Mall - Wrong Time, Wrong Place

Mall - Wrong Time, Wrong Place

Originaltitel: Mall
Genre: Drama
Regie: Joseph Hahn
Hauptdarsteller: James Frecheville • Cameron Monaghan
Laufzeit: DVD (85 Min) • BD (88 Min)
Label: Splendidfilm
FSK 16

Mall - Wrong Time, Wrong Place   16.02.2015 von Beef Supreme

Joe Hahn, seines Zeichens Plattendreher bei der Nu-Metal Band Linkin Park, erweitert seinen Horizont und versucht sich auch im Filmbusiness. Nach einigen Musikvideos für seine Stromgitarrenkapelle, zelebriert der gute Mann mit Mall sein erstes abendfüllendes Programm. Haben wir hier ein neues Multitalent, oder sollte Joe lieber wieder Vinyl anstatt Filme drehen?

 

Die Anfangssequenz scheint vielversprechend. Was wie ein ganz normaler Morgen im White-Trash Trailerpark anmutet, verwandelt sich schnell in einen kraftvollen Einstiegsmord. Mal (James Frecheville), Schütze und Zündler, hat die Schnauze voll und gedenkt der Welt seinen durchgeladenen Mittelfinger zu zeigen. Eine tote Mutter und einen abgefackelten Camper später folgt der Film Jeff (Cameron Monaghan), einem milchgesichtigen, pseudophilosophen Labersack und Nichtsnutz, wie er sich im Einkaufszentrum lustige Geschichten über irgendwelche Leute ausdenkt und dabei eine ganze Menge Stuss daher quatscht. Es folgen noch weitere Perspektiven von Leuten, die so etwas wie den Querschnitt der amerikanischen Gesellschaft widerspiegeln sollen, ohne dass irgendwie ein roter Faden erkennbar ist. Erst als Mal in der Mall ankommt und wild um sich ballert, könnte man annehmen, dass sich der Film daran erinnert, dass er der werten Zuschauerschaft eigentlich was erzählen will. Daraus wird aber nix, denn es folgt wieder ein Schnitt auf Jeff, der sich erstmal genüsslich Acid schmeißt. Das war’s dann auch mit Story.

 

Mall will wohl vier oder fünf voneinander unabhängige Geschichten erzählen, und diese dann irgendwie intelligent miteinander verknüpfen. Dabei werden hier fünf willkürliche Personen ausgewählt, die alle auf irgendeine Weise einen richtig miesen Tag erleben. Was auf dem Papier durchaus interessant, wenn auch nicht neu, klingt, entpuppt sich ziemlich schnell als lahm inszenierte und mit nervigem Gesabbel vollgestopfte Schlaftablette ohne zündende Ideen. Der Fokus liegt auf Jeff, dem Philosophenteenie, der an allem in der Gesellschaft was auszusetzen hat und das mit möglichst vielen Referenzen zu Hermann Hesses Steppenwolf zum Ausdruck bringt. Ob’s passt, oder nicht ist ihm dabei egal. Interessanter ist hingegen Mal, der so richtig Bock auf Amoklaufen hat. Sein Motiv ist zwar massiv bescheuert - er wurde entlassen - aber seine Sequenzen sind die einzigen die so etwas wie Fahrt in die ganze Sache bringen, auch wenn seine Handlungen nicht wirklich nachvollziehbar sind. Der Film quetscht noch einen perversen Geschäftsmann, der seine Frau betrügt, und eine vernachlässigte Hausfrau, die ihren Mann betrügt, in das Geflecht. Dabei werden diese Nebenstränge aber sehr stiefmütterlich behandelt und uninspiriert abgespult. Hier wäre durchaus noch Potenzial für Charaktertiefe, oder zumindest Ablenkung von Jeff, gewesen. Auf beides wird allerdings verzichtet, sodass alle Charaktere zu flachen Stereotypen verkommen und eher wie Lückenfüller, anstatt essentielle Perspektive erscheinen. Ach ja, fast hätte ich den Fünften im Bunde vergessen. Da gibt's dann noch den Kaufhausbullen, der nix sagen aber dafür ganz toll auf einen Anhänger glotzen darf und eigentlich nur zum Sterben vorbeischaut. Das war dann seine Perspektive.


Auch die Verflechtung der einzelnen Stränge gelingt so gut wie überhaupt nicht. Ausgerechnet Jeff stolpert über einige der anderen Charaktere, aber auch nur, weil es das Drehbuch so will und nicht weil diese Aufeinandertreffen intelligent eingefädelt wurden. Im Acid-Rausch torkelt Jeff von der Mall durch Massen an Sicherheitskräften, die gerade den ganzen Schuppen abriegeln und ihn selbstredend übersehen, in ausgerechnet den Laden, in der besagte Hausfrau traurig an ihrem Cocktail schlürft. Überzeugend geht anders.

 

Bildergalerie von Mall - Wrong Time, Wrong Place (9 Bilder)

Visuell jedoch hat der Film einige interessante Ideen. Gerade Jeffs Trip wird durchaus überzeugend dargestellt, Halluzinationen inklusive. Herr Hahn übertreibt es zuweilen jedoch mit seinem Effektfeuerwerk, es hätte nicht jede Einstellung mit einem Unschärfefilter ausgestattet sein müssen. Abgesehen davon passt die Qualität des Bildes weitestgehend. Hier und da kann man etwas Rauschen erkennen, wenn man das möchte, aber das stört den Gesamteindruck nicht weiter. Akustisch hingegen macht Mall alles richtig. Der Score passt prima zur Atmosphäre, die man über die Bilder erzeugen wollte, auch wenn das nicht immer gelingt. Man merkt, dass die Heimat des Regisseurs eigentlich das Musikbusiness ist. Als kleines Schmankerl für die Fans darf auch Linkin Park ein wenig dazuschrammeln.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Die Grundidee von Mall ist nicht neu, aber auch nicht schlecht - jedoch taugt die Umsetzung nur bedingt. Solch ein Film lebt von seinen Charakteren und deren Nachvollziehbarkeit. Der Film schafft es aber nicht, seinen Charakteren eine Hintergrundgeschichte auf den Leib zu schneidern, die aus mehr als zwei Sätzen besteht und über stereotype Klischees hinausgeht. Darüber hinaus ist die Verflechtung der Einzelschicksale mehr als fragwürdig, so dass ich mir mehr Gedanken über die Logik, als über das Gezeigte gemacht habe. So plätschert diese Pseudokritik an der Gesellschaft belang- und strukturlos dahin, überreizt streckenweise das Sehzentrum mit einer Effektlawine, und jagt einem Hermann Hesse um die Ohren. 


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