Lords of Chaos

Lords of Chaos

Originaltitel: Lords of Chaos
Genre: Drama • Biografie
Regie: Jonas Åkerlund
Hauptdarsteller: Rory Culkin
Laufzeit: DVD (117 Min) • BD (117 Min)
Label: Studio Hamburg Enterprises
FSK 18

Lords of Chaos   05.04.2019 von Beef Supreme

Black Metal. Eine Musikrichtung, der kein guter Ruf anhaftet und deren Hörer auch heute immer noch häufig als Nazis und Satanisten abgestempelt werden. Dieses Klischee ist nicht ganz unbegründet, wenn man sich die Anfänge des True Norwegian Black Metal ansieht, die das Buch Lords of Chaos behandelt. Der gleichnamige Film zum Buch bietet Einblicke in die Anfänge der Szene aus der Sicht von Øystein Aarseth, besser bekannt als Euronymous, dem Gründer der berüchtigten Black-Metal-Legende Mayhem. 

 

Inhalt

Der Film startet mit einem Monolog Euronymous‘ in dem er gleich klarstellt, dass die Geschichte um ihn, seinen Lebensweg und Mayhem kein gutes Ende finden wird. Wer sich mit der Szene beschäftigt, dem wird klar sein, was gemeint ist, aber auch für Kenner der Umstände bietet der Film spannende Einblicke in die Abgründe der Black-Metal-Szene Norwegens der späten 80er Jahre. Gezeigt werden die Anfänge Mayhems als Garagen- bzw. Kellerband. Auch das Schicksal des ersten Sängers Per „Dead“ Yngve Ohlin wird thematisiert. Seine Depressionen, sein Selbstmord und wie Euronymous aus seinem Tod Kapital schlug. Mit eindrucksvollen Bildern versucht der Film, dem Zuschauer die Zustände und Abgründe der Szene zu vermitteln, wie lebensverachtend und nihilistisch die „wahren“ Black-Metaller sind und dass der Tod für sie kein dramatisches Ereignis darstellt. Dass man das Ganze aber auf ein ganz neues Level heben kann, zeigte Kristian Vikernes, besser bekannt als Varg. Als dieser Euronymous‘ Weg kreuzte und sich die beiden, Brüder in der Gesinnung, anfreundeten, geriet die Spirale aus immer extremeren Aktionen immer mehr außer Kontrolle.

 

Lords of Chaos. Der Name ist Programm. Eine gesittete Gesellschaft war den Schwarzmetallern zuwider. Das Christentum gehört abgeschafft, ihre Anhänger getötet. Einzig Schwärze und Dunkelheit regieren das Leben und Satan ist ihr Heilsbringer. So die nach außen dargestellte Mentalität der Anhänger. Der Film schafft es allerdings, auch Einblicke hinter den Nihilismus der Akteure zu geben. Er zeigt, dass die ganzen lebensverachtenden harten Typen mit ihren furchteinflößenden Corpse Paints eigentlich nur Menschen waren, die Spaß haben wollten. Partys an Lagerfeuern, Alkohol, Frauen, das klassische Programm eben, wenn man jung ist. Er zeigt aber auch, dass manche von ihnen ernsthafte Probleme hatten, aber nicht imstande waren, diese zu äußern. Dabei geizt der Film auch nicht mit drastischer Darstellung, gerade im Falle des Selbstmords von Dead. Aber auch abseits der krasseren Ereignisse bleibt der Film stets interessant und bereitet das Leben des Mayhem-Gründers spannend auf. Der Weg zu seinem eigenen Plattenladen und Label, die beginnende Freundschaft mit Varg und die langsam aufkeimende Rivalität der beiden, all das liefert der Film mit einem guten Gespür für Timing und Inszenierung, bevor die Gewalt wieder zunimmt und die Situation immer weiter eskaliert. Ein großes Lob gebührt dabei dem durch die Bank herausragenden Cast, die aus diesem Film das machen, was er ist. Wirklich jedem nimmt man sofort ab, dass er der Szene zugehörig ist. Gerade die beiden Hauptrollen liefern konsequent auf höchstem Niveau.

 

Bildergalerie von Lords of Chaos (11 Bilder)

Details der Blu-ray

 

Norwegen, Kälte, Trübsal, Einsamkeit. In der Black-Metal-Szene sowieso, all das weiß der Film mit passend inszenierten Bildern in Szene zu setzen. Qualitativ gibt es überhaupt nichts an der Optik auszusetzen, ganz im Gegenteil, die Atmosphäre wird grandios eingefangen. Sei es die Tristheit des heruntergekommenen Kellers oder die Einsamkeit der verschneiten Wälder. Gelegentlich finden auch Schwarz-Weiß-Aufnahmen ihren Weg in den Film, die, obwohl gefaked, sehr glaubhaft den Eindruck von Original-Aufnahmen erzeugen. Und trotz gelegentlicher Wackelkamera und vielen Aufnahmen in Dunkelheit leidet die Bildqualität nie darunter. Über den Sound muss nicht viele Worte verloren werden. Hier passt wirklich alles. Die Musikauswahl ist großartig und immer zielgenau eingesetzt unterstreicht sie die jeweilig gewünschte Atmosphäre. Einzig die Synchronisation kann nicht ganz mithalten. Die deutschen Sprecher liefern zwar einen soliden Job ab, doch sollte man den Film im englischen Original genießen.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Dieser Film ist ein Mahnmal dafür, wohin falsch verstandene True-ness führen kann, aber auch überzeugend die Menschen hinter dem Corpse Paint beleuchtet. In ernsthaftem Ton, aber nicht ganz humorbefreit liefert Lords of Chaos Einblicke in eine Szene, die von vielen stigmatisiert und gemieden wird. Und das auf eine Art und Weise, dass die zwei Stunden wie im Flug vergehen. Lords of Chaos ist ein Pflichtwerk für jeden, der sich für die Szene oder Black Metal interessiert. Und auch allen anderen kann ich dieses Meisterwerk nur empfehlen.


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