Lost Colony

Lost Colony

Originaltitel: Wraiths of Roanoke
Genre: Horror/Mystery
Regie: Matt Codd
Hauptdarsteller: Adrian Paul • Frida Farrell
Laufzeit: 88 Min.
Label: MIG Filmgroup
FSK 16

Lost Colony   08.03.2011 von Beef Supreme

Man nehme eine wahre Begebenheit der amerikanischen Siedlerzeit, kaum Budget, zweitklassige Darsteller, klaue sich noch ein wenig durch die Mythologien, verfasse ein wirres Drehbuch und achte darauf, nur grottige CGI-Effekte zu verwenden. Dies menge man dann zu einer abgehobenen Geisterstory und herauskommt: Lost Colony.

 

Wir schreiben das Jahr 1587. Britische Kolonisten haben es tatsächlich geschafft, nicht vom Rand der Erde zu stürzen und erreichen die Insel Roanoke, welche vor dem heutigen North Carolina liegt. Ananias Dare und seine Frau Eleanor, fett weil trächtig, befinden sich ebenfalls auf dem Schiff und gedenken mit 106 weiteren Siedlern das Fort auf der Insel zu bevölkern. Doch irgendwas ist faul im Staate… ,den es bis dato noch nicht gab, also nur im Fort. Ananias findet einen aufgeknüpften Mann in der Scheuer, der mit seinem Blut nordische Runen an den Dachbalken geschmiert hat, bevor er mit Hanfkrawatte vom Stuhl sprang. Zudem verschwinden immer mal wieder irgendwelche Statisten und werden von drittklassig animierten Baumgeistern im Wald verschlungen, oder so ähnlich.
 

Als ob das nicht genug Leid wäre, wird Eleanor, die Schwangere, von Albträumen geplagt, in denen ihr zukünftiges Baby von einer verwesten Hutzelhexe entführt wird, oder worin grimmige Nordmänner wehrlosen Hexen die Zunge herausreißen. Doch keine Furcht, Ananias hat einen Indianerkumpel, Manteo, der sich vortrefflich mit Geistergeschichten und Friedenspfeife rauchen auskennt und dieser erzählt etwas von unsagbar Bösem im Wald. Die Ernte geht ein und Ananias Kumpels verüben daraufhin ungefragt einen blutigen Angriff auf die Indianer, welche zudem noch verdächtigt werden, einige Siedler gelyncht zu haben. Die Siedler verwirken so die Möglichkeit auf dem Festland Schutz zu suchen, da die Rothäute es nicht gern sahen, als ihre Frauen darnieder geschlachtet wurden. Also heißt es auf der Insel ausharren, hier und da verwirrte Wachleute sterben lassen und versuchen die Geistergestalten abzuwehren oder am besten gleich ganz aufzuhalten, was eben besser passt.


Lost Colony erzählt eine wahre Geschichte. Ja, Herrn Ananias, im Schlepptau mit Frau, Kind und manischen Indianermördern, gab es wirklich, ebenso wie die Insel und das rätselhafte Verschwinden der Siedlung. Also flugs eine Geisterstory drumherum geflickt und schon darf auf Zelluloid gebannt werden. Zu allererst fällt auf, dass die Herren und Frauen Siedler ständig perfekt gestylt sind. Trotz schlammigem Fort, unbefestigten Straßen, Feldarbeit und Angstschweiß schaffen es alle durchgehend sauberen Zwirn zu tragen, und sich gewaschenen Hauptes zu fürchten. Auch andere Ungereimtheiten lassen sich nicht lange bitten und geben sich gegenseitig die Klinke in die Hand. Ein Beispiel oder zwei:
 

  • Niemand weiß, was es mit den Geistern auf sich hat, auch der forteigene Priester hat keinen Plan. Aber jeder weiß, wie sie zu bekämpfen sind und behalten auch noch Recht.
  • Ananias kann fließend altnordisch lesen, obwohl Runen schon lange nirgendwo mehr Verwendung finden.
  • Bei besagtem Angriff auf die Indianer landen 7 oder 8 Soldaten auf der Insel, pirschen sich in hellstem Tageslicht mit ihren Kettenrüstungen und Hellebarden an Indianer heran, welche selbstverständlich taub, blind und doof sind. Nach dem Angriff kehren 3 Soldaten zurück und haben unterwegs 12 Mann verloren. Hä?


Insgesamt kann man den Film als gescheiterten Versuch ansehen, ernst genommen zu werden. Sicher lässt sich viel den mangelnden monetären Möglichkeiten zuschreiben, doch so lässt sich kein verunglücktes Drehbuch rechtfertigen. Denn die Geschichte um ein paar schlecht animierte Geister, welche schlecht darstellende Siedler umhauen wollen, wirkt von vorne bis hinten konstruiert und mit zunehmender Laufzeit auch zunehmend handwerklich sowie logisch schlecht umgesetzt. Zudem wird zu keiner Zeit erklärt, was die Siedler ihnen getan haben, was sie mit kleinen Kindern anfangen wollen oder was der Styx mit Valhall, Flößen oder Wasserbarrieren zu tun hat.

Die technischen Aspekte wurden ja bereits angeschnitten. CGI-mäßig sollte man sich nicht auf besondere Augenschmankerl einstellen. Dafür war ganz offensichtlich kein Geld mehr da. Die Kulisse jedoch wirkt durchaus stimmig, wenn auch das Indianerdorf einen etwas aufgesetzten Eindruck erweckt. Das Bild aber ist klar, nicht zu dunkel und gestochen scharf, was selbst bei Blu-rays nicht immer selbstverständlich ist. Der Ton macht seine Sache ebenfalls gut und die deutsche Übersetzung kann sich hören lassen. Schauspielerisch liegt nicht alles im Argen, aber wirklich gut ist das Gezeigte nicht. Das Timing der Sterbeanimationen stimmt so gut wie nie. Röcheln, obwohl sich der Digitalast noch nicht einmal um den Hals gelegt hat, wirkt einfach nicht. Die Hauptdarsteller hingegen machen ihre Sache akzeptabel, erwartet man B-Movie Unterhaltung. Nur die Extras lassen zu wünschen übrig. Findet man noch ein FSK-Logo befreites Wendecover, gibt es aber nur 4 Trailer, von denen einer auf Russisch ohne Untertitel daherkommt. Etwas mager.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Ei der Daus, was war in diesem Film eigentlich los? Abgesehen davon, dass einige Geister den Lebenden das selbige schwer machen, gab es doch nichts in diesem Film. Abgesehen von Ungereimtheiten, ein paar Toten und ein Mischmasch aus Mythologien. Die zwei, drei aussichtslosen Kämpfe gegen Geister stellen das Highlight eines ansonsten aktions- und geldarmen Filmes dar, welcher vor sich hin plätschert und versucht irgendwie zum Ende zu kommen. Zum Schluss musste ich an mich halten, um nicht ob der vollkommen abgedrehten Idee lauthals loszulachen. Ob Styx oder Valhall, die Götter haben sich abgewandt.


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