munitionskisten und Geschütze reparieren und aufstellen kann, und den Schleicher, der ungesehen Feinde abmurkst. Alle Fähigkeiten sind über ein Punktesystem ausbaubar. Auch kommt das neue Jetpack hier viel mehr zum Tragen und man darf endlich angemessen den Tod von oben verteilen. Aufgrund der Unterscheidungen der verschiedenen Klassen bieten sich zahllose taktische Möglichkeiten, was die Kämpfe auf den gut gefüllten Servern so schnell nicht langweilig werden lässt.

 

Die visuelle Technik wurde bereits angesprochen. Kommen wir nun zur Steuerung. Wurde das schwammige Zielverhalten "Killzone 2" herbei orakelt, darf Entwarnung gegeben werden. Über das Pad steuert sich der eigene Recke viel strammer und direkter und ermöglicht so auch auf Distanz präzise den Tod zu säen. Auch Leuchtbobbelschwinger kommen nicht zu kurz, da auch der Move-Controler unterstützt wird. Zu Anfang skeptisch, wurde ich positiv überrascht wie genau es sich zielen lässt. Ein weiteres wirkliches Highlight ist die Vertonung. Ein Score für die Götter wird von überzeugendsten Kriegs-Klangteppichen untermalt. Volle Punktzahl! Doch sollte hier auf die Synchronisation hingewiesen werden. Guerilla war so freundlich viele Sprachen anzubieten. Es sollte dennoch englisch gewählt werden. Ist die deutsche Sprache zwar nicht wirklich schlecht, sind die englischen Stimmen dennoch um Längen besser. Das permanente Gefluche wirkt einfach authentischer, lustiger und inbrünstiger.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Ich bin ein wenig gespalten. Einerseits hat mich die Präsentation umgehauen, denn das Spiel wird grafisch nur von "Uncharted 2" getoppt. Andererseits ist es klanglich für mich eine Referenz,  denn hier knallt es ordentlich aus den Boxen. Insgesamt dämpft das atmosphärische aber etwas eintönige Gameplay etwas den perfekten Genuss. Die gut abzählbaren Bosskämpfe, wenig neue Innovationen und eine nur sieben Stunden kurze Kampagne mit einem unbefriedigenden und abrupten Ende lassen meine Euphorie schrumpfen. Der Multiplayer-Modus hingegen überzeugt auf ganzer Länge. Vielleicht waren meine Erwartungen nach dem grandiosen "Killzone 2" einfach zu hoch, aber dennoch ist "Killzone 3" ist ein sehr guter Shooter, der lediglich sein volles Potential nicht ganz ausschöpft. Es wäre einfach mehr  drin gewesen und der Bad-Ass-Faktor hat im Vergleich zum zweiten Teil etwas nachgelassen.  Trotzdem wurde ich sehr gut unterhalten, denn Krieg spielen kann "Killzone 3" einfach immer noch am besten. Noch eine Randbemerkung zum Schluss. "Killzone 3" ist auch in 3D spielbar. Da  sich arme Studenten aber meist in hardwareabhängigen Nöten befinden, konnte dieses Feature leider nicht bewertet werden. Ich bitte hier um etwas Nachsicht.


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positiv negativ
  • Bombastische Grafik
  • Wahnsinnige Atmosphäre
  • Großartige Musik- und Soundeffekte
  • Splitscreen Co-Op
  • Gelungene Move-Unterstützung
  • Abwechslungsreiche Schauplätze
  • Knackige Action
  • Interessante neue Waffen
  • Intelligente Gegner
  • Taktischer Multiplayer
  • Das schönste Wasser!
  • Zu wenig Bosskämpfe
  • Etwas abwechslungsarm
  • Zu viel Schießen auf Schienen
  • Kampagne zu kurz
  • Maues Ende





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