Madagaskar 3D

Madagaskar 3D

Originaltitel: Madagaskar 3D
Genre: Dokumentation
Regie: Timo Joh. Mayer
Hauptdarsteller: Lemuren
Laufzeit: ca. 47 Minuten
Label: Ascot Elite
FSK 21

Madagaskar 3D   03.09.2013 von Benji

Wenn Lehrer keine Lust haben, etwas vorzubereiten oder schlichtweg nicht wissen, wie sie die Schüler beschäftigen sollen, kramen sie gerne mal Videos heraus. Die meisten dürften diese Art der „Pädagogik“ kennen, die vor allem in Geschichte und Erdkunde an der Tagesordnung waren und vermutlich auch noch sind. Als Schüler hat man das meistens gemocht, konnte man dabei doch relativ gut den Kopf ausschalten, ohne zu sehr gestresst zu werden. Wer sich nun gerne an diese Zeit in der Schule zurücksehnt, der kann das jetzt mit dieser Dokumentation machen – und das sogar in 3D...

 

Madagaskar! Ein Land wie kein anderes. Die Insel vor der Küste Südafrikas lebte lange Zeit ohne größere Einflussnahme des Menschen. So konnte sich dort ein Lebensraum formen, der verglichen mit dem Rest der Welt eine bizarre Anziehungskraft und Schönheit besitzt. Die absoluten Stars auf der Insel sind die Lemuren. Dabei handelt es sich um putzige affenähnliche Tierchen, die, traut man dem gleichnamigen Animationsfilm, ein verdammt gutes Rythmusgefühl haben („I like to move it“). Sie tummeln sich an den meisten Orten auf der Insel, hängen von den Ästen, schnappen sich ein paar Blätter und lassen den Tag total entspannt ausklingen.

 

Neben den Lemuren finden sich auf Madagaskar eine ganze Reihe unglaublich vielfältiger Tiere. Von Krokodilen oder seltenen Kuh-Arten, bis hin zu verschiedensten Rassen von Chamäleons – Tierfreunde kommen in Madagaskar auf ihre Kosten. Schade deshalb nur, dass die 3D-Dokumentation Madagaskar 3D ihr Ziel, die Insel ins Wohnzimmer zu transportieren, total verfehlt.

 

Es beginnt mit einem Schockstart, den wohl kaum ein Gruselfilm hätte besser hinkriegen können. Nachdem man mithilfe diverser Vorfilme und Trailer bereits sanft in den katatonischen Halbschlaf gequält wurde, dröhnt zum Beginn der Dokumentation ein zerstörender Lärm durch das Wohnzimmer. In absolut menschenverachtender Grausamkeit zimmert eine Fahrstuhlmusik des Todes mit einer gefühlten Lautstärke von 500dB durch den Raum. Der leidenserprobte Sofahelden-Redakteur sucht verzweifelt die eigene Fernbedienung. Wohl wissend, dass die sonst so friedliebenden Nachbaren selbst mit der größten Toleranzgrenze hier eine rote Linie überschritten sehen dürften.

 

Was war passiert? Scheinbar hat niemand der Produzenten einen prüfenden Blick über die Tonspur von Madagaskar 3D gelegt. Denn diese ist gnadenlos überhöht, was nicht nur eine dröhnende Lautstärke auf der Standardeinstellung des Fernsehers bedeutet, sondern auch einen Sprecher, der aufgrund seiner blechernen Stimme kaum noch zu verstehen ist. Wüsste man es nicht besser, könnte man meinen, hier hat man Adolfs Reichstagsrede in der typischen Qualität alter Schellackplatten über den Film gelegt.

 

Bildergalerie von Madagaskar 3D (10 Bilder)

Doch damit ist die gesamte Negativbilanz des Filmes noch nicht erschöpft. Madagaskar 3D ist ein planungslos zusammengeschusterter Dokumentarfilm, der scheinbar ohne Konzept und Idee mit halbwegs annehmbarem 3D-Effekt auf die Besitzer von Heimkino-Anlagen losgejagt wurde. Die bereits erwähnten Lemuren schaffen es in diesem rund 42 Minuten dauernden Film auf eine rekordverdächtige Screentime, die sich irgendwo um die 30 Minuten befinden dürfte. Während sich der fast nicht zu verstehende Sprecher in immer gleichen Plattitüden über „idyllische Landschaften“ und der unberührten Natur ergießt, werden die „putzigen“ Lemuren in ungekannter Dreistigkeit immer wieder vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen, integriert. „Madagaskar hat schöne Hügel – sehen sie hier die Lemuren. Wir haben auch tolle Wiesen, z. B. wie hier mit Lemuren. Sehen sie nur ein Dorf mit hier ansässigen Menschen… und zwischen ihnen sitzen Lemuren“. Wahrlich, diese Insel scheint eine Lemuren-Plage zu besitzen.

 

Nicht zuletzt wegen der mangelhaften Qualität und dem sinnfreien Geschwafel des Sprechers erinnert diese Dokumentation in weiten Zügen an die terroristischen Lehrvideos, die früher in der Schule gezeigt wurden. Man kann nur hoffen, dass kein Lehrer sich in diesen Tagen hinsetzt, um mit Madagaskar 3D seinen Erdkundeunterricht aufzupeppen.


Das Fazit von: Benji

Benji

 

Eigentlich sind die Lemuren ja ganz niedlich. Aber nach dieser rund 45 minütigen Dokumentation braucht mir keiner mehr mit diesen Tieren kommen. Madagaskar 3D hat mir praktisch eine Lemure-Überdosis verabreicht. Am schlimmsten war die technische Qualität der Audiospur, die einfach nur als Totalausfall betrachtet werden kann. Insgesamt ist das schade, denn der 3D-Effekt der Dokumentation ist wirklich gelungen und bietet immer wieder sehr spannende Szenen von „putzigen“ Lemuren, die durch das eigene Wohnzimmer springen.


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