Lococycle

Lococycle

Publisher: Microsoft
Entwicklerstudio: Twisted Pixel Games
Genre: Action
Sub-Genre: Trash-Action-Railroad-Shooter
Art: Downloadtitel
Erscheinungsdatum: 22.11.2013
USK 12

Lococycle   28.12.2013 von GloansBunny

Man nehme ein Paar gelangweilte Spieleentwickler, eine völlig abgedrehte Idee, eine ordentliche Portion Quicktime-Events und eine Ladung Realfilm-Sequenzen, werfe alles in einen Topf und schüttle es so lange, bis ein absolut wirres Downloadgame daraus entsteht. Was Lococycle mit den Synapsen einer Spieleredakteurin veranstaltet, klärt folgender Test ...

 

"Mein Name ist IRIS. Nein, ich bin kein kleines Mädchen und nein, ich bin auch nicht ein Teil eures dämlich glotzenden Sehorgans. Wie ihr ja wohl unschwer mit euren biologischen Glupschaugen erkennen könnt: Ich bin ein Cyber-Motorrad aus der Zukunft, das blöd im Lager eines Waffenkonzerns namens Big herumsteht. Während die Idioten aus der Roboter-Fraktion wie Coolio persönlich durch die Weltgeschichte fliegen und außer dummen Sprüchen und lockeren Schrauben nur Luft in ihrem leeren KI-Hirn haben, verstaube ich hier wie ein Trottel im Outsource-Zentrum der Firma. Mir ist stink langweilig und kein Schwein weiß meinen mechanischen Astralkörper samt High-Tech-Lack zu schätzen. Und warum? Weil ... Weil ... Ach, keine Ahnung, ist ja auch scheiß egal! Ich hab die Schnauze voll! Die können alle mal meinen U-Turn lecken, ich bin raus aus der Nummer ... Ich bin IRIS, das Über-E-Bike! Ich bin schlau, ich bin schön, ich bin der beste fahrbare Untersatz auf dieser verdammten, hässlichen Welt! Ich ... Hey, wer zur Hölle ist denn der komische Typ, der da kreischend mit seinem rechten Bein an meinem U-Turn festhängt?! Pablo?! PABLO?! Mein leibeigener, auf Spanisch vor sich hin quiekender Mechaniker? Ups, den muss ich wohl übersehen haben, als ich vorhin aus der Fabrik getürmt bin. Egal, so ein menschliches Anhängsel eignet sich sicher hervorragend als Nahkampfwaffe. Werd ich doch gleich mal testen. Fresst meine staubigen Abgase, ihr Nasen!"

 

Steuerung und Sound: Tasteneinerlei, oh hilf mir doch, auf dass ich dem spanisch-englischen Ghul entfliehe ...

 

Lococycle ist neben seiner abgedrehten Grundidee, ein spaciges Motorrad mit eigenem Kopf samt menschlichem Anhängsel zu steuern, eine Mischung aus Railshooter und Actiongame. IRIS beschleunigt fast selbstständig und muss via linken Analogstick an auftauchenden Hindernissen vorbei manövriert werden. Wer bremst verliert, also haben die Entwickler mal eben komplett auf einen verlangsamenden Knopf verzichtet. Stattdessen schießt oder prügelt man per Aktionsbuttons und Schultertasten auf herannahende Gegner oder meistert mit eben gleichen Tasten mitunter sehr fordernde Quicktime-Reaktionstests. Ein Turbo-Boost beschleunigt zu guter Letzt das Bike auf über 300 Km/h und fertig ist es, das eingängige, simple, aber extrem träge reagierende Tastenlayout.

 

Beim Thema Geräuschkulisse repräsentiert Lococycle perfekt seine verrückt-masochistische Ader. Während IRIS seinen Mechaniker herrlich sarkastisch auf Englisch halb tot quatscht, winselt und bettelt Pablo auf Spanisch vor sich hin. Der Bike-Synchronsprecher vermittelt durchaus den ein oder anderen Wortwitz, doch nach einer halben Stunde permanentem Gequatsche geht auch den besten (und sich wiederholenden) Wortwitzen der Sprit aus. Der fetzig-trashige Elektrosoundtrack geht in der Flut an nicht enden wollenden Dialogen komplett unter. Verschnaufpausen für die klingenden Spielerohren gibt es lediglich in den witzigen Realfilm-Sequenzen. Tipp: Hörzentrum immer wieder runter fahren oder Ohren auf Durchzug stellen. Das schützt vor Tinnitus und linguistischen Querschlägern am besten.

 

Bildergalerie von Lococycle (10 Bilder)

Grafik, Gameplay und Umfang: wenn eine Berg- und Talfahrt in Trümmern endet ...

 

Optisch ist Lococycle irgendwo zwischen XBox 360-Anfangsstadium und PS2-Niveau stecken geblieben. Es gibt unscharfe Texturen mit monotonen Straßenkulissen, arme Animationen und unschöne Kontrasten - aber dies reicht zumindest für den Titel "Grafik-Quasimodo des Jahres". Bis auf die unterhaltsamen B-Movie-Realfilmsequenzen in guter Blu-ray-Qualität vermittelt Lococycle eine Art grafisches Fremdschämen – bedenkt man doch, dass das Spiel für die Next-Gen-Konsole Xbox One erschien. Sich am glühend heißen Auspuff eines auf im Grenzbereich gefahrenen Superbikes zu verbrennen ist angenehmer, als Lococycle zu betrachten.

 

Was muss man nun als durchgeknalltes High-Tech-Motorrad tun, dem langweilig ist? Richtig: ganz schnell abhauen. Blöd nur, dass IRIS aus unerfindlichen Gründen der leibeigene Mechaniker Pablo am Hinterrad klebt. Diese maschinell-menschliche Symbiose erweist sich allerdings als gar nicht so unnütz, zumindest für IRIS. Denn während das Bike durch mehrere, in jeweils drei Abschnitte unterteilte Stages düst, trifft es auf allerlei fahrendes und fliegendes Gesindel. Neben dem flüssigen, unabdingbaren Ausweichen vor unschuldigen Verkehrsteilnehmern steht ballern an erster Stelle. Dies funktioniert ohne Schwierigkeiten oder taktisches Vorgehen – IRIS mäht mit seinen Bordkanonen nämlich alles nieder, was einem Panzer, Jeep oder sonstigem ähnelt. Das sture Tastengehämmere wird dabei immer wieder von Nahkämpfen mit Robotern des Waffenkonzerns unterbrochen, die primär mit Pablo bestritten werden. Während der arme Kerl als fleischgewordene Keule dient und Kombokette an Kombokette reiht, sammelt das Gespann Erfahrungspunkte, die in unwichtige, das Spiel nicht beeinflussende Upgrades investiert werden dürfen. Einen weiteren Teil des witzig inszenierten, aber enorm monotonen und sich immer und immer wiederholenden Gameplays bilden die Quicktime-Events. Die richtige Taste zum richtigen Zeitpunkt gedrückt führt zu trashigen Kontern oder simplen Blockademanövern. Allerdings ist "der richtige Zeitpunkt" ein dehnbarer Begriff, denn selbst ein nach einer Ewigkeit gegebener Tastendruck führt zum Erfolg.

 

Und auch sonst ist die Herausforderung von Lococycle eher verhalten. Kollisionen und Energieverlust verlangsamen das Bike nur, ein virtuelles Ableben ist nur schwer zu erreichen, selbst wenn man es darauf anlegt. Die Bossfights am Ende der Hauptstages sind nicht der Rede wert, zumal nur die wenigsten Spieler in den "Genuss" aller drei Endgegner kommen werden. Dies liegt allerdings weniger am anspruchslosen Schwierigkeitsgrad als viel mehr an der fehlenden Abwechslung im Gameplay. Immer und immer wieder die gleichen Abläufe in viel zu tristen Kulissen führen zu nichts als Langeweile und schlussendlich dem spontanen Entgleiten des Spielers in eine erholsame Tiefschlafphase. Da können einen leider auch die durchaus amüsanten, inhaltslosen, aber witzig inszenierten B-Movie-Realfilmsequenzen nicht mehr aufwecken. Die skurrile Idee hinter Lococycle verliert ihren Trash-Charme leider an die mangelhafte, langweilige Umsetzung.


Das Fazit von: GloansBunny

GloansBunny

Ein Motorrad mit enormer KI und noch größerem Ego, an dessen Hinterrad ein Mechaniker hängt und als Waffe dient? Klingt unheimlich absurd und weckt die Neugierde! Nun ja, ich habe es gespielt, das Downloadgame Lococycle auf der Xbox One. Und was soll ich sagen? Ähm ... Tja ... Es ist Müll ... Trash ... Schrott ...

 

Die witzige, abgedrehte Grundidee mit unterhaltsamen Gameplayansätzen hat durchaus Potenzial. Doch das Spiel scheitert an extremer Monotonie, permanenten Wiederholungen und mehr als karger Optik. Die sarkastischen Kommentare der menschlich-maschinellen Mechaniker-und-Bike-Symbiose nerven nach kurzer Zeit, die spärlich detaillierten Kulissen und immer gleichen Gameplayabläufen bieten keinerlei Abwechslung und Langzeitmotivation sucht man vergebens. Der einzige Lichtblick sind die amüsanten Realfilm-Zwischensequenzen in B-Movie-Qualität. Lococycle ist wirklich nichts für jedermann. Müllsammler und Kakerlaken könnten eventuell Gefallen an diesem Railroad-Action-Irgendwas-Dazwischen-Game finden. Alle anderen sollten nur dann zugreifen, wenn sie eine masochistische Ader in sich haben oder das Spiel für unter fünf Euro auf dem Marktplatz zu finden ist.


Die letzten Artikel der Redakteurin:


positiv negativ
  • Witzige und skurille Grundidee
  • Gute Gameplayansätze
  • Schräge B-Movie-Realfilmsequenzen
  • Grafik bewegt sich auf PS2-Niveau
  • Preis viel zu hoch
  • Monotone und langweilige Missionen
  • Keine Abwechslung im Gameplay
  • Dauergequassel der Charaktere unheimlich nervig





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