Legal oder nicht? Der Lockruf der Online-Casinos

Legal oder nicht? Der Lockruf der Online-Casinos

Genre: Online-Casino
FSK 18

Legal oder nicht? Der Lockruf der Online-Casinos   17.12.2018 von CommercialJoe

Ob im Internet, in der TV-Werbung oder als Game-in-Game: Casino-Spiele sind heute allgegenwärtig. Während die meisten Gamer gar nicht über rechtliche Fragen nachdenken, wenn sie ihr Glück am virtuellen Roulette-Tisch versuchen oder die Slotmachine betätigen, haben andere ein ungutes Gefühl bei der Sache. Wie sieht es nun eigentlich mit der Legalität beim Online-Casino aus


Boombranche Gambling

 

Unzählige Online-Casinos buhlen auch in Deutschland mit attraktiven Gutscheincodes inklusive Freispielen oder Bonusguthaben um die Gunst der Spielfreunde. Zahlreiche Games, in denen die Helden (oder Schurken) an Glücksspielen vom klassischen Würfeln in der Hafentaverne der Piraten bis zum Roulette in Las Vegas teilnehmen und beliebte Zockerfilme von "Ocean's Eleven" bis "Casino Royale" machen es leicht, dem Lockruf der Casinos zu erliegen. Die Branche wächst seit Jahren rasant und entwickelt sich dabei immer weiter. So feilen die Anbieter an ausgeklügelten Virtual-Reality-Spielen, bei denen der Spieler nicht mehr zuhause mit dem Tablet auf der Couch hocken, sondern zumindest virtuell in den Casinos von Las Vegas oder Monte Carlo unterwegs sind. Wie das funktioniert, zeigt dieser Bericht des britischen Fernsehsenders Sky News:
 


Da ist die Verlockung natürlich groß, selbst einmal ein Spiel zu wagen. Doch in Deutschland bewegen sich Spieler noch immer in einer rechtlichen Grauzone.

 

Das Glücksspielmonopol in Deutschland

 

Hintergrund ist das staatliche Glücksspielmonopol in Deutschland: Vorgeblich, um Spieler vor Spielsucht zu schützen, darf in Deutschland nur der Staat als Veranstalter auftreten, bzw. Lizenzen vergeben. Solange sich das Glücksspiel auf ausgewählte Spielbanken in Deutschland beschränkte, war dies auch kein Problem. Wer sich beim Roulette oder Black Jack versuchen wollte, musste die Spielbanken aufsuchen, die einem eher elitären Publikum vorbehalten waren und den Normalverbraucher weit mehr abschreckten als die Gefahr der Spielsucht. Am anderen Ende der Skala gab (und gibt) es die leicht schmuddeligen Spielhöllen mit ihren Spielautomaten, die auf die meisten ebenfalls eine eher abschreckende Wirkung hatten. Große allgemein zugängliche Casinos wie in Las Vegas oder im asiatischen Zockerparadies Macau gab es dagegen nicht.

 

Mit dem Aufkommen der Online-Casinos konnte jedoch plötzlich jeder bequem vom eigenen Computer aus am Roulette-Tisch Platz nehmen oder sogar Gleichgesinnte für eine Partie Poker finden. Das deutsche Glücksspielmonopol konnte dabei leicht umgangen werden, denn eine EU-Lizenz genügt schon, um auch auf dem deutschen Markt aktiv zu sein. Sehr großzügig in der Lizenzvergabe zeigen sich vor allem die Mittelmeerinsel Malta und die britische Kolonie Gibraltar (wobei letztere durch den bevorstehenden Brexit ihren Zugang zum EU-Markt verlieren könnte). Online-Casinos, die mit einer Lizenz aus Malta oder Gibraltar ausgestattet sind, dürfen ihre Angebote also nach Ansicht des Europäischen Gerichtshofes legal in Deutschland präsentieren, doch für die deutsche Regierung agieren die Casinos (und damit auch ihre Nutzer) in einer Grauzone. Wer kleine und größere Gewinne anstandslos ausgezahlt bekommt, braucht sich vermutlich keine Gedanken zu machen, doch bei rechtlichem Ärger mit einem Casino stehen deutsche Zocker dann oft ohne Hilfe da.

 

Das Warten auf Änderungen

 

Schon 2010 hatte der EuGH das deutsche Glücksspielmonopol in einem Urteil gekippt und eine Öffnung des Glücksspielmarktes gefordert. Geschehen ist seitdem – nichts. Die Regierung verschleppt Gesetzesänderungen bis heute. Der Grund liegt auf der Hand: Der Staat profitiert als Monopolist von üppigen Steuereinnahmen, auf die er nur ungern verzichten möchte. Dabei entfallen schon jetzt über 80% der Einnahmen auf private Anbieter aus dem In- und Ausland, deren Anteil nur noch weiter steigen wird.

 

Und was ist mit der Spielsucht?

 

Jeder Gaming-Freund kennt die alte Litanei, dass Games süchtig machen oder sogar zu Gewalt anregen. Kaum anders verhält es sich mit den Online-Casinos: So wie sich der ein oder andere tatsächlich komplett in der virtuellen Welt von "World of Warcraft" oder "Fortnite" verliert und dadurch spielsüchtig wird, gibt es auch immer wieder Zocker, die die Kontrolle über ihr Verhalten verlieren. Doch dies sind eben Ausnahmen. Wichtig ist bei Casinos vor allem die Kontrolle über die eigenen Finanzen: Jeden Monat sollte nur ein fixer Betrag für das Spielvergnügen aufs Onlinekonto eingezahlt werden. Ist das Geld nach einer Pechsträhne verspielt, muss genug Selbstdisziplin da sein, um erst wieder im nächsten Monat eine neue Einzahlung vorzunehmen – ähnlich wie der monatliche Mitgliedsbeitrag im Fitness-Studio, für Netflix oder unzählige andere Hobbies. Die Versuchung ist groß, noch einmal mehr Geld in die Hand zu nehmen, um den Verlust auszugleichen, doch wer ihr nachgibt, macht den ersten Schritt zur Sucht.

 

Bild 1: ©istock.com/audioundwerbung
Bild 2: ©istock.com/mediaphotos




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