Maneater

Maneater

Originaltitel: Maneater
Genre: Horror
Regie: Gary Yates
Hauptdarsteller: Gary Busey • Ian D. Clark
Laufzeit: Ca. 90 Minuten
Label: SchröderMedia Handels GmbH
FSK 16

Maneater   24.05.2012 von Beef Supreme

Wer kennt das Problem nicht? Man ist auf einer Party eingeladen und merkt prompt, dass etwas fehlt. Handy? Nein, ist da. Autoschlüssel? Ja, auch vorhanden. Portemonnaie? Check! Tiger? Verdammt, ich wusste, dass etwas fehlt. Aber zum Glück gibt es ja den TigerExpress. Liefern frei Haus, schnell, nur nicht immer zuverlässig. Bei Nichtgefallen auch egal, das Gedärm sollte bis dahin schon das Parkett zieren. Blöd nur, dass die bestellte Schwarzmarktkatze nie ankam. Stattdessen macht sie es sich nun im Buschwerk einem unbedeutenden amerikanischen Städtchens gemütlich ...

Rauchen tötet. Das predigen militante Gesundheitsapostel schon seit Jahr und Tag. Wenn nicht das gefürchtete Raucherbein zuschlägt sind meist ausgebrochene Tiger daran schuld, die selbiges ausreißen. Denn Herr LKW-Fahrer übersah beim Ausdrücken der Fluppe ein Balg, das mitten in der Nacht auf der Straße stand. Einen Abstecher in den Graben später hat sich der geladene Tiger bereits befreit und bestraft im Auftrag des Gesundheitsministeriums erstmal den verantwortungslosen Raucher. Hungrig muss das Kätzchen auch danach nicht bleiben, scheint es doch gängig zu sein, in einem dichten, abgelegenen, einsamen und unwirtlichen Wald zu joggen, wohnen oder lustzuwandeln. In kürzester Zeit also nascht sich der gestreifte Ninja durch die Creme de la Creme der Namenlosigkeit.

Es kommt, wie es kommen muss. Tatsächlich interessiert sich jemand für die Toten und es werden entsprechende Maßnahmen ergriffen. Also Presse einschalten, Bürgermeister ärgern, Armee rufen und sinnlose Verbote aussprechen. Der beinharte Ortssheriff weiß also, was zu tun ist. Nebenher stolpert er immer mal wieder über abgetrennte Unterschenkel und wundert sich, warum keiner auf ihn hört und immer mehr Menschen entbeint werden. Und als wäre das nicht schon nervenzerreißend genug, mischen auch noch das nervigste Gör seit Justin Bieber und das Christenpendant zu Pierre Vogel mit. Zudem wird noch ein britischer Tigerjäger mit indischen Wurzeln in den Wald geworfen. So lasset die Jagd beginnen!

Tierhorror à la Carte serviert uns Maneater. Problematisch nur, dass hier die Speisekarte von Guantanamo-Bay vorliegt, auf dem leider nur Bein steht. Bekannte Darsteller sucht man hier vergebens. Nicht weiter verwunderlich bei einer Low-Budget Produktion. Sympathische Charaktere waren aber leider auch aus. Allein der bescheuerte Junge, der für den Unfall des LKWs verantwortlich ist und zu allem Übel auch noch den Rest des Films vorkommt, macht den Zuschauer zu einem Freizeit-Kinderhasser. Seine Mutter ist kein Stück besser. Religiös bis ins Gebein, dass sogar Obermufti Chamenei noch lasterhaft wirkt. Der hölzerne, desinteressierte Sheriff kann auch nur grimmig schauen und den Kopf schütteln. Der netteste Charakter ist der Tiger. Goldiger Blick, zahmes Verhalten und puscheliger Schwanz. Klasse, Schuss volles Rohr nach hinten losgegangen. Wie kann es denn sein, dass man lieber den Tiger streicheln, als mit den Menschen sprechen würde?

Inhaltlich wird auch nicht viel abgerissen. Eintönig, voraussehbar und langweilig wird die 08/15 Story uninspiriert runtergenudelt. Mit dem Jungen und seiner Mutter wird versucht, einen mysteriösen Aspekt in dieses fade Trauerspiel zu bringen, was aber ab der zweiten Hälfte vollkommen versandet und auch nie aufgeklärt wird. Tiger-Action gibt’s eigentlich auch nie zu sehen. Einziger Hinweis auf sein Zuschlagen sind eigentlich immer nur Beine, ausschließlich Beine. Bein-nahe könnte man darüber sich ins Bein... äh Fäustchen lachen. Bengalische Tiger müssen etwas gegen Käsefüße haben, anders kann ich mir diesen Ausschuss nicht erklären. Zudem scheinen sie auch professionelle Ninjas zu sein: kein Rascheln im Unterholz, trotz 200 Kilo Muskeln, kein Knurren beim Angriff und beim allerersten Biss absolut tödlich. So bekommt nicht mal der Nebenmann mit, dass gerade sein Kollege zerfleischt und weggeschleift wird. Wahnsinn, diese Lautlosigkeit! Erst ganz zum Schluss sieht man ein einziges Mal das Vieh wirklich etwas anderes tun, als durch den Wald zu streifen. Viel zu spät, viel zu öde. Logiklücken dürfen natürlich auch nicht fehlen. Oder wie erklärt es sich, dass eine zuvor aufgebrochene Holztür den Muskelberg zuverlässiger zurückhält, als ein verschlossener Stahlkäfig?

Bildergalerie von Maneater (6 Bilder)

Desweiteren bleibt eigentlich nicht viel Gutes zu berichten, außer dem adäquaten Requisiteneinsatz bei der Darstellung abgetrennter Beine. Diese sehen überzeugend aus, nur hätten sie in bewegenden Abläufen zum Einsatz kommen sollen. Technisch hat man sich aber kein Bein ausgerissen. Das Bild wirkt seltsam unnatürlich, da viel zu bunt und teilweise verrauscht. Somit einer Blu-Ray unwürdig. Der Ton wirkt seltsam entbeint, da nicht knackig. Zudem, wie in dieser Budget-Klasse üblich, ist die deutsche Synchro nicht wirklich prall. Nur ist das Englische auch kaum besser und daher egal, in welcher Sprache man lauscht. Und Extras sucht man natürlich ebenfalls vergebens, egal was einem die Hülle vorzulügen versucht.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Da schüttelts mir Mark und Bein. Na gut, genug Wortspiele, aber man hätte echt noch weitere Körperteile auf einen Waldboden werfen können. Maneater ist Tierhorror ohne Tier und Horror. Bis man mehr als Indizienbeweise auf seine wirkliche Anwesenheit bekommt, vergeht über eine Stunde. Und die Zeit bis dahin ist nicht wirklich interessant gefüllt: Lahme Dialoge, nervige Charaktere und mittelmiese Schauspieler langweilen bis zum unspektakulären Endfight. Dieser vollkommen bescheuerte Mystery-Einwurf mit dem Jungen, der immer wieder Tiger sieht, wo gar keine sind und schlafwandelt, wirkt total Fehl am Platz, was auch scheinbar die Macher erkannt haben. Der Ansatz wurde einfach irgendwann weggelassen, darauf hoffend, dass der Zuschauer eh schon zu müde ist, um danach zu fragen. Gore gibt’s kaum. Wie auch, es liegen ja nur Beine rum, ausgerissen werden sie nie. Tiger Woods geht aggressiver zu Werke.


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